Zurück 20 Apr 2022 · 15 min lesezeit
von Michaela Asmuß

Unter einer Psychose wird ein seelischer Ausnahmezustand verstanden, der mit Veränderungen im Denken, Fühlen und Handeln einhergeht. Wer eine Psychose erlebt, verliert vorübergehend den Bezug zur Realität. Je früher Psychosen erkannt und behandelt werden, desto höher ist die Chance, dass die Betroffenen wieder ein weitgehend normales Leben führen können.

Psychotische Störungen lassen sich aufgrund ihrer Vielfalt nicht anhand eines einzelnen Symptoms beschreiben. Zu den auffälligsten Anzeichen einer Psychose gehören Wahrnehmungsstörungen, Realitätsverlust, Denkstörungen und Wahnvorstellungen. Viele setzen eine Psychose mit Schizophrenie gleich. Dieser Ansatz ist jedoch unvollständig, da mit einer Psychose nicht zwangsläufig eine Schizophrenie einhergehen muss. Hier erfährst du, wie du eine Psychose erkennen kannst und welche Therapiemöglichkeiten es gibt. 

Was ist eine Psychose?

Du fragst dich vermutlich: Was sind Psychosen eigentlich und wie äußert sich eine Psychose? Der Begriff Psychose umfasst verschieden schwere psychische Störungen, bei denen der Bezug zur Realität gestört ist. Dieser Realitätsverlust kann sich sehr unterschiedlich äußern. Doch trotz des individuellen Auftretens des Störungsbildes gibt es typische Symptome, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sind. Typische Psychose-Anzeichen sind:

  • Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, des Denkens und Fühlens
  • Wahnvorstellungen und Halluzinationen
  • Realitätsverlust 
  • Defizite beim organisierten, rationalen Denken 
  • Ich-Störungen sowie Auswirkungen auf das Bewusstsein

Betroffenen fällt es schwer, zwischen der Wirklichkeit und der eigenen subjektiven Wahrnehmung zu unterscheiden. Sie verstehen nicht, dass ihre Wahrnehmung und das damit verbundene Denken und Fühlen nicht der Realität entspricht. Das kann dazu führen, dass sie sich verfolgt oder bedroht fühlen.

Wie häufig tritt eine Psychose auf?

Laut Statistik sind rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Eine Psychose tritt meistens schon in jungen Jahren zwischen dem 12. und 35. Lebensjahr auf. Die Häufigkeit der Erkrankung ist bei beiden Geschlechtern gleich.

Psychose: Definition

Der Begriff Psychose setzt sich aus den griechischen Wörtern „psyche“ = „Hauch, Atem, Seele“ und „osis“ = „Zustand“ zusammen und bedeutet so viel wie „Seelenzustand oder Gemütszustand“. Früher wurden an einer Psychose erkrankte Menschen „Psychotiker“ genannt.

Psychosen: Arten und Klassifikation

Da die psychotische Störung diverse Erscheinungsbilder hat, die in ihrer Form variieren, werden psychotische Störungen in verschiedene Untergruppen eingeteilt. Man unterscheidet primäre und sekundäre Psychosen. Bei den primären Psychosen stehen vor allem psychotische Veränderungen wie Wahn oder Halluzinationen im Vordergrund.

Eine sekundäre Psychose wird auch als organische Psychose bezeichnet, da die Auslöser auf organische Ursachen zurückzuführen sind. Bei einer sekundären Psychose treten zusätzlich zu den typischen Psychose-Symptomen häufig Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen und Gedächtnisstörungen auf.

Psychose: DSM-5

Zu den primären Psychosen zählen nach dem Diagnosehandbuch DSM-5:

  • Schizophrenie
  • schizophreniforme Störung
  • schizoaffektive Störung
  • wahnhafte Störungen
  • kurze psychotische Störung
  • induzierte psychotische Störung

Psychose: ICD-10

Im ICD-10, der internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), finden sich folgende Formen der primären Psychosen:

  • Schizophrenie (Schizophrene Psychose)
  • Schizotype Störung
  • anhaltende wahnhafte Störung
  • vorübergehende psychotische Störung
  • induzierte wahnhafte Störung 
  • Schizoaffektive Störung
  • sonstige nichtorganische psychotische Störungen
  • nicht näher bezeichnete nichtorganische Psychose 

Psychose: Ursachen

Wie primäre Psychosen entstehen, ist noch nicht eindeutig geklärt. Früher wurden primäre Psychosen auch als endogene Psychose oder „endogene Erkrankung“ bezeichnet, also von „innen heraus“ kommend. Heute geht man nicht mehr davon aus, dass allein „endogene“ Ursachen für eine Psychose verantwortlich sind. Vielmehr steht ein multifaktorielles Ursachengeschehen im Vordergrund. Das heißt, dass verschiedene biologische und psychosoziale Faktoren zur Entstehung der Psychose führen. 

