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Somatoforme Störung – Körper und Geist gehören zusammen

26 Aug 2017 · 3 min lesezeit
von Marieke Lyda

Körper oder Geist?

Viele kennen das Gefühl, wenn ein unangenehmes Ereignis sprichwörtlich auf den Magen schlägt. Doch wie kann uns etwas den Magen verderben, was nicht unmittelbar mit dem Magen zusammenhängt? Wenn Stress oder eine andere Form der psychischen Belastung somatische, also körperliche, Beschwerden hervorrufen kann, ohne dass eine organische Ursache vorliegt, muss doch mehr dahinter stecken – dies wird dann somatoforme Störung genannt. Die Psychosomatik beschreibt den Einfluss der Psyche auf unseren Organismus.

Nicht selten suchen Menschen, die körperliches Leiden verspüren, Fachärzt*innen auf, die jedoch keine organische Ursache für die Symptome finden können. Das sogenannte Arzt*in-Hopping, bei dem ein*e Arzt*in nach dem nächsten aufgesucht wird beginnt, bleibt jedoch meist erfolglos. Dadurch fühlen die Betroffenen sich oft nicht ernst genommen und verzweifeln an ihrem langwierigen Leidensweg. Die meisten Patient*innen bleibe davon überzeugt, dass ihre Beschwerden eine körperliche Ursache haben. So fällt es ihnen schwer zu akzeptieren, dass mit ihrem Körper alles in Ordnung ist, da die psychische Belastung soweit verdrängt wurde, dass sie den Betroffenen nicht mehr bewusst ist.

Welche Ursache liegt einer somatoformen Störung zugrunde?

Somatoforme Störungen sind von einer hohen Komplexität geprägt, da sie meist nicht nur eine Ursache haben, sondern viele Faktoren zusammenspielen. Es handelt sich dabei insbesondere um psychosoziale Faktoren; verdrängte Konflikte und Ereignisse, eine permanente Stressbelastung aber auch traumatische Kindheitserfahrungen können die Ursache sein.

Kennzeichnend für das Krankheitsbild sind immer wiederkehrende körperliche Schmerzen, bei denen organische Ursachen nachweislich auszuschließen sind. Das Klassifikationssystem ICD-10 hat folgende Unterarten der somatoformen Störung definiert: Somatisierungsstörung, Hypochondrische Störung, Schmerzstörung, Konversionsstörung, Körperdysmorphe Störung, und die nicht näher bezeichnete somatoforme Störung.

Für somatoforme Störungen, welche nicht mit den aufgezählten Symptomen übereinstimmen, jedoch ähnliche Beschwerden auftreten, sieht das ICD-10 eine nicht näher bezeichnete somatoforme Störung als Diagnose vor. Darunter zählen beispielsweise Scheinschwangerschaften.

Welche typischen Symptome gehen mit der Somatoformen Störung einher?

Die somatoforme Störung ist von einem breiten Spektrum auftretender Symptome geprägt. Für eine genaue Diagnose sind gewisse Symptome in einem von vier verschiedenen Bereichen Voraussetzung:

Schmerzsymptome

  • Rücken,- Bauch- oder Kopfschmerzen

Schmerzsymptome im Magen-Darmbereich

  • Lebensmittelunverträglichkeiten, Übelkeit, Durchfall

Sexuelle Störung

  • Libidoverlust, sexuelle Gleichgültigkeit, unregelmäßige Menstruation, Erektionsstörungen

Neurologische Symptome

  • Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Seh- und Hörstörungen

Kann man die Somatisierungsstörung therapieren?

Trotz der wahrscheinlich unzähligen Arztbesuche, sollte der Hausarzt*in aufgesucht werden. Lassen sich keine organischen Ursachen diagnostizieren, ist es ratsam, die Möglichkeit psychischer Ursachen in Betracht zu ziehen und sich gegebenenfalls psychologische oder psychiatrische Hilfe zu suchen. Hierbei ist es empfehlenswert, sich an eine*n Facharzt*in für Psychosomatik, eine*n Psychiater*in oder Psychotherapeut*in zu wenden.

Aus der empirischen Forschung wurde die Wirksamkeit der Psychotherapie deutlich. Bei den somatoformen Störungen ist eine eine äußerst umfangreiche Anamnese und Ursachenforschung zwingend notwendig. Für die Betroffenen ist es besonders wichtig, dass sie die Ursachen-Wirkungsketten des Körpers und vor allem das Zusammenspiel von Körper und Seele verstehen lernen.

Nach der Ursachenklärung wird häufig die Kognitive Verhaltenstherapie als Methode der Wahl verordnet, da sie mit spezifischen Übungen die Körperwahrnehmung und das Schmerzgedächtnis verändern kann. Oftmals hat das lange Schmerzempfinden ein Vermeidungsverhalten bei den Betroffenen verursacht. In diesen Fällen ist das Ziel während der Therapie, durch Anleitung, die Aktivität wieder langsam zu steigern und den Körper einer höheren Belastung auszusetzen. Dabei spielen Entspannungsübungen eine wichtige Rolle.

Die Online-Kurse von Selfapy sind bei somatoformen Störungen nicht geeignet. Bitte wende dich in diesem Fall an deine*n Hausarzt*in.

Ein Artikel von

Marieke Lyda Redakteurin · Content Managerin

Quellenangaben

  1. Rief W. (2008): Somatoforme Störungen. In: Linden M., Hautzinger M. (eds): Verhaltenstherapiemanual. S. 568-573, Springer

Kapfhammer, H. (2008): Somatoforme Störungen. In: Nervenarzt Nr. 79S. 99–117, online verfügbar unter

https://doi.org/10.1007/s00115-007-2388-8

Kapfhammer, H. (2008): Somatoforme Störungen. In: Nervenarzt Nr. 79S. 99–117, online verfügbar unter

https://doi.org/10.1007/s00115-007-2388-8

  1. Morschitzky, H. (2007): Somatoforme Störungen: Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund, 2. Aufl., Springer
  2. Rudolf G., Henningsen P. (2012): Somatoforme Störungen. In: Psychodynamische Psychotherapien, S. 225-233, Springer

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