Zurück 14 Dec 2021 · 6 min lesezeit
von Nora Blum

Wir wissen nicht, was die Zukunft uns bringt – und das macht vielen Menschen Angst: Zukunftsangst im Alter gibt es ebenso wie in der Jugend. Die Pandemie und der Klimawandel schüren aktuell die Angst vor morgen besonders. Doch es gibt Strategien, um negative Zukunftsgedanken zu überwinden.

„Ich denke nie an die Zukunft. Sie kommt früh genug“ – so gelassen wie Albert Einstein sind die wenigsten Menschen: Zwei Drittel der Deutschen blicken ängstlich in die Zukunft, sie haben kein Vertrauen mehr darauf, dass der Staat, die Politik oder Institutionen derzeit herrschende Krisen lösen können. Die Pandemie, der Klimawandel und Ängste, die mit dem Verlust des Jobs oder mit dem Älterwerden zu tun haben, können dazu führen, dass du dir ständig über alles Mögliche Sorgen machst. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, belastende Zukunftsangst in den Griff zu bekommen.

Zukunftsangst: Symptome erkennen

„Ich habe Angst vor der Zukunft“ – wenn du das von dir sagst, dann beschäftigst du dich ständig mit der Frage: „Was passiert, wenn…?“  Etwa, wenn du eine Entscheidung treffen musst, die sich eventuell als falsch erweist. Vielleicht fürchtest du dich auch vor Unglücken aller Art, zum Beispiel vor möglichen Verkehrsunfällen. Oder du fühlst dich unsicher – vor allem bei Veränderungen – und nimmst stets das Schlimmste an (Worst-Case-Szenario).

Was dein Körper verrät

Dein Körper kann dir Zukunftsängste durch diese Symptome signalisieren:

  • Dein Herz rast und du bist kurzatmig – das ist sehr unangenehm, wenn es länger anhält. Dahinter steckt in der Regel das Hormon Adrenalin, das als Reaktion auf deinen Angstzustand und die ständige Unruhe aus der Nebenniere in den Körper gelangt. 
  • Du fühlst dich benommen, nervös oder schwindelig
  • Du zitterst, schwitzt und deine Muskeln verspannen sich? Auch das können Anzeichen einer großen Angst um die Zukunft sein. 
  • Der Magen schmerzt oder dir ist immer wieder übel
  • Du fühlst dich erschöpft, kannst dich schlecht konzentrieren und wälzt dich nachts schlaflos im Bett. 
  • Du gerätst immer wieder spontan in Panik.

Ängste, Grübelzwänge, Zukunftsangst: Das können Ursachen sein

Negative Zukunftsgedanken können viele Ursachen haben: 

  • Zukunftsangst nach Trennung: Du weißt nicht, wie du ohne deine*n Partner*in weiterleben sollst. 
  •  Zukunftsangst nach Studium: Dir ist nicht klar, in welche Richtung sich deine Laufbahn entwickelt – eine unsichere und dadurch belastende Situation. 
  • Zukunftsangst: Job & Co. machen dir Sorgen, du fühlst dich unter Druck gesetzt, fürchtest eine Kündigung oder grübelst darüber nach, ob es in deinem Beruf überhaupt gut für dich weitergeht. 
  • Angst, älter zu werden: Du denkst ständig darüber nach, was die Jahre dir Negatives bringen werden – Gebrechlichkeit, ernsthafte Krankheiten oder den Verlust von Familienmitgliedern und engen Freunden.
  • Zukunftsangst: Klimawandel, Umweltzerstörung, die Pandemie und eine Vielzahl anderer internationaler Krisen, die durch Krieg oder Terror verursacht werden, lassen für dich schwarze Wolken am Horizont aufziehen.

Zukunftsängste: Junge Erwachsene stark belastet

Generation Zukunftsangst: Als Folge der anhaltenden Corona-Pandemie kämpfen junge Menschen nicht nur mit psychischen Problemen, sondern auch zunehmend mit Zukunftsängsten – das gilt vor allem für diejenigen mit finanziellen Sorgen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Universitäten Hildesheim und Frankfurt/Main, das eine umfangreiche Befragung unter Jugendlichen auswertete. Wissenschaftler*innen beobachten schon seit Jahren, dass Jugendliche Angst vor der Zukunft haben – vor allem im Hinblick auf große politische Themen wie Terror oder Umweltverschmutzung. An zweiter Stelle stehen persönliche Ängste wie die Furcht davor, einen wichtigen Menschen zu verlieren oder eine schwere Krankheit zu erleiden. Auch der hohe Leistungsdruck in der Schule macht Probleme – und kann bei denjenigen, die keine guten Noten erreichen, zu Zukunftsängsten führen.

