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Neuropsychologie: Was passiert im Gehirn, wenn wir glücklich sind?

24 Aug 2021 · 3 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Ein Kribbeln im Körper, ein Anflug von Energie, positive Gedanken und du kannst nicht aufhören zu lachen. Dieses Gefühl haben wir wahrscheinlich alle schon mal erlebt: Freude. Doch wie entsteht sie eigentlich, was passiert dabei im Gehirn und wie kann man sie künstlich beeinflussen?

Was ist Freude?

Freude ist eine der Grundemotionen. Dazu gehören zum Beispiel auch Angst, Scham, Ekel und Trauer. Freude entsteht immer dann, wenn uns etwas besonders Schönes widerfährt, wenn wir etwas als Positiv oder erfolgreich erleben.  

Oft bezeichnen wir Gefühle und Emotionen als gleichbedeutend, doch es gibt eine wichtige Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen: Ein Gefühl meint das subjektive Erleben einer Emotion und entsteht bei der Bewertung einer körperlichen Veränderung, also einer physiologischen Reaktion. Eine Emotion hingegen ist ein psychophysiologischer Prozess und geht mit körperlichen Veränderungen, aber auch mit Veränderungen im Gefühlserleben, den Gedanken und dem Verhalten einher. Zudem können Emotionen sich stark in ihrer Stärke unterscheiden. Emotionen können außerdem durch Verhaltensänderung oder auch durch die Kraft der Gedanken beeinflusst werden. 

Was passiert im Gehirn?

Glück oder Freude ist ein so intensives Gefühl, dass wir es meist mit dem gesamten Körper empfinden. Entstehen tut Freude aber tatsächlich im Gehirn. Im Gehirn liegt nämlich die Amygdala, der Teil des Gehirns, den wir als Belohnungszentrum bezeichnen. Die Amygdala besteht aus ganz vielen Nervenzellen, sogenannten Neuronen. Wenn nun etwas passiert, das wir als schön bewerten, weden in der Amygdala ganz viel Glückshormone wie zum Beispiel Dopamin ausgeschüttet. Diese werden dann über Nervenzellen ins Vorderhirn weitergeleitet, wodurch wir aufmerksamer werden und Situationen intensiver erleben können. 

Andere Glückshormone sind zum Beispiel Endorphine, die bei viel Bewegung ausgeschüttet werden, oder Oxytocin, das auch als Bindungshormon bezeichnet wird. Dieses wird insbesondere dann ausgeschüttet, wenn wir einer anderen Person sehr nahe sind, körperlich oder emotional.

Exkurs: Was sind Spiegelneuronen?

Auch sogenannte Spiegelneurone ermöglichen es uns, bestimmte Emotionen wie zum Beispiel Freude zu empfinden. Spiegelneurone sind Nervenzellen, die bei Handlungsbeobachtungen bestimmte Signale aussenden und in uns dann ähnliche Emotionen auslösen. Fällt zum Beispiel eine Person hin, sorgen Spiegelneurone dafür, dass wir Mitleid haben und den Schmerz nachempfinden können. Genauso sorgen Spiegelneurone aber dafür, dass wir auch die Freude und die Glücksmomente anderer teilen und nachempfinden können. Spiegelneurone machen uns also zu sozialen und empathischen Wesen, die Mitgefühl empfinden können.

Wie kann man Freude künstlich beeinflussen?

Natürlich kann man sich selbst nicht zwingen, Freude zu empfinden. Man kann das Gehirn aber durchaus ein wenig austricksen, wenn man weiß wie. 

Therapie 

So funktionieren bestimmte Therapieformen zum Beispiel durch Lernen. Das menschliche Gehirn funktioniert so, dass bestimmte Reize oder Einwirkungen von außen bestimmte Reaktionen und Erinnerungen triggern und dabei eine Emotion entsteht. Bei der Verhaltenstherapie kann man lernen, Gedanken kognitiv umzustrukturieren und so mit neuen Triggern in Verbindung zu bringen. 

Achtsamkeit und Meditation 

Auch durch Prinzipien der Achtsamkeit, Atemübungen und gezielte Entspannung ist es möglich, die aktivierten Areale im Gehirn zu verändern. So haben Forscher*innen herausgefunden, dass regelmäßiges Meditieren die neuronale Plastizität verbessern kann. Das bedeutet, dass bestimmte neuronale Verbindungen, also die Verbindung von Nervenzellen, leichter verändert werden können. So kann Neues schneller und besser gelernt und umgelernt werden.  

Medikamente 

Da viele Emotionen durch die Ausschüttung von Hormonen initiiert werden, ist es auch möglich, Emotionen künstlich durch die Gabe von Medikamenten oder zum Beispiel auch durch Drogen zu beeinflussen. Antidepressiva zum Beispiel verbessern deswegen die Stimmung, da sie die verfrühte Wiederaufnahme von Botenstoffen wie Noradrenalin hemmen. Wenn die Botenstoffe zu früh wieder aufgenommen werden, wird nämlich auch die Ausschüttung der Botenstoffe und somit die Produktion der Hormone gestoppt. Durch die Hemmung der Wiederaufnahme, wird die Produktion hingegen angeregt.  

Die Beeinflussung von Emotionen ist also begrenzt möglich. Vor allem die Methoden der Verhaltenstherapie und der Achtsamkeit eignen sich, um Verhalten gezielt zu ändern und so die Stimmung langfristig zu verbessern. Auch die Online-Kurse von Selfapy basieren auf etablierten Methoden der Verhaltenstherapie und können helfen, Gefühle besser zu verstehen und Emotionen zu regulieren. 

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

Quellenangaben

  1. Christoph, Sophie (2019). Wie Meditation das Gehirn strukturell verändern kann. Online verfügbar unter https://www.esanum.de/blogs/neurologie-blog/feeds/today/posts/wie-meditation-das-gehirn-strukturell-veraendern-kann [23.08.21].
  2. Kaufmann, Sabine (2018). Spiegelneuronen. ARD. Online verfügbar unter https://www.planet-wissen.de/natur/forschung/spiegelneuronen/index.html  [19.08.21].
  3. Wolf, Doris (2020). Emotionen. Pal Verlag. Online verfügbar unter https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/emotion.html  [18.08.21].
  4. Wolf, Doris (2021). Freude. Pal Verlag. Online verfügbar unter https://www.palverlag.de/lebenshilfe-abc/freude.html  [19.08.21].
  5.  ARD (2013). Was passiert bei Glück im Körper. Online verfügbar unter https://www.rbb-online.de/schulstunde-glueck/unterrichtsmaterial/das-kleine-glueck/was-passier-bei-glueck-im-koerper.file.html/A_schlau_Was%20passiert%20bei%20Glueck%20im%20Koerper.pdf [19.08.21].

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