Zurück 16 Jun 2022 · 7 min lesezeit
von Hanna Eggebrecht

Midlife Crisis Definition: Die Midlife Crisis ist existenzielle Krise, die als psychischer Zustand der Unsicherheit im Lebensabschnitt von etwa 30 oder 40 bis 55 Jahren auftritt.

In der sogenannten “U-Kurve” des Lebens sind Menschen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren unzufriedener und neigen stärker zu Depressionen. Stellst du auch bei dir depressive Verstimmung fest? Mach hier den wissenschaftlich fundierten Selbsttest und erfahre mehr über deine psychische Gesundheit!

Ist die Midlife Crisis eine Krankheit?

Nein, die Midlife Krise ist nicht als psychische Krankheit zu verstehen, weshalb es auch keine Symptome in diesem Sinn gibt. Anzeichen dafür, dass sich jemand in einer Midlife- Crisis befindet, sind also auch sehr individuell. 

Midlife Crisis: Symptome und Anzeichen 

Die “Symptome”, die meist bei typischem Verhalten einer Midlife Crisis von außen sichtbar werden, sind: 

  • Stimmungsschwankungen
  • Grübeleien
  • innere Unsicherheit
  • Unzufriedenheit mit dem bisher Erreichten (beruflich, partnerschaftlich, familiär).

Die Überschneidung der Anzeichen für eine Midlife Crisis mit den Symptomen einer depressiven Episode ist sehr hoch, sodass eine genauere Betrachtung manchmal ratsam sein kann.

Habe ich eine Depression oder Midlife- Crisis? 

Da sich die Anzeichen von psychischen Syndromen und der Midlife Crisis stark überschneiden, dürften sich viele Personen die Frage stellen, wie man den Unterschied erkennt. Ganz so einfach ist das nicht, jedoch kann man sich zunächst an der Klassifikation von psychischen Störungen allgemein orientieren.Eine psychische Störung (sei es Depression, Angststörung oder etwas anderes) liegt dann vor, wenn

  • bedeutsames Leiden vorliegt, 
  • soziale, berufsbedingte, alltägliche Aktivitäten beeinträchtigt sind und
  • eine normabweichende Veränderung im Erleben, Verhalten und Fühlen vorliegt.

Was ist eine Midlife Crisis? 

Eine Midlife- Crisis (deutsch: Lebensmittelkrise) ist ein gesellschaftliches Phänomen, das sonderbare und von der Norm abweichende Verhaltensänderungen bei Erwachsenen im mittleren Alter beschreibt. Die Krise führt in der Regel nicht dazu, dass der Beruf oder das Hobby nicht mehr ausgeübt werden können. Auch sind soziale Kontakte davon nicht so beeinträchtigt, dass es zum Beispiel zum Ausschluss aus dem Freundeskreis o.ä. kommt. Sollte dies dennoch der Fall sein, ist eher die Frage zu stellen, was neben der “Midlife Crisis” noch als Ursache für die Veränderungen gelten könnte. Der Begriff “Midlife Crisis” ist also eher ein populärwissenschaftliches Phänomen, das auch häufig Klischees und Vorurteile einbezieht. 

Midlife Crisis bei Männern

Die Midlife Crisis wird typischerweise und sehr häufig mit Veränderungen bei Männern in Verbindung gebracht. Das Motorrad, eine neue und deutlich jüngere Liebesgeschichte oder jugendliche Kleidung gehören zum stereotypen Bild des Mannes in der Midlife Krise. In den 1970er Jahren wurde der Begriff vom “Spiegel” geprägt und bezeichnete einen „flotten Typen“ und Geschäftsmann, der nur „mal schnell Zigaretten holen“ geht und niemals zurück kommt. Während Frauen in diesen Schilderungen nur nette, kleine Nebenrollen inne hatten– die Verlassene Ehefrau, die neue Affäre, waren die Männer in der Krise.

Ursachen: Was passiert in der Midlife Crisis?

