Zurück 16 Mar 2022 · 8 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Du hast das Gefühl, deinen Job nicht gut zu machen? Du hast das Gefühl, für deine Aufgaben bist du eigentlich nicht qualifiziert und hast Angst davor, dass das auffliegen könnte? Vielleicht leidest du unter dem Impostor Syndrom?

Hochstapler Syndrom: Was ist das?

Das Impostor Syndrom (engl: Impostor syndrome, impostor deutsch: Hochstapler*in) oder auch Hochstapler Syndrom oder Impostor Phänomen genannt, beschreibt ein Phänomen, bei dem Betroffene Angst haben im Beruf zu versagen und befürchten, mit ihrem scheinbaren Nichtwissen aufzufliegen. Das Impostor Syndrom beschreibt also eine besonders intensive Form der Selbstzweifel im beruflichen Kontext. Wichtig hierbei ist, dass die Selbstzweifel in der Regel völlig unbegründet sind und betroffene Personen durchaus richtig in ihrem Job und ihrer Position sind. Sie glauben nur, sie wären es nicht und können diesen Gedanken nicht loslassen. Manche Menschen bezeichnen das Impostor Syndrom auch als “Schaumschläger Syndrom” oder “Scharlatan Syndrom”. Diese Begriffe werden jedoch nicht als Fachbegriffe verwendet.

Paradoxerweise hat Erfolg selten positive Auswirkungen bei Menschen, die unter dem Impostor Syndrom leiden. Eher im Gegenteil. Je mehr eine Person, die unter dem Impostor Syndrom leidet, erreicht hat, desto mehr befürchtet sie, dass auffliegen könnte, dass sie eigentlich nur Glück hatte und der Erfolg nicht an den Fähigkeiten der Person liegt. Trotzdem machen Betroffene immer weiter und spüren eine Form von Motivation. Der Grund dafür ist oft Angst.

Symptome des Impostor Syndroms

Das Impostor Syndrom zeichnet sich vor allem durch Versagensangst, Selbstzweifel und die Angst davor, Aufzufliegen aus. Typische Gedanken Betroffener können sein:

  • Warum bin ich eigentlich hier?
  • Kann ich das wirklich?
  • Was mache ich hier?
  • Irgendwann werden alle merken, dass ich das eigentlich nicht kann.
  • Irgendwann fliege ich auf.

Insbesondere die Angst davor, aufzufliegen, ist ein Anzeichen des Hochstapler Syndroms, die sich auch auf körperlicher Ebene zeigt:

  • Schlafstörungen
  • hoher Blutdruck
  • soziale Isolation
  • Kopfschmerzen
  • Magen- und Darmprobleme

Ursachen des Hochstapler Syndroms

Da das Impostor Syndrom so sehr mit dem Selbstbewusstsein verknüpft ist, können seine Ursachen - ähnlich wie bei mangelndem Selbstbewusstsein - in der Kindheit liegen. Wenn Eltern ihren Kindern nicht genug Liebe und Selbstvertrauen vermittelt haben, passiert es oft, dass diese Kinder sich zu Erwachsenen entwickeln, die denken, Anerkennung nur über Leistung bekommen zu können. Oft wird dieser Glaubenssatz von massivem Druck und Versagensängsten begleitet, was die Entwicklung des Impostor Syndroms begünstigen kann.

Aber auch der umgekehrte Fall kann zu Selbstwertproblemen und Selbstzweifeln führen: Wer immer vermittelt bekommen hat, gut in allem zu sein und ohnehin alles zu können, der*dem fällt es später im Leben schwerer, mit der realen Welt umzugehen.

Zudem zeigt sich eine familiäre Häufung des Hochstapler Phänomens, was darauf hindeutet, dass es auch vererbt werden kann.

Auch Personen, die aus einem eher bildungsfernen Elternhaus kommen und sich für eine akademische Laufbahn entscheiden, sind häufiger vom Impostor-Syndrom betroffen. Bei ihnen kommt das Gefühl, nicht an der richtigen Stelle zu sein, besonders häufig vor.

Impostor Syndrom: Männer versus Frauen

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Männer genauso vom Impostor Syndrom betroffen sind wie Frauen, auch wenn es häufig eher im Zusammenhang mit Frauen genannt wird. Was aber anders zwischen Männern und Frauen ist, ist oft der Umgang mit dem Impostor Syndrom.

Frauen, die negatives Feedback erwarten, haben davor zwar mehr Angst als Männer, werden davon aber auch zu besserer Leistung angespornt. Männer hingegen bemühen sich weniger, sobald sie negatives Feedback erwarten und geben auch früher auf als Frauen.

