Zurück 17 Mar 2022 · 6 min lesezeit
von Natascha Plankermann

 Eine zeitweise „Flaute“ im Bett ist bei Paaren im Laufe der Jahre nicht ungewöhnlich. Wenn die sexuelle Unlust beim Mann aber über Monate anhält, sprechen Experten von Libidoverlust. Dafür kommen körperliche und psychische Ursachen infrage.

Mein Mann hat kein sexuelles Interesse mehr an mir: Immer mehr Frauen plagen sich mit diesem Gedanken herum und suchen Rat. Die möglichen Ursachen für die sexuelle Unlust beim Mann sind vielfältig. Sie können durch bestimmte Situationen wie etwa die Geburt eines Kindes bedingt sein. Es ist aber auch möglich, dass psychische Faktoren hinter dem Libidoverlust stecken, zu denen Depressionen ebenso zählen wie Probleme in der Beziehung. Ein Mangel an dem Hormon Testosteron oder Medikamente können ebenfalls beim Mann sexuelle Unlust auslösen.

Sexuelle Unlust beim Mann – was ist normal, was nicht?

Dass der Mann allzeit bereit ist und häufiger Sex will als die Frau, gehört zu den verbreiteten Vorurteilen. Tatsächlich verzeichnen Mediziner:innen innerhalb von Paarbeziehungen nicht selten unterschiedliche Erwartungen an die Sexualität und auch sogenannte verminderte sexuelle Appetenz bei Männern. Das Verlangen der Partner:innen nach Sex ist nicht immer gleich – dann gilt es, sich über die gegenseitigen Wünsche auszutauschen und Kompromisse zu schließen. Sexuelle Unlust bei Männern während der Schwangerschaft kann beispielsweise ein vorübergehendes, durch die Situation bedingtes Problem sein. Auch nach der Geburt eines Kindes können Frauen das Gefühl entwickeln: Mein Partner hat kein sexuelles Interesse mehr. Dann gilt es vielfach, Gespräche darüber zu führen und mehr Zeit zu zweit für intime Stunden einzuplanen. Die Sexualität verändert sich außerdem, wenn ein Paar lange in einer Beziehung lebt und gemeinsam älter wird. Sollte beim Mann sexuelle Unlust jedoch über mindestens sechs Monate vorherrschen, begleitet von einem Mangel an sexuellen Fantasien und fehlendem körperlichen Verlangen, dann sollten medizinische Expert:innen zurate gezogen werden.

Der Partner hat kein sexuelles Interesse mehr: Welche Ursachen sind möglich?

Woher kommt sexuelle Unlust bei Männern, wenn sie über eine längere Zeit anhält? Dafür gibt es eine Reihe möglicher Ursachen.

Psychische und soziale Gründe

Es gibt verschiedene mögliche Ursachen für die Unlust des Mannes auf psychischer Ebene:

  • Sexueller Druck in der Beziehung kann eine psychisch bedingte Ursache für den Verlust der Libido beim Mann sein.
  • Konflikte in der Partnerschaft und Sexualstörungen der Partnerin oder des Partners tragen oft zur Unlust bei.
  • Dauerhafter Stress im Alltag, bedingt etwa durch die Furcht vor Arbeitslosigkeit oder Existenzangst, wirken sich auf die Sexualität aus.
  • Psychische Störungen durch Ängste, Traumata oder depressive Erkrankungen sind mögliche Gründe für den Libidoverlust.

Körperliche Ursachen

Ein häufiger Grund für sexuelle Unlust bei Männern ab 50 ist der zunehmende Mangel an dem Hormon Testosteron, das nicht nur die Lebenslust, sondern auch die Libido ankurbelt: Laut der Pharmazeutischen Zeitung haben zehn bis 45 Prozent der älteren Männer „erniedrigte Testosteron-Spiegel“. Dieser kommt oft durch eine Unterfunktion der Hoden, den sogenannten Hypogonadismus, zustande. Außer dem Verlust der Lust kann dieses Defizit auch Übergewicht, Depressionen sowie ein Abnehmen der Potenz, Konzentration, Muskelmasse, Knochendichte und Vitalität zur Folge haben. Studienergebnisse weisen zudem darauf hin, dass ein niedriger Vitamin-D-Status zu sexuellen Funktionsstörungen beim Mann führen kann.  Zu weiteren körperlichen Ursachen für sexuelle Unlust beim Mann zählen häufig:

