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Enttäuschung – über ein Gefühl und den richtigen Umgang damit

18 Jul 2023 · 16 min lesezeit
von Volker Budinger
Enttäuschung

„Enttäusch mich nicht“, „Ich bin maßlos enttäuscht“, „Traurig und enttäuscht“ – solche Sätze lesen und hören wir oft im Leben. Enttäuschung ist ein sehr starkes negatives Gefühl, das aber einen positiven Kern hat. Denn eine Ent-Täuschung ist auch das Ende einer Täuschung, einer Illusion. Was genau macht das Gefühl mit dir und wie gehst du am besten damit um? Das wollen wir in diesem Text erklären. 

Die Vorsilbe „ent“ benutzt man im Deutschen, um anzuzeigen, dass man etwas „wieder in seinen Ausgangszustand“ versetzen will. Ent-Spannung ist dafür ein gutes Beispiel. Und auch Ent-Täuschen ist von der Wortentstehung her eigentlich positiv besetzt. Es ist die Aufhebung einer Täuschung – man könnte auch sagen, mit einer Enttäuschung sieht man den Kern der Wahrheit, der Realität, klarer. „Enttäuschungen sind eine gute Gelegenheit, sich selbst besser kennenzulernen“, sagt etwa der Jesuit und Buchautor Michael Bordt, der über das Gefühl ein Buch verfasst hat.

Was aber macht das Gefühl der Enttäuschung mit dir, welche Gefahren kann es mit sich bringen und wie gehst du damit um, wenn dich das Leben, andere Menschen oder gar du dich selbst enttäuscht hast?

Was ist Enttäuschung?

Ist Enttäuschung ein Gefühl? Enttäuschung ist auf jeden Fall etwas, das wir empfinden, und das in unterschiedlichen Qualitäten. Von leicht enttäuscht bis hin zu tiefer oder gar maßloser Enttäuschung reicht die Palette dieser menschlichen Emotion. Sie gehört nicht zu den sechs Primäremotionen des Menschen, die wohl weitgehend genetisch angelegt sind. Das sind:

  • Freude
  • Trauer
  • Angst oder Furcht
  • Ekel
  • Ärger 
  • Überraschung

Vielmehr handelt es sich um eine erlernte Emotion, die Elemente aus Trauer und Überraschung verbindet. Enttäuschung definiert das Wörterbuch in seiner Bedeutung als „Nicht-Erfüllung einer Hoffnung, eines Wunsches oder einer Erwartung“ oder auch als „das Gefühl, das dir unerwartet Kummer bereitet worden ist“. Damit ist „enttäuscht sein“ eine sekundäre oder Misch-Emotion – so beschreiben es Psycholog*innen.

Menschen sind in unterschiedlichem Maße oft enttäuscht in ihrem Leben. Du kannst enttäuscht sein, weil es beispielsweise mit einem neuen Job nicht geklappt hat oder weil an deinem Geburtstag die Sonne nicht scheint. Denn wir empfinden oft Enttäuschung, wenn Erwartungen oder Hoffnungen an Ereignisse oder an den Zufall sich nicht bestätigen. Wenn der Lottogewinn ausbleibt oder der Versuch von Wissenschaflter*innen nicht das ersehnte Ergebnis bringt, ist Enttäuschung oft die Folge.

Der größte Teil an Enttäuschungen dreht sich aber um das Tun oder Unterlassen anderer Menschen. In der Regel sind wir von anderen Menschen dann enttäuscht, wenn unsere Erwartungen an sie nicht eingetreten sind – oder meist im Fall des großen komplizierten Gefühls der Liebe – wenn unsere Hoffnungen an den anderen Menschen sich nicht erfüllt haben. Dabei enttäuscht jede Person andere Menschen viel öfter als sie es denkt – und meistens ohne es zu wollen. Wer andere Menschen dagegen bewusst enttäuscht, beziehungsweise in dem Fall sogar bewusst „täuscht“, hat in der Regel ein Problem mit seiner sozialen Anpassung.