Eine genetische und psychische Disposition scheint gegeben, da sich in manchen Familien gehäuft Fälle von psychotischen Störungsbildern zeigen. Auch sind manche Menschen anfälliger für Psychosen. Vermutet wird eine Störung des Zusammenspiels verschiedener Botenstoffe im Gehirn. Stress, einschneidende Erlebnisse wie ein Trauma oder der Verlust eines geliebten Menschen können ebenfalls zu einer Psychose führen.

Sekundäre Psychose

Bei sekundären Psychosen (exogene Psychose, von „außen kommend“) liegen organische Ursachen zugrunde, zum Beispiel:

  • Infektionen
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Hirntumor
  • Hormonstörungen
  • neurologische Erkrankungen wie Parkinson

Auch Medikamente können eine psychotische Episode hervorrufen. So steigern Parkinson-Medikamente den Dopaminspiegel im Blut. Ist der Dopamingehalt zu hoch, kann eine Psychose entstehen.

Drogeninduzierte Psychose

Kann eine Psychose durch Drogen ausgelöst werden? Ja – vor allem, wenn du schon eine genetische Veranlagung zu Psychosen durch deine Familiengeschichte hast. So kann eine Psychose durch Alkohol ausgelöst werden oder durch den Konsum von psychotropen Substanzen wie Cannabis. Psychose-Symptome können schon nach dem erstmaligen Konsumieren auftreten. Egal, ob Alkoholpsychose, Kokainpsychose oder Psychose durch Gras (Cannabis): Bei einer Drogenpsychose muss immer die Substanzabhängigkeit mitbehandelt werden.

Psychosen: Symptome

Du fragst dich nun vielleicht: Habe ich eine Psychose? Dann schau dir die folgenden Symptome an.
Menschen mit einer Psychose steigen vorübergehend aus der Realität aus und zeigen eine Wesensveränderung. Symptome werden in drei Kategorien aufgeteilt: 

  1. positive Symptome
  2. negative Symptome
  3. kognitive Symptome

Positive und negative Symptome sind im Verlauf einer Psychose unterschiedlich ausgeprägt. Während zu Beginn der Erkrankung (Erstmanifestation) ein psychotischer Schub häufig durch Positivsymptome auffällt, sind Negativsymptome insbesondere für eine chronische Psychose kennzeichnend. 

Begleitsymptome

Häufig werden psychotische Symptome von starken Stimmungsschwankungen begleitet. Betroffene sind schnell reizbar und können wirres Zeug reden oder unkontrollierte Selbstgespräche führen. Auffällig ist der Realitätsverlust. Symptome wie Depressionen, Ängste und Desorientiertheit können auftreten. Da das Verhalten häufig rätselhaft und bizarr ist, kommt es zu Spannungen in der Familie und am Arbeitsplatz.

Psychose: Frühwarnzeichen

Eine primäre Psychose kündigt sich häufig bereits Wochen, Monate oder sogar Jahre vor einer akuten Episode an. Diese Frühwarnzeichen oder „Prodromalsymptome“ sind sehr unspezifisch und werden oft als Depression fehlinterpretiert oder bei Jugendlichen auf die Pubertät geschoben.

Das sind typische Frühwarnsignale bei einer Psychose:

  • mangelnder Antrieb
  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen
  • gedrückte Stimmung
  • innere Anspannung und Nervosität
  • erhöhte Reizbarkeit
  • sozialer Rückzug
  • Tragen seltsamer Kleidung
  • Misstrauen
  • plötzliches ungewöhnliches Interesse für religiöse oder übernatürliche Dinge

Eine sekundäre Psychose, die durch eine körperliche Erkrankung verursacht ist, tritt häufig als akute Psychose in Erscheinung.

Psychose: Selbsttest

Habe ich eine Psychose? Hier kannst du einen Psychose-Test machen: Früherkennungszentrum für Psychosen, Universitätsklinikum Bonn

Was ist eine Halluzination?