  • Krankheiten wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein zu hoher Blutdruck, eine Unterfunktion der Schilddrüse sowie rheumatische Beschwerden oder Nierenerkrankungen
  • urogynäkologische oder urologische Erkrankungen wie Zysten, Vernarbungen an den Sexualorganen oder Erektionsstörungen 
  • Krebserkrankungen 

Drogen oder Medikamente

Die sexuelle Lust kann auch durch Alkohol und Drogen sowie durch die Einnahme bestimmter Medikamente negativ beeinflusst werden. Dazu zählen etwa Antidepressiva oder blutdrucksenkende Mittel. 

Die Diagnose bei Unlust des Mannes

Die wenigsten Männer suchen von sich aus Rat bei Mediziner:innen, wenn sie keine sexuelle Lust verspüren. Oft wird der Besuch beim Hausarzt oder der Hausärztin von den Partner:innen initiiert. Nach einer ersten Untersuchung können Allgemeinmediziner:innen gegebenenfalls zu Fachkolleg:innen der Psychotherapie, Urologie oder Andrologie überweisen.

Um eine sexuelle Appetenzstörung und deren Hintergründe festzustellen, ist eine ausführliche Sexualanamnese (Befragung zur Paarbeziehung und zum Sexualleben etc.) wichtig. Im ersten Schritt geht es darum, nach möglichen körperlichen Ursachen zu suchen. Eventuelle weitere Beschwerden, die auf den ersten Blick nichts mit der Unlust zu tun zu haben scheinen, können dabei wertvolle Hinweise liefern. Zu den wichtigsten diagnostischen Methoden im Fall von Libidoverlust gehören:

  • urologische Untersuchungen
  • Blutuntersuchungen, um eventuelle chronische Erkrankungen und Hormonstörungen zu diagnostizieren

Wenn eine sexuelle Appetenzstörung vorliegt, sollte auch die:der Partner:in im weiteren Verlauf in die Behandlung einbezogen werden – selbst, wenn es sich um eine körperliche Ursache handelt. Denn der Druck, dass es durch den Behandlungsplan nun endlich wieder klappen soll, kann gegebenenfalls einen Libidoverlust aus psychischen Gründen nach sich ziehen.Finden Mediziner:innen keine körperliche Ursache, überweisen sie gegebenenfalls an Fachärzt:innen oder Therapeut:innen. Therapeut:innen fragen den Patienten in der Regel zunächst allein nach möglichen psychischen, sozialen oder körperlichen Gründen für die sexuelle Unlust. Gegebenenfalls kommt der:die Partner:in hinzu. Zur Diagnose können die Fachleute neben ausführlichen Gesprächen psychometrische Testverfahren wie Fragebögen und weitere diagnostische Verfahren der Psychotherapie einsetzen.

Was tun gegen sexuelle Unlust bei Männern?

Steht die Diagnose fest, dann kann der:die Arzt:Ärztin einen Behandlungsplan erstellen. Darin wird die Form der Behandlung (psychotherapeutisch, körperlich oder kombiniert) festgelegt und entschieden, ob es sich um eine Einzel- oder Paartherapie handelt.

Psychotherapie

Ist die Ursache für die sexuelle Unlust beim Mann psychisch bedingt, können verschiedene Therapien, etwa eine Kognitive Verhaltenstherapie, helfen. Begibt sich das Paar gemeinsam in Therapie, dann können dadurch Beziehungsprobleme überwunden werden, die gegebenenfalls hinter dem Libidoverlust stecken. Eine Beratung durch erfahrene Psychotherapeut:innen kann Männern auch dabei helfen, sich bewusst zu machen, inwieweit sich Stress auf ihre körperlichen Funktionen auswirkt. In diesem Zusammenhang kann sich auch eine mögliche Behandlung von psychischen Belastungen bis hin zu einer Depression ergeben. In der Regel dehnt sich eine Beratung auf zehn Stunden aus, die auf mehrere Treffen im Verlauf einiger Wochen oder Monate aufgeteilt sind.

