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Posttraumatische Belastungsstörung

26 Aug 2018 · 3 min lesezeit
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Wenn das Trauma kein Ende nehmen will

Unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS oder engl. PTSD (posttraumatic stress disorder) versteht man eine verzögerte psychische Reaktion auf ein traumatisches Ereignis. Denn leider kommt es nicht selten vor, dass Menschen in ihrem Leben einem traumatischen Ereignis ausgesetzt werden. Das können beispielsweise Unfälle, Naturkatastrophen, Krieg, Gewalthandlungen oder ähnliches sein. Doch wie kommt es, dass nicht all jene unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, die ein Trauma erfahren? Dabei spielt die Art, mitunter aber auch das Geschlecht eine wesentliche Rolle, ob und wie weit die PTBS ausgeprägt ist. Charakterisierend ist im Wesentlichen, dass die Störungsbilder nicht direkt nach dem Ereignis auftreten. In vielen Fällen treten sie auch erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Trauma auf.

Merkmale der Posttraumatischen Belastungsstörung

Wie bei allen anderen psychischen Störungen, müssen laut des ICD-10 gewisse Kriterien erfüllt sein, um eine Diagnose stellen zu können. Es muss das Erleben eines traumatischen Ereignisses vorliegen, durch welche Gefühle von Todesangst, enormer Hilflosigkeit, Verzweiflung und ähnliches verursacht wurden. Der*die Betroffene hat oft mit anhaltenden Erinnerungen zu kämpfen, welche auch in Form von Albträumen oder Intrusionen (Flashbacks) wiederkehren können. Es entsteht eine Angst vor gewissen Situationen, die „triggern“ könnten, was zu Vermeidungsverhalten führt.

Zudem kann durch das Trauma eine psychogene Amnesie verursacht werden, d.h. dass sich nicht vollständig an das Ereignis erinnert werden kann. Betroffene können zudem unter einem erhöhten Erregungszustand leiden, welcher mit Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen und Reizbarkeit einhergeht. Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung treten die Symptome nach sechs Monaten auf. Da Betroffene mit ihrer Gefühlswelt stark überfordert sind, isolieren sie sich von ihrem Umfeld und erleben vieles mit Gleichgültigkeit. Nicht selten kommt es vor, dass Betroffene unter dissoziativen Zuständen leiden und die Welt und ihren Körper als unwirklich empfinden.

Durch welche Ereignisse kann eine Posttraumatische Belastungsstörung verursacht werden?

Für die Entstehung einer PTBS kommen viele Ereignisse in Frage. Maßgeblich ist das daraus entstehende Gefühl von Hilflosigkeit, Lebensgefahr oder dem Gefühl, an der traumatischen Situation nichts ändern zu können. Menschen mit folgenden Gewalterfahrungen weisen häufig Symptome einer PTBS auf:

  • Folter
  • Geiselnahmen
  • Überfälle
  • Terroranschläge
  • Vergewaltigungen
  • Missbrauch
  • Kriegserfahrungen

In vielen Fällen entwickeln Menschen, welche eine Naturkatastrophe miterleben mussten, eine Posttraumatische Belastungsstörung. Das gleiche Phänomen ist bei Unfallopfern oder auch Augenzeugen eines Unfalls zu beobachten. Zudem sind Symptome einer PTBS bei Patient*innen zu sehen, welche eine lebensbedrohliche Diagnose erhielten. Generell tritt das Störungsbild jedoch eher nach Gewalttaten auf. Frauen sind in der Regel doppelt so häufig betroffen wie Männer. Außerdem ist festzustellen, dass bei Menschen, die schon in frühster Kindheit mit Gewalt und traumatischen Ereignissen konfrontiert wurden, neben den PTBS-Symptomen auch Störungen in der Entwicklung der Persönlichkeit auftreten.

Kann man sich vor einer Posttraumatischen Belastungsstörung schützen?

Nicht jeder, dem ein traumatisches Ereignis widerfahren ist, entwickelt eine PTBS. In manchen Fällen sind zwar Anpassungsstörungen oder Belastungsstörungen zu beobachten, jedoch klingen diese ohne weitere Symptombildung wieder ab. Zudem gibt es Fälle, bei denen ohne vergleichbare Symptome eine Verarbeitung des Erlebten gelingt.

Doch wie ist das möglich? Die Psychologie beschreibt dieses Phänomen mit dem Resilienzfaktor, den manche Menschen aufweisen. Der Begriff Resilienz kommt ursprünglich aus der Physik und beschreibt eine Widerstandsfähigkeit, welche dazu dient, belastende Situationen zu bewältigen. Um diese Widerstandsfähigkeit zu entwickeln ist es wichtig, über Ressourcen wie Stressbewältigung, gute Problemlösestrategien und die Fähigkeit um Hilfe zu bitten, zu verfügen. Auch eine enge Bindung zur Familie und Freund*innen helfen dabei, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Zudem hat man beobachtet, dass Menschen, die traumatisierende Erfahrungen ohne Folgen verarbeiten, meist die Fähigkeit besitzen, sich und ihre Gefühle mitzuteilen, die Bereitschaft haben, anderen zu helfen, und vor allem die Sichtweise einnehmen, dem Erlebnis auch etwas positives abzugewinnen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Leider kommt es in vielen Fällen zu einer Chronifizierung der PTBS, jedoch besteht bei einer guten Psychotherapie die Möglichkeit die Symptome zu lindern. Dadurch entstehen auch gute Heilungschancen. Das Gesundheitssystem bietet ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten. Kern jeder Therapie, welche auf die Heilung der PTBS zielt, ist die langsame Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse. Dabei ist es wichtig, den Fokus auf die Symptome und den damit verbundenen Erinnerungen zu richten.

Quellenangaben

  1. Maercker A., Michael T. (2009): Posttraumatische Belastungsstörungen. In: Margraf J., Schneider S. (eds): Lehrbuch der Verhaltenstherapie, S. 105-124, Springer
  2. Tagay, S., Schlottbohm, E., Lindner, M. (2016): Posttraumatische Belastungsstörung: Diagnostik, Therapie und Prävention, Kohlhammer
  3. Schröder P. (2016): Akute und posttraumatische Belastungsstörung. In: Fritzsche K., Geigges W., Richter D., Wirsching M. (eds): Psychosomatische Grundversorgung. S. 215-225, Springer
  4. Freyberger, H., Kuwert, P. (2013): Posttraumatische Belastungsstörung. In: Psychotherapeut Nr. 58, S. 269–275

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