Zurück 09 Feb 2022 · 8 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Wir alle verfügen über bestimmte Glaubenssätze über uns selbst, die sowohl unsere innere Einstellung zu uns selbst, als auch zu anderen und der Welt beeinflussen. Wie entstehen sie, wie kann man sie erkennen und wie kann man sie gegebenenfalls auch auflösen?

Glaubenssätze: Definition

Was sind Glaubenssätze eigentlich? Bei Glaubenssätzen handelt es sich, wie eingangs erwähnt, um bestimmte Annahmen, die Menschen über sich selbst, andere oder die Welt im Allgemeinen haben. Es handelt sich hierbei um tief sitzende Überzeugungen, die meist sehr generalistisch formuliert sind. Arten von Glaubenssätzen kann man zum Beispiel in positiv oder negativ unterteilen, aber auch eine Unterteilung nach unterschiedlichen Lebensbereichen kann sinnvoll sein.

Negative Glaubenssätze

Die Glaubenssätze, die man am ehesten auflösen möchte, sind die limitierenden und einschränkenden, also die negativen Glaubenssätze. Psychologie und Coaching können dir dabei helfen. Beispiele für typische negative Glaubenssätze können die folgenden sein:

  • Ich habe nicht genug Erfahrung, um meinen Traumjob zu bekommen.
  • Ich habe nicht genug Geld, um mir eine Reise gönnen zu können.
  • Ich bin zu jung, um in diesem Bereich ernst genommen zu werden.

Negative Glaubenssätze kommen aber nicht nur im beruflichen Kontext vor. Falsche Glaubenssätze treten insbesondere auch im Beziehungskontext oder in Bezug auf Vorstellungen des eigenen Selbstwerts auf. Beispiele hierfür können sein:

  • Mein*e Partner*in sieht nur sich selbst und liebt mich nicht genug.
  • Ich muss alle meine Probleme gelöst haben, bevor ich eine funktionierende Beziehung führen kann. 
  • Ich brauche niemanden und schaffe alles alleine.
  • Ich darf meine Gefühle nicht zeigen, sonst werde ich verletzt.
  • Wenn ich Fehler mache, lehnen andere mich ab.

Positive Glaubenssätze: Beispiele

Glaubenssätze können aber nicht nur negativ und hinderlich sein, ganz im Gegenteil. Sie können auch sehr hilfreich sein, das Leben einfacher machen und die Sicht auf sich selbst verbessern. Sie können dazu beitragen, dass man zufriedener ist und Vorhaben leichter fallen.

  • Ich darf glücklich sein.
  • Ich bin liebenswert.
  • Ich darf an mich selbst glauben.

In gewisser Weise kann man Glaubenssätze mit selbsterfüllenden Prophezeiungen vergleichen. Wenn du an einem bestimmten Glaubenssatz festhältst, wird er sich immer wieder so bestätigen. Wenn du glaubst, etwas nicht schaffen zu können, wird dein Unterbewusstsein versuchen, dich in deinem Glauben zu bestätigen. Du wirst mit deiner Annahme in der Regel recht behalten. Umgekehrt funktioniert ein Glaubenssatz jedoch genauso. Wenn du von dir und deinen Fähigkeiten überzeugt bist und glaubst, eine Aufgabe gut bewältigen zu können, ist die Wahrscheinlichkeit dafür sehr hoch. - Wichtig ist aber, dass die Glaubenssätze realistisch sind.

Glaubenssätze: Liste

Im folgenden haben wir dir eine Liste mit negativen und eine Liste mit positiven Glaubenssätzen erstellt, die du einmal durchgehen kannst, um zu überprüfen, ob du dich in einigen davon wieder erkennst.

Positive Glaubenssätze: Liste

Positive Glaubenssätze können ebenso wie dysfunktionale Glaubenssätze ganz unterschiedliche Lebensbereiche betreffen und die hier angeführte Liste ist nicht vollständig. Weitere Lebensbereiche können zum Beispiel Finanzen, Gewicht oder Einschränkungen sein.

Positive Glaubenssätze: Selbstwert

  • „Ich bin gut, so wie ich bin.“
  • „Ich bin dankbar für alles was ich habe.“
  • „Ich bin wertvoll und meine Meinung ist wertvoll.”

Positive Glaubenssätze: Beziehung

  • „Ich habe Liebe verdient.“
  • „Ich werde eine glückliche Beziehung führen.”

Positive Glaubenssätze: Gesundheit

  • „Ich fühle mich fit und gesund.”
  • „Ich kann meine Gesundheit durch Bewegung, meine Ernährung und durch meinen gesamten Lebensstil beeinflussen.”

