Zurück 24 Jan 2022 · 7 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Woran du cholerische Menschen erkennst und wie du dich am besten selbst schützen kannst, erfährst du in diesem Text.

Choleriker: Definition

Was bedeutet cholerisch? Im Allgemeinen bezeichnen wir Menschen, die durch scheinbare Kleinigkeiten Wutanfälle bekommen, als Choleriker*innen. Das unscheinbarste Ereignis kann sie zur Weißglut, zum Schreien und zum Toben bringen. Das ist nicht nur für die betroffene Person selbst anstrengend, sondern auch und insbesondere für ihr Umfeld. Doch was ist ein Choleriker eigentlich genau?

Cholerisch: Bedeutung

Das Wort Choleriker oder Cholerikerin hat seinen Ursprung im Altgriechischen. Es kommt von dem Wort chole, was übersetzt Galle bedeutet. Die Galle wurde schon früh mit negativen Eigenschaften und Gefühlen in Verbindung gebracht und so liegt das Bild nahe, dass ein*e Choleriker*n bei einem Wutanfall Galle spuckt.

Choleriker: Symptome

Viele Menschen haben, wenn sie an Choleriker*innen denken, eine ganz bestimmte Person mit ganz bestimmten Eigenschaften im Kopf. Aber den*die typische*n Choleriker*in gibt es nicht. So können cholerische Züge bei Frauen genauso wie bei Männern vorkommen. Es handelt sich hierbei nicht, wie oft angenommen, um hauptsächlich männliche Eigenschaften. Zudem können die Auslöser ganz unterschiedlich sein, was allen Auslösern aber gleich ist, ist dass es sich um Kleinigkeiten handelt.

Cholerische Anfälle oder Choleriker erkennen - das ist mitunter gar nicht so leicht. Doch es gibt einige Anzeichen, die viele Personen mit einer cholerischen Neigung gemein haben können:

  • verminderte Selbstkontrolle und vor allem wenig Kontrolle über eigene Gefühle
  • leichte Reizbarkeit
  • starke Emotionen, auch aufgrund von Kleinigkeiten
  • übersteigerte Impulsivität
  • Wutausbrüche sind oft von laut sein und/ oder Gewalt begleitet
  • dominantes Verhalten

Diese Merkmale beschreiben häufig vorkommendes Verhalten bei einer Cholerikerin oder einem Choleriker. Eigenschaften, die von cholerischen Neigungen betroffene Personen auszeichnen, können aber auch positive Merkmale sein:

  • Dynamik
  • Leidenschaft
  • hohe Motivation und Bereitschaft, Leistung zu erbringen
  • Willensstärke
  • Initiative

Viele der Eigenschaften, die Choleriker*innen auszeichnen, sowohl die positiven, als auch die negativen, werden oft mit Merkmalen von Führungskräften in Verbindung gebracht. Daher kommen ein cholerischer Chef oder eine cholerische Chefin gar nicht so selten vor. Insbesondere die starke Motivation und Leistungsbereitschaft, die Choleriker*innen an den Tag legen, sind Eigenschaften, die im professionellen Umfeld als positiv bewertet werden.

Exkurs: Choleriker - Lebenserwartung

Es ist nur schwer möglich, eine eindeutige Aussage darüber zu treffen, ob Choleriker*innen eine geringere Lebenserwartung haben, als Menschen ohne cholerische Neigung. Es gibt aber Studien, die zeigen, dass häufige Wutausbrüche das Herzinfarkt- sowie das Schlaganfallrisiko erheblich erhöhen können. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit in den ersten beiden Stunden nach einem Anfall am höchsten.

Das hängt damit zusammen, dass bei einem Wutanfall das sympathische Nervensystem angeregt wird, wodurch auch Herzfrequenz und Blutdruck steigen, was mit einigen anderen Faktoren zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Erleiden eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls führt.

Exkurs: Choleriker - Sexualität

Auch in Bezug auf Sexualität, können die Eigenschaften von Choleriker*innen in beide Richtungen ausschlagen. Oftmals leidet die Beziehung unter der impulsiven Wut der*des cholerischen Partners*Partnerin und somit auch die Sexualität. Die Leidenschaft des*der Cholerikerin, kann unter Umständen aber auch zu einem sehr erfüllten Sexualleben führen. Dazu lassen sich jedoch keine allgemeingültigen Aussagen treffen, jede Beziehung ist anders.

