Zurück 17 Feb 2022 · 7 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Stimmungsschwankungen ganz allgemein sind der Wechsel zwischen verschiedenen Gefühlszuständen. Dabei kann die Stimmung schnell zwischen allen möglichen Zuständen schwanken. Launische Menschen begegnen einem ständig, doch was, wenn eine ernsthafte Erkrankung hinter den starken und wechselnden Emotionen steckt?

Was sind Stimmungsschwankungen?

Stimmungsschwankungen bezeichnen das schnelle und häufige Wechseln verschiedener Emotionen. Die Gefühle können zwischen Freude und Wut, Aggression und Traurigkeit oder auch anderen Emotionen wechseln.

Gefühlsschwankungen lassen sich in normale oder übliche und krankhafte unterteilen. Dabei kommt es auch darauf an, was die Ursache für die wechselnden Gefühle ist. So sind beispielsweise starke Stimmungsschwankungen in der Pubertät oder den Wechseljahren durchaus häufig und kein Grund zur Sorge. Kommen sie jedoch häufig ohne ersichtlichen Grund vor, dann ist es ratsam ärztlichen Rat einzuholen.

Physiologische versus pathologische Stimmungsschwankungen

Wenn man Stimmungsschwankungen bei sich selbst oder auch bei anderen Personen bemerkt, ist das zunächst einmal kein Grund zur Sorge. Es ist wichtig, hier zwischen physiologischen, also normalen, bei allen Menschen hin und wieder auftretenden, und pathologischen, also krankhaften Stimmungsschwankungen zu unterscheiden.

Wann man medizinischen Rat einholen sollte

Es ist nicht immer klar ersichtlich, ob Stimmungsschwankungen durch eine psychische Erkrankung verursacht werden, oder einfach eine angemessene Reaktion auf äußere Umstände darstellen.

Stimmungsschwankungen: Symptome

Wenn du folgende Anzeichen an dir oder anderen erkennst, solltest du diese abklären lassen:

  • der schnelle Wechsel zwischen guter und schlechter Stimmung passiert sehr häufig oder hält lange an
  • es handelt sich um sehr extreme Stimmungsschwankungen
  • es gibt keinen offensichtlichen Grund für die Stimmungsschwankungen
  • neben den wechselnden Emotionen gibt es auch körperliche Symptome
  • es sind sehr plötzliche Stimmungsschwankungen
  • die Stimmungsschwankungen werden von weiteren psychischen Belastungen wie Essstörungen oder Depression begleitet

Stimmungsschwankungen: Ursache

Ursachen für Stimmungsschwankungen können sehr vielfältig sein. Um die richtige Ursache zu finden und eine passende Diagnose stellen zu können, wird zunächst ein ausführliches medizinisches Gespräch geführt. Das Ziel dabei ist es herauszufinden, wie lange die Stimmungsschwankungen schon bestehen, ob sie vielleicht durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst wurden und ob zusätzlich weitere Beschwerden bestehen.

