Zurück 05 Apr 2022 · 11 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Nach dem Verlust einer nahestehenden Person ist es für viele Menschen eine Herausforderung, den Verlust zu verarbeiten und damit umzugehen. Die Rückkehr in den Alltag ist oft schwierig, geprägt von unterschiedlichen Gefühlen und Phasen.

Trauerbewältigung: Was ist das?

Trauerbewältigung meint den Prozess des Verarbeitens des Trauerns. Oft sind Menschen nicht angemessen auf den Verlust einer nahestehenden Person, sei es durch Tod oder Trennung, und die damit verbundenen Emotionen vorbereitet. Diese Gefühle können sehr intensiv und überraschend sein. Trauerbewältigung meint insbesondere den Umgang mit Gefühlen, die durch den Tod einer geliebten Person ausgelöst werden. Trauerbewältigung beinhaltet auch das Zulassen und Fühlen von Trauer. Das ist wichtig, um bewusst Abschied nehmen zu können und so den Start in ein Leben ohne die verlorene Person, in einen neuen Lebensabschnitt, zu finden.

Was ist Trauer?

Trauer gehört zu den Basisemotionen. Basisemotionen bezeichnen in der Psychologie die Gefühle, die als Grundlage oder wichtiger Bestandteil der Existenz jedes Menschen angesehen werden. Zu den Basisemotionen gehören außerdem: Freude, Angst, Unsicherheit und Wut. Trauer umfasst zwar oft viele weitere schwierige Emotionen und stellt für viele Personen eine besondere Herausforderung dar, sie ist aber ein Teil des Lebens in der Regel auch bewältigbar - mit oder ohne professionelle Unterstützung.

Wie äußert sich Trauer?

Die Emotion der Trauer kann sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen äußern:

  • Gedankliche Ebene: Gedanken nach dem Verlust einer geliebten Person können zum Beispiel “Ich verliere jemanden”, “Ich weiß nicht, wie ich ohne die Person weitermachen soll” oder ähnliche sein. Auch gedankliche Verleugnung des Verlustes kommt oft vor. 
  • Körperliche Ebene: Auf körperlicher Ebene können sich Symptome wie Müdigkeit, Energieverlust, Erschöpfung, Schmerz (z.B. in der Brust oder der Magengegend), und Weinen bemerkbar machen.
  • Wahrnehmung: Auf der Wahrnehmungsebene zeigen sich neben der Basisemotion Trauer noch ganz viele weitere Gefühle, die von betroffenen Personen empfunden werden. So zum Beispiel Sinnlosigkeit, Wut, Verzweiflung, Leere, Entsetzen, Überraschung, Machtlosigkeit, Handlungsunfähigkeit, Sehnsucht, Schuld oder auch Ängste.
  • Handlungsebene: Vermeidungsverhalten und sozialer Rückzug

Phasen der Trauerbewältigung

Typischerweise verläuft Trauer in vier Phasen, deren Grundgerüst bei allen Trauernden sehr ähnlich ist. Intensität und Dauer der Phasen können jedoch individuell sehr unterschiedlich sein.

  • Verleugnung und Nicht-Wahrhaben-Wollen

Diese erste Phase der Trauer beginnt direkt mit dem Tod der nahestehenden Person. Betroffene stehen in der Regel unter Schock, fühlen sich ohnmächtig und hilflos. In dieser ersten Phase wird der Verlust auch noch oft geleugnet. 

Wie lange diese Phase dauert ist ganz unterschiedlich. Manchmal nur ein paar Stunden, manchmal ein paar Tage, manchmal auch ein paar Wochen. In dieser Phase ist es wichtig, Trauernde Menschen zu unterstützen und für sie da zu sein. Wenn sie ausdrücklich betonen, alleine sein zu wollen, ist es natürlich auch wichtig, ihnen diesen Freiraum zu lassen. Oftmals ist ein solcher Verlust jedoch auch mit viel organisatorischem Aufwand verbunden, bei dem Betroffenen gut unter die Arme gegriffen werden kann.

  • Emotionalität

Aufbrechende Emotionen, Wut, Trauer, Schuld, Schmerz, prägen die zweite Phase der Trauerbewältigung. Hier fällt es Betroffenen oft schwer aufkommende Emotionen zu unterdrücken und sie können sich mitunter sehr intensiv anfühlen. Auch diese Phase kann ganz unterschiedlich lang sein und ist oft abhängig von der Intensität der Beziehung zu der verstorbenen Person. 