Positive Glaubenssätze: Soziales Umfeld

  • „Ich bin offen anderen Menschen gegenüber.”
  • „Ich verdiene Respekt.“
  • „Soziale Beziehungen sind ein Gewinn für mich.“

Negative Glaubenssätze: Liste

Negative Glaubenssätze: Selbstwert

  • „Ich bin weniger wert als andere.“
  • „Ich bin nicht gut genug.”
  • „Ich habe mein Leben vermasselt.“
  • „Ich werde über meine Leistungen und mein Äußeres definiert.“

Negative Glaubenssätze: Beziehung

  • „Niemand hält es lange mit mir aus.“
  • „Ich verdiene es nicht, geliebt zu werden.“
  • „Keine meiner Beziehungen hält.“
  • „Ich werde nur abgelehnt.”

Glaubenssätze: Soziales Umfeld

  • „Ich fühle mich von anderen Menschen eingeengt.“
  • „Ich kann keiner Person vertrauen.“

Wie entstehen Glaubenssätze

Glaubenssätze sind individuell unterschiedlich und nicht von Geburt an Teil eines Menschen. Glaubenssätze entwickeln und festigen sich im Laufe eines Lebens. Je älter wir werden, desto mehr Erfahrungen machen wir und prägen sich als Sichtweisen, die wir über uns und die Welt haben, ein.

Die ersten Glaubenssätze die wir machen, machen wir im Kontext unserer Familie und des Elternhauses. Kinder, die liebevolle und fürsorgliche Eltern haben, neigen dazu positive Glaubenssätze über sich und den eigenen Wert zu entwickeln. Wer als Kind hingegen oft mit Desinteresse oder vielleicht sogar emotionaler oder physischer Gewalt konfrontiert war, wird diese Erfahrungen und damit verbundene Glaubenssätze verinnerlichen.

Später im Leben spielen das soziale Umfeld, Mitschüler*innen, Freund*innen eine erhebliche Rolle bei der Entwicklung von Glaubenssätzen. Menschen, die schon früh das Gefühl vermittelt bekommen haben, nicht genug zu sein, neigen auch im Laufe des Erwachsenseins dazu, zu scheitern, da das Unterbewusstsein die vorgefertigte Sichtweise bestätigen will. Dadurch, dass diese negativen Überzeugungen immer wieder bestätigt werden, festigen sich negative Glaubenssätze mehr und mehr. Genauso funktioniert es aber auch mit positiven Glaubenssätzen.

Die gute Nachricht ist: Glaubenssätze verändern, das geht! Wenn du dir eine Veränderung in deinem Leben wünschst, kann es hilfreich für dich sein, an deinen Glaubenssätzen zu arbeiten. 

Negative Glaubenssätze erkennen

Bevor du negative Glaubenssätze auflösen oder verändern kannst, musst du sie aber zunächst erkennen. Wahrscheinlich hast du inzwischen verstanden, was Glaubenssätze sind. Sie bei sich selbst auch als solche zu definieren ist aber nicht immer so einfach. Während es uns bei anderen oft leicht fällt sie zu identifizieren, sind wir uns unserer eigenen Glaubenssätze oft nicht bewusst. Folgende Tipps können dir dabei helfen, deine Glaubenssätze zu erkennen:

  • Stell dir die Frage, welche Annahmen du sowohl über dich selbst, als auch über die Welt im Allgemeinen hast. Hast du vielleicht auch bestimmte Vorannahmen darüber, wie etwas ausgehen wird?
  • Denk zurück an eine Situation, in der es dir nicht gut ging. Gibt es vielleicht einen Glaubenssatz, der hinter deinen negativen Gefühlen oder deinem Verhalten steckte?
  • Mach dich auf die Suche nach Signalwörtern: Negative Glaubenssätze beinhalten oft verallgemeinernde oder absolute Aussagen wie muss, niemand, sollte, nie, immer keiner, alle etc.

Glaubenssätze auflösen

Wenn du soweit bist, dass du negative Glaubenssätze identifizieren und dir eingestehen kannst, kannst du weiter gehen und versuchen, sie aufzulösen. Folgende Schritte können dir bei dem Projekt “Glaubenssätze ändern” helfen:

  • Woher kommt dein Glaubenssatz?

Wir haben bereits erwähnt, wie Glaubenssätze entstehen können. Wenn du einen bestimmten Glaubenssatz im Kopf hast, versuch einmal zu identifizieren, woher er kommt. So kannst du auch besser prüfen, ob sie realistisch sind und überhaupt Anspruch auf Aktualität haben. Vielleicht hat ein*e Mitschüler*in dich im Sportunterricht in der Schule gehänselt? Seitdem bist du der festen Überzeugung, unsportlich zu sein?