Letztlich ist die Enttäuschung also gewissermaßen ein Gefühl des Schocks, wenn sich zeigt, dass jemand oder etwas ganz anders ist, als du dir selbst ein Bild davon gemacht hast. Es sind letzten Endes eben falsche Erwartungen oder überzogene Hoffnungen, die zunichte gemacht werden, was dich dann enttäuscht. Wir haben zwar bestimmte Erwartungen daran, was eine andere Person tut, aber wir wissen es immer erst im Moment des Handelns. Auch die große Hoffnung etwa auf einen großen Lottogewinn ist angesichts der mathematischen Chancen in der Regel oft überzogen. Der britische Schriftsteller Alexander Pope erklärte einmal – „Gesegnet ist der, der nichts erwartet, denn er wird nie enttäuscht“ – und brachte damit auf den Punkt, was die Enttäuschung ausmacht.

Arten der Enttäuschung

Enttäuschungen lassen sich laut Psycholog*innen in drei verschiedene Arten einteilen – denen du auch auf unterschiedliche Arten begegnen kann.

Das sind:

  • falsche Versprechen (falsch geweckte Hoffnungen)
  • unrealistische Erwartungen
  • Selbsttäuschung

Im Falle falscher Versprechen kannst du selber in der Regel am wenigsten für die Enttäuschung. Jemand anderes hat bewusst oder unbewusst ein Versprechen nicht gehalten oder dich sogar mit falschen Behauptungen betrogen. Der Moment der Enttäuschung zeigt dir zumindest, mit welcher Art Mensch du es zu tun hast. Du kannst dein Verhalten gegenüber dieser Person für die Zukunft anpassen.

Werden unrealistische Erwartungen mit einer Enttäuschung zerstört, sagt dir das oft eher etwas über dich selbst – jene Gelegenheit, dich selbst kennenzulernen, wie Michael Bordt es ausdrückt. Aus irgendeinem Grund hast du dann an jemand anderen oder an ein Ereignis eine Erwartung gehabt, die sich nicht erfüllt hat. Statt dich mit Selbstzweifeln zu plagen, hilft es dann eventuell, dich zu fragen, warum du zu hohe Erwartungen hattest und wie du das für das nächste Mal ändern kannst.

Bei der Selbsttäuschung geht es oft darum, dass du dir sagst, „Ich bin enttäuscht von mir selbst“. In dem Fall hast du an dich selbst gestellte (zu hohe) Erwartungen nicht erfüllt, deinen inneren Schweinehund doch nicht überwinden können oder gegen deine Überzeugungen gehandelt. Ein Klassiker sind die „Guten Vorsätze“ zum neuen Jahr, die manchmal schon Ende Januar nicht mehr eingehalten werden. Dann ist zumindest der Moment, in dem du die Enttäuschung über dich selbst empfindest, vielleicht auch der Beginn eines heilsamen Prozesses. Du kannst dich fragen, warum hast du die Erwartung nicht erfüllen können, warum war das Ziel zu hoch gesteckt? Wichtig ist dabei, nicht zu streng mit sich selbst zu sein, also Erwartungen und Enttäuschungen als Lernprozess zu verstehen.

Enttäuscht von Freunden – wie gehst du damit um?

In den meisten Fällen bist du von einem Menschen enttäuscht – weil er sich nicht so verhalten hat, wie du es erwartet hast, oder im schlimmsten Fall, weil er dich getäuscht oder betrogen hat. In vielen Fällen bist du enttäuscht von Freund*innen. Oft umso mehr, je wichtiger uns ein Mensch als Freund*in ist – oder war. Zerbrochene Freundschaft und Enttäuschung sind zwei Umstände, die oft miteinander zusammenhängen oder aufeinander folgen.

Das Problem beim Umgang mit anderen Menschen ist, dass wir grundsätzlich bestimmte Erwartungen an ihr Verhalten haben. Jedoch ist jeder Mensch grundsätzlich unabhängig und seine Entscheidungen und Verhaltensweisen sind manchmal gar nicht vorhersehbar. Kommt es nun in einer Freundschaft zu einer Enttäuschung, so sind unter Umständen sogar beide Seiten verletzt.