In dieser Phase ist es wichtig, den Emotionen Raum zu geben und sie nicht zu unterdrücken. Die Emotionen sind wichtig und können den Prozess des Loslassens unterstützen. Als Person, die den Trauerprozess begleitet, ist es ebenfalls wichtig Trauernden ein offenes Ohr und Verständnis zu bieten sowie Anteil zu nehmen.

  • Ablösungsprozess und Rückkehr in den Alltag

Die gedankliche Auseinandersetzung mit der verlorenen Person und ihrem Verlust prägen die dritte Phase der Trauerbewältigung. Gedankliche Gespräche mit den Verstorbenen werden geführt, es werden Orte, die an gemeinsame Erlebnisse erinnern, besucht. Es wird Abschied genommen. Auch hier gibt es keine vorgegebene Zeitspanne, wie lange diese Phase dauern kann.

Trauernde sollten in dieser Phase der Ablösung und des Trauerns nicht gedrängt werden und den Raum haben, sich die Zeit zu nehmen die sie brauchen.

  • Akzeptanz

Als vierte Phase tritt schließlich die Phase der Akzeptanz ein. Der Verlust wird als solcher angenommen und die negativen Gefühle beginnen, in den Hintergrund zu rücken. Trauernde finden Raum, sich wieder intensiver mit sich selbst auseinanderzusetzen. Sie beginnen sich neu zu definieren, sich für den Neuanfang zu öffnen und in ein Leben ohne die verlorene Person zu starten.

Trauerbewältigung: Methoden

Trauer ist ein sehr individueller Prozess und kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, um Trauer positiv zu bewältigen. Es gibt aber ein paar Möglichkeiten, die dabei helfen können Trauer gut zu verarbeiten und den Prozess erleichtern und beschleunigen können. Nicht alle Trauerarbeit-Methoden eignen sich hier für alle Trauernden, vielleicht ist auch keine passend, das kannst du einfach für dich ausprobieren.

  • Trauer zulassen

Das wichtigste im Trauerprozess ist, die unangenehmen und herausfordernden Gefühle zuzulassen. Sie zu unterdrücken erschwert den Heilungsprozess und sorgt dafür, dass sie später noch stärker oder auf eine andere Weise zum Vorschein treten.

  • An der Bestattung teilnehmen

Bestattungen sind herausfordernd und verlangen Trauernden viel Kraft ab. Doch der Prozess des aktiven Abschiednehmens kann dabei helfen, den Tod als das was er ist zu begreifen und zu verarbeiten.

  • Sich jemandem anvertrauen

Es ist immer wichtig, Gefühle zu verbalisieren und sich vertraute Personen zu suchen, mit denen man über die auftretenden Gefühle sprechen kann. Das Sprechen über Emotionen kann im wahrsten Sinne des Wortes “das Loswerden von Emotionen” bedeutend, es kann befreiend wirken und helfen den Schmerz zu lindern.

  • Gefühle verschriftlichen

Auch das Aufschreiben von Gefühlen, etwas durch das Führen eines Tagebuchs oder das Schreiben eines Briefes an die verlorene Person, hat ähnliche Auswirkungen wie das Sprechen über die aufkommenden Emotionen.

  • Ablenkung

Auch wenn es wichtig ist, der Trauer Raum zu geben und sich mit dem erlebten Verlust auseinanderzusetzen, so ist es ebenso wichtig, nicht den ganzen Tag nur dazusitzen und zu grübeln. Sich ablenken, Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, Sport zu machen, zu arbeiten…all diesen Dingen sollte ebenfalls Raum gegeben werden, damit der Kopf auch mal mit anderen Dingen beschäftigt sein darf.

  • Sich etwas gönnen

Sich selbst etwas Gutes tun, sich Zeit für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse unabhängig von der verlorenen Person sind wichtige Teile der Trauerbewältigung. Das ist wichtig, um das Gefühl zu haben, das eigene Leben selbst in der Hand zu haben.

  • Versuchen, aus der Trauer zu lernen

Vielleicht kann es dir gelingen, etwas Positives aus dem Verlust einer dir nahestehenden Person zu ziehen oder etwas aus dem Verlust zu lernen. Viele Menschen werden sich durch den Verlust der Vergänglichkeit des Lebens bewusst, ändern dadurch Gewohnheiten oder Verhaltensweisen, die Intensität ihrer Beziehungen. Vielleicht lernst du auch, dass Abschied ein Teil des Lebens ist und zwar mit viel Schmerz und Trauer verbunden ist, aber auch gut und friedlich überwunden werden kann.