Sinneswahrnehmungen, die ohne vergleichbare Reize von außen auf Personen einwirken, sind als Halluzination zu verstehen. So können Betroffene beispielsweise Musik oder Stimmen wahrnehmen, ohne dass eine zugehörige äußere Quelle existiert. Das kann alle Sinne betreffen: Manche sehen kleine Tierchen auf sich krabbeln, ohne dass sich dort welche befinden. Oder sie schmecken etwas, obwohl sie nichts gegessen haben. Bei akustischen Halluzinationen sind vor allem Anweisungen oder kommentierende Stimmen kennzeichnend.

Wahnsinn: Definition

Du fragst dich: Was sind Wahnvorstellungen? Bei einer wahnhaften Störung sind Betroffene dermaßen überzeugt von etwas, dass sie sich selbst mit gegenteiligen Beweisen nicht von ihrer Überzeugung abbringen lassen. Dieses Phänomen, dass Menschen die Realität plötzlich als bedrohlich und doppelbödig empfinden, bezeichnet man auch als „Apophänie“.

Es gibt die unterschiedlichsten Wahnvorstellungen. Beispiele sind:

  • Verfolgungswahn
  • Vergiftungswahn
  • Schuldwahn (Glaube, dass man an dem Unglück oder dem Leiden der Welt schuld ist)
  • Beziehungswahn (Glaube, dass alles, was geschieht, mit einem selbst, anderen Personen oder zukünftigen Ereignissen zu tun hat)
  • Kontrollwahn (Glaube, dass man von außen kontrolliert wird beziehungsweise, dass die eigenen Gedanken von außen kontrolliert werden)
  • Religiöser Wahn

Wahnideen, wie verfolgt oder vergiftet zu werden, kommen bei Betroffenen besonders häufig vor. Organisch wahnhafte Störungen kommen häufig bei Alzheimer-Demenz vor.

Wahnvorstellungen: Wie reagieren?

Wenn du glaubst, an Wahnvorstellungen zu leiden, solltest du umgehend deine:n Hausärztin:arzt aufsuchen. Sie oder er kann herausfinden, ob eine organische Ursache zugrunde liegt. Wenn nicht, wirst du an Fachärzt:innen überwiesen. Auch wenn dir bei einem Familienmitglied Wahn-Symptome auffallen, solltest du versuchen, ihn oder sie zu einem Arztbesuch zu bewegen. Je früher eine Psychose erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten.

Psychose: Ich-Störung

Was ist eine Ich-Störung? Wenn die Grenzen zwischen dem eigenen Ich und der Außenwelt verschwimmen, spricht man von einer Ich-Störung. Psychose-Erfahrene berichten, dass sie sich nicht mehr als eigenständige Person wahrnehmen und von der Umwelt abgrenzen können.

Ich-Störung: Symptome

Bei einer Ich-Störung sind Betroffenen davon überzeugt, dass ihre Gedanken und Handlungen von außen kontrolliert werden. Es kommt zu:

  • Derealisation: Personen, Gegenstände oder die Umgebung scheinen unwirklich und fremd.
  • Depersonalisation: Die eigene Person wird als unwirklich und fremd wahrgenommen.
  • Gedankenentzug: Fremde Personen nehmen einem die Gedanken weg.
  • Gedankeneingebung: Fremde Personen steuern und lenken die eigenen Gedanken. 
  • Fremdbeeinflussung: Alles wirkt inszeniert und nicht echt.   

Depression – Psychose

Eine Psychose kann durch Negativsymptome wie eine Depression gekennzeichnet sein. Andererseits kann mit einer Depression auch eine Psychose einhergehen. Fachärzt:innen können die beiden Erkrankungen gut unterscheiden und die entsprechende Therapie anbieten.

Schizophrenie

Die Schizophrenie ist eine psychotische Erkrankung mit einem sehr unterschiedlichen Erscheinungsbild. Charakteristisch für die Schizophrenie sind:

  • Ich-Störung
  • extreme Stimmungsschwankungen oder Gefühlsverflachung (gestörte Affektivität)
  • kognitive Beeinträchtigungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis
  • Denk- und Sprachstörungen
  • Wahnvorstellungen
  • Halluzinationen
  • Antriebsminderung bis hin zu Bewegungslosigkeit oder starke motorische Erregung mit stereotypen Bewegungsabläufen (Störung der Psychomotorik). 