  • Stimmungsschwankungen & Pubertät: In der Pubertät sind Stimmungsschwankungen ganz normal und nicht besorgniserregend. Intensive körperliche und hormonelle Veränderungen können sich vorübergehend auf die Laune auswirken. 
  • Stimmungsschwankungen & Wechseljahre: Stimmungsschwankungen bei Frauen sind oft hormonell bedingt. Die Wechseljahre sind durch einen starken Abfall des Hormons Östrogen gekennzeichnet. Dieses beeinflusst wiederum die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin. Unregelmäßigkeiten in der Ausschüttung führen bei Frauen zu Stimmungsschwankungen. Wechseljahre sind daher oft durch intensives Gefühlserleben sowie Hochs und Tiefs gekennzeichnet.
  • Stimmungsschwankungen & Periode: Stimmungsschwankungen & Zyklus ist ein wichtiges Thema. Die schwankenden Gefühle sind neben Unterleibsschmerzen, empfindlichen Brüsten, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen und Magen-DArm-Beschwerden Teil von PMS Symptomen, also von Symptomen vor der Periode. Stimmungschwankungen vor der Periode betreffen sehr viele Frauen. Stimmungsschwankungen nach der Periode sind seltener.
  • Stimmungsschwankungen & Schwangerschaft: Eine weitere Ursache für Gefühlschaos ist eine Schwangerschaft. Stimmungsschwankungen sind hier zum einen auch hormonell bedingt, zum anderen aber auch durch die Veränderung im Leben, die bevorsteht. Besonders im frühen Stadium der Schwangerschaft muss sich der Körper erst noch auf die Schwangerschaft und den entsprechenden Hormonhaushalt einstellen. 
  • Stimmungsschwankungen & Schilddrüse: Die Stimmung kann auch maßgeblich durch die Schilddrüse beeinflusst werden. Sowohl eine Überfunktion als auch eine Unterfunktion kann Einfluss auf die Gefühlswelt nehmen. Auch hier ist der Grund hormonell. Die Schilddrüse produziert Hormone die den Stoffwechsel und somit das Gehirn und die Stimmung beeinflussen.
  • Stimmungsschwankungen & Pille: Auch die Pille beeinflusst den Hormonhaushalt. Viele Menschen entscheiden sich daher für andere Verhütungsmittel als die Pille. Stimmungschwankungen können aufgrund ihrer Einnahme sogar so stark sein, dass das Risiko für Gefühlsschwankungen und sogar für das Erkranken an einer Depression um bis zu 80 % erhöht ist. Welche Pille bei Stimmungsschwankungen geeignet ist, besprichst du am besten mit medizinischem Fachpersonal.
  • Stimmungsschwankungen & Nährstoffmangel: Der Mangel von verschiedenen Nährstoffen kann sich ebenfalls auf die Stimmung, aber auch auf andere Dinge auswirken. Magnesiummangel zum Beispiel kann neben Stimmungsschwankungen auch zu einer verminderten Stresstoleranz, Müdigkeit, Ängsten, Krämpfen und Nervosität führen. Natriummangel kann zudem Auswirkungen auf den Blutdruck und den Kreislauf haben.
  • Stimmungsschwankungen & Depression oder andere psychische Erkrankungen: Eine Reihe von psychischen Erkrankungen wirkt sich auf die Stabilität der Stimmung aus. So zum Beispiel Demenz, die Borderline-Persönlichkeitsstörung und die bipolare affektive Störung, also Depression. Stimmungsschwankungen sind ein Hauptsymptom all dieser Erkrankungen und eine professionelle psychotherapeutische Behandlung ist ratsam. 
  • Stimmungsschwankungen & Morbus Parkinson: Morbus Parkinson ist eine neurologische Erkrankung bei der nach und nach Nervenzellen im Gehirn zerstört werden. Stimmungsschwankungen gelten hier als Begleitsymptom. 
  • Stimmungsschwankungen & Drogenabhängigkeit: Bei Menschen die unter einer Suchterkrankung leiden sind Gefühlsschwankungen ebenfalls oft eine Begleiterscheinung.
  • Stimmungsschwankungen & MS: MS ist ebenfalls eine Erkrankung des Nervensystems. Begleitend können Gefühlsschwankungen und Depressionen auftreten.

Stimmungsschwankungen Mann versus Stimmungsschwankungen Frau

Hormonell bedingte Stimmungsschwankungen bei Männern können ebenso vorkommen wie bei Frauen. Auch sie unterliegen zyklusbedingten Gefühlsunterschieden, jedoch eher im Verlauf eines Tages. Das hängt mit der Höhe des Testosteronspiegels zusammen. Direkt nach dem Aufstehen ist er am höchsten, weshalb viele Männer nach dem Aufstehen am aktivsten und tendenziell auch am sind. Im Laufe des Tages fällt er immer weiter ab.

Starke und plötzliche Stimmungsschwankungen beim Mann sollten ebenso medizinisch abgeklärt werden.

Tipps bei Stimmungsschwankungen: Was tun?

Bei leichten Stimmungsschwankungen kann man auch selbst etwas tun. Doch was hilft gegen Stimmungsschwankungen?