  • Hilfe annehmen

Du musst die Trauer und die damit verbundenen Aufgaben nicht alleine bewältigen. Nimm Hilfe an, die dir nahestehende Personen anbieten und lass sie an deinen Emotionen teilhaben. Wenn du dich einsam und mit deinen Gefühlen allein gelassen fühlst, kannst du auch professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Es gibt für solche Situationen eigens dafür ausgebildete Trauerbegleiter:innen oder Trauerpsycholog:innen.

Hilfe bei Trauerbewältigung

Wenn du professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen möchtest um deine Trauer und alle damit verbundenen Emotionen zu verarbeiten, kannst du dich an die folgenden Stellen wenden:

Wann ist professionelle Hilfe notwendig?

Es ist ganz normal, dass der Trauerprozess negative Emotionen hervorruft und sich nicht angenehm anfühlt. Das ist zunächst noch kein Grund zur Sorge und ein Trauerprozess bedarf zunächst auch keiner psychologischen Unterstützung, außer du möchtest diese gerne in Anspruch nehmen. Wenn die Trauer jedoch in eine Depression umschlägt, ist es an der Zeit, sich professionelle psychologische Unterstützung zu suchen. Ob es sich bei auftretenden Symptomen nun um normale Gefühle der Trauer oder schon um eine Depression handelt, ist gar nicht so leicht zu bestimmen, da sich die Symptome sehr ähneln.

Symptome, die sowohl durch die Trauer als auch durch eine Depression ausgelöst werden können sind die folgenden:

  • verminderter Appetit
  • Ein- und Durchschlafprobleme
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • depressive Verstimmungen
  • Antriebslosigkeit und Schwierigkeiten, sich zu motivieren

Auch weitere, oft durch Stress ausgelöste Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen etc. können auftreten.

Bei einer Depression aber ebben die negativen Gefühle kaum noch ab. Der Trauerprozess ist oft auch immer wieder von kurzen, positiveren Momenten geprägt, während es Betroffenen einer Depression, je nach ihrer Intensität, kaum noch möglich ist, positive Emotionen zu empfinden. Das innere Erleben ist geprägt von folgenden Gefühlen:

  • Die Situation wird als nicht mehr bewältigbar empfunden.
  • Die Gedanken kreisen um sich selbst.
  • Oft leiden Betroffene unter einem mangelnden oder verminderten Selbstwertgefühl.

Solltest du diese Gedanken bei dir wahrnehmen, solltest du dich an eine professionelle Anlaufstelle wenden.

Trauerbewältigungsgruppen

Wenn dir der Schritt zu professioneller Hilfe zu drastisch ist, gibt es In vielen größeren Städten so genannte Trauerbewältigungsgruppen. Hier kommen Betroffene zusammen um sich über den Trauerprozess auszutauschen, miteinander zu sprechen und einander Hilfe und Unterstützung anzubieten. Für viele Menschen ist der Austausch eine gute Methode, um über ihren Verlust zu sprechen. Dsa Gegenüber kann die angesprochenen und erlebten Emotionen oft viel besser verstehen als nicht betroffene Personen und so einen geschützten Raum schaffen. Auch für Menschen, die sich in einer gruppe wohler fühlen als mit einer Person alleine und sich so leichter öffnen können eignen sich die Gesprächsgruppen.

Hier findest du eine Auswahl an Trauerbewältigungsgruppen und kannst die finden, die am besten zu dir und deiner Situation passt. Es gibt auch Gruppen, die auf bestimmte Personen zugeschnitten sind, so zum Beispiel für Eltern, Partner:innen, Geschwister oder Freund:innen. 

Tipps, um trauernde Menschen zu unterstützen

Auch für nahestehende Personen der trauernden Menschen kann der Prozess schwer sein und es kann herausfordernd sein, auf die richtige Art zu unterstützen. Mit den folgenden Tipps kann es gelingen:

  • Zuhören

Das Wichtigste ist, der trauernden Person zuzuhören, ihr die Möglichkeit zu geben, über den Verlust und die damit verbundenen Gefühle zu sprechen. Du musst keine Lösung und keinen Ausweg aus der Situation finden, aber versuche einfach da zu sein.

