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Essstörungen

Essstörungen: Ursachen, Symptome und Therapie

07 Mar 2018 · 6 min lesezeit

Essstörungen gehören zu den psychosomatischen Störungen und müssen nicht immer mit bloßem Auge erkennbar sein. Je nach Erkrankungsform kann starkes Unter- oder Übergewicht vorkommen, Normalgewicht ist jedoch ebenfalls möglich. Die drei häufigsten Essstörungen sind Bulimie (Ess-Brech-Sucht), die Binge-Eating-Störung (Esssucht ohne gewichtsreduzierende Maßnahmen) und die Anorexie (Magersucht). Ein gestörtes Essverhalten, welches gesundheitliche Schäden zur Folge haben kann, haben alle Formen von Essstörungen gemein. Häufig treten Essstörungen auch als Mischformen auf.

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Wer erkrankt an Essstörungen?

Essstörungen entwickeln sich meist in der Jugend oder im frühe Erwachsenenalter. Schätzungen zufolge zeigen mehr als eine Millionen Kinder und Jugendliche Symptome von Essstörungen. Auch die Zahl der jungen Männer, die an Essstörungen erkranken, ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Insgesamt treten die Erkrankungen in einem immer jüngeren Alter auf. Rund 33% der 14- bis 17-jährigen Mädchen zeigen erste Symptome und Warnsignale von Essstörungen. Typischerweise sind Betroffene 12-35 Jahre alt.

Was ist eine Essstörung?

Essstörungen sind meist durch ein in irgendeiner Form abnormales Essverhalten gekennzeichnet. Oftmals kreisen die Gedanken der Betroffenen um die Themen Essen, Körper und Gewicht. Je nach Erkrankungsform können mangelndes oder übermäßiges Essen oder auch Maßnahmen zur Gewichtsreduktion lebensgefährlich sein.

Ursachen von Essstörungen

Oft ist die Entstehung der Essstörungen multifaktoriell bedingt. Das heißt, verschiedene Faktoren spielen bei der Entstehung von Essstörungen zusammen. Psycholog*innen nennen biologische, individuelle, familiäre und soziokulturelle Ursachen. Zu den biologischen Ursachen gehören der Einfluss von Hormonen und genetische Faktoren. Individuelle Ursachen von Essstörungen sind unter anderem die Neigung zu Perfektionismus oder ein hoher Leistungsanspruch, ein geringes Selbstwertgefühl oder traumatische Erlebnisse. Als familiäre Ursachen gelten beispielsweise psychische Erkrankungen eines Elternteils oder das Fehlen von positiven Vorbildern. Zu den soziokulturellen Ursachen von Essstörungen zählen das durch die Medien geprägte Schönheitsideal sowie der Vergleich mit Freund*innen und Personen der Öffentlichkeit.

Essstörungen Faktoren

Was sind die Symptome der Bulimie?

Menschen, die von einer Bulimia Nervosa, Bulimie oder auch Ess-Brech-Sucht betroffen sind, haben oftmals Normalgewicht, wirken sportlich und scheinen sich sehr gesund zu ernähren. Bulimie ist weniger am Körpergewicht erkennbar als andere Essstörungen. Betroffene leiden unter regelmäßigen, nicht kontrollierbaren Essattacken. Nach einer Essattacke treffen sie aus Angst vor einer Gewichtszunahme gewichtsreduzierende Maßnahmen. Oft wechseln Betroffene zwischen Phasen, in denen sie sehr kontrolliert Essen und viel Sport machen, und Phasen mit Heißhunger und Ess-Brech-Anfällen. Zu den körperlichen Symptomen können durch Nährstoffmangel eingerissene Mundwinkel, durch Magensäure angegriffene Zähne und „Hamsterbacken“ gehören, die durch die vermehrte Produktion von Speichel durch die Ohrspeicheldrüsen entstehen.

Zusätzlich ist das Selbstwertgefühl der Betroffenen sehr stark vom Äußeren abhängig. Daneben spielen oftmals Scham, Ekel und Schuldgefühle eine Rolle. Die Essanfälle dienen der Regulation von unerwünschten Gefühlen, wie Angst, Frust oder Wut. Bulimie tritt wie alle Essstörungen häufig zusammen mit einer Depression oder Substanzmissbrauch auf.

Essstörungen Symptome

Was sind die Symptome der Binge-Eating-Störung?

Die Binge-Eating-Störung wird umgangssprachlich als Esssucht bezeichnet. Bei dieser Form von Essstörungen leiden Betroffene mehrmals wöchentlich oder täglich unter Heißhungerattacken. Während eines Essanfalls schlingen sie große Nahrungsmengen herunter. Hierbei geht es nicht um Genuss oder um Hunger. Oftmals wird die Essattacke erst durch Übelkeit oder Schmerzen im Bauch gestoppt. Schuldgefühle, Scham und Ekel begleiten die Essanfälle. Im Gegensatz zu Bulimiker*innen treffen Menschen mit Binge-Eating-Störung keine Gegenmaßnahmen, wie Erbrechen, sodass Übergewicht eine typische Folge ist. Dies begünstigt die Entstehung von Diabetes und Herzkreislauferkrankungen.

Was sind die Symptome der Magersucht?

