Zurück 21 Apr 2022 · 5 min lesezeit
von Julia Klinkusch

Eine Angststörung überwinden ist nicht einfach. Es gibt verschiedene Formen der Behandlung. Neben verschiedenen Therapien sind auch Medikamente bei Angststörung eine Option.

Eine Generalisierte Angststörung liegt dann vor, wenn übermäßige Angst und Besorgnis, die sich auf ganz alltägliche Ereignisse beziehen, länger als sechs Monate andauern. Zusätzlich sind verschiedene körperliche und psychische Symptome vorhanden. Positiv denken bei Angststörung? Das fällt den Betroffenen schwer, wenn es nicht gar ganz unmöglich ist. Eine individuell auf die Patient*innen abgestimmte Behandlung ist deshalb wichtig Hilfe bei Angststörung bekommen Betroffene bei Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen.

Angststörung: Behandlung und Tipps

Die Angststörung besiegen – ist das möglich? Ja, wenn sich Betroffene Hilfe holen. Nicht nur die Diagnose der Erkrankung ist eine Indikation für eine Behandlung. Auch ein sehr großer Leidensdruck, psychosoziale Einschränkungen oder Komplikationen der Angsterkrankung – wie etwa Suchterkrankungen – können eine Behandlung nötig machen. Ziele der Behandlung einer Angststörung sind grundsätzlich folgende:

  • Verbesserung der Lebensqualität
  • reduzieren von Vermeidungsverhalten
  • Angst-Symptome verringern
  • soziale Einschränkungen vermindern oder vermeiden
  • Wiederherstellung der beruflichen Leistungsfähigkeit
  • Besserung von Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit
  • reduzieren der Rückfallgefahr

Generalisierte Angststörung: Tipps für Betroffene

Viele Betroffene fragen sich: Ist die Angststörung heilbar? Ja, aber: Von allein verschwinden die Symptome nur selten. In einer Therapie lernen Betroffene, wie sie ihre Angst-Symptome erkennen und bekämpfen können. In manchen Situationen, beispielsweise bevor die Therapie beginnt, kannst du dir jedoch mit kleinen Tipps selbst helfen:

  • Viel bewegen: Körperliche Aktivität kann zur Entspannung beitragen und auf diesem Weg helfen, die Psyche zu stabilisieren. Das gilt insbesondere für Ausdauersportarten wie Radfahren, Nordic Walking, Laufen oder Schwimmen
  • Entspannungsübungen: Ebenso wie Sport sorgen klassische Entspannungsverfahren für mehr innere Ruhe. Ideal sind etwa Yoga, Meditation, Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Teilweise werden Kursteilnahmen sogar von den Krankenkassen übernommen.
  • Keine Vermeidungstaktik: Wenn es irgend möglich ist, solltest du keine Vermeidungstaktik anwenden. Natürlich ist es schwierig, dem Druck zu widerstehen, Orte und Auslöser der Angst zu vermeiden. In der Psychotherapie gehört es auch dazu, zu lernen, angstauslösende Situationen nicht zu meiden.

Angststörung bekämpfen: Hilfe durch Angehörige

Bei der Behandlung der Angststörung kann es sinnvoll sein, Angehörige mit ins Boot zu holen. Denn Verwandte oder nahe Freund:innen sind oftmals mitbetroffen. Falls du eine Angststörung hast, beziehst du deine Lieben wahrscheinlich in deine Sorgen ein. Oder aber die Sorgen beziehen sich direkt auf deine Angehörigen. In der Angst, dass diesen etwas zugestoßen sein könnte, rufst du deshalb Freund:innen und Verwandte häufiger als normal an – um dich zu versichern, dass alles in Ordnung ist.

Um die Angststörung zu überwinden, ist es deshalb gut, wenn auch Angehörige über die Krankheit informiert sind. Sie müssen wissen, warum gemeinsame Unternehmungen oder Reisen mitunter nicht mehr möglich sind. Das kann schnell zu Konflikten führen, vor allem wenn du mit Angehörigen oder Freund:innen direkt zusammenlebst. Deshalb sollten sich Angehörige überlegen, wie sie dich dabei unterstützen können, deine Angststörung zu bekämpfen. Dazu gehören folgende Punkte:

  • Verstehen, dass die Angststörung eine Krankheit ist. Wer sich als Angehöriger klarmacht, dass die Betroffenen sich weder wichtig machen wollen noch feige oder bequem sind, ist einen wichtigen Schritt weiter.
  • Angehörige mit Angststörung nicht immer beruhigen. Das wirkt kurzfristig, ist aber keine dauerhafte Hilfe. Langfristig bleiben die Sorgen erhalten.
  • Keine falschen Verhaltensmuster unterstützen. Wollen beispielsweise Betroffene mit Angststörung eine Situation vermeiden, können Angehörige dem sanft, aber vorsichtig entgegenwirken und so vielleicht auch die Motivation für eine Verhaltensänderung erhöhen.
  • Sich selbst schulen lassen. Angehörige, die sich zum Thema Angststörung weiterbilden, können besser mit der Erkrankung umgehen. So lassen sich Konflikte und Missverständnisse mit den Betroffenen vermeiden.
  • Bei der Therapie unterstützen. Angehörige können kranke Familienmitglieder dazu motivieren, sich einen Therapieplatz zu suchen. Auch wer die eigene Unterstützung versichert, hilft Angstpatienten.
  • Sich selbst Hilfe suchen. Das Zusammenleben mit Angstpatienten kann sehr schwierig sein. Für Angehörige ist es belastend und anstrengend. Umso wichtiger ist es, dass sie an ihre eigene Gesundheit denken. Hilfe gibt es beispielsweise bei Selbsthilfegruppen für Angehörige.

