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Depression

Pränatale Depression: Ursachen, Symptome und Hilfe

15 Nov 2021 · 4 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Pränatale Depression - Depression vor der Geburt. Was steckt dahinter, Symptome und was du dagegen tun kannst.

Pränatale Depression: Schwangerschaften können für Frauen mitunter sehr belastend sein. Was genau ist eigentlich eine Pränatale Depression? In Verbindung mit Schwangerschaft und Depression wird häufig vom Baby-Blues, der Wochenbettdepression oder der postnatalen Depression gesprochen, also einer depressiven Verstimmung nach der Geburt. Aber es kann auch vorkommen, dass eine Depression in der Zeit vor der Geburt, also während der Schwangerschaft auftritt. Dann spricht man von einer pränatalen Depression.

Pränatale Depression: Symptome

Symptome einer pränatalen Depression sind zum Großteil identisch mit denen einer klassischen Depression. Die Symptome können aber weniger intensiv sein und sich auf die Schwangerschaft oder die bevorstehende Mutterschaft beziehen. 

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Energielosigkeit und Erschöpfung
  • Änderung des Essverhaltens
  • Ängste
  • übermäßige Schuldgefühle und das Gefühl von Wertlosigkeit
  • sozialer Rückzug
  • keine Vorfreude auf und kein Gefühl der Verbundenheit mit dem Baby
  • körperliche Schmerzen wie Kopf- oder Bauchschmerzen
  • vermehrtes Weinen

Dass diese oder ähnliche Symptome und Verhaltensweisen hin und wieder auftreten, ist ganz normal. Wenn du aber merkst, dass sie mindestens 2 Wochen am Stück anhalten und du dir alleine nicht mehr helfen kannst, dann solltest du ein*e Ärzt*in oder Psychotherapeut*in aufsuchen.

Ursachen

Eine pränatale Depression kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Häufig sind Frauen betroffen, die auch schon vor der Schwangerschaft unter einer Depression gelitten haben. Zudem bringt eine Schwangerschaft enorme hormonelle Veränderungen mit sich. Hormone wirken sich enorm auf die Stimmung aus, indem sie auf die dafür zuständigen Regionen im Gehirn wirken, die sich auf die mentale Gesundheit auswirken können. Auch die bevorstehende Veränderung, der Einschnitt ins Leben, den die Geburt eines Kindes mit sich bringt, kann der Auslöser für eine pränatale Depression sein. Das Leben verändert sich nicht nur durch die Geburt des Kindes, sondern auch das Verhältnis zur*m  Partner*in. Diese Veränderungen können Angst machen und sich so auch auf die Entstehung einer Depression auswirken.

Ein weiterer Grund für eine pränatale Depression in der Schwangerschaft kann auch ein körperlicher sein. So können beispielsweise auch ein schlechter Gesundheitszustand oder Komplikationen während der Schwangerschaft eine Depression auslösen.

Auch soziale oder gesellschaftliche Faktoren können das Entstehen einer Depression beeinflussen. Gesellschaftliche Erwartungen und das Finden in die Mutterrolle können anstrengend für die Psyche sein. Auch die eigene Familiengeschichte und traumatische Erfahrungen, insbesondere im Zusammenhang mit den eigenen Eltern, spielen hier eine Rolle.

Zusammengefasst können folgende Faktoren das Entstehen einer pränatalen Depression während der Schwangerschaft beeinflussen: 

  • Prädisposition
  • hormonelle Umstellung
  • soziale Faktoren
  • gesellschaftliche Faktoren
  • Familiengeschichte und Traumata
  • Schwangerschaftskomplikationen
  • andere körperliche Ursachen

Pränatale Depression: Männer können ebenfalls betroffen sein

Nicht nur bei der werdenden Mutter, auch beim Vater können während der Schwangerschaft der Partnerin oder unmittelbar nach der Geburt Symptome einer Depression auftreten. Die Datenlage ist hier jedoch noch relativ gering, was mitunter daran liegen kann, dass Männer seltener über ihre Beschwerden sprechen als Frauen. Gerade bei der postpartalen Depression aber, der Depression nach der Geburt eines Kindes, gibt es deutliche Hinweise darauf, dass Männer ebenso darunter leiden können wie Frauen. Während bei Frauen rund 10-20 Prozent der Mütter unter einer postpartalen Depression leiden, sind es beiden Männern zwischen 5 und 10 Prozent. Die Symptome treten meist innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt auf und sie können über einige Monate hinweg andauern. 

