Zurück 10 Feb 2022 · 5 min lesezeit
von Katrin Bermbach

Empfindest du Angst und Ekel beim Anblick einer Lotussamenkapsel oder von Seifenblasen? Dann leidest du vielleicht unter Trypophobie. Trypophobie bezeichnet ein Phänomen, bei dem die Betroffenen Angst und Ekel vor kleinen, unregelmäßig aneinandergereihten Löchern empfinden.

Als Trypophobie wird eine irrationale und anhaltende Angst vor Löchern bezeichnet. Dabei bezieht sich diese Angst nicht auf große Löcher, sondern eher auf kleine Löcher, die unregelmäßig angeordnet sind. So wie auf der Samenkapsel einer Lotosblume oder bei einem Schwamm. Trypophobie ist ein recht ungewöhnliches Phänomen. Das Wort selbst setzt sich aus den griechischen Wörtern „trypa“ für „Loch“ und „phobos“ für „Angst“ zusammen. Doch auch wenn die Abneigung und Angst vor kleinen Löchern als Phobie bezeichnet wird, eine anerkannte Angststörung nach den offiziellen Krankheitsklassifikationen ICD-10 oder DSM-5 ist sie nicht.

Trypophobie: Symptome

Wer unter Trypophobie leidet, ekelt sich vor dem Anblick kleiner, unregelmäßig angeordneter Löcher. Die Symptome können ganz unterschiedlich sein und auch in ihrer Intensität individuell. Betroffene berichten unter anderem von folgenden Beschwerden:

  • starkem Ekel
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Herzrasen
  • Schwitzen
  • Gänsehaut
  • Schwindelgefühl
  • Atemnot
  • unangenehmem Kribbeln auf der Haut
  • extremem Juckreiz

Das Ekelgefühl kann sich nur auf wenige Sekunden beim Anblick der Löcher beziehen oder über mehrere Tage anhalten. Falls es dir genauso geht, löst vielleicht schon der Gedanke an die entsprechenden Bilder Ekel und Panik aus. Die Angst kann so groß werden, dass du sogar Panikattacken bekommst.

Trypophobie: Auslöser

  • Holzoberflächen
  • Schwämme
  • Obst und Gemüse wie Granatäpfel oder Erdbeeren 
  • Bienenwaben
  • Luftschokolade
  • Korallen
  • Bimssteine
  • Brotteig

Doch nicht nur Löcher lösen das Ekelgefühl aus. Manche Menschen berichten auch, dass sie Probleme mit Rissen, Beulen oder kleinen Luftblasen haben, wie sie beim Kaffeeschaum entstehen. Daher wird Trypophobie alternativ als „Kaffeeblasen-Phobie“ bezeichnet.

Trypophobie: Haut als Ekelfaktor?

Die Angst vor Löchern in der Haut oder die Angst vor Löchern im Körper scheint noch stärkeren Ekel auszulösen als Löcher auf leblosen Objekten. Im Internet finden sich beispielsweise immer wieder Bilder, auf denen die löchrigen Kapseln der Lotusblume oder andere Löcher per Fotomontage auf Hände, Füße oder andere Körperteile projiziert wurden. Diese lösen bei Betroffenen starke Symptome aus. Sehr drastisch ist dieser Effekt, wenn Bilder von Löchern über Gesichter gelegt werden.

Allerdings haben nicht nur Menschen, die an Trypophobie leiden, Ekelgefühle beim Anblick von Löchern auf der Haut. So zeigten bei einer Studie der Universität Kent alle Proband*innen – egal ob mit oder ohne Trypophobie – Ekel vor Bildern mit Hautkrankheiten, die Löcher oder lochähnliche Muster hervorrufen, wie Masern oder Pocken. Neutrale Lochbilder lösten hingegen nur bei den Teilnehmenden, die tatsächlich unter einer Trypophobie litten, Ekel und Angst aus.

Trypophobie: Teste dich

Leidest du unter Trypophobie? Teste dich hier!
Wenn du bei diesen Bildern Ekel verspürst, könnte es sein, dass du Angst vor Löchern hast.

Trypophobie: Ursache

Woher die Angst vor schwarzen Löchern rührt, ist immer noch nicht ganz klar. Es gibt einige Studien dazu, die jedoch zu unterschiedlichen Ansichten über die Trypophobie-Ursache gelangen. So vermuten einige Forscher*innen, dass die Angst vor Löchern in unserer Evolution begründet ist. Die Anordnung und Struktur der Löcher ähneln demzufolge oft denen von giftigen Tieren, wie Kugelfischen, Pfeilgiftfröschen, Schlangen und Spinnen. Zudem deutet der Anblick von Löchern in Obst oder Fleisch auf Insekten- oder Parasitenbefall hin und warnt uns so davor, dieses Lebensmittel zu verzehren. Der Anblick von Löchern wird also mit Gefahr assoziiert. Die oben genannten Forschenden aus Kent wiederum sehen in ihrem Experiment mit den Hautkrankheiten einen Hinweis darauf, dass von Trypophobie Betroffene die Löcher mit ansteckenden Hautkrankheiten verbinden. So können Masern oder Windpocken Hautblasen hervorrufen und Parasitenbefall kann zu Löchern in der Haut führen. Das warnt uns davor, den Kranken zu nahe zu kommen. In diesem Sinne ist Ekel eine evolutionäre Urangst. In der Trypophobie kommt sie übersteigert zum Ausdruck.