Psycholog*innen sehen in einer Enttäuschung auch immer eine gewisse narzisstische Form der Verletzung. Sie ist gepaart mit einem Gefühl von Frustration, Verletztsein und dem Empfinden, ungerecht behandelt worden zu sein. Dabei sind aber oft zwei betroffen, wenn es um das Enttäuschtsein von Menschen geht. Die Person, die eine Erwartung an eine andere Person hatte, die nicht erfüllt wurde, und die Person, die die Erwartung nicht erfüllt hat. In vielen Fällen weiß die Person allerdings gar nicht, dass diese Erwartung an sie gestellt wurde – und ist nun wiederum enttäuscht von dem Verhalten der anderen Person, wenn diese die Enttäuschung nicht anspricht.

Wenn du enttäuscht bist von Freund*innen, kommt es oft vor, dass du falsche oder überzogene Erwartungen hattest – oder dass ihr niemals darüber geredet habt, was ihr vielleicht voneinander erwartet. Mangelnde Kommunikation ist nicht nur bei enttäuschten Freundschaften einer der Hauptgründe, warum es überhaupt zu der Enttäuschung kam.

Allerdings gibt es natürlich auch die Fälle, in denen die andere Person andere bewusst Versprechen gebrochen hat oder dich sogar betrogen hat. Dann musst du dir Fragen über die Qualität der Freundschaft stellen und ob es eventuell nur falsche Freundschaft ist.

Wie gehst du also damit um, wenn in einer Freundschaft eine Enttäuschung und große Verletztheit im Raum stehen?

  1. Reflektieren: Warum entstand die Enttäuschung? Liegt die Schuld nur auf einer Seite oder waren Erwartungen vielleicht gar nicht erfüllbar? Fehlte es eventuell an Kommunikation?
  2. Abwägen: Wie schwer wiegt die Enttäuschung? Natürlich ist jede Enttäuschung erst mal ein Schlag in die Magengrube. Doch wenn du genau darüber nachdenkst, wiegt ein subjektiv enttäuschendes Verhalten vielleicht gar nicht so schwer und ist verzeihlich. Besonders, wenn die andere Person ihr Verhalten bedauert und sich entschuldigt. Manchmal kann man Eigenarten von anderen auch einfach hinnehmen, auch wenn es auf den ersten Blick zu Verletzungen führt. Beispielsweise wenn der*die beste Freund*in immer den Geburtstag vergisst – es aber nicht böse meint, sondern einfach ein schusseliger Mensch ist. 
  3. Durchatmen: Bevor du aus Reflex nach einer Enttäuschung die Freundschaft kündigst, nimm dir oder vielmehr nehmt euch zunächst etwas Zeit. Dann kannst du wie unter 1. Reflektieren und 2. Abwägen. Triff keine schwerwiegenden und/oder nachhaltigen Entscheidungen aus dem Bauch heraus – schon gar nicht, solange das Gefühl des Verletztseins voherrscht.
  4. Kommunikation: Wenn du nach dem Durchatmen, Reflektieren und Abwägen zu dem Schluss kommst, dass der:die andere dich nicht vorsätzlich getäuscht hat und ihr über den begangenen Fehler durchaus noch reden könnt, dann solltet ihr das unbedingt tun. Und zwar bitte lieber im persönlichen Gespräch als etwa schriftlich. Dem Geschriebenen fehlt eine wichtige Ebene der Kommunikation, nämlich die non-verbale. Schriftlich sind viel häufiger Missverständnisse die Folge. Auflockernde Zwischentöne wie etwa Ironie lassen sich schriftlich auch gar nicht transportieren. Redet also miteinander. Dabei solltest du recht klar formulieren, was dich stört oder gestört hat. Was hast du erwartet? Und was wünschst du dir für die Zukunft? Wie könnt ihr als Freund*innen miteinander auskommen? Formuliere dabei möglichst Botschaften in Ich-Form, also „Ich war enttäuscht von dir, weil ...“ nicht „Du hast mich enttäuscht…“. So vermeidest du, dass das Gespräch von vorneherein ausschließlich einen vorwurfsvollen Ton annimmt und ihr findet am ehesten eine vielleicht neue Basis für eure Freundschaft.
  5. Diplomatie: Versetze dich in die Lage des anderen, damit ihr leichter Kompromisse findet. Vielleicht habt ihr unterschiedliche Meinungen über das die Enttäuschung auslösende Ereignis oder auch darüber, wie eure Freundschaft sich gestaltet. 
  6. Verzeihen: Versuche, das große Ganze eurer Freundschaft zu sehen. Überleg, ob du nicht auch schwere Fehler eventuell noch mal verzeihen kannst (zumindest wenn es nicht dauernd passiert oder du vorsätzlich betrogen oder ausgenutzt wurdest). Oft lohnt es sich, über seinen eigenen Schatten zu springen, das Verletztsein nach der Enttäuschung abzuhaken und zu verzeihen. Denn jede*r macht mal Fehler. 
  7. Klare Kante: Wenn dir klar geworden ist, dass du die Freundschaft beenden willst, weil es „einfach nicht mehr geht“, dann finde klare Worte dafür. Einfach den Kontakt abbrechen oder gar die andere Person immer wieder vertrösten ist kein guter Umgang miteinander und tut dir selbst auch nicht gut.