Die Begriffe Anorexia nervosa, Anorexie oder Magersucht bezeichnen eine Essstörung, die von dem Drang geprägt ist, möglichst wenig zu wiegen und das Essverhalten kontrollieren zu können. Anorektiker*innen machen ihren Selbstwert und ihr Wohlbefinden meist von ihrem Gewicht abhängig. Außerdem sind sie ständig damit beschäftigt, ihr Körpergewicht zu kontrollieren und zu reduzieren. Betroffene, die die Nahrungsaufnahme verringern oder verweigern, gehören dem sogenannten restriktiven Typus an. Betroffene, die nach dem Essen Gegenmaßnahmen ergreifen, z.B. Erbrechen, Abführmittel nutzen oder exzessiv Sport machen, gehören dem sogenannten Purging-Typus an.

Untergewicht kann sehr gefährlich für den Körper sein. Herzrhythmusstörungen, Störungen im Elektrolyte- und Hormonhaushalt, Organschäden, Osteoporose und Unfruchtbarkeit sind oftmals die Folge einer Magersucht. Das macht die Anorexie zu einer der tödlichsten psychischen Erkrankungen. Eine Therapie ist immer notwendig. Aufgrund einer fehlenden Krankheitseinsicht verweigern viele Patienten eine Therapie.

Diagnose von Essstörungen

Zur Diagnose von Essstörungen ziehen Ärzt*innen, Psychiater*innen und Psychotherapeuten*innen das Gewicht und die Körpergröße heran, sowie den daraus ermittelbaren Body-Mass-Index. Ein niedriger BMI ist typisch für die Magersucht, ein hoher BMI wiederum für die Binge-Eating-Störung. Menschen mit Bulimie haben oftmals einen BMI im Normalbereich. Bei der Diagnose können Fragebögen hilfreich sein. Betroffene sind sich ihrer Essstörung meist bewusst, zeigen jedoch erst spät eine Krankheitseinsicht und verweigern die Therapie. Selbsttests, die anonym durchgeführt werden können, können Auskunft über das Vorliegen von Essstörungen geben. Solch ein Test ersetzt aber niemals eine ärztliche Diagnose.

Therapie bei Essstörungen

Damit eine Psychotherapie bei Essstörungen erfolgreich ist, sollte die betroffene Person die Einsicht haben, dass sie krank ist und Hilfe benötigt. Man kann Essstörungen selten selbst heilen, aber Psychotherapie kann eine gute Methode sein, um die Heilung zu fördern. Die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den Methoden, die bei der Therapie der Essstörungen gute Erfolge zeigt. Da Menschen mit Essstörungen auf Stress und emotionale Situationen mit einem gestörten Essverhalten reagieren, zielt die Therapie darauf ab, ihnen alternative Bewältigungsstrategien beizubringen. Besonders bei jungen Patient*innen ist es wichtig, das familiäre Umfeld in die Therapie mit einzubeziehen. Auch Angehörige lernen, Essstörungen zu verstehen und können die betroffene Person somit besser unterstützen. Unterstützend kann zudem eine Ernährungstherapie mit der Spezialisierung auf Essstörungen helfen, bei der Wissen zu gesunder Ernährung, strukturierte Mahlzeiten und Portionsgrößen erlernt werden.

Online-Intervention als erste Hilfe bei Essstörungen

Faktoren, die viele Betroffene von Essstörungen davon abhalten sich Hilfe zu suchen, sind unter anderem Scham, Schuldgefühle und die Angst vor Stigmatisierung. Hier bietet sich eine Online-Intervention als Einstieg in die Therapie an. Sie erfolgt anonym und flexibel über das Internet und legt den Grundstein für eine spätere psychotherapeutische Therapie.

Krankheitsverlauf und Wechselwirkungen

Häufig gehen die Essstörungen ineinander über oder wechseln sich ab. Die Symptome sind mal stärker oder schwächer ausgeprägt. Daher lassen sich Betroffene nicht immer eindeutig einer der Kategorien zuordnen. Beispielsweise entwickeln rund 20 Prozent der Magersüchtigen eine Bulimie und 25 Prozent eine chronische Anorexie. Einem Drittel gelingt es nach einer Therapie Normalgewicht zu erreichen. Rund 30 Prozent der Bulimiker*innen entwickeln eine chronische Form. Zur Binge-Eating-Störung liegen noch relativ wenige Daten aus Studien vor. Die Erkrankung verläuft häufig in Phasen. Nach einer Therapie zeigen zwischen 30 und 80 Prozent der Patient*innen eine deutliche Symptomverbesserung.

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Quellenangaben

1. Bundesgesundheitsministerium (o.J.). Essstörungen. Online verfügbar unter https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/essstoerungen.html [17.06.20].

2. Fairburn, C. G. (2018). Kognitive Verhaltenstherapie und Essstörungen. Klett-Cotta.

3. Hepp, U., & Milos, G. (2010, December). Essstörungen. In Swiss Medical Forum (Vol. 10, No. 48, pp. 834-840). EMH Media.

4. Herpertz, S., Hagenah, U., Vocks, S., von Wietersheim, J., Cuntz, U., & Zeeck, A. (2011). Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Dtsch Arztebl Int, 40, 678-685.

5. Reich, G. (2005). Familienbeziehungen und Familientherapie bei Essstörungen.

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