Ekel – eine lebenswichtige Emotion

Ekel bezeichnet eine starke Abneigung in Verbindung mit Widerwillen. Ekel zeichnet sich durch starke körperliche Reaktionen aus, wie Übelkeit, Brechreiz, Schweißausbrüche, Schwindel bis hin zu Ohnmacht. Ekel selbst ist nicht angeboren. Er wird erst im Laufe des Lebens erworben. Ekel ist eine Basisemotion, die uns vor möglichen Bedrohungen warnt und damit eine lebenswichtige Funktion erfüllt. Die Ekelreaktion soll den Körper vor Infektionen und Parasiten schützen, der Brechreflex sorgt dafür, dass verdorbene oder giftige Speisen schnell wieder ausgeschieden werden. Menschen entwickeln Ekelgefühle etwa im Alter von zwei Jahren. Dabei ist Ekel anerzogen und gelernt. Zudem wird Ekel auch kulturell geprägt. Dennoch gibt es in allen Kulturen Gemeinsamkeiten, die Ekel auslösen: Exkremente oder der Anblick und Geruch von verdorbenen Lebensmitteln gehören dazu. Frauen ekeln sich übrigens häufiger als Männer.

Angst vor Löchern: Phobie oder nicht?

Obwohl Trypophobie als „Angst vor Löchern“ bezeichnet wird, handelt sich um keine Angststörung. Anstelle der typischen Angstreaktionen überwiegen Ekelgefühle und Übelkeit. Daher wird Trypophobie auch nicht offiziell als Phobie klassifiziert. Doch obwohl die Trypophobie keine offizielle psychische Störung ist, kann sie als spezifische Phobie kodiert werden, wenn die Angst überwiegt und dabei übertrieben und unbegründet ist.

Tryopophobie: Therapie

Eine offizielle „Trypophobie-Therapie“ gibt es nicht. Dennoch ist die Belastung für viele Betroffene real. Sie tauschen sich in Online-Foren aus und geben sich gegenseitig Tipps. Diese reichen von der „Konfrontationstherapie“, wie man sie aus der Verhaltenstherapie kennt, bis hin zu dem Rat, sich intensiver mit der Bedeutung der Löcher bei den einzelnen Objekten zu beschäftigen. Das Wissen soll helfen, die Angst zu überwinden. Weiterhin können Entspannungstechniken, wie Atemübungen, Yoga, Autogenes Training oder Meditation helfen.

Nimmt die Angst vor dem Anblick der Löcher dennoch überhand und schränkt das normale Leben immer weiter ein, solltest du dir professionelle Hilfe holen. Wie bei einer Phobie hilft auch bei der Trypophobie in der Regel eine Kognitive Verhaltenstherapie.

Trypophobie mit ASMR überwinden

Einige Trypophobie-Betroffene schwören auf sogenannte ASMR-Videos. Ein weiteres Internetphänomen. ASMR steht für „Autonomous Sensory Meridian Response“, zu Deutsch so viel wie „Autonome Sinnesantwort“. Manchmal hört man auch die Bezeichnung „Kopfkribbeln“ oder „Gehirnmassage“. In diesen Videos tippen Personen auf verschiedene Oberflächen, sie flüstern, bürsten sich die Haare, falten Papier oder bringen etwas zum Knistern. ASMR soll entspannen und beim Einschlafen helfen. Es ist nicht belegt, dass diese Methode bei Trypophobie hilft.

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Ein Artikel von

Katrin Bermbach Gründerin und COO · Psychologin

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Quellenangaben

  1. Association of Psychological Science (o. D.). Fear of Holes May Stem From Evolutionary Survival Response.https://www.psychologicalscience.org/news/releases/fear-of-holes-may-stem-from-evolutionary-survival-response.html
  2. Clevelandclinic (o. D.). Trypophobia. https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/21834-trypophobia
  3. Martinez-Aguayo, J. C. (2018, Februar). Frontiers in Psychiatry. Trypophobia: What Do We Know So Far? A Case Report and Comprehensive Review of the Literature.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5811467/
  4. Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik (2022). Ekel.  https://lexikon.stangl.eu/10426/ekel
  5. Panikattacken Selbsthilfe (2020, 23. Januar) Angst vor Löchern (Trypophobie) – Ursachen, Symptome. & Hilfe. https://www.panikattacken-selbsthilfe.de/?s=Trypophobie
  6. Psylex (03.09.2013). Trypophobie – Angst vor Löchern. https://psylex.de/stoerung/angst/phobien/trypophobie/
  7. Smith, L. (2018). Is trypophobia real? Medical News Today.https://www.medicalnewstoday.com/articles/320512
  8. Wang, C. (2017, April). Is Tryphophobia a Phobia? Psychological Report. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28558623/

Wang, C. (2017, April). Is Trypophobia a Phobia? Psychological Report.

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https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28558623/

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