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Persönlichkeitsstörungen

26 Mar 2018 · 3 min lesezeit
von Marieke Lyda

Eine Frage der Persönlichkeit?

Der Mensch ist Inbegriff der Individualität. Es gibt eine immense Vielfalt an diversen Persönlichkeiten, die unseren Charakter prägen: Während der eine eher zurückhaltend, ängstlich und still ist, ist der andere eher extrovertiert, offensiv und laut. Doch wann kommt unsere Persönlichkeit wirklich zu Tage? Sie bestimmt unsere Reaktion sowohl auf andere Menschen, als auch auf Konfliktsituationen und vor allem, ob und wie wir Situationen mit Problem- und Konfliktpotential bewältigen. Gerade in diesen Momenten machen sich Persönlichkeitsstörungen bemerkbar, da sie meist von angemessenen Verhaltensmustern abweichen und somit eine Beeinträchtigung des Sozialverhaltens mit sich bringen.

Was versteht man unter einer Persönlichkeitsstörung?

Starre und geringe Flexibilität, fehlende Anpassung oder starke Ausprägung der Persönlichkeit sind wesentliche Merkmale einer Persönlichkeitsstörung. Die Klassifikation der Persönlichkeitsstörungen basiert auf einer Aufteilung der auftretenden Merkmale. Nicht immer sind die Störungsbilder jedoch klar voneinander abtrennbar.

Welche Arten der Persönlichkeitsstörung gibt es?

Die internationalen Klassifikationssysteme ICD und DSM definieren eine Vielzahl an unterschiedlichen Persönlichkeitsstörungen: Es wird angenommen, dass jede*r Zehnte unter einer Persönlichkeitsstörung leidet. Zudem kommt es auch vor, dass Betroffene mehrere Störungsbilder gleichzeitig aufweisen.

Paranoide Persönlichkeitsstörung

Misstrauisches, streitsüchtiges sowie selbstbezogenes Verhaltensweisen sind kennzeichnend für die paranoide Persönlichkeitsstörung. Betroffene empfinden andere Menschen als feindselig und leben in der Annahme, dass die ganze Welt gegen sie sei.

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Bei dieser Persönlichkeitsstörung neigen Betroffene zu stark übertriebenem, theatralischem Verhalten, welches mit einer gewissen Labilität und Oberflächlichkeit einhergeht.

Zwanghafte (anankastische) Persönlichkeitsstörung

Perfektionismus sowie ein übermäßiges Kontrollbedürfnis sind kennzeichnend für die Anankastische Persönlichkeitsstörung. Betroffene leiden unter ständigen Zweifeln, sind zudem nicht flexibel und wirken pedantisch. Beim Ausüben einer Tätigkeit spielen die damit verbundenen Regeln für Betroffene eine wesentlich wichtigere Rolle.

Ängstliche Persönlichkeitsstörung

Mit der ängstlichen Persönlichkeitsstörung geht meist die Angst einher, abgelehnt zu werden oder auf andere unattraktiv zu wirken, weshalb Betroffene nur schwer mit Kritik umgehen können und meist unsicher und zurückhaltend sind.

Abhängige Persönlichkeitsstörung

Betroffenen fällt es äußerst schwer, unabhängig von anderen Menschen Entscheidungen zu treffen, da sie sich meist an diesen orientieren. Das Störungsbild ist zudem von starken Gefühlen wie der Angst vor dem Verlassenwerden geprägt. Betroffene zeigen sich meist passiv und unterwürfig.

Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Diese Persönlichkeitsstörung geht mit enormen Defiziten des Sozialverhaltens einher. Betroffene neigen zu äußerst eigenartigen Verhaltensweisen. Dies kann auch am eigenwilligen Kleidungsstil und der skurrilen Sprache erkennbar sein. Zudem haben Betroffene eine stark verzerrte Wahrnehmung und sehr verstrickte Denkmuster.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Unter den arroganten, selbstbezogenen und egoistischen Verhaltensweisen der Betroffenen stecken meist tief verwurzelte Ängste, nicht ausreichend Anerkennung zu erhalten und abgelehnt zu werden, sowie ein geringes Selbstbewusstsein. Narzisstische Persönlichkeiten haben meist ein geringes Maß an Empathie und sind zudem kaum Kritikfähig.

Schizoide Persönlichkeitsstörung

Kennzeichnend für dieses Störungsbild sind sehr zurückgezogene, in sich gekehrte Verhaltensweisen. Durch das Flüchten in Fantasiewelten isolieren Betroffene sich von ihrem Umfeld und sind am liebsten allein. Freude, oder generell Gefühle zu erleben fällt ihnen schwer.

Dissoziale oder Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Dissoziale Persönlichkeiten haben meist instabile Beziehungen, da sie kaum bis gar kein Einfühlungsvermögen besitzen. Durch die sehr geringe Frustrationstoleranz neigen sie schnell zu aggressiven Verhaltensweisen. Zudem ist die Missachtung geltender Regeln und fehlendes Verantwortungsbewusstsein kennzeichnend für das Störungsbild.

Emotional Instabile Persönlichkeitsstörung

Bei dieser Persönlichkeitsstörung definiert das ICD zwei Arten:

  • der impulsive, emotional instabile Typus
  • und der Borderline-Typus. Erstere ist von einer mangelnden Impulskontrolle und emotionaler Instabilität geprägt. Der Borderline-Typus zeichnet sich durch das Leiden an dem permanenten Gefühl von Leere, der Neigung zu impulsivem Verhalten und den intensiven jedoch instabilen und kurzlebigen zwischenmenschlichen Beziehungen.

Wie können Persönlichkeitsstörungen therapiert werden?

Bei der Therapie von Persönlichkeitsstörungen haben sich verhaltenstherapeutische, aber auch tiefenpsychologisch fundierte Verfahren als hilfreich erwiesen. Ziel jeder Therapieform ist es, den Patient*innen eine Möglichkeit zu geben, an ihren – durch die Störung beeinträchtigten – Verhaltensweisen zu arbeiten. Dadurch sollen destruktive Symptome gelindert werden, sodass der Alltag besser bewältigt werden kann. Da Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung vermehrt zu Alkohol- und Drogenmissbrauch neigen, bedarf es diesbezüglich eine darauf spezialisierte Therapiemethode. Zudem kommt es vor, dass Betroffene suizidales Verhalten und depressive Symptome als Begleiterscheinungen aufweisen. Auch hierauf sollte während der Therapie spezifisch eingegangen werden.

Ein Artikel von

Marieke Lyda Redakteurin · Content Managerin

Quellenangaben

  1. Fiedler P. (2011) Persönlichkeitsstörungen. In: Wittchen HU., Hoyer J. (eds) Klinische Psychologie & Psychotherapie. S. 1101-1121, Springer-Lehrbuch
  2. Sachse, R. (2012): Persönlichkeitsstörungen verstehen, Psychiatrie Verlag
  3. Bronisch T., Habermeyer V., Herpertz S.C. (2008): Persönlichkeitsstörungen. In: Möller HJ., Laux G., Kapfhammer HP. (eds): Psychiatrie und Psychotherapie. S. 2033-2095, Springer
  4. Wöller, W., Tress, W. (2005): Die psychotherapeutische Behandlung von Persönlichkeitsstörungen. In: Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Band 51, Ausgabe 2

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