Zurück 01 Dec 2021 · 5 min lesezeit
von Nora Blum

Von einer psychotischen Depression spricht man, wenn im Verlauf einer depressiven Episode zusätzliche Symptome wie Wahnideen oder Halluzinationen auftreten. Eine Depression mit psychotischen Symptomen verläuft oft schwerer und dauert länger als eine Depression ohne psychotische Symptome.

Die Depression mit psychotischen Symptomen gehört zu den schweren Verlaufsformen der Depression. Neben den klassischen Symptomen einer depressiven Episode wie Antriebsarmut und gedrückte Stimmung kommen hier verschiedene psychotische Symptome hinzu. Meistens sind es Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, die im Zusammenhang mit dem depressiven Erleben stehen. Bei einer psychotischen Depression ist schnelles Handeln und in der Regel auch eine medikamentöse Therapie wichtig.

Was ist eine psychotische Depression?

Eine psychotische Depression ist eine spezielle Unterart der schweren depressiven Episode (Major Depression). Aufgrund der psychotischen Symptome ist es für dich wahrscheinlich unmöglich, einen normalen Alltag aufrechtzuerhalten. Zudem besteht die erhöhte Gefahr eines Suizids. Daher ist es bei einer Depression mit psychotischen Symptomen wichtig, dass du zu einer*einem Ärztin*Arzt gehst. Meistens sind eine stationäre Behandlung und eine medikamentöse Therapie notwendig.

Was ist eine Psychose?

Der Begriff „Psychose“ wird als eine Art Überbegriff für verschiedene psychische Erkrankungen benutzt, bei denen Halluzinationen oder Wahn zu den auffälligsten Krankheitsanzeichen gehören. Hierzu zählen vor allem die Schizophrenie sowie andere Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, bipolare Psychosen oder Psychosen im Kontext von schweren Depressionen.Die Kernsymptome einer Psychose werden grob in drei Kategorien eingeteilt:

Der Begriff „Psychose“ wird als eine Art Überbegriff für verschiedene psychische Erkrankungen benutzt, bei denen Halluzinationen oder Wahn zu den auffälligsten Krankheitsanzeichen gehören. Hierzu zählen vor allem die Schizophrenie sowie andere Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, bipolare Psychosen oder Psychosen im Kontext von schweren Depressionen.
Die Kernsymptome einer Psychose werden grob in drei Kategorien eingeteilt:

  • positive Symptome (Wahn, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen mit den jeweils dazugehörigen Einzelsymptomen)
  • negative Symptome, auch Negativsymptome genannt (etwa verminderter Antrieb, weniger Fähigkeit, Emotionen zu empfinden)
  • kognitive Symptome (zum Beispiel Denkstörungen)
  • positive Symptome (Wahn, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen mit den jeweils dazugehörigen Einzelsymptomen)
  • negative Symptome, auch Negativsymptome genannt (etwa verminderter Antrieb, weniger Fähigkeit, Emotionen zu empfinden)
  • kognitive Symptome (zum Beispiel Denkstörungen)

Psychotische Symptome bei Depression

Bei einer Psychose können das Denken, Fühlen und Handeln sowie das Empfinden zum eigenen Körper und der Kontakt zu anderen Menschen verändert sein. Wer an einer Psychose leidet, hat häufig Probleme zwischen der Wirklichkeit und den eigenen subjektiven Wahrnehmungen zu unterscheiden. Psychosen können sich auf verschiedene Weise äußern. Die auffälligsten Krankheitszeichen sind Wahn und Halluzinationen. Bei einer Depression kann es ebenfalls zu psychotischen Symptomen kommen.

Mögliche psychotische Symptome bei Depression sind:

  • Wahnvorstellungen 
  • Halluzinationen
  • psychomotorische Hemmung (Passivität, kaum Bewegung, es wird kaum gesprochen) 
  • Stupor (extrem verminderter Antrieb, keine oder nur sehr geringe Reaktion auf äußere Reize)

Wahnvorstellungen und Halluzinationen sind dabei die Hauptsymptome einer psychotischen Depression. Da jemand, der von einer Psychose betroffen ist, den Bezug zur Realität verliert, bekommt er selbst nicht oder nur selten mit, dass er krank ist. Wenn du also in einer depressiven Phase folgende Gedanken oder folgendes Erleben bei dir feststellst oder als Angehörige*r diese Anzeichen bemerkst, solltest du dich so schnell wie möglich an eine*n Ärzt*Arzt wenden.

Wahnvorstellungen

Der depressive Wahn ist das Kernsymptom einer psychotischen Depression. Wahnhaftes Erleben zeichnet sich dadurch aus, dass der Bezug zur Realität verloren geht. Die Wahnvorstellungen in einer Depression beziehen sich auf Schuld, Verarmung und Krankheit (Hypochondrie). So glauben Betroffene, dass sie für eine nahende Katastrophe verantwortlich sind. Beim Verarmungswahn steht der irrationale Glaube im Vordergrund, alles Geld zu verlieren. Auch religiöse Wahnvorstellungen können auftreten, zum Beispiel, dass man sich versündigt hat und nun dafür büßen muss. Die Hypochondrie wiederum lässt dich glauben, dass du an schlimmen, unheilbaren Krankheiten leidest.

