Zurück 17 Nov 2022 · 11 min lesezeit
von Luisa Lehmann

Unangenehme Gefühle jeder Art kommen leider mehrmals in unser aller Leben vor und gehören dazu. Auch der Gedanke, sozial isoliert zu sein, geht oft mit unangenehmen Gefühlen einher.
Wie leidvoll das Gefühl ist, hängt stark davon ab, ob Soziale Isolation als reine Abwesenheit von sozialen Kontakten oder als Mangel an sozialen Beziehungen empfunden wird.
Was das Eine oder das Andere ausmacht und wie du dem Gefühl entgegenwirken kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Ob Selfapy dir dabei helfen kann, dein Empfinden von sozialer Isolation zu verstehen und zu überwinden, kannst du in diesem Test herausfinden:

Wir Menschen sind soziale Wesen. Unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht und anderen Faktoren brauchen wir das Gefühl von Verbundenheit mit anderen Menschen und der Welt um uns herum. Dieses Gefühl der sozialen Verbundenheit vermittelt uns, dass wir nicht allein sind, über Unterstützung und Ressourcen für unser Leben verfügen. Das Gegenteil von sozialer Eingebundenheit ist Soziale Isolation und oft ein sehr unangenehmes Gefühl. 

Was ist soziale Isolation?

Soziale Isolation ist ein Zustand, in dem wir nicht über soziale Kontakte verfügen. Wie man ihn bewertet, führt zu einer bestimmten Empfindung des Zustands. Soziale Isolation kann als “Alleinsein” oder als “Einsamkeit” bewertet werden. Je nach Bewertung gehen mit dem Zustand angenehme oder unangenehme Gefühle einher. Per se ist soziale Isolation also nichts Schlechtes. Es kommt darauf an, wie man es empfindet.

Soziale Isolation = Alleinsein?

Soziale Isolation im Sinne von Alleinsein kann sogar etwas sehr angenehmes sein. Man kann sich auch freiwillig in soziale Isolation begeben, um aktiv allein zu sein und sich dadurch mit sich selbst in Kontakt zu fühlen und in sich zu gehen. Bei diesem Gefühl genießt man es, sich nah zu sein, nur auf sich selbst zu hören und zu achten und ganz nach der eigenen Intuition zu handeln.

Soziale Isolation = Einsamkeit?  

Und dann gibt es noch die Bewertung der eigenen Situation, nicht sozial eingebunden zu sein oder sich nicht mit anderen verbunden zu fühlen, obwohl man objektiv sagen könnte, dass die Person über soziale Kontakte verfügt. Oder aber alleine zu sein und das als Mangel zu bewerten und unangenehm zu empfinden.


Diese zweite Art der sozialen Isolation ist auch als Einsamkeit zu verstehen. Fühlt man sich einsam, mangelt es einem an sozialer Eingebundenheit, dem Gefühl von Verbundenheit und dadurch dem Empfinden von Sicherheit. Man leidet darunter, dass die Anzahl und die Intensität der sozialen Kontakte persönlich nicht ausreichen, um sich genug auszutauschen, sich gesehen und verstanden zu fühlen.


Manchmal passiert es also, dass man sich einsam fühlt, obwohl man objektiv über ausreichend soziale Kontakte verfügt - eine unangenehme soziale Isolation. Auf der anderen Seite kann man glücklich sein, obwohl man objektiv über nicht viele soziale Kontakte verfügt - eine angenehme Form der sozialen Isolation. 

Ursachen und Folgen vom Gedanken, sozial isoliert zu sein

Ursachen für soziale Isolation

Je nachdem, in welcher Altersgruppe oder Lebenssituation man sich befindet und welches Bedürfnis man nach Sozialem hat, unterscheidet sich die “normale” Anzahl sozialer Kontakte im Leben eines Menschen. Es gibt ein paar Risikofaktoren, die Ursachen für soziale Isolation sein könnten. 

  • Alter: Mobilitätsverlust

Mit steigendem Alter steigen auch einige Einschränkungen. Aufgrund von körperlichen Beschwerden sinkt die Mobilität von Personen und die Anzahl sozialer Kontakte. Sei es aufgrund des Sterbens von Bekannten und Freund:innen oder der Unfähigkeit zu arbeiten, sich sozial zu engagieren oder Hobbies nachzugehen. Diese objektive soziale Isolation geht oft mit Gefühlen der Einsamkeit einher. Viele Menschen entwickeln deshalb erst im Alter eine Depression. Die  Altersdepression betrifft immer mehr Senioren unserer Gesellschaft. 

  • Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Schwierigkeiten 

Leider steigen und sinken mit den finanziellen Möglichkeiten auch die Möglichkeiten, am sozialen und öffentlichen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Ohne die finanziellen Mittel ist es schwer, Freizeitaktivitäten und Hobbies nachzugehen, bei denen man mit Freund:innen und Bekannten in Kontakt ist.Außerdem ist Arbeitslosigkeit leider auch ein stigmatisierter Zustand, für den sich viele schämen und wodurch das subjektive Empfinden von Isolation und Einsamkeit neben erwerbstätigen Bekannten bestärkt wird.

  • Gesundheitliche Probleme und chronische Krankheiten 

Ähnlich wie bei älteren Menschen führen auch gesundheitliche Probleme zu sozialer Isolation. In manchen Fällen verhindert die körperliche Einschränkung schlichtweg die Möglichkeit, sich aus der Isolation zu fliehen und soziale Kontakte zu pflegen. Das starke Empfinden von Schmerzen kann zusätzlich dazu führen, dass man sich nicht energiegeladen fühlt, die Stimmung sinkt und man sich einsam fühlt.

  • Häusliche Gewalt und gewaltvolle Beziehungen

Das subjektive Empfinden von sozialer Isolation kann auch bestehen, wenn man in einer Partnerschaft ist. Vor allem, wenn Beziehungen von Gewalterfahrungen geprägt sind. Sich einsam zu fühlen, obwohl der Partner direkt neben einem ist, kann ein besonders bedrückendes Gefühl sein. In häuslicher Gewalt werden die psychischen und körperlichen Grenzen des Partners/ der Partnerin überschritten. Betroffene fühlen sich nicht verbunden und gesehen, sondern gedemütigt und allein gelassen. 

  • psychische Belastungen

Verschiedene psychische Belastungen können dazu führen, dass man sich sozial isoliert und/ oder einsam fühlt. Bei manchen psychischen Erkrankungen, wie z.B. einer Sozialen Phobie oder einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung suchen Betroffene die soziale Isolation, weil sie sich alleine besser fühlen als in Gemeinschaft. Sie haben eine große Angst vor Bewertung und Abwertung und meiden deshalb soziale Kontakte. Bei anderen psychischen Erkrankungen wie einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Betroffene oft nicht objektiv sozial isoliert, doch fühlen starke Gefühle der Einsamkeit, des Verlassenseins und des Verlustes. Auch Depressionen, die oft mit einem negativen Selbstbild verbunden sind, können dazu führen, dass Betroffene sich sozial isolieren, weil sie keinen Antrieb für Aktivitäten haben, bei denen sie Freund*innen treffen könnten oder so stark in negativen Gedankenschleifen verharren, dass sie sich nicht auf andere einlassen können.  Einsamkeit und Gefühle innerer Leere sind oft Folge psychischer Belastungen. Kennst du diese Gefühle? Ob du an einer Depression leiden könntest, kannst du in einem Depressions-Fragebogen in ein paar Minuten herausfinden.

Oft stehen die genannten Faktoren auch in einer Wechselbeziehung miteinander und können sich gegenseitig verstärken.  

Soziale Isolation: negative Folgen

Die wichtigste Folge sozialer Isolation ist genau genommen ein Aspekt von ihr: Einsamkeit. Denn erst mit der Einsamkeit wird soziale Isolation unangenehm.


Wie vorhin schon angemerkt, unterscheidet sich nach Alter, Lebensphase und sozialem Bedürfnis die “normale” Anzahl sozialer Beziehungen. Wenn diese “normale” Anzahl sozialer Kontakte unterschritten wird, kann es einen psychischen Krankheitswert haben oder zur Folge haben. Die wichtigste negative Konsequenz von Einsamkeit ist Stress. Wir Menschen sind als soziale Wesen auf soziale Eingebundenheit angewiesen. Sind wir sozial isoliert, folgt eine Stressreaktion. Dieser Stress kann sich auf psychischer, physischer und psychosomatischer Ebene manifestieren. 