Wann ist die Angst vor der Zukunft eine Angststörung?

Wenn die Phobie vor der Zukunft rund um die Uhr vorhanden ist, belastet sie dein tägliches Leben erheblich und du hast den Eindruck, die Befürchtungen nicht mehr kontrollieren zu können. Dann bist du eventuell von einer Generalisierten Angststörung (GAS) betroffen. Du erkennst das vor allem daran, dass deine Zukunftsängste sich auf alles Mögliche beziehen und du mit deiner Angst vor dem Ungewissen nicht auf eine konkrete Bedrohung reagierst.

Krankhafte Angst vor morgen – Anzeichen

Krankhafte Zukunftsangst kannst du an folgenden Anzeichen erkennen: 

  • Deine Lebensqualität ist dadurch eingeschränkt, dass du mehr als drei Viertel eines Tages über deine Zukunftsängste nachdenkst. 
  • Du fühlst dich wie gelähmt und bist durch die Angst vor morgen in deinen Handlungen oder auch während der Arbeit gehemmt. 
  • Depression: Zukunftsangst deine Stimmung auf Dauer, also über Wochen und Monate hinweg, dann kann eine depressive Verstimmung oder sogar eine Depression dahinterstecken.
  • Du hegst Selbstmordgedanken. 
  • Du nimmst Beruhigungstabletten, Drogen oder trinkst reichlich Alkohol, um deine Angst vor der Zukunft in den Griff zu bekommen. 
  • Deine Partnerschaft ist durch die Angst vor morgen ernsthaft in Gefahr.

Ärztlichen Rat suchen

Wenn du deine Zukunftsängste überwinden möchtest, sollte dein*e Hausarzt*Hausärztin dein*e erste*r Ansprechpartner*in sein. Denn Beschwerden wie etwa Herzrasen werden auch durch bestimmte Drogen wie Amphetamine oder durch Arzneien verursacht. Eine Überfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls als behandelbarer Grund dahinterstecken. Zunächst müssen also organische Ursachen ausgeschlossen werden. Ob du an einer Generalisierten Angststörung leidest, kann bei ersten Gesprächen in einer Psychotherapie festgestellt werden.

Zukunftsängste überwinden

Es gibt viele Möglichkeiten, sich Hilfe bei Zukunftsangst und daraus resultierender Panik zu holen. Auf diese Weise kannst du die Furcht hinter dir lassen oder zumindest kontrollieren.

Zukunftsängste: Therapie

Mithilfe einer Kognitiven Verhaltenstherapie können Patient*innen, die Angst vor der Zukunft haben, die Perspektive wechseln und eine andere Sichtweise bekommen. Vielleicht ist dir ja ein Denkfehler unterlaufen oder du bist bei deinen Befürchtungen, künftig schwer zu erkranken, von falschen Vorstellungen geleitet worden? Dein*e Therapeut*in kann dazu beitragen, dass du deine Situation anders einschätzt und dein Verhalten änderst. Dadurch könnt ihr gemeinsam erreichen, dass du dich im Lauf der Zeit weniger mit negativen Zukunftsgedanken quälst und Existenzängste bewältigen kannst.

Welche Medikamente infrage kommen

Solltest du eine Angststörung haben, kann diese auch mit Antidepressiva behandelt werden. Eingesetzt werden dafür unter anderem selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Auch Arzneistoffe aus der Gruppe der Antikonvulsiva (Antiepileptika) oder sogenannte trizyklische Antidepressiva (wie Moclobemid, Opipramol oder Buspiron) können dir helfen. Wenn du dich besser fühlst, wird eine medikamentöse Therapie noch mindestens über sechs bis zwölf Monate weitergeführt – um Rückfälle zu vermeiden.

Pflanzliche Mittel gegen Zukunftsangst

Bei einer Generalisierten Angststörung helfen pflanzliche Mittel nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht ausreichend weiter. Wenn deine Zukunftsangst aber nicht ganz so schlimm ist, kannst du pflanzliche Mittel ausprobieren. Vor allem Lavendelöl und Präparate auf Kamillebasis haben in Studien gezeigt, dass sie besser helfen als Scheinmedikamente (Placebos).