Halluzinationen

Halluzinationen sind meist akustischer Natur. Sie treten seltener auf als Wahn. Häufig hören Menschen in einer Depression mit psychotischen Symptomen abwertende und diffamierende Stimmen, obwohl sie sich allein im Zimmer befinden. Diese Stimmen können dir zum Beispiel einflüstern, dass du wertlos bist und dass es sich nicht mehr lohnt zu leben.

Hilfe bei Suizidgedanken

Wahnvorstellungen und Halluzinationen können zu Suizidgedanken führen. Wenn du dich in einer akuten Krise befindest, wende dich bitte umgehend an deine behandelnden Ärzte*innen oder Psychotherapeut*innen, die nächste psychiatrische Klinik oder eine*n Notärztin*arzt unter der Telefonnummer 112.

Du erreichst die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter:
0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222
www.telefonseelsorge.de

Kinder
  • und Jugendtelefon
0800-111 0 333 (kostenfrei, Mo-Sa, 14:00
  • 20:00 Uhr)
www.nummergegenkummer.de

Psychotische Depression: Ursache

Von 100 Menschen erkranken ein bis zwei davon einmal im Leben an einer Psychose. Wer eine Psychose entwickelt, reagiert meistens sensibler und verletzlicher auf Zeiten von Stress und Belastung. Das können Umbruchphasen wie der Umzug in eine neue Stadt, der Beginn eines Studiums oder eines neuen Jobs, die Geburt eines Kindes oder der Verlust eines geliebten Menschen sein. Aber auch eine Depression kann zu einer Psychose führen.

Eine erhöhte Anfälligkeit (Vulnerabilität) für Psychosen entsteht unter anderem durch:

  • familiäre Vorbelastung 
  • traumatische Erlebnisse
  • Drogenkonsum 
  • frühkindliche Entwicklungsstörungen
  • Verletzungen oder Infektionen des Gehirns

Die schizoaffektive Psychose

Bei der schizoaffektiven Psychose mischen sich Symptome der schizophrenen (Wahn, Halluzinationen) und der affektiven Psychose (depressive, manische Zustände). Dabei erfüllen sie weder die Kriterien für Schizophrenie noch für eine Depression oder Manie. Es handelt sich also um eine spezielle Form.

Psychotische Depression: Heilbar?

Du fragst dich jetzt vermutlich: Ist eine psychotische Depression heilbar? Die Antwort lautet: Ja, zwar dauert es länger und das Rückfallrisiko ist höher, doch mit der richtigen Therapie kann auch eine Depression mit psychotischen Symptomen geheilt werden. Vor allem ist bei der Therapie rasches Handeln gefragt. Denn es handelt sich um eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen. Therapie bedeutet hier meistens: stationäre Aufnahme in eine Klinik sowie medikamentöse Behandlung, um die psychotischen Symptome und dann auch die Depression in den Griff zu bekommen.

Zu Beginn der Therapie werden deine psychotischen Symptome behandelt. Vor allem Medikamente können den Leidensdruck reduzieren und dich stabilisieren. Lassen die psychotischen Symptome nach, konzentriert sich die weitere Behandlung einerseits auf die Therapie der Depression. Andererseits lernst du, wie du Risikofaktoren erkennst, die eine neue Psychose auslösen können. In der Therapie erfährst du außerdem, wie du mit diesen Situationen umgehst, was dir hilft und wie du die ersten Anzeichen einer erneut auftretenden Depression und auch einer Psychose erkennst und gegensteuern kannst.

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Ein Artikel von

Nora Blum Gründerin und CEO · Psychologin

Quellenangaben

  1. Bürgy, M. (2017) Die Wahnhafte Depression. Diagnostik, Phänomenologie und Therapie. Zusammenfassung. Der Nervenarzt (Ausgabe 5/2017) https://www.springermedizin.de/akute-depressive-episode/psychopharmakotherapie/die-wahnhafte-depression/10304470
  2. DGPPN, BÄK, KBV, AWMF (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression* (2015). S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, (2. Aufl., Version 5). [eingesehen: 2021-11-08]. DOI: 10.6101/AZQ/000364. www.depression.versorgungsleitlinien.de 
  3. ICD-10-GM-2021. F.32.3 Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen [eingesehen: 2021-11-08] https://www.icd-code.de/icd/code/F32.-.html
  4. iFightDepression. European Alliance against Depression. (2021) Verlaufsformen einer Depression. https://ifightdepression.com/de/fuer-alle/verlaufsformen-einer-depression
  5. Klinik Friedenweiler. Klink für psychotische Depression (2021). Psychotische Depression. https://www.klinik-friedenweiler.de/behandlungsfelder/depression/psychotische-depression
  6. Müller-Röhrich, T. & Haas, K. & Margue, F & van den Broek, A. & Wagner, R. (Hrsg.) (2013). Schattendasein. Das unverstandene Leiden Depression. (2., überarbeitete Aufl.), Springer
  7. Neurologen und Psychiater im Netz (o. D.). Einteilung der Depression. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/depressionen/einteilung/
  8. Neurologen und Psychiater im Netz (o. D.). Psychosen - Krankheitsbild. https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/psychosen/krankheitsbild/
  9. Pitschel-Walz, G. (2003) Lebensfreude zurückgewinnen. Ratgeber für Menschen mit Depression und deren Angehörige. (1. Aufl.), Urban & Fischer
  10. Psychnet. Netz psychische Gesundheit (Mai 2021). Infomaterial – Psychosen. https://www.psychenet.de/images/Factsheets/FC-Psychosen_07052021.pdf

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