Die Ursachen für die Midlife Crisis sind recht individuell, geht man davon aus, dass es sich nicht um ein erforschtes klinisches Bild handelt, sondern um ein Klischee. Der Begriff Midlife-Crisis setzt an sich voraus, dass es eine Krise gibt, die geplante Ziele und Abläufe von der Fertigstellung abhält. Ein Lebensplan oder Lebenssinn ist sozusagen der Krisenfall. Obwohl jeder Mensch unterschiedliche Wünsche und Visionen vom eigenen Leben hat, wird in der Lebensmitte häufig bei allen darüber reflektiert. 

Was habe ich erreicht? Was liegt noch vor mir? Bin ich glücklich? 

Diese und noch weitere Sinn- und Existenzfragen stellen sich in Bezug auf Familie, Beruf, Freunde, Beziehung etc.. Bei einer Midlife Crisis ist davon auszugehen, dass diese existenziellen Lebensfragen für sich selbst schlecht oder mit vielen offenen Rechnungen beantwortet werden können. Das löst ein Gefühl tiefer Verunsicherung aus, welches sich dann im Verhalten widerspiegelt, etwas nachholen zu wollen, was man vielleicht früher verpasst hat. Spezifische Ursachen sind weder im biologischen noch im psychosozialen Bereich exakt definiert.

Neben dem Gefühl, etwas verpasst zu haben, steht die Betrachtung der zeitlichen Komponente zur Debatte: In der „Mitte des Lebens“ werden einerseits belastende Lebensereignisse wie 

  • eingeschränkte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
  • Trennungs- und Verlusterfahrungen
  • Kinder, die das Haus verlassen
  • etc. zusammen.

Andererseits ist gerade die Relation der Zeit die Krux: Während sich jüngere Menschen ihr verbleibendes Leben als eine endlos lange Zeit vorstellen, resümieren Erwachsene im mittleren Alter über das Leben als sei “die Hälfte nun vorbei”. Die verbleibende Zeit in der Relation zur bereits verlebten Zeit ist also viel kürzer als im Teenager- Alter. Durch die Veränderung des subjektiven (eigenen) Zeiterlebens wird eine Bilanz getroffen: die Grundlage für die kritische Reflexion des im Leben Erreichten. Das kann sich im schlimmsten Fall bis zur Identitäts- und Sinnkrise entwickeln. Als mögliche Ursache einer Midlife-Crisis kann aber auch der nun deutlich wahrnehmbare körperliche Alterungsprozess in Frage kommen.

(Mid) Life- Crisis: Psychologie der Erwachsenen

Gewisse Entwicklungsstadien des Erwachsenenalters aus psychologischer Sicht können hilfreich für das Verständnis der Midlife Crisis sein. Die Phasen der psychischen Entwicklung im Erwachsenenalter sind von wissenschaftlicher Seite noch nicht so ausgiebig erforscht wie die des Kindes- und Jugendalters. Allerdings sind die Beschreibungen des Modells der “Psychosozialen Krisen” nach Erik H. Erikson sehr gut verständlich. Zu den wichtigsten Stadien des Erwachsenenalters gehören nach Erikson:

  • “Intimität vs. Isolation” im jungen Erwachsenenalter
  • “Generativität vs. Stagnation” im mittleren Alter 
  • “Ich-Integrität vs. Verzweiflung” im hohen Alter 

Die Midlife Crisis wird in Diskussionen oft mit der Krise junger Menschen verglichen (der Pubertät), in der ganz vergleichbare Gefühle durchlebt werden.

Midlife Crisis bei Frauen

Obwohl die männliche Midlife Crisis das bekannteste Phänomen ist, waren die Erfahrungen von Frauen viel zentraler für die Anfänge der Idee einer Midlife-Crisis. Die New Yorker Journalistin Gail Sheehy machte den Begriff “Midlife-Crisis” in den 1960er Jahren in den USA und darüber hinaus bekannt. Sie schrieb für Zeitungen und Zeitschriften und erregte Anfang der 1970er-Jahre Aufsehen mit einer investigativen Reportage über Prostitution in New York, die mafiöse Organisationen des örtlichen Zuhälterbusinesses aufdeckte. Ihr mehrfach ausgezeichneter und bald verfilmter Bericht beeinflusste auch die New Yorker Stadtpolitik. Zudem wird die Midlife Crisis bei Frauen im negativen Wortsinn mit den hormonellen Veränderungen der Menopause, also der sogenannten “Wechseljahre” betitelt. Frauen in der Midlife Crisis sind im Gegensatz zum “neu aufblühenden” Mann mit gesellschaftlich negativen Konnotationen umschrieben, die 

  • Launenhaftigkeit
  • schlechte Stimmung 
  • Interessen- und Libidoveränderungen einschließen. 