 Impostor Syndrom: Test

Du erkennst dich in einigen Punkten wieder? Dann kannst du einen Selbsttest zum Thema Impostor Syndrom machen, um herauszufinden, ob du vom Hochstapler Phänomen betroffen bist. Online findest du eine Auswahl an Tests. Beachte hier jedoch, dass diese nicht unbedingt aus seriösen Quellen stammen und für eine fundierte Aussage eine professionelle Einschätzung notwendig ist.

Folgende Fragen können dir helfen, eine erste Einschätzung zu bekommen:

  • Glaubst du, du hast deine Erfolgserlebnisse nicht verdient?
  • Hast du Angst, jemand könnte dahinter kommen, dass du nicht die richtigen Fähigkeiten für deine Aufgaben besitzt?
  • Hast du hohe Erwartungen an dich selbst?
  • Ist es dir wichtig, andere zu beeindrucken?
  • Magst du keine Komplimente, weil du denkst, sie nicht zu verdienen?
  • Denkst du, viele andere könnten deinen Job genauso gut machen wie du?
  • Fällt es dir schwer dich auf andere zu verlassen?
  • Hast du Angst davor, Fehler zu machen?
  • Denkst du, deine Kolleg*innen machen ihren Job besser als du?

Hast du einige dieser Fragen mit “Ja” beantwortet? Das ist noch kein Grund zur Sorge. Reflektiere deine Selbstzweifel kritisch und frage dich, ob sie berechtigt sind. Weiter unten im Text findest du außerdem Tipps, wie du das Hochstapler Phänomen überwinden kannst.

Auswirkungen des Hochstapler Syndroms

Das Impostor Syndrom kann sich durchaus negativ auf das Berufsleben auswirken, je nachdem, wie eine betroffene Person damit umgeht. Zwei Herangehensweisen sind typisch:

  • Fleiß und Genauigkeit

Menschen, die unter dem Hochstapler-Syndrom leiden, bereiten oft alles so genau vor und arbeiten so akribisch, dass sie die Möglichkeit, Fehler machen zu können, möglichst gering halten können. Sie versuchen nichts dem Zufall zu überlassen. Wenn sie erfolgreich sind, sehen sie sich in ihrer Arbeitsweise bestätigt und werden oft noch genauer, aus Angst sonst zu versagen. Zudem sind sie oft der Ansicht, dass sie immer alles noch besser hätten machen können.

  • Prokrastination

Eine weitere Herangehensweise an das Arbeiten für Menschen die unter dem Impostor Syndrom leiden, ist das Prokrastinieren. Aus der Angst sich zu blamieren oder etwas falsch zu machen beginnen Betroffene gar nicht erst mit ihren Aufgaben. Stattdessen verbringen sie viel Zeit damit, sich mögliche Niederlagen auszumalen. Sie machen sich von Beginn an klein, um eine mögliche Enttäuschung abzuwenden. Haben sie Erfolg, schreiben sie den Erfolg dem Zufall zu. Scheitern sie, fühlen sie sich bestätigt. Manche Menschen wechseln auch zwischen den beiden Herangehensweisen. Das Resultat bleibt jedoch immer dasselbe: Versagensängste und das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Dieses Gefühl kann Dauerstress für den Körper bedeuten und im schlimmsten Fall zu psychischen Belastungen wie einer Depression führen.

Tipps gegen das Impostor Syndrom

Spätestens dann wenn du merkst, dass dein Wohlbefinden, deine Entwicklung und deine psychische und körperliche Gesundheit unter deinen Selbstzweifeln leiden, ist es Zeit für dich zu handeln. Folgende Tipps können dir dabei helfen, das Impostor Syndrom zu überwinden:

