Zurück 01 Dec 2021 · 6 min lesezeit
von Volker Budinger

Eine der häufigsten Krankheiten und eine der am meisten unterschätzten – depressive Erkrankungen betreffen international fast jeden fünften Menschen im Laufe seines Lebens. Glücklicherweise ist eine Depression heilbar. Die Heilungschancen stehen recht gut.

Depression ist heilbar – du musst dich nicht „in dein Schicksal fügen“, wenn du von einer depressiven Erkrankung betroffen bist. Allerdings gibt es eine Reihe von Faktoren, die eine vollständige Heilung erschweren können. Und es ist wichtig, so rasch wie möglich Hilfe anzunehmen. Wie gut die verschiedenen Formen depressiver Erkrankungen heilbar sind, wann sie nicht heilbar ist und was die Heilung eventuell erschwert, liest du hier.

Prognosen: Wie gut ist Depression heilbar?

Expert*innen sind sich einig: Depression ist heilbar. Studien haben gezeigt, dass depressive Erkrankungen grundsätzlich gut behandelbar und auch heilbar sind, wenn sie rechtzeitig erkannt werden und mit einer anerkannten Therapie behandelt werden.
In mehr als der Hälfte aller behandelten Fälle können die Betroffenen bereits nach rund sechs Wochen Behandlung als wieder gesund betrachtet werden. In einer Langzeitstudie wird dieser Wert für eine sogenannte „vollständig symptomfreie Remission“ für einen Zeitraum von sechs Monaten angegeben. Das heißt, nach spätestens sechs Monaten ist der Großteil der behandelten Patient*innen von einer depressiven Erkrankung wieder geheilt und hat keine Symptome einer Depression mehr.

Bei den übrigen Betroffenen dauert die Behandlung länger oder sie brauchen intensivere Therapiemaßnahmen, wie etwa mehrere Medikamente in Kombination oder eine tiefergehende Psychotherapie.

Vollständig therapieresistent sind nur rund fünf bis zehn Prozent der Patient*innen mit einer depressiven Erkrankung. Hält die depressive Episode bei ihnen ohne zwischenzeitliche Besserung mehr als zwei Jahre an, spricht man von einer chronischen Depression.

Eine Gefahr der Depression ist außerdem, dass sie nach einer Phase vollkommen ohne Symptome wiederkehren kann. Das ist, statistisch gesehen, bei rund der Hälfte aller Betroffenen der Fall. Mit jeder weiteren durchlebten depressiven Episode wächst auch das Risiko, dass du erneut an einer Depression erkrankst. Deswegen ist es so wichtig, dass du dich an die Behandlung hältst, die dein*e Arzt*Ärztin mit dir besprochen hat. Du darfst zum Beispiel auf keinen Fall Medikamente eigenständig absetzen.

Arten: Wie gut sind verschiedene Formen von Depression heilbar?

Die depressiven Erkrankungen umfassen einige Sonderfälle. Die sogenannte unipolare Depression, auch schwere oder „Major Depression“, gilt als gut therapierbar. Etwas veraltet gibt es auch den Begriff „endogene Depression“ dafür, wenn es scheinbar keine äußeren Ursachen gibt. Abgesehen davon, dass das meistens nicht wirklich stimmt, ist eine endogene Depression heilbar.

Handelt es sich um wiederkehrende Depressionen, spricht man auch von einer rezidivierenden depressiven Störung. Ist eine rezidivierende depressive Störung heilbar? – Grundsätzlich ja, nach jeder depressiven Episode lässt sich mit entsprechender Behandlung wieder ein gesunder Zustand erreichen. Allerdings steigt mit jeder neuen Episode die Gefahr, dass du in Zukunft eine weitere erleiden kannst – was es so wichtig macht, einem Rückfall entsprechend vorzubeugen.

Expert*innen sagen, dass auch die Kombination Depression und Angststörung heilbar ist. Oft treten Ängste auch als Symptome einer Depression auf und bilden sich zurück, wenn du die Depression in den Griff bekommst.

Ebenso ist eine psychotische Depression heilbar, die bei einer Kombination einer Depression mit Angststörungen häufig auftritt. Dann kommen zu den Symptomen der allgemeinen Niedergeschlagenheit unter anderem Wahnvorstellungen hinzu. Frühzeitige richtige Diagnose und die Behandlung aller Störungen sind dabei wichtig – auch sind die Heilungschancen etwas geringer als bei der „einfachen“ Depression. Bei psychotischen Depressionen ist das Rückfallrisiko ebenfalls größer und eine entsprechende Vorsorge notwendig.

Als eine weitere Sonderform ist laut Expert*innen auch eine agitierte Depression heilbar. Bei dieser Form überspielt Aktionismus und Getriebenheit die eigentlichen Depressions-Symptome, wie etwa eine gedrückte Stimmung. Abgesehen davon, dass eine Diagnose der depressiven Erkrankung bei dieser Form schwieriger ist, lässt sie sich durch Medikamente und Psychotherapie ebenfalls gut behandeln.

Ausnahmen: Wann ist Depression nicht heilbar?

Es gibt einige Fälle, in denen Depression nicht vollständig heilbar ist. Wenn Depression nicht heilbar ist, jedenfalls nicht in dem Sinne einer einhundertprozentigen Genesung ohne Rückfallgefahr, heißt das aber nicht, dass du etwa als möglicher Betroffener nicht trotzdem ein gutes Leben führen kannst.