Behandlung der Angststörung: die Verhaltenstherapie

Grundsätzlich sollten bei der Wahl der Angststörung-Therapie auch immer die Wünsche und Möglichkeiten des Patienten berücksichtigt werden. Zu den bewährten Therapien bei Generalisierter Angststörung gehört die Kognitive Verhaltenstherapie. Auch eine Psychodynamische Therapie ist möglich. 

Ziel der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) ist es, Fertigkeiten zu entwickeln, um die angstauslösenden Gedanken selbstständig zu erkennen, zu unterbinden und zu korrigieren. In der Folge soll es möglich sein, sich angstauslösenden Situationen besser stellen zu können. Darüber hinaus gehören zur KVT auch Konfrontationstechniken, bei denen die Betroffenen direkt mit den Inhalten ihrer Sorgen und Ängste konfrontiert werden. Die Wirksamkeit der Kognitiven Verhaltenstherapie bei Angststörung wurde bereits Ende der 1980er-Jahre wissenschaftlich erkannt und inzwischen in zahlreichen Studien nachgewiesen.

Bei der Psychodynamischen Therapie wird davon ausgegangen, dass die Ängste auf ungelösten Konflikten basieren. In der Therapie geht es deshalb darum, diese Konflikte aufzuarbeiten. Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert oft mehrere Jahre.

Angststörung: Medikamente  – ja oder nein?

Eine Ergänzung oder Alternative zur Kognitiven Verhaltenstherapie sind Medikamente gegen Angststörung. Auch die medikamentöse Therapie ist durch zahlreiche Studien belegt. Eingesetzt werden in den meisten Fällen sogenannte Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, zum Beispiel Escitalopram) oder Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI, etwa Venlafaxin) bei Generalisierter Angststörung. Medikamente dieser Art können vor allem in der Anfangszeit mit dem Auftreten von Nebenwirkungen verbunden sein. Daher ist es wichtig, dass du vom Arzt sowohl darüber als auch über den späten Wirkeintritt von mehreren Wochen aufgeklärt wirst – damit du verstehst, dass es nichts zu sagen hat, wenn deine Ängste nicht sofort verschwinden.

Angststörung selbst behandeln – ist das möglich?

Was ist noch möglich bei Generalisierter Angststörung? Selbsthilfe ist eine weitere Möglichkeit – aber ohne Medikamente. Angststörung medikamentös selbst behandeln, ist keine Option. Eine bessere Alternative ist beispielsweise die Online-Therapie. Angststörungen lassen sich mit speziellen Programmen (beispielsweise Selfapy) individuell abgestimmt behandeln. Neuere Studien haben gezeigt, dass eine über das Internet bereitgestellte Kognitive Verhaltenstherapie mit therapeutischer Unterstützung die Symptome und Probleme im Zusammenhang mit einer Generalisierten Angststörung reduzieren kann.

Angststörung: arbeitsunfähig – und wenn ja, wie lange?

Angststörungen und Panikattacken können dafür sorgen, dass du arbeitsunfähig wirst. Knapp ein Fünftel aller Krankschreibungen deutschlandweit geht auf psychische Erkrankungen zurück – das gilt auch für die Angststörung. Wie lange man krankgeschrieben wird, hängt auch von den Ursachen der Erkrankung ab. Bei einer echten Angst vor dem Arbeitsplatz, einer Arbeitsplatzphobie, wird die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich länger dauern als bei Angststörungen anderer Ursache. Wichtig ist immer, dass du und dein:e Arzt:Ärztin bei der Behandlung die Ursachen der Angststörung angehen.

Ein Artikel von

Julia Klinkusch Medizinredakteurin

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Quellenangaben

  1. Bandelow, B. et al. (2013): Generalisierte Angststörung. Diagnostik und Therapie. Ärzteblatt.de https://www.aerzteblatt.de/archiv/137451/Generalisierte-Angststoerung
  2. Bandelow, B. et al. (2014, 15. April): S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-028l_S3_Angstst%C3%B6rungen_2014-05_1.pdf
  3. Dugas, M. J. et al. (2010): A randomized clinical trial of cognitive-behavioral therapy and applied relaxation for adults with generalized anxiety disorder. Behavior Therapy. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20171327/
  4. Kasper, S. et al. (2009): Efficacy of pregabalin and venlafaxine-XR in generalized anxiety disorder: results of a double-blind, placebo-controlled 8-week trial. International Clinical Psychopharmacology. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21456104/
  5. Lindsay, W. R. et al. (1987): A controlled trial of treatments for generalized anxiety. British Journal of Clinical Psychology. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3828594/
  6. Paxling, B. et al. (2011): Guided internet-delivered cognitive behavior therapy for generalized anxiety disorder: a randomized controlled trial. Cognitive behavioral therapy. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21770848/

Bandelow, B., Boerner, R. J., Kasper, S., Linden, M., Wittchen, J.-U., Möller, H.-J. (2013). Generalisierte Angststörung – Diagnostik und Therapie. Deutsches Ärzteblatt.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/137451

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