Um das Maß an Einsamkeit zu messen, haben Forscher*innen der Universität UCLA eine Einsamkeitsskala entwickelt, an der abgelesen werden kann, wie belastet man durch die subjektiv empfundene soziale Isolation ist. Ansehen und ausprobieren könnt ihr sie hier.

Totale Sozialisolation 

Damit es so weit kommt, dass man sich komplett, total sozial isoliert, hat man sich wahrscheinlich schon vorher in starkem Maß zurückgezogen. Aus der Angst vor Sozialen Situatonen und sozialer Abwertung,, die mit der Vermeidung von Kontakten zusammenhängt, verfestigt sich die soziale Isolation noch mehr. Das wäre ein typischer Fall für Menschen mit einer sozialen Phobie oder einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung. Vermeidet man soziale Zusammenkünfte aus Angst, verfestigt man die Angst davor nur. Eine Negativspirale, die nur durchbrochen wird, indem man sich der Angst stellt und soziale Begegnungen initiiert.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen

Depressionen können sowohl Ursache als auch Folge von sozialer Isolation sein. Als Folge von sozialer Isolation können sie auftreten, wenn die isolation ungewollt ist wie z.B. bei 

  • körperlichen Beeinträchtigungen 
  • finanziellen Problemen 
  • dem Umzug in eine neue Stadt 
  • der Migration in ein anderes Land 

Depressionen sind meist gekennzeichnet durch Antriebs- und Hoffnungslosigkeit, Interessenverlust sowie negativen Gedanken und negativem Selbstbild. Das sind Symptome, die entstehen können, wenn man nicht sozial eingebunden ist, die Möglichkeit zum Austausch hat und nie das Gefühl bekommt, verstanden zu werden.

Was uns Corona über soziale Isolation gelehrt hat

Obwohl die meisten von uns den Begriff “Soziale Isolation” schon lange kennen, ist er seit der Corona-Pandemie, und den sozialen und körperlichen Einschränkungen, die damit einhergingen, viel geläufiger. Wir wurden immer wieder darauf hingewiesen, dass wir von körperlicher Distanz sprechen sollten und nicht von sozialer Distanz. Denn das ist ein besonderer Unterschied


Obwohl wir uns körperlich distanzieren sollten, war es vor allem in dieser Zeit wichtig, dass wir uns nicht sozial voneinander distanzierten
Eben aus der Begründung heraus, dass wir viel Stärke und Kraft aus dem Gefühl sozialer Verbundenheit schöpfen. Vor allem in der unsicheren Zeit einer Pandemie ist sozialer Zusammenhalt eine wichtige Ressource! 

Wie du dich nicht mehr sozial isoliert fühlst

So wie Soziale Isolation auf unterschiedlichen Ebenen wahrgenommen wird, unterscheiden sich die Methoden, das Gefühl zu überwinden. 

Um die objektive soziale Isolation zu überwinden können folgende Tipps helfen: 

  • Ein Ehrenamt übernehmen

Ein Ehrenamt ist eine wunderbare Maßnahme, um Bedürftigen zu helfen, das Gefühl zu haben, selbst etwas bewirken zu können und natürlich anderen Menschen zu begegnen. Die gemeinsame Arbeit an einem Projekt stellt manchmal eine starke Verbindung her - manchmal sogar stärker, als wenn man sich bloß unterhalten würde. 

  • sich in (Sport-) Vereinen anmelden und engagieren

Vereine sind meistens ein sehr lebendiger Ort. Hier kommen Menschen zusammen, die Interessen teilen und sich gemeinsam engagieren, um einen Ort, den sie selber nutzen, besser zu gestalten. Auf welche Weise auch immer. Hier kommen Teamgeist, Kreativität und Aktivität zusammen. Das sind gute Mittel, die Gefühle von sozialer Isoliertheit verschwinden zu lassen.