  • Bewusstsein schaffen: Im ersten Schritt ist es wichtig für dich zu erkennen, dass deine Gedanken nicht der Realität entsprechen, sondern aufgrund einer falschen Selbstwahrnehmung entstehen. Du 
  • Umformulieren: Du stehst kurz vor einem wichtigen Termin und deine Gedanken überschlagen sich? Du legst deinen Gegenübern bereits negative Worte in den Mund und malst dir das Schlimmste aus? Dann atme einmal tief durch und versuche, deine Gedanken umzuformulieren. Was würde deine Kollegin oder dein bester Freund jetzt sagen?
  • Vertraue dich jemandem an: Wie bei allen psychischen Belastungen gilt auch beim Impostor Syndrom: Suche dir jemanden zum Reden. Deine Gedanken zu formulieren und mit einer anderen Person zu teilen kann dir schon helfen. 
  • Führe ein Erfolgstagebuch: Mit dem Führen eines Erfolgstagebuchs kannst du dir selbst dabei helfen, deinen Selbstwert zu stärken. Schreibe alle Komplimente, alles was gut geklappt und was du gut gemeistert hast auf, jede gute Rückmeldung die du bekommen hast. Dein Erfolgstagebuch kann dir auch dann helfen, wenn ein wichtiges Gespräch, z.B. ein Feedbackgespräch ansteht. Damit kannst du dich gut auf das Gespräch vorbereiten und deinen negativen Gedanken zuvorkommen.
  • Professionelle Unterstützung: Wenn du merkst, dass du alleine nicht mehr weiterkommst, ist es sinnvoll, dir professionelle Hilfe zu suchen. Eine Psychotherapie oder auch ein professionelles Coaching können dir dabei helfen, ein realistisches Bild von dir und deinen Fähigkeiten aufzubauen und Selbstzweifel hinter dir zu lassen.
  • Selbstbewusstsein aufbauen: Ein Risikofaktor für die Entwicklung des Impostor Syndroms kann mangelndes Selbstbewusstsein sein. Oft führt das dazu, dass Betroffene sich immer mehr hinterfragen und ihre Fähigkeiten anzweifeln. Hier findest du Tipps, um deinen Selbstwert zu stärken.
  • Anforderungen anpassen: Vielleicht ist es auch an der Zeit, dass du deine Anforderungen an dich selbst überdenkst. Erwartest du vielleicht zu viel von dir? Es fällt dir leichter, deine Erfolge zu sehen, wenn du sie auch erreichen kannst.
  • Lerne, Lob anzunehmen: Versuche, Komplimente anzunehmen, auch wenn es dir schwer fällt. Statt mit Abschwächung zu reagieren, versuche einfach mal “Danke” zu sagen und stolz auf das zu sein, wofür du Anerkennung bekommen hast.
  • Orientiere dich an Fakten: Die Selbstzweifel, die typisch für das Impostor Syndrom sind, sind ein Gefühl. Versuche Fakten dafür zu finden, dass das was du tust gut ist. Schau in Zeugnisse, geh durch deine Erfolgserlebnisse.

Wie Arbeitgeber*innen unterstützen können

Auch für Arbeitgeber*innen ist es wichtig, Menschen, die unter dem Impostor Syndrom leiden, zu unterstützen. Zwar sind sie auf den ersten Blick sehr dankbare Mitarbeiter*innen, da sie Aufgaben aufgrund ihrer Genauigkeit oft sehr gut erledigen, doch langfristig kann ihre psychische Gesundheit leiden, was in weiterer Folge zu Ausfällen führen kann.

Für Arbeitgeber*innen können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Achte darauf, deine Mitarbeiter*innen weder zu unter- noch zu überfordern. Sprich regelmäßig mit ihnen und nimm sie und ihre individuellen Bedürfnisse ernst.
  • Versuche die individuellen Stärken deiner Mitarbeiter*innen zu fördern, zum Beispiel durch Weiterbildungsmaßnahmen.
  • Sprich bewusst Lob und Wertschätzung aus, wenn Aufgaben gut gemacht wurden. Das kann motivierend wirken.
  • Achte darauf, dass deine Mitarbeiter*innen genügend Pausen machen und Möglichkeiten zur Entspannung haben. Zum Beispiel kannst du auch die Möglichkeit für Seminare zu Entspannungstechniken und Stressmanagement anbieten.

Es ist wichtig zu verstehen, dass eine ernsthafte psychische Erkrankung einer Therapie und professioneller Hilfe bedarf. Die Online-Kurse von Selfapy kann ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

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Quellenangaben

  1. Appel, Kristina (2022). Impostor-Syndrom: Wie man das Hochstapler-Phänomen überwinden kann. Online verfügbar unter https://www.emotion.de/psychologie-partnerschaft/persoenlichkeit/impostor-syndrom [15.03.22].
  2. ikk-calssic.de (o.J.). Hochstapler Syndrom: Ist das mein Verdienst oder hatte ich einfach Glück? Online verfügbar unter https://www.ikk-classic.de/gesund-machen/arbeiten/hochstapler-syndrom [15.03.22].
  3. Mai, Jochen (2022). Impostor Syndrom: Ursachen, Symptome, Test & Typen. Online verfügbar unter https://karrierebibel.de/impostor-syndrom/ [15.03.22].

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