  • Begleiten

Oft bricht für Trauernde mit dem Verlust einer Person ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens weg und damit verbunden auch gewohnte Aktivitäten. Versuche, die Person in dein Leben einzubinden, sie abzulenken und schöne gemeinsame Dinge zu unternehmen.

  • Aktiv helfen

Gerade wenn der Verlust noch frisch ist, gibt es für Trauernde oft viele organisatorische Dinge zu erledigen. Biete hier deine Hilfe an, nimm Betroffenen Dinge ab oder biete an, im Haushalt zu unterstützen.

  • Beileid zeigen

Für viele Trauernde ist es wichtig, Beileidsbekundungen zu erhalten. Nicht nur, damit sie selbst Unterstützung erfahren, sondern auch weil sie sich wünschen, das die verstorbene Person Wertschätzung erfährt und gemocht wurde.

  • Zeit geben

Die Zeit, die Trauernde Brauchen, um ihren Verlust zu verarbeiten, kann ganz unterschiedliche lang dauern. Den Alltag wieder wie gewohnt führen zu können, das eigene Leben wieder selbstbewusst in die Hand nehmen zu können kann Zeit brauchen. Es ist wichtig, Betroffenen das Gefühl zu geben, dass sie die Zeit haben die sie brauchen.

Kondolenzbesuch

Je nach dem Verhältnis zu den Trauernden werden Beileidsbekundungen oft persönlich überbracht. Erkundige dich jedoch vorher, ob das auch erwünscht ist. Wenn ja, dann nimm dir auch Zeit, um für die betroffene Person da zu sein und um ihr die Möglichkeit zum Gespräch anzubieten.

Anrufe

Wenn es dir nicht möglich ist, kannst du den trauernden Personen dein Beileid auch durch einen Telefonanruf ausdrücken. Auch hier nimm dir Zeit für ein Gespräch und versuche, Verständnis zu zeigen und allen aufkommenden Gefühlen Raum zu geben. 

Karten

Oft wird Beileid auch über Kondolenzkarten übermittelt. Darin kannst du ein paar persönliche Worte über die verstorbene Person schreiben oder ein passendes Zitat oder ein Gedicht einfügen.

Kränze und Blumen

Zudem ist es üblich, Kondolenzwünsche auch durch Blumen oder Kränze zu überbringen. Diese kannst du entweder direkt bei der Bestattung überreichen oder persönlich oder per Post an die trauernden Personen senden.

Allgemein ist es wichtig, dass du Trauernde dazu ermutigst, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du das Gefühl hast, dass sie den Trauerprozess alleine nicht mehr bewältigen können.

Es ist wichtig zu verstehen, dass eine ernsthafte psychische Erkrankung einer Therapie und professioneller Hilfe bedarf. Die Online-Kurse von Selfapy kann ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

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Quellenangaben

  1. Bundesverband deutscher Bestatter (o.J.). Trauer: Trauern ist ein Prozess. Online verfügbar unter https://www.bestatter.de/wissen/trauerhilfe-und-trauerbewaeltigung/trauer/#c5045 [05.04.22].
  2. Hintzen, Christiane (2020). Methoden der Trauerarbeit in der Psychotherapie. Online verfügbar unter https://www.jameda.de/gesundheit/psyche-nerven/trauerarbeit-was-soll-das/ [05.04.22].
  3. November.de (o.J.). Trauerbewältigung und Trauerhilfe. Online verfügbar unter https://november.de/ratgeber/trauerhilfe/ [05.04.22].
  4. Plaumann, Jeanne (2021). Trauerbewältigung. Was nach dem Tod eines geliebten Menschen hilft. Online verfügbar unter https://www.t-online.de/leben/familie/id_60727956/trauerbewaeltigung-was-nach-dem-tod-eines-geliebten-menschen-hilft.html [05.04.22].
  5. Simmen-Janevska, Keti (o.J.). Trauer und Trauerbewältigung. Online verfügbar unter https://psych.ch/aktuelles/trauer-und-trauerbewaeltigung [04.04.22].
  6. Wenzel, Annika (o.J.). Trauerbewältigung. Online verfügbar unter https://www.bestattungen.de/ratgeber/trauerhilfe/trauerbewaeltigung.html#methoden [05.04.22].

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