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Konfliktgebiet Liebe: Enttäuschung vorprogrammiert?

Enttäuschte Liebe ist ein großes menschliches Thema. Entweder es folgt dem Schema, dass du dich in jemanden verliebt hast und sich schließlich herausstellt, dass er*sie dir nicht die gleichen Gefühle entgegenbringt. Oder in einer Beziehung kommt es zum Bruch, du bist enttäuscht von dem*der Partner*in. Auch hier gilt – Enttäuschungen gehören zum menschlichen Zusammenleben dazu. Es gilt, sie zu akzeptieren, zu reflektieren und daraus zu lernen. Nur weil einmal Liebe Enttäuschung für dich bedeutet hat, bedeutet das nicht, dass das immer so sein wird, du kannst dich neu verlieben nach großer Enttäuschung. Und du musst keine Angst vor Enttäuschung in der Liebe haben. Liebe ist nicht immer eine bittere Enttäuschung – nur weil es einmal so war.

Natürlich kannst du auch innerhalb einer Beziehung enttäuscht werden. In fast jeder Beziehung gehört es dazu, sich früher oder später über falsche Erwartungen auszutauschen und Enttäuschungen im Idealfall gemeinsam zu verarbeiten – und zu klären, welche Erwartungen der:die jeweils andere nicht erfüllen kann oder will. In einer Partnerschaft gehst du vom Ablauf her grundsätzlich genauso vor wie bei einer Enttäuschung in der Freundschaft.

Wenn du selbst deine*n Partner*in enttäuscht hast (in vielen Fällen unbeabsichtigt), solltest du überlegen, wie es zu diesem Verhalten oder Versäumnis gekommen ist. Eventuell fällt dir etwas ein, um es wiedergutzumachen. Ein Beispiel: Deine Freundin ist enttäuscht, weil du euren Jahrestag vergessen hast? Dann überrasche sie beispielsweise mit einem Ausflug, von dem sie weiß, dass er dich wirklich Überwindung kostet und du es nur ihr zuliebe machst.

Wenn die Enttäuschung Familien betrifft

Wo Menschen nah zusammenleben und miteinander leben, kommt es leicht zu Enttäuschungen. Dabei kommt es dir wahrscheinlich besonders schlimm vor, wenn du von Menschen enttäuscht bist, die du liebst. Dementsprechend bietet Familie Enttäuschungen einen großen Raum. Enttäuscht von der Familie, enttäuscht vom erwachsenen Sohn, der erwachsenen Tochter, enttäuscht von den Kindern, enttäuscht von den Eltern …  die Liste lässt sich fortsetzen.