Choleriker: Ursachen

Wie wird man eigentlich zur*zum Choleriker*in? Was beeinflusst das Entstehen der Neigung?

Es gibt einige Erkrankungen, die oft im Zusammenhang mit häufigen Wutausbrüchen vorkommen und daher mit ihnen und ihrer Entstehung in Verbindung gebracht werden. So zum Beispiel:

  • ADHS
  • psychische Erkrankungen als Folge von Vernachlässigung
  • Autismus
  • narzisstische Persönlichkeitsstörung

Bei vielen Choleriker*innen ist es ganz unterschiedlich, in welchen Situationen es zu Wutanfällen kommt. Manche nutzen ihre Partnerschaft, Freund*innen und Familie als Ventil, bei anderen sind Wut und Gereiztheit jedoch eher im Arbeitskontext anzutreffen.

Choleriker: Ursachen Kindheit

Oftmals liegen die Ursachen für cholerische Anfälle aber auch in der Kindheit. Verletzungen, die wir zum Beispiel durch das Verhalten unserer Eltern oder anderer naher Bezugspersonen erlitten haben, prägen das Verhalten erwachsener Personen. Wenn Gefühle in einer Situation heftiger sind, als es vielleicht angemessen wäre, liegt das oft an bereits zurückliegenden Erfahrungen und Verletzungen. Emotionen können dann oftmals zu übermäßigen Wutanfällen führen und diese triggern.

Choleriker als Partner

Ein cholerischer Partner oder eine cholerische Partnerin kann einer Beziehung sehr viel Energie und Freude rauben. Zu Beginn einer solchen Beziehung kann es sein, dass die negativen Seiten, die Wutausbrüche gar nicht so auffällig sind. Oftmals sind Choleriker*innen sehr charismatische Personen, wissen, wie sie sich zu präsentieren haben und wie sie andere Menschen beeindrucken können. Cholerische Anfälle in Beziehungen werden mit der Zeit aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zunehmen. Insbesondere in Partnerschaften und wenn es um Liebe geht, können Choleriker*innen schnell einmal die Kontrolle über die eigenen Gefühle verlieren. Das kann sehr belastend und insbesondere auch eine Belastungsprobe für die Beziehung werden.

Umgang mit Cholerikern

Wenn du die Merkmale und Eigenschaften einer cholerischen Person verstanden und gelernt hast, diese nicht persönlich zu nehmen, gibt es einige Tipps für den richtigen Umgang:

  • Freiraum geben: Cholerische Personen schätzen ihre Unabhängigkeit. Gib ihnen daher Freiraum, versuche sie möglichst wenig unter Druck zu setzen und sie möglichst wenig kontrollieren zu wollen. 
  • Keine Angst vor Konfrontation: Auch wenn Choleriker*innen bereit dazu sind, an ihren Wutausbrüchen zu arbeiten, sie werden vermutlich nie gänzlich verschwinden. Versuch deshalb zu lernen, diese Emotionen anzunehmen, sie nicht auf dich selbst zu projizieren und keine Angst vor der Konfrontation zu haben.
  • Verantwortung geben: Wie weiter oben im Text schon geschrieben, sind Choleriker*innen oftmals Führungspersonen, aufgabenorientiert und übernehmen gerne Verantwortung. Zeig ihnen also, dass du ihnen und ihren Fähigkeiten vertraust und übertrage ihnen ein angemessenes Maß an Verantwortung. Das gilt im Privatleben genauso wie im Beruf.
  • Anerkennung schenken: Cholerische Menschen möchten für ihre Leistung auch honoriert werden. Zeig ihnen deshalb, wenn sie etwas gut gemacht haben und schenke ihnen Anerkennung.
  • Verständnis zeigen: Oftmals liegt hinter den Wutausbrüchen ein Gefühl der Ohnmacht, die betroffene Person fühlt sich hilflos. In so einem Fall ist es besonders hilfreich, auf die Person einzugehen, Verständnis zu zeigen und das Gefühl zu vermitteln, Unterstützung zu bieten.
  • Grenzen aufzeigen: Trotz der Wichtigkeit von Verständnis und Fürsorge, ist es auch wichtig, eine Grenzen zu kommunizieren und diese einzuhalten.