Behandlung von Erkrankungen

Sollten Herz-, Gefäß- oder Nervenerkrankungen, Diabetes, Leberzirrhose, eine Niereninsuffizienz oder eine Krebserkrankung als Ursachen für sexuelle Unlust beim Mann festgestellt werden, kann eine Therapie, die an das jeweilige Krankheitsbild angepasst ist, die Lösung bringen. Dabei kann es auch notwendig sein, bestimmte Medikamente wie etwa Mittel gegen Bluthochdruck in Absprache mit dem behandelnden Arzt zu wechseln.

Hormon- und Vitamingabe

Wenn ein gravierender Testosteron-Mangel für die anhaltende erotische Flaute sorgt, kann eine Testosteron-Ersatz-Therapie (TRT, Testosterone Replacement Therapy) helfen, die Sexualfunktion wiederzubeleben. Dafür muss die Ärztin oder der Arzt allerdings andere Ursachen ausgeschlossen haben. In Deutschland wird Testosteron dem Körper durch Kapseln, Gele, die auf die Haut aufgetragen werden, oder Injektionen zugeführt. Pflaster, Implantate und Tabletten, die unter die Zunge gelegt werden, haben sich nicht durchgesetzt. Präparate mit natürlichem Testosteron werden bei der Behandlung bevorzugt. In Absprache mit dem behandelnden Arzt kann auch die Gabe von Vitamin D die Hormone im Körper regulieren und den Sexualtrieb wieder steigern.

Gibt es Hausmittel gegen sexuelle Unlust beim Mann?

Wenn die Produktion der Sexualhormone mit der Zeit zurückgeht und die Lust dadurch nachlässt, können Männer dieser Entwicklung in gewissem Maß mit einer gesundheitsbewussten Lebensweise, Sport und einer ausgewogenen Ernährung entgegenwirken. Der Hormonspiegel kann ebenfalls dadurch erhöht werden, dass das Körpergewicht in einem gesunden Rahmen bleibt. Positiv wirkt sich aus, wenn der Mann aufs Rauchen verzichtet und nur wenig Alkohol trinkt, ausreichend schläft und chronischen Stress meidet. Übermäßige Hektik als „Lustkiller“ lässt sich durch Autogenes Training, Meditation oder Progressive Muskelentspannung managen. Laut der Pharmazeutischen Zeitung sind bislang keine Arzneimittel mit phytoandrogener Wirkung für Männer zugelassen, allerdings können einige Pflanzenextrakte, etwa vom Erd-Burzeldorn (Tribulus terrestris), eine androgene Wirkung haben. Die Expert:innen warnen allerdings vor fragwürdigen „Kräutermischungen“, die im Internet mit androgener Wirkung beworben werden.

Ein Artikel von

Natascha Plankermann Medizinredakteurin

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Quellenangaben

  1. Ärzte für sexuelle Gesundheit (o. D.). Sexuelle Funktionsstörungen des Manneshttps://aefsg.ch/sexuelle-probleme/sexuelle-funktionsstoerungen-des-mannes/ 
  2. Krysiak, R. et al. (2018, 5. Juli). The effect of low vitamin D status on sexual functioning and depressive symptoms in apparently healthy men: a pilot study.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29973697/
  3. MSD Manual für Patienten (2020, Juli). Verringerte Libido bei Männernhttps://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-von-männern/sexuelle-funktionsstörungen-bei-männern/verringerte-libido-bei-männern
  4. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (Juli, 28. April). Libidoverlust.https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/sexualorgane/sexuelle-funktionsstoerungen/libidoverlust-diagnose-therapie
  5. Pro Familia (o. D.). Lust(losigkeit).https://www.profamilia.de/themen/sexualitaet-und-partnerschaft/lustlosigkeit 
  6. Schuster, N. (2019, 15. Dezember). Testosteron – Nur Fehlendes ersetzen. Pharmazeutische Zeitung.https://www.pharmazeutische-zeitung.de/nur-fehlendes-ersetzen/seite/alle/
  7. Speth, A. (2011, 5. Mai). Hormonstörungen – Testosteron für Libido und Stoffwechsel. Ärztezeitung.https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Testosteron-fuer-Libido-und-Stoffwechsel-282755.html (eingesehen am 17.2.2022)

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