Was dahinter steckt: Gibt es die Midlife Crisis wirklich?

Ja, es gibt die “Midlife Crisis” aber sie ist kein Phänomen, dass zwangsläufig jede:n betreffen wird. Sie ist mehr ein gesellschaftlich beobachtbares und geprägtes Bild, das die individuellen Veränderungen mancher Menschen zu erklären versucht. Eine psychische Störung ist die Midlife Crisis ebenfalls nicht. 

"Die neueren Untersuchungen zeigen zusammenfassend, dass die Frage nach einer universellen Krise im mittleren Erwachsenenalter eindeutig zu verneinen ist.”

Wie kommt man aus der Midlife Crisis raus?

Die Psychologin Margie Lachmann von der Brandeis-Universität in Massachusetts sieht eine große Bedeutung der Erwachsenen im mittleren Alter für die Gesellschaft. Sie braucht demnach die Lebenserfahrung und das Verhalten, um aufrechterhalten zu werden. Wenn sich Erwachsene in einer Gesellschaft wohlfühlen und es ihnen gut geht, dann wirkt sich das scheinbar auch auf die jüngeren Generationen positiv aus.

„Die Menschen in der Lebensmitte spielen eine zentrale Rolle im Leben derer, die jünger sind als sie, und derer, die älter sind – zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft insgesamt.“

Neben dem Beruf gibt es in dieser Lebensphase weitere förderliche Faktoren: 

  • gemeinsame Ziele
  • notwendige Mittel für die Ziele aufzubringen (gemeinsam)
  • Ziele aufrechterhalten können. 

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht hervor, dass Erwachsene im mittleren Alter dann besonders zufrieden und glücklich sind, wenn ihre Lebensziele nicht vorrangig materieller Natur sind. das bedeutet, dass es Ziele gibt, die nicht nur auf Gewinn und Wachstum abzielen. Besser sind laut den Studien die "Aufrechterhaltungsziele", also dass das bisher Erreichte für gut befunden wird und aufrechterhalten und gepflegt wird. Dazu gehören zum Beispiel

  • die gute Beziehung zum Lebenspartner aufrechtzuerhalten oder
  • beruflich weiterhin einen wichtigen Beitrag zu leisten. 

Das Verfolgen von Aufrechterhaltungszielen ist nicht mit Stillstand gleichzusetzen, da es bedeutet, dass kreativ die bereits vorhandenen Kenntnisse und Fähigkeiten neu ausgerichtet werden müssen. Sich an verändernde Lebenslagen anpassen zu können, beschreibt diese Art von Zielen am besten.

„Eine gute Beziehung zum Partner oder wichtige Leistungen im Beruf bedeuten im mittleren Erwachsenenalter etwas anderes als im jungen. Ein Fehler, den wir häufig machen, ist, Aufrechterhaltung mit Stillstand gleichzusetzen und das negativ zu bewerten“ (M. Lachmann)

In der Lebensmitte sollte Stabilität und nicht Flexibilität oder Veränderung und Wandel als positiv angesehen werden. Schließlich wurde für diese stabile Situation einige Jahre gearbeitet. Der Wandel vollzieht sich von allein, wir adjustieren nur unser Verhalten. Einen Lebenssinn gestalten zu können, obwohl bereits sinnvolle Arbeit, Familie etc. erreicht wurde, ist eine neue Kunst, die als Hauptaufgabe des mittleren Erwachsenenalters betrachtet werden kann. Lebenssinn entsteht laut Professor Kühl von der Universität Osnabrück, wenn eigenes Erleben und Verhalten mit einem breiten Spektrum von Fähigkeiten zusammenhängt. Das Besinnen auf die Fähigkeiten und das bisher Erreichte kann zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen.

Ein Artikel von

Hanna Eggebrecht Redakteurin · B. Sc. Psychologie

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