Choleriker: Therapie

Um den richtigen Umgang mit Jähzorn und cholerischem Verhalten zu lernen, kann eine Therapie für Betroffene sehr hilfreich sein. Insbesondere Methoden der Verhaltenstherapie oder auch Anti-Aggressions-Training zeigen hier eine positive Wirkung.

Auch die Achtsamkeits- und Commitment-Therapie eignet sich, um einen besseren Umgang mit Wutanfällen zu erlernen. Im ersten Schritt lernen Betroffene hier, ihre Gefühle als Jähzorn und kontraproduktiv zu erkennen und wahrzunehmen. Im weiteren verlauf werden Betroffenen dann Strategien an die Hand gegeben, um Selbstbeherrschung zu lernen.

Eine Therapie kann für Choleriker*innen aber nur dann wirksam sein, wenn sie selbst den Wunsch verspüren, an sich zu arbeiten und ihr Verhalten zu ändern. Betroffene von außen zu diesem Schritt zu zwingen, ist zum einen sehr anstrengend und zum anderen oft nicht zielführend.

Choleriker: Medikamente

Bei vermehrt auftretender Aggressivität gibt es durchaus Medikamente, die von medizinischem Fachpersonal verschrieben werden können. Das dient jedoch nur zur Behandlung von Einzelfällen und ist mit Ärzt*innen individuell abzuklären.

Choleriker: Selbsthilfe

Natürlich leiden auch Betroffene selbst unter ihren cholerischen Anfällen und es gibt durchaus Methoden, mit denen sie sich selbst helfen und ihre Wutausbrüche reduzieren können.

  • Vertraute suchen: Wenn du verstanden hast, dass du ein Mensch bist, der zu cholerischen Anfällen neigt, ist dieser erste Schritt der Selbsterkenntnis fast der wichtigste. Das bedeutet, du verfügst über ausreichend Selbstreflexion, um dein Verhalten einordnen zu können. Im nächsten Schritt kann es sehr hilfreich sein, darüber zu sprechen. Such dir vielleicht ein paar enge Bezugspersonen aus, mit denen du dein Gefühlsleben teilen möchtest.
  • Situationen analysieren: Versuche dich und deine Wutanfälle genau zu beobachten. In welchen Situationen treten sie auf, wie unterscheiden sie sich, wie machen sie sich bemerkbar? Du kannst dir hierzu Notizen machen. Vielleicht können dir diese dann im nächsten Schritt dabei helfen, entsprechende Situationen zu vermeiden oder einem Anfall bewusst entgegenzuwirken.
  • Aktiver Stressabbau: Überleg dir, welche Methoden des Stressabbaus für dich geeignet sind. Viel Bewegung, frische Luft, Meditationen, Yoga oder Atemübungen können dir dabei helfen, Stress und negative Gefühle aktiv abzubauen, sodass es gar nicht erst zu einem Wutanfall kommt. 
  • Professionelle Hilfe: Auch das In Anspruch Nehmen einer Psychotherapie kann hilfreich sein. Insbesondere Methoden der Verhaltenstherapie eignen sich hervorragend, um zu lernen, besser mit deinen Emotionen umzugehen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass eine ernsthafte psychische Erkrankung einer Therapie und professioneller Hilfe bedarf. Die Online-Kurse von Selfapy können ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

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Quellenangaben

  1. ärzteblatt.de (2014). Wutanfall kann Herzinfarkt und Schlaganfall triggern. Online verfügbar unter https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57833/Wutanfall-kann-Herzinfarkt-und-Schlaganfall-triggern  [20.01.22].
  2. balancebeautytime (o.J.). Der Partner ist Choleriker - Beziehung unter besonderen Umständen. Online verfügbar unter https://www.balancebeautytime.com/partnerschaft/choleriker-beziehung#worauf-achten [24.01.22].
  3. Brockhausen, Berit (2018). Verletzungen in der Kindheit: Wenn die Wut zurückschlägt. Online verfügbar unter https://www.emotion.de/persoenlichkeit/traumata-der-kindheit-fuehrt-zu-problemen-als-erwachsener [20.01.22].
  4. Mai, Jochen (2020). Choleriker: Ursachen und 10 Tipps für den Umgang. Online verfügbar unter https://karrierebibel.de/choleriker/ [20.01.22].

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