Mit neuer Energie gegen negative Zukunftsgedanken

In einem ersten Schritt raten Psycholog*innen dazu, die Angst vor der Zukunft nicht generell als Feind oder nur als negatives Gefühl zu betrachten. Es kann dir helfen, wenn du deine Sorgen annimmst und als schützenden Teil deines Lebens siehst. Aus dieser Perspektive kannst du neue Energie für positive Entwicklungen gewinnen. Dadurch können sich viele Sorgen vor dem, was morgen kommen mag, wieder auflösen.

Meditation: Zukunftsangst bewältigen

Gezielte Entspannungsübungen, die du entweder beim Yoga oder während einer Meditation machst, können dir ebenfalls helfen. Am besten baust du die Übungen oder auch weitere körperliche Aktivitäten in deinen Alltag ein, sobald du bemerkst, dass dein Körper stark auf die negativen Zukunftsgedanken reagiert. Auf diese Weise können wohltuende Prozesse angestoßen werden, die dich gelassener werden lassen. Mehr Ruhe im Hier und Jetzt kannst du auch durch Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, das Erlernen von Achtsamkeit und hilfreichen Atemübungen oder durch Autogenes Training erreichen.

Was Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet

Du bist nicht allein mit deinen Nöten – auch andere Menschen möchten keine Angst vor der Zukunft mehr haben. In Selbsthilfegruppen kannst du dich mit Betroffenen austauschen und mehr über die Strategien erfahren, mit denen sie ihre Zukunftsangst bewältigen. Über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) bekommst du Kontakt zu passenden Selbsthilfegruppen. Es gibt auch Angebote der Selbsthilfe speziell für junge Leute.

Ein Artikel von

Nora Blum Gründerin und CEO · Psychologin

Quellenangaben

  1. ÄrzteZeitung (2021, 25. Oktober). Untersuchung: Zwei Drittel der Deutschen blicken ängstlich in die Zukunft.https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Zwei-Drittel-der-Deutschen-blicken-aengstlich-in-die-Zukunft-423912.html
  2. Ärzteblatt (2021, 23. März). Corona: Junge Menschen klagen über Vereinsamung und Zukunftsangst.https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/122292/Corona-Junge-Menschen-klagen-ueber-Vereinsamung-und-Zukunftsangst
  3. Neurologen und Psychiater im Netz (o. D.). Angsterkrankungen – wann ist Angst krankhaft?https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/angsterkrankungen/wann-ist-angst-krankhaft#c216 (eingesehen am 02.12.2021)
  4. Neurologen und Psychiater im Netz (2017, 25. April). Angststörungen: Man muss lernen, die Angst anzunehmen.https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/ratgeber-archiv/artikel/angststoerungen-man-muss-lernen-die-angst-anzunehmen/
  5. Neurologen und Psychiater im Netz (2015, 22. Oktober): Wenn die Zukunft jungen Menschen Angst macht.https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie/news-archiv/artikel/wenn-die-zukunft-jungen-menschen-angst-macht
  6. Institut für Psychologie und Sportwissenschaft der Justus Liebig Universität Gießen (o. D.). Psychische Belastungen und Störungen in Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie.https://www.uni-giessen.de/fbz/fb06/hilfe_corona/was-tun/konsequenzen-covid-19
  7. Institut für Psychologie und Sportwissenschaft der Justus Liebig Universität Gießen (o. D.). Tipps zur Förderung der psychischen Widerstandskraft.https://www.uni-giessen.de/fbz/fb06/hilfe_corona/stress/tipps
  8. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2021, 16. Juni): Generalisierte Angststörung.https://www.gesundheitsinformation.de/generalisierte-angststoerung.html
  9. Rheingold Institut (o. D.). Deutschlands Zukunft zwischen No-Future-Modus und Gestaltungskraft im kleinen Kreis.https://www.rheingold-marktforschung.de/zukunftsstudie-2021-wie-deutsche-in-die-zukunft-blicken/
  10. Universität Hildesheim (2021, 23. März): Jugendliche fühlen sich durch die Covid 19-Pandemie stark belastet.https://www.uni-hildesheim.de/neuigkeiten/jugendliche-fuehlen-sich-durch-die-covid-19-pandemie-stark-belastet/
  11. Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) (2021): Selbsthilfegruppenjahrbuch 2021.https://www.nakos.de/aktuelles/nachrichten/[email protected]/[email protected]

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