Die Enttäuschung in der Familie ist nicht nur deswegen oft besonders groß, weil diese Menschen dir nahestehen. Tendenziell sind die Erwartungen, die Familienmitglieder aneinander stellen, auch besonders hoch. Dabei sind die Mechanismen von Erwartungen und Enttäuschungen in Familien meistens komplex. Denn häufig geht es nicht nur um einzelne Verhaltensweisen. Ein Beispiel: Eltern haben oft eine Vorstellung davon, wie sie ihre Kinder gerne hätten und sind enttäuscht, wenn diese sich anders entwickeln. Die Kinder wünschen sich wiederum, dass ihre Eltern sie so akzeptieren, wie sie sind, und sind enttäuscht, wenn das nicht der Fall ist. Ohne eine gute Kommunikation kann es sogar zu einem Bruch kommen.

Im Prinzip gelten in Familien aber die gleichen Grundsätze wie in Beziehungen oder in Freundschaften. Verarbeite Enttäuschungen, suche nach der Ursache und kommuniziere sie. Oft ist es besser, nicht aus dem Gefühl der tiefen Enttäuschung heraus zu handeln, sondern erst, nachdem auch der Verstand wieder im Spiel ist und du dir klargemacht hast, was eigentlich der Kern des Problems ist. In Familien kommt hinzu, dass du sie dir, anders als Freundschaften und Partnerschaften, nicht ausgesucht hast. Deswegen ist es hier oftmals noch wichtiger, die Eigenarten der übrigen Familienmitglieder zu akzeptieren – und gegebenenfalls die eigenen Erwartungen herunterzuschrauben.

Enttäuschung überwinden – diese Tipps helfen

Den endgültigen, für jede*n funktionierenden Weg zum besten Umgang mit Enttäuschungen gibt es nicht. Aber es gibt einige gute und hilfreiche Tipps, die sich bei vielen Menschen bewährt haben. Sie sollen dir dabei helfen, eine Enttäuschung zu verarbeiten.

  1. Enttäuschungen akzeptieren: Akzeptanz ist in der Psychologie der Schlüssel, um mit vielerlei negativen Ereignissen und Emotionen umzugehen. Akzeptiere, dass du eine Enttäuschung erlebt hast, und versuche, die Situation anzunehmen.
  2. Enttäuschungen reflektieren und daraus lernen: Eine Enttäuschung zu verarbeiten, heißt dabei unter anderem dir klarzumachen, warum du enttäuscht wurdest. Hattest du, objektiv betrachtet, vielleicht viel zu hohe Erwartungen an etwas oder eine Person, kannst du idealerweise aus der erlittenen Frustration lernen. Wenn du verstehst, was die Ursache der Enttäuschung war, lässt sich eine ähnliche Erfahrung in Zukunft vielleicht vermeiden. Unter Umständen kannst du auch mit Meditation Enttäuschungen überwinden oder dabei dem Grund dafür auf die Spur kommen.
  3. Niederschreiben und Klarheit schaffen: Wenn das Nachdenken allein nicht hilft, kannst du einen psychologischen Trick anwenden. Schreib so ausführlich wie möglich und aus dem Bauch heraus nieder, was deine Enttäuschung ausmacht, was dich ärgert oder bedrückt. Wenn du deine Enttäuschung in einem Brief ausdrückst – quasi an dich selbst – entdeckst du vielleicht neue Seiten. Du kannst auch einen Abschiedsbrief an die Enttäuschung schreiben. Dann reflektierst du einerseits die Ursachen und löst dich im besten Fall von den negativen Gefühlen.
  4. Sprich über Enttäuschung:  Besonders wenn andere Menschen Grund für die Enttäuschung waren, sprich mit ihnen darüber – etwa auch, um eine Freundschaft zu kitten (siehe oben). Allerdings hilft Enttäuschung kommunizieren auch, wenn du dein Herz gegenüber einer Person deines Vertrauens ausschüttest. Auch ein solches Gespräch kann befreiend für dich sein.
  5. Keine Vorwürfe an andere oder dich selbst: Enttäuschung hat immer auch etwas mit dir und deinen Erwartungen zu tun. Es hilft nicht, nur in einen Vorwurfsmodus zu wechseln und jemandem allein die Schuld für die Enttäuschung zu geben. Es gibt immer ein komplexes Zusammenspiel. Denke an Akzeptanz und Reflexion und findet einen Weg, die Enttäuschung zu überwinden. Das gilt auch für dich selbst. Nur weil du ein- oder mehrere Male von etwas oder jemandem enttäuscht wurdest, heißt das nicht, dass du „immer“ enttäuscht werden wirst. Verallgemeinerungen und katastrophische Gedanken wie „es ist immer so“, „es passiert immer mir“, „ich werde nie glücklich werden“ und so fort führen zu nichts und stimmen einfach nicht.