Unterschied: Psychose – Schizophrenie?

Oftmals wird die Schizophrenie mit Psychose gleichgesetzt. Dabei ist die Schizophrenie nur ein Erscheinungsbild einer psychotischen Störung. Man unterscheidet zwischen der akuten und der chronischen Krankheitsphase. In der akuten Phase zeigen sich vermehrt Positivsymptome wie Stimmenhören und Verfolgungswahn. Während der chronischen Phase überwiegen die Negativsymptome wie sozialer Rückzug, Mangel an Gefühlen, Antriebsminderung.

Affektive Schizophrenie

Im ICD-10 wird die Schizophrenie in verschiedene Unterformen eingeteilt. Eine Unterform ist die „Hebephrene Schizophrenie“. Eine Form der Schizophrenie, bei der affektive Veränderungen im Vordergrund stehen, daher ist manchmal auch von „affektiver Schizophrenie“ die Rede. Es kommt zu Antriebslosigkeit, die Stimmung ist flach und unangemessen, das Denken desorganisiert, die Sprache zerfahren. Betroffene neigen zu sozialer Isolation.

Weitere Unterformen im ICD-10 sind unter anderem:

  • Paranoide Schizophrenie (Wahn steht im Vordergrund) 
  • Katatone Schizophrenie (psychomotorische Störungen)
  • Schizophrenia simplex (nur Negativsymptomatik, zunehmende Verhaltensauffälligkeit)

Im DSM-5 und auch im neuen ICD-11 werden diese Unterformen nicht mehr berücksichtigt.

Schizoaffektive Psychose

Die Schizoaffektive Psychose ist eine Form der Psychose, bei der sich Symptome der Schizophrenie und der affektiven Psychose mischen oder gleichzeitig auftreten. Es sind aber weder die Kriterien für eine Schizophrenie erfüllt noch für eine depressive oder manische Episode.

Schizoaffektive Störung: Symptome

Die Symptome setzen sich aus schizophrenen (Wahn, Halluzination) und affektiven Anzeichen (depressive oder manische Zustände) zusammen. Je nachdem, welche Stimmung vorherrscht, wird die Erkrankung zum Beispiel als „Schizoaffektive Störung, gegenwärtig manisch“ oder „gegenwärtig depressiv“ klassifiziert.

Schizoaffektive Störung: Ursachen

Die Ursachen für eine Schizoaffektive Störung sind, wie bei jeder psychotischen Störung, multifaktoriell. Es gibt also biologische, psychische und soziale Faktoren, die zur Entstehung beitragen können.

Akute vorübergehende psychotische Störung

Bei diesem Störungsbild sind ein akuter Beginn innerhalb von zwei Wochen und eine rasch wechselnde Symptomatik kennzeichnend. Es treten typische schizophrene Symptome auf wie Wahn oder Halluzination. Dazu kommen schwere Störungen des normalen Verhaltens.

Akute Psychose: Dauer

Die Erkrankung dauert in der Regel nur wenige Monate, oft ist sie auch schon nach wenigen Wochen oder Tagen wieder vollständig ausgeheilt. Ursachen können Stress und akute Belastungen sein.

Akute polymorphe psychotische Störung

Eine akute polymorphe psychotische Störung ist eine Unterform der akuten vorübergehenden psychotischen Störung. Halluzination, Wahnvorstellungen und Wahrnehmungsstörungen sind unterschiedlich ausgeprägt und wechseln von Tag zu Tag oder sogar von Stunde zu Stunde. Die Betroffenen sind häufig emotional stark aufgewühlt. Charakteristisch ist die Unbeständigkeit der Symptome. Die akute polymorphe psychotische Störung entwickelt sich sehr rasch innerhalb weniger Tage und bildet sich ebenso schnell wieder zurück.