  • Hilfsangebote für Senior*innen wahrnehmen

Senior*innen haben es oft schwer, die oben genannten Angebote wahrzunehmen. Aber auch für sie gibt es spezielle Vereine und Initiativen, um der Einsamkeit zu entfliehen. Die meisten wissen das nur nicht. Um sich weniger einsam zu fühlen, oder auch um Tipps für Aktivitätsmöglichkeiten für Ältere zu erfahren, gibt es das Silbernetz- Ein Hilfs- und Kontaktangebot für ältere Menschen in Deutschland. Senior*innen können hier anonym eine persönliche Verbindung aufbauen und werden zu Angeboten in der unmittelbaren Umgebung vernetzt.

Die kostenfreie Rufnummer 0800 4 70 80 90 des Silbertelefons ist  für Anrufer*innen aus ganz Deutschland erreichbar, vorerst von 08:00 bis 22:00 Uhr.
  • Soziale Kontakte pflegen 

Manchmal sind die sozialen Kontakte schon da, nur erkennt man das nicht. Alte Freundschaften, die aus dem Blick geraten sind, sind nicht von der Welt. Oft kann es sich lohnen, alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen und der sozialen Isolation zu entfliehen.

Um die inneren Gefühle der sozialen Isolation bzw. Einsamkeit zu bekämpfen, helfen (zusätzlich) andere Methoden:

  • Meditation und Achtsamkeitsverfahren

Wenn die soziale Isolation sich nach Einsamkeit anfühlt, ist es eine gute Idee, mit dem Blick nach Innen anzufangen. Alleinsein bedeutet nicht Einsamkeit. Alleinsein kann sich wundervoll anfühlen, wenn man Zeit mit sich selbst liebt und genießt. Meditation ist ein wirkungsvolles Mittel, eine gute Verbindung zu sich selbst aufzubauen und zu innerlicher Ruhe zu finden.


Auch andere Achtsamkeitsverfahren können dabei helfen, den Blick für die Welt zu öffnen und neugierig wahrzunehmen.

Durch Verfahren wie Achtsamkeitsspaziergänge wird die Konzentration und die Verbindung zur Welt um sich herum gestärkt. Bei einem solchen Spaziergang probiert man mit möglichst vielen Sinnen möglichst viel wahrzunehmen. Ganz ohne Bewertung und Hinterfragen. Ganz nach dem Motto: Sinne An, Kopf Aus!

  • Sportliche Aktivität

Sport ist nicht nur ein gutes Mittel gegen soziale Isolation, weil man dadurch neue Bekanntschaften schließen kann, sondern auch, weil es die Serotonin-Produktion anregt.Das Glückshormon lässt uns gut fühlen und Gefühle des Alleinseins nicht so schwer werden lassen. Durch Sport spüren wir uns selbst mehr und damit uns mehr mit uns verbunden und nicht einsam.

  • Die eigenen Sorgen mitteilen 

Man kann sich einsam fühlen, obwohl man in ein soziales Netz eingebunden ist. Wenn man nicht das Gefühl hat, sich mitteilen zu können und verstanden zu werden, wirkt sich die Quantität der Kontakte im Telefonbuch nicht auf das Gefühl der Verbundenheit aus. Damit man sich verbunden fühlt, kann es helfen, offen zu seinen Sorgen zu stehen, sie mitteilen zu wollen und die Meinung und Fürsorge anderer einzuholen, ohne alles mit sich selbst auszumachen


Damit man sich nicht mehr denkt, sozial isoliert zu sein und sich einsam fühlt, ist es wichtig, die Gründe für diese Gefühle zu kennen. Je nachdem, was die Auslöser sind, entscheidet sich die Behandlungsmethode. Oft ist eine Psychotherapie das beste Mittel, das Zusammenspiel vieler Faktoren, die soziale Isolation begünstigen können, zu verstehen und zu behandeln. Einsamkeitsgefühle allein sind kein Grund für eine Psychotherapie. Wenn sie jedoch in Kombination mit klinisch relevanten Symptomen auftreten, die zu einer psychiatrischen Diagnose führen könnten, ist eine Therapie der wichtigste Schritt. 


Auch die Kurse von Selfapy helfen dir dabei, deine Gedanken und Gefühle kennen- und einschätzen zu lernen. Ob Selfapy dir helfen könnte, deine Gefühle rund um das Empfinden der Sozialen Isolation zu überwinden, erfährst du in diesem kurzen Fragebogen.


Ein Artikel von

Luisa Lehmann Redakteurin · B.Sc. Psychologie

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