Traurig und enttäuscht – welche Folgen Enttäuschung haben kann

Wichtig ist, dass du Enttäuschungen nicht in dich reinfrisst oder du dir selber völlig unreflektiert für jede neue Enttäuschung stets selbst die Schuld gibst.

Enttäuschungen gehören zum Leben dazu – es wird sich nicht vermeiden lassen, dass du immer wieder einmal neue Enttäuschungen erleben wirst. Man könnte sagen, das liegt im menschlichen Wesen und unserem Zusammenleben. Deswegen ist es wichtig, Enttäuschungen zu akzeptieren, zu verarbeiten und aus ihnen zu lernen.

Findet dies nicht statt, kann es zu ernsthaften und schweren psychischen Auswirkungen kommen. Eine Depression durch Enttäuschung oder mehrere Enttäuschungen ist eine mögliche Folge – besonders wenn Gedanken wie „Das passiert mir zu Recht dauernd“, „Ich habe nichts anderes verdient“ oder Ähnliches überhandnehmen. 

Einige Menschen verfallen in eine stete Angst enttäuscht zu werden und lassen jedes Unterfangen von vorneherein sein. Auch die Angst, andere zu enttäuschen, kann Menschen regelrecht lähmen. Manche fühlen sich stets „vom Leben enttäuscht“, sind einfach nur „enttäuscht und verletzt“ – und verharren in diesem negativen Gefühl. Wenn du bemerkst, dass du aus einer Enttäuschung heraus dauerhaft niedergeschlagen bist und dich negative Gedanken quälen, kann es dir auch helfen, eine:n Arzt:Ärztin deines Vertrauens, eine:n Psychotherpeut:in oder andere:n fachlich Qualifizierte:n aufzusuchen und ihm deinen Kummer zu schildern.

Und auch, wenn du einmal von jemandem betrogen oder hintergangen worden bist und du bitterlich von diesem Menschen enttäuscht wurdest oder dein geschenktes Vertrauen nicht gewürdigt wurde – nicht alle Menschen sind gleich und auch nicht alle ähnlichen Situationen werden gleich verlaufen. Es ist wichtig, auch nach einer Enttäuschung wieder vertrauen zu können.

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Ein Artikel von

Volker Budinger Medizinredakteur

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Quellenangaben

  1. Ortony et al. (1988). The cognitive structure of Emotion, Contemporary Sociology, online verfügbar unter https://www.jstor.org/stable/2074241?origin=crossref
  2. Rudolf et al. (1997), Enttäuschung — ein affektives Muster und seine klinische Bedeutung, Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychoanalyse, online verfügbar unter https://www.jstor.org/stable/23997563
  3. Schönberger (2018). Kein Leben ohne Enttäuschung. Psychologie heute, online verfügbar unter https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/38860-kein-leben-ohne-enttaeuschungen.html
  4. Zeelenberg et al. (2000) On bad decisions and disconfirmed expectancies: The psychology of regret and disappointment, Cognition and Emotion, online verfügbar unter https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/026999300402781

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