  • Heilpflanzen: Es gibt einige beruhigende pflanzliche Mittel, die stimmungsregulierend wirken können. Baldrian, Melisse oder Lavendel eignen sich dafür. Insbesondere bei prämenstruellen Gefühlsschwankungen können sie helfen. Bei hormonell bedingten Stimmungsschwankungen werden auch Präparate wie Mönchspfeffer oder Rotklee empfohlen.
  • Austausch: Austausch mit nahestehenden Personen oder anderen Betroffenen können dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und Verständnis zu bekommen. Vor allem Schwangeren wird geraten, sich Partner*innen anzuvertrauen oder mit anderen Schwangeren über ihre Probleme zu sprechen. Auch die Inanspruchnahme einer professionelle Psychotherapie kann helfen.
  • Omega-3-Fettsäuren: Die zum Beispiel in Walnüssen, Fisch und Leinöl steckenden Fettsäuren können ebenfalls dazu beitragen, die Stimmung zu stabilisieren.
  • Vitamin-B6: Viele menstruierende Personen stellen sich die Frage: Was hilft gegen PMS-Stimmungsschwankungen? Präparate, die Vitamin-B6 beinhalten sind insbesondere bei PMS-Symptomen hilfreich. Sie wirken nicht nur positiv auf die Stimmung, sondern auch gegen weitere Symptome wie Unterleibsschmerzen, empfindliche Brüste und Wassereinlagerungen.
  • Ernährung: Um Launenhaftigkeit entgegenzuwirken, kann es helfen, intensiver auf die Ernährung zu achten. Vor allem Zucker und auch andere einfache Kohlenhydrate sollten demnach vermieden werden. Wenn der Blutzucker zu schnell absinkt, kann sich das auf die Stimmung auswirken. Getreide, Kartoffeln oder andere Kohlenhydrate sind bei labiler Stimmung eher empfehlenswert.
  • L-Tryptophan: L-Tryptophan ist ein Eiweißbaustein, der ebenfalls über die Ernährung aufgenommen werden kann. Er ist unter anderem Bestandteil von Milch, Käse, Kartoffeln, Nüssen und Rindfleisch.
  • Homöopathie: Wer auf Homöopathie vertraut, kann bei Stimmungsschwankungen die Präparate Pulsatilla D12, Cimicifuga D12 und Ignatia C30 einnehmen.

Behandlung: Was tun bei Stimmungsschwankungen

Wenn die Stimmungsschwankungen sehr stark sind und von einer Grunderkrankung hervorgerufen werden, ist zunächst die Behandlung der Erkrankung notwendig. Je nachdem welche Erkrankung vorliegt, ist entweder eine physiologische oder aber eine psychotherapeutische Behandlung notwendig.

Umgang mit Menschen mit Stimmungsschwankungen

Sollten die Stimmungsschwankungen einer Person sehr plötzlich und intensiv auftreten, sollte diese Beobachtung in einem ruhigen Gespräch an Betroffene rückgemeldet werden. Interessierte Nachfragen zum Gemütszustand und zur Situation können sich als hilfreich erweisen. Ist kein Grund für die Schwankungen erkennbar, sollte ein Besuch bei einer*m Mediziner*in vorgeschlagen werden.

Stimmungsschwankungen sollten jedoch zunächst, sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen, mit Ruhe und Gelassenheit begegnet werden. Alleine das kann der anderen Person schon helfen. Fühlt man alle Veränderungen stark mit, kann das die Gefühle von Betroffenen noch verstärken. Dennoch sollten Mitgefühl und Verständnis vermittelt werden.

Stimmungsschwankungen: Test

Habe ich Stimmungsschwankungen? Wenn du dich in einigen der genannten Anzeichen wieder erkennst, kannst du einen Selbsttest machen, um herauszufinden, ob du von Stimmungsschwankungen betroffen bist. Online findest du eine Auswahl an Tests. Beachte hier jedoch, dass diese nicht unbedingt aus seriösen Quellen stammen und für eine Diagnose eine professionelle psychologische Einschätzung notwendig ist.

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

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Quellenangaben

  1. br. de (2021). So gehen Sie am besten mit Stimmungsschwankungen um. Online verfügbar unter https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/service/stimmungsschwankungen-richtiger-umgang-probleme-familientherapeutin-birgit-salewski-100.html [17.02.22].
  2. Feichter, Martina (2020). Stimmungsschwankungen. Online verfügbar unter https://www.netdoktor.de/symptome/stimmungsschwankungen/ [17.02.22].
  3. Meyer, Lisa (2019). Stimmungsschwankungen. Online verfügbar unter https://focus-arztsuche.de/magazin/symptome/stimmungsschwankungen-ursachen-und-hilfe [17.02.22].
  4. Neurologen und Psychiater im Netz (o.J.) Betroffene und Angehörige sollten anhaltende Stimmungsschwankungen ernst nehmen. Online verfügbar unter https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/ratgeber-archiv/artikel/betroffene-und-angehoerige-sollten-anhaltende-stimmungsschwankungen-ernst-nehmen [17.02.22].

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