  • Mach den Faktencheck

Du hast deinen Glaubenssatz jetzt erkannt und weißt, woher er kommt. Aber ist er heute überhaupt noch gültig? Wahrscheinlich hast du inzwischen ganz viele neue Erfahrungen gesammelt, hast einen Sport gefunden, der dir Spaß macht und den du regelmäßig praktizierst? Dann ist es Zeit, die Gültigkeit dieses Glaubenssatzes in Frage zu stellen. 

  1. Warum glaubst du immernoch, dass dieser Glaubenssatz wahr ist?
  2. Gibt es für seine Gültigkeit einen Beweis oder einen Gegenbeweis?
  3. Hast du einen Vorteil davon, an dieser Überzeugung festzuhalten?
  4. Was würdest du stattdessen gerne empfinden?
  • Glaubenssätze umformulieren

Die Auseinandersetzung mit einem negativen Gedanken gänzlich zu verdrängen wird wahrscheinlich nicht funktionieren. Stattdessen kannst du versuchen, einen negativen Glaubenssatz in einen positiven umzuformulieren. Das kann auch langsam, Schritt für Schritt passieren. Dafür nimm dir ein Blatt Papier und schreib deinen negativen Glaubenssatz auf. Ein einfaches Beispiel kann sein:

Ich bin nicht sportlich genug. → Ich bin NOCH nicht sportlich genug.

Ich bin nicht sportlich genug. → Ich bin wertvoll, auch wenn ich nicht jeden Tag Sport mache. 

Nach und nach wirst du merken, dass sich dieser Gedanke nach anfänglicher Anstrengung immer leichter denken lässt und wie von selbst aufkommt. Dann kannst du vielleicht einen Schritt weitergehen:

Ich bin nicht sportlich genug. → Ich kann lernen, Sport gezielt in mein Leben zu integrieren. 

Ich bin nicht sportlich genug. → Ich bin sportlich, auch wenn ich keinen Handstand kann.

Ich bin nicht sportlich genug. → Ich bin so sportlich, wie ich es gerne sein möchte.

Ich bin nicht sportlich genug. → Ich bin sportlich, auch wenn ich keine Modelmaße habe. 

Es ist meistens nachhaltiger, wenn du die Glaubenssätze nicht sofort zu radikal umformulierst, um dir selbst Zeit zu geben, dich langsam an den neuen Gedanken zu gewöhnen und so positive Glaubenssätze verankern. Als letzten Schritt kannst du deinen Glaubenssatz wie folgt verändern:

Ich bin nicht sportlich genug. → Ich bin sportlich!

  • Verinnerliche den neuen Glaubenssatz

Um den neuen Glaubenssatz zu verinnerlichen, können dir verschiedene Techniken helfen. Schreibe ihn auf, sag ihn dir vor, vielleicht willst du ihn dir vorsingen. Schreibe ihn auf einen Zettel und klebe ihn an deinen Spiegel, erzähle anderen Leuten davon. Es ist dabei ganz egal welche Methode du wählst. Je mehr du ausprobierst, desto besser.

  • Neue Erfahrungen und neue Glaubenssätze verankern

Um deine Glaubenssätze zu verändern ist es auch hilfreich dein Verhalten zu ändern. Wenn du den Glaubenssatz, unsportlich zu sein, auflösen möchtest, mache dir Gedanken darüber, was eine sportliche Person tun würde. Mach genau das und mach es bewusst. Jedes Mal, wenn du dich nach diesem neuen Glaubenssatz verhältst, wird er gestärkt und sich verfestigen.

  • Habe Geduld

Insbesondere Glaubenssätze aus der Kindheit trägst du wahrscheinlich schon lange mit dir herum. Sie aufzulösen, kann ein langer Prozess sein und sie können sehr hartnäckig sein. Sei geduldig und liebevoll mit dir. Wenn etwas nicht sofort funktioniert oder nicht sofort Wirkung zeigt, heißt das nicht, dass das immer so sein wird. 

  • Coaching

Wenn du merkst, dass es dir alleine schwer fällt, deine Glaubenssätze zu verändern, such dir professionelle Unterstützung. Ein gutes Coaching kann dir zum Beispiel dabei helfen. 

Es ist wichtig zu verstehen, dass eine ernsthafte psychische Erkrankung einer Therapie und professioneller Hilfe bedarf. Die Online-Kurse von Selfapy können ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

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Quellenangaben

  1. greator.com (o.J.). Glaubenssätze. Online verfügbar unter https://greator.com/glaubenssaetze/ [08.02.22].
  2. landsiedel-seminare (o.J.). Glaubenssätze. Online verfügbar unter https://www.landsiedel-seminare.de/nlp-bibliothek/nlp-master/m-02-00-glaubenssaetze.html  [08.02.22].
  3. Schwarzberg, Anna Maria (2021). Glaubst du das wirklich? Glaubenssätze erkennen und verändern. Online verfügbar unter https://einguterplan.de/glaubenssaetze-veraendern/ [08.02.22].

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