So sagen Expert*innen etwa nur bedingt, dass manische Depression heilbar sei. Sie gehört zu den bipolaren Störungen, bei denen man davon ausgeht, dass sie ein Leben lang bestehen bleiben. Allerdings lassen auch diese sich mit Medikamenten und Psychotherapie zumindest so weit in den Griff bekommen, dass ein relativ normales Leben möglich ist. Betroffene müssen aber meistens dauerhaft Medikamente nehmen. Sie betrifft nur rund ein Prozent aller Menschen mit depressiven Erkrankungen.

Ist eine chronische Depression heilbar? Diese Form, von der man spricht, wenn eine depressive Episode ohne Besserung mehr als zwei Jahre besteht, ist nur schwer zu therapieren, ein Teil der Betroffenen ist gegen die meisten Formen von Therapie resistent. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass eine chronische Depression heilbar ist – verschiedene Formen von Psychotherapie und Psychopharmaka können auch hier Besserungen erzielen. Bei rund 15 bis 25 Prozent aller von einer depressiven Erkrankung Betroffenen wird die Depression chronisch.

Erschwernisse: Welche Faktoren machen eine Heilung schwieriger?

Ärzte*Ärztinnen versuchen neben den Symptomen auch immer noch einige weitere Faktoren zu erfragen – diese Gespräche nennen sich Anamnese. Denn es gibt einige Faktoren, die die Heilung einer Depression erschweren können. Dazu zählen etwa:

  • andere psychische Störungen wie 
  • Substanzmissbrauch (Betäubungsmittel, Arzneimittel)
  • Alkoholmissbrauch
  • verschiedene chronische Erkrankungen

Außerdem wird die Prognose für eine Heilung schlechter, abhängig von persönlichen und sozialen Faktoren:

  • Für Frauen ist es schwieriger als für Männer.
  • Singles haben etwas schlechtere Chancen als Menschen in einer Partnerschaft.
  • Junge Ersterkrankte habe eine schlechtere Prognose als ältere.
  • Wenn du kein gutes soziales Netz hast, ist es schwieriger für dich.

Für die Rückfallwahrscheinlichkeit gilt der gleiche Zusammenhang nur umgekehrt. Sie ist jeweils größer.

Arzneimittel: Ist Depression heilbar ohne Medikamente?

Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Antidepressiva, die in verschiedener Weise bei der Therapie einer Depression eingesetzt werden können. Du kannst in Absprache mit deinem*deiner Arzt*Ärztin aber besonders bei milderen Formen einer Depression auch ohne Medikamente therapiert werden. Sprich dazu mit deinem*deiner Arzt*Ärztin oder deinem*deiner Psychotherapeut*in. Sie werden dir eine individuell auf dich zugeschnittenen Therapie empfehlen können.

Wenn du unter einer Depression leidest, kann der Online-Kurs von Selfapy ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Unser Fragebogen gibt dir eine erste Einschätzung, ob die Kurse für dich in Frage kommen. 

Außerdem kannst du einen Termin für ein kostenfreies Infogespräch mit unseren Psycholog:innen vereinbaren.

Online-Kurse wie bei uns von Selfapy sind für leichtere Formen von Depressionen und Angststörungen ebenfalls medikamentenfreie Therapieformen, die dir von deinen behandelnden Mediziner*innen verschrieben werden können. Sie werden in der Regel begleitend zu einer normalen Therapie eingesetzt.

Hilfe: Kann ich mir mit Ratgebern selber helfen?

Es gibt eine ganze Reihe von Ratgebern im Stile eines „Depression ist heilbar“-Buchs mit recht unterschiedlichen Ansätzen. Viele davon enthalten nützliche Tipps zum Umgang mit Depressionen bei dir selbst oder deinen Angehörigen oder Ratschläge zu Konzentrations- oder Achtsamkeitsübungen.

Ob ein Ratgeber-Buch gut und hilfreich ist, kann dir am besten dein*e Arzt*Ärztin oder Psychotherapeut*in beantworten. Die Hinweise können bei einer Therapie helfen. Du solltest aber keinesfalls ausschließlich solch eine Selbsthilfe versuchen, sondern dich immer unbedingt an eine*n Ärztin*Arzt wenden.

Ein Artikel von

Volker Budinger Medizinredakteur

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Quellenangaben

  1. American Psychiatric Association (2015). Practice guideline for the treatment of patients with major depressive disorder. https://www.guidelinecentral.com/summaries/practice-guideline-for-the-treatment-of-patients-with-major-depressive-disorder-third-edition/#section-society 
  2. Bschor et al. (2014). Chronische und therapieresistente Depression — Diagnostik und Stufentherapie. Deutsches Ärzteblatt. https://www.aerzteblatt.de/archiv/163371/Chronische-und-therapieresistente-Depression-Diagnostik-und-Stufentherapie
  3. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde et al. (2015, 16. November): Unipolare Depression - Nationale VersorgungsLeitlinie. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-005l_S3_Unipolare_Depression_2017-05.pdf 
  4. neurologen-und-psychiater-im-netz.org (o. D.). Einteilung der Depression. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/depressionen/einteilung/
  5. McCullough Jr. et al (2003). Treatment for chronic depression using Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP). Journal of Clinical Psychology. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/jclp.10176
  6. Keller et al (1984). Long-term outcome of episodes of major depression. Clinical and public health significance. Journal of the American Medical Association. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/6748178/
  7. Keller et al (1992). Time to recovery, chronicity, and levels of psychopathology in major depression. A 5-year prospective follow-up of 431 subjects. Archives Of General Psychiatry. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1417434/
  8. Keller (1999). The long-term treatment of depression. Journal of Clinical Psychology. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10446742/
  9. Spijker et al (2002). Duration of major depressive episodes in the general population: results from the Netherlands Mental Health Survey and Incidence Study (NEMESIS). British Journal of Psychiatry. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12204924/

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