Zurück
Wohlbefinden

Mentale Hochsensibilität: Sich nicht zugehörig fühlen

14 Jul 2021 · 4 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Zu einer Gruppe gehören, Gleichgesinnte um sich haben, sich zugehörig fühlen. Sozialkontakte sind ein Grundbedürfnis des Menschen. Wir sehnen uns nach Anerkennung, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit. Dennoch kennen wir wohl alle das Gefühl, uns anders, nicht zugehörig zu fühlen.

Warum braucht der Mensch soziale Kontakte

Soziale Kontakte haben einen enormen Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden und die mentale Gesundheit. Einsamkeit oder auch ein Mangel an Zuwendung können sich auf Dauer negativ auf die Psyche auswirken und können die Entstehung psychischer Belastungen begünstigen. 

Experimente aus der Sozialpsychologie belegen diese These. Beim so genannten Still-Face-Experiment wurden Mütter dazu angehalten, im ersten Durchgang des Experiments mit Lachen und Zuwendung auf ihre Babys zu reagieren, woraufhin die Kinder es ihnen gleich taten. Im zweiten Durchgang sollten die Mütter keine Reaktion zeigen und sich ihren Babys nicht zuwenden. Daraufhin reagierten die Kinder gestresst, mit lautem Schreien und Weinen. In einem weiteren sozialpsychologischen Experiment mit Rhesusaffen, wurden den Affenbabys eine Drahtmutter, die Milch spendet und eine Mutter aus Stoff, die weich und kuschelig ist, vorgelegt. Die kleinen Äffchen hielten sich nur zur Nahrungsaufnahme bei der Drahtmutter auf, den Rest der Zeit verbrachten sie an die Stoffmutter gekuschelt.

Isolation und Einsamkeit können sich ähnlich auf den Körper auswirken wie beispielsweise Rauchen. Positive soziale Beziehungen hingegen können das Immunsystem stärken, das Risiko für das Erkranken an einer Depression mindern und verbessern die Stressresistenz. 

Menschliches Verhalten in Gruppen

Sich zugehörig fühlen, was bedeutet das eigentlich? Dieses Gefühl, kann sich auf unterschiedlichen Ebenen manifestieren. In liebevollen Beziehungen, zu Freund*innen, aber auch romantische Beziehungen, in liebevollen Beziehungen zur Familie, Kontakt, ob verbal oder körperlich, oder auch einfach in dem Wunsch wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden.

Aufgrund dieses Wunsches reagieren wir oft sensibel, wenn wir auf neue Gruppen treffen. Oft sind wir nervös, hinterfragen unser Verhalten und versuchen uns so zu verhalten, wie wir denken, dass die Gruppe es wünscht. Das passiert insbesondere dann, wenn wir nicht wissen, wie die Struktur der Gruppe ist, wie sie funktioniert.

Zugehörigkeit, ohne Selbstbestimmtheit zu verlieren

Dieses Verhalten kann unter Umständen so weit gehen, dass wir uns verstellen, eigene Bedürfnisse in den Hintergrund rücken und unsere Selbstbestimmtheit verlieren. Man gibt die eigenen Wünsche, Werte und Vorstellungen auf, um in einer Gruppe ausgenommen zu werden und passt sich der Gruppe an. Doch um wirklich ein Gefühl der Zugehörigkeit zu erfahren, ist es wichtig, sich selbst treu