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Anpassungsstörung – Wenn auf einmal alles zuviel wird

27 Feb 2018 · 4 min lesezeit

Was versteht man unter einer Anpassungsstörung?

Nicht selten kommt es vor, dass wir im Laufe des Lebens mit Ereignissen oder Umständen konfrontiert werden, die zunächst sehr belastend sind. Schwerwiegende Probleme in der Familie, Jobverlust, Schuldwechsel, Trennung oder Tod eines Angehörigen erschüttern uns meist sehr und hinterlassen ihre Spuren. Da jede*r mit Ereignissen wie diesen anders umgeht, sind sie für den*die eine*n leichter zu bewältigen als für den*die andere*n. Dabei kommt es zum Teil auch darauf an, wie resillient, also wie widerstandsfähig der*die Einzelne ist. Kennzeichnend für eine Anpassungsstörung sind Angst, Wut, Trauer und Leere. In einem gewissen Maße sind dies jedoch normale Reaktionen auf eine Extremsituation. Schaffen wir es jedoch nicht mit solch einer Extremsituation zurecht zu kommen, kann daraus eine Anpassungsstörung entstehen. Wie und in welchem Ausmaß diese dann auftritt, ist individuell sehr unterschiedlich.

Definition der Anpassungsstörung laut ICD-10

Die Anpassungsstörung findet sich im internationalen Diagnoseschlüssel ICD-10 in der Kategorie der “Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen”, zu denen auch die akute Belastungsreaktion und die posttraumatische Belastungsstörung zählen. Bei einer Anpassungsstörung kommt es primär nicht auf die Art der Affektreaktion an, sondern vielmehr auf die Ausprägung und Länge der empfundenen Emotionen.

Zur genaueren Definition und Abgrenzung sehen die Diagnoserichtlinienen ICD-10 folgende Voraussetzungen vor:

  • Auftreten einer identifizierbaren psychischen Belastung (jedoch nicht in einem erheblichem Ausmaß)
  • Auftreten von Symptomen der Affektiven Störung (Depression)
  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Somatoforme Symptome (Schmerzen, Magenbeschwerden, o.ä.)
  • Symptome halten nicht länger als 6 Monate an (außer depressive Episode)

Weitere Symptome der Anpassungsstörung

Des weiteren kämpfen die Betroffenen oft mit freudlosen Gedanken und Grübeln, einem sozialen Rückzug oder Problemen mit Nähe und Distanz. Ein Gefühl der Bedrängnis und der emotionalen Beeinträchtigung breitet sich aus. Der Betroffene leidet oft unter Angstgefühlen und depressiven Verstimmungen. Das Sozialverhalten verändert sich, oftmals bis hin zum sozialen Rückzug oder Isolation. Betroffene können depressiv verstimmt sein oder unter Sorgen oder Ängsten leiden. Diese Symptome sind jedoch nicht stark genug ausgeprägt, um zu den Diagnosen Depression oder Angststörung zu führen. Meist fällt es den Betroffenen schwer ihren alltäglichen Verpflichtungen nachzukommen. Viele haben das Gefühl, das Leben nicht mehr alleine meistern zu können. Das kann soweit gehen, dass der Jobverlust droht oder gravierende Beziehungsprobleme entstehen.In vielen Fällen kommt es zu vermehrtem Alkohol- und Drogenkonsum. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass das Störungsbild eine stark individuelle Charakteristik aufweist.

Abgrenzung der Anpassungsstörung zu anderen Störungen

Wie bei vielen psychischen Störung gibt es Parallelen zu anderen Krankheitsbildern, deshalb ist eine präzise Untersuchung besonders wichtig. Der*die Arzt*in sollte organische Beschwerden, Bindungs- und Persönlichkeitsstörungen, eine Depression sowie Autismus-Spektrum-Störungen ausschließen, um eine Diagnose stellen zu können. Des Weiteren ist es wichtig, dass nicht von einer normalen Trauerreaktion auszugehen ist, wie beispielsweise nach Todesfällen nahestehender Personen.

Welche Ursachen können Anpassungsstörungen haben?

Hier gibt es, im Gegensatz zu anderen Störungen, keine klare Ursache. Es sind oftmals viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Jedoch ist klar: Ohne ein belastendes Ereignis, würden die Symptome der Anpassungsstörung in der Regeln nicht auftreten. Es handelt sich bei den Ereignissen jedoch nicht um traumatische Extremsituationen, sondern vielmehr um schwere Lebenskrisen. In vielen Fällen gibt es nicht nur einen Auslöser. Oftmals folgen belastende Ereignisse aufeinander und bringen das Gleichgewicht so durcheinander, dass ein Umgang mit den Situationen unmöglich scheint. Des Weiteren spielt das Umfeld eine große Rolle. Gerade in schwierig zu bewältigenden Phasen ist ein soziales Netzwerk besonders wichtig. Ist dies jedoch nicht vorhanden und der*die Betroffene hat keine Bewältigungsstrategien für die Krise, kann sich eine Anpassungsstörung entwickeln. Noch fraglich ist, inwieweit genetische Faktoren eine Rolle spielen. Eine hohe Ausprägung der Vulnerabilität könnte ein Indikator dafür sein, dass es manche härter trifft als andere.

Wie können Anpassungsstörungen therapiert werden?

Die gute Nachricht ist: Die Anpassungsstörung dauert nicht länger als sechs Monate und kann zudem psychotherapeutisch sehr effektiv therapiert werden. Dabei haben sich besonders die Gesprächstherapie und die kognitive Verhaltenstherapie bewährt. In vielen Fällen vergeht die Anpassungsstörung sogar von selbst, jedoch kann der Genesungsprozess mit Hilfe einer Psychotherapie deutlich schneller und erträglicher verlaufen. Es reichen oft kurze Kriseninterventionen, die den Betroffenen bei dem Umgang mit Ängsten, Sorgen und Trauer helfen. Der*die Therapeut*in hilft den Betroffenen Lösungs- und Bewältigungsstrategien zu finden. In manchen Fällen kann es auch hilfreich sein, das Umfeld mit einzubeziehen. In gravierenden Fällen können auch Antidepressiva zum Einsatz kommen.

Quellenangaben

  1. Simmen-Janevska, K., Maercker, A. (2011): Anpassungsstörungen: Konzept, Diagnostik und Interventionsansätze, In: Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie, Nr. 61, S. 183-192
  2. Bengel, J., Hubert, S. (2010): Anpassungsstörung und akute Belastungsreaktion, Hogrefe
  3. Kapfhammer H.P. (2008): Anpassungsstörung, akute und posttraumatische Belastungsstörung. In: Möller HJ., Laux G., Kapfhammer HP. (eds): Psychiatrie und Psychotherapie. S. 1661-1724, Springer
  4. Gorschenek, N., Schwab, R., Eckert, J. (2008): Psychotherapie von Anpassungsstörungen, In: Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie Nr. 58, Heft 2, S. 200-207

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