Ursachen

Bei Männern sind die Ursachen für das Erkranken an einer prä- oder postnatalen Depression ähnlich wie bei Frauen. Oftmals erkranken Männer aber auch dann, wenn die*der Partner*in ebenfalls betroffen ist.

Symptome

Die Symptome können sich bei Männern aber durchaus von denen bei Frauen unterscheiden und entwickeln sich oftmals eher schleichend. Bei Vätern kommt es oft zu folgenden Symptomen:

  • Erschöpfungserscheinungen
  • Antriebslosigkeit
  • Gefühl der Sinnlosigkeit und Leere
  • Schlafstörungen
  • erhöhte Reizbarkeit
  • Angst- und Schuldgefühle 
  • vermehrte Sorgen

Meist ist die pränatale Depression bei Männern weniger stark ausgeprägt als bei Frauen. Trotzdem kann die Unterstützung durch das soziale Umfeld bei ihnen ein mitunter sogar wichtigerer Punkt sein, als bei Frauen, da bei Männern noch weniger Akzeptanz und Offenheit in Bezug auf dieses Thema besteht, als bei Frauen. 

Hilfe bei pränataler Depression

Medikamente
Die Gabe von Antidepressiva hat sich bei Depressionen als sehr wirksam erwiesen. Im Falle einer Schwangerschaft ist diese Therapiemethode jedoch umstritten. Antidepressiva können unangenehme Nebenwirkungen haben und sich negativ auf das Baby auswirken.

Psychotherapie

Verschiedene Methoden der Psychotherapie können bei pränataler Depression Hilfe bieten. So zum Beispiel die Gesprächs- oder die Verhaltenstherapie.

  • Bei der Gesprächstherapie steht die*der Klient*in im Vordergrund. Durch gezielte Fragen ermutigt die*der Therapeut*in dazu, über Erfahrungen und Gefühle zu sprechen und diese sinnvoll und kritisch zu hinterfragen.
  • Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass jedes Verhalten durch bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen geprägt ist und im Laufe des Lebens erlernt wurde. Mit bestimmten Techniken und Ansätzen wird schließlich versucht, Verhaltensmuster aufzubrechen und neue zu erlernen.

Soziales Umfeld

Nutze dein soziales Umfeld. Es kann hilfreich sein, mit deiner*m Partner*in, deiner Familie oder auch deinen Freund*innen über deine Gefühle zu sprechen. Sie können dir zuhören und dir emotionale Unterstützung bieten. Oftmals kann es schon ausreichend sein, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken, um die Herausforderungen mit der neuen Mutterrolle positiv meistern zu können.

Alternative Methoden

Bei einer Depression kann auch der Online-Kurs bei Depression von Selfapy eine gute Unterstützung für dich sein. Ihn kannst du begleitend zu einer Therapie machen, oder du überbrückst damit die Wartezeit auf einen Therapieplatz.

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

Quellenangaben

  1. Dammbach, Stella (2019). Leiden auch Männer unter einer Wochenbettdepression? Online verfügbar unter https://www.aok.de/bw-gesundnah/psyche-und-seele/wochenbettdepression-bei-maennern [10.11.21].
  2. Deutsche Depressionshilfe (o.J.). In der Schwangerschaft und nach der Geburt. Online verfügbar unter https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/in-der-schwangerschaft-und-nach-der-geburt [10.11.21].
  3. Familienberatung. (o.J.) Pränatale Depression - woher, was tun, Auswirkungen. Online verfügbar unter https://www.familienberatung.gv.at/start/praenatale-depression-auswirkungen/ [10.11.21].

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