Schwangerschaftspsychose

Die Schwangerschaftspsychose ist eine seltene Form der Psychose. Charakteristisch sind Angst, Unruhe und psychotische Symptome wie Wahn oder Halluzinationen während der Schwangerschaft und nach der Geburt. Eine schnelle Behandlung bei einer Schwangerschaftspsychose ist sehr wichtig, da durch Wahn und Halluzination das Kindswohl gefährdet ist. Ursachen können eine genetische Veranlagung, soziale Probleme oder ein starkes Ungleichgewicht des Hormonhaushalts sein, der durch die Schwangerschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Psychose: Verlauf

Der Verlauf einer Psychose ist bei jeder Person individuell: Während manche nur einen psychotischen Schub haben, muss rund die Hälfte der Betroffenen mit mehreren Krankheitsphasen zurechtkommen. Ein Viertel lebt mit einer chronischen Psychose. Vor allem bei wahnhaften oder schizotypen Störungen ist der Verlauf eher chronisch, während die akute vorübergehende psychotische Störung meistens innerhalb von drei Monaten komplett ausgeheilt ist.

Bei einer sekundären Psychose hängen Verlauf und Erkrankungsdauer von der zugrunde liegenden Erkrankung und deren Behandlung ab

Schizophrenie: Verlauf

Bei Schizophrenie-Betroffenen heilt die Erkrankung bei etwa einem Drittel nach einem Schub aus. Ein Drittel erlebt mehrere psychotische Schübe mit beschwerdefreien Phasen dazwischen. Und bei einem Drittel verläuft die Schizophrenie chronisch.

Psychose: Dauer

Eine primäre Psychose lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die je nach Psychose-Form unterschiedlich lange dauern können:

Prodromalphase (Vorläuferphase): Zeitraum vom Auftreten erster psychischer Veränderungen (Frühwarnsymptome) bis zum durchgängigen Auftreten von psychotischen Symptomen. Die durchschnittliche Dauer liegt bei zwei bis fünf Jahren. 

Akutphase: Es kommt zum vollständigen Ausbruch der Erkrankung mit Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Denkstörungen. In dieser Phase fällt es Betroffenen häufig schwer zu verstehen, dass sie Hilfe brauchen. Die durchschnittliche Dauer liegt bei sechs bis zwölf Monaten. Die Akutphase kann auch noch stattfinden, während die Therapie schon läuft. 

Postakute Stabilisierungsphase: Die Symptome klingen langsam ab. Dies kann etwa drei bis sechs Monate dauern. 

Stabile Remissionsphase (Langzeitphase): Der Zustand hat sich stabilisiert, die akuten Symptome sind verschwunden. Doch Negativsymptome können über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Diese Phase kann Jahre dauern, manchmal auch verbunden mit Rückfällen in die akute Phase.

Wie kommt man aus einer Psychose raus?

Du fragst dich nun vermutlich: Ist eine Psychose heilbar? Und vielleicht auch: Kann eine Psychose von selbst heilen? Die wenigsten Psychosen heilen von selbst aus. Das sind vor allem die akuten vorübergehenden Störungen. Doch prinzipiell ist es wichtig, dass eine Psychose so bald wie möglich therapiert wird. Manche Symptome können sich im Verlauf der Therapie rasch bessern, andere sind vielleicht nur schwer zu beeinflussen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Um eine Psychose heilen zu können, ist es zunächst wichtig, die Form der Psychose zu diagnostizieren. Liegt eine organische Erkrankung zugrunde, wird diese behandelt.

Für die Therapie der Psychose kommen Medikamente und psychotherapeutische Verfahren infrage. Wichtig ist, dass die Betroffenen zur Ruhe kommen und die Reizüberflutung abgemildert wird. Auch Familie und Partner:innen sollten in die Therapie einbezogen werden, da diese meistens stark mitbetroffen sind. Vor allem bei einer induzierten wahnhaften Störung, bei der der Wahn auf eine emotional nahestehende Person übertragen (induziert) wird, ist es notwendig, beide Betroffenen in den therapeutischen Prozess einzubeziehen.

Drogeninduzierte Psychose: Heilungschancen

Eine Psychose, die durch psychotrope Substanzen ausgelöst wurde, kann nach Absetzen der Drogen und mithilfe einer medikamentösen Therapie sowie einer Psychotherapie wieder abklingen. Eine unterstützende Suchttherapie ist sinnvoll.

Psychose: Behandlung mit Medikamenten

Medikamente gegen Psychose, die sogenannten Antipsychotika (früher auch „Neuroleptika“ genannt), sind sehr wirksam. Psychose-Medikamente beeinflussen die Botenstoffe im Gehirn und reduzieren so die akuten Symptome. Mit ihrem Einsatz können die psychotischen Symptome, vor allem die Hauptsymptome Halluzination und Wahn, gelindert oder ganz beseitigt werden. In der Regel müssen Antipsychotika über mehrere Jahre hinweg eingenommen werden, um einen Rückfall zu verhindern. Eine Medikamentenabhängigkeit entsteht nicht. 

Man unterscheidet zwei Arten von Antipsychotika: die typischen Antipsychotika (zum Beispiel Haloperidol) und die neueren atypischen Antipsychotika (zum Beispiel Risperidon oder Clozapin). Die atypischen Mittel haben weniger Nebenwirkungen im Bereich der Körpermotorik, sie wirken sich dafür häufiger auf den Stoffwechsel aus (zum Beispiel Gewichtszunahme). 

Je nach Psychose-Verlauf und -Form können noch weitere Medikamente eingesetzt werden, zum Beispiel Antidepressiva oder Beruhigungsmittel.

Psychose: Behandlung mit Psychotherapie

Eine Psychotherapie soll Betroffenen helfen, wieder zurück in ein Leben ohne Psychosen zu finden, beziehungsweise mit der Erkrankung bestmöglich zu leben. Wichtig ist es zunächst, die Reizüberflutung einzudämmen und Ängste und Verunsicherungen entgegenzuwirken.

Vor allem die Kognitive Verhaltenstherapie hat sich als hilfreich erwiesen: Hier lernen Betroffene besser mit ihren negativen Gedanken umzugehen, die ein Auslöser der psychotischen Schübe sein können. Wichtiger Bestandteil der Therapie ist zudem die Stärkung sozialer Kompetenzen. Betroffene lernen, schwierige Situationen konstruktiv zu lösen. So wird das Risiko eines Rückfalls reduziert.

Verfahren der Psychoedukation informieren Betroffene und Angehörige über die Erkrankung und ihre Behandlung. Psychoedukation fördert das Krankheitsverständnis und den selbstverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung.

Weitere hilfreiche Therapieformen:

  • Soziotherapie
  • Ergotherapie
  • Familientherapie
  • Soziales Kompetenztraining
  • Suchttherapie
  • Psychodynamisch orientierte Psychotherapie
  • Künstlerische Therapien (Musik-, Kunst-, Dramatherapie)
  • Entspannungsverfahren (PMR, Autogenes Training, Achtsamkeitsübungen)

Psychose: Angehörige

Familien mit Menschen, die eine Psychose erleben, sollten in die Behandlung mit eingebunden werden. So ist vor allem bei stark ausgeprägten Positivsymptomen wie Wahnvorstellungen Hilfe für Angehörige wichtig. Als wirksam haben sich Psychoedukation und Familieninterventionen wie Problemlösen und Krisenintervention erwiesen. Ist die Familie in die Behandlung einbezogen, sinkt das Risiko für einen erneuten psychotischen Schub. Auch die Symptome bessern sich.

Psychose: Leben danach

Das Leben und die Zeit nach der Psychose hängen wesentlich von der Art der Psychose ab. So bestehen bei akuten Psychosen gute Aussichten auf vollständige Heilung, während zum Beispiel eine Schizophrenie auch einen chronischen Verlauf nehmen kann.

Generell ist es wichtig, eine Psychose so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln, um die Aussicht auf ein psychosefreies Leben zu verbessern.

Psychose: Erfahrungsberichte

Du möchtest wissen, wie es ist, eine Psychose zu haben? Hier berichten Betroffenen von ihren Erfahrungen mit der Erkrankung:

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Ein Artikel von

Michaela Asmuß Psychologin

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Quellenangaben

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  2. Bäuml, J.; Lambert, M. (o. D.) Kompass: Psychosen. https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/psychiatrie-und-psychotherapie/aus-weiterbildung/downloads-zu-psychischen-erkrankungen.html
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  5. Netzwerk Deutscher Apotheker GmbH (o. D.). Medizinlexikon. Gestationspsychose (Schwangerschaftspsychose). https://www.apotheken.de/medikamente/lexikon/g0271 
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  18. therapie.de von Pro Psychotherapie e. V. (o. D.). F25.-Schizoaffektive Störungen. https://www.therapie.de/psyche/info/index/icd-10-diagnose/schizophrenie/f25-schizoaffektive-stoerungen/
  19. Universitätsklinikum Bonn (o. D.). Früherkennungszentrum für Psychosen FEP. Frühe Anzeichen einer Psychose. http://www.psychose-frueherkennung.de/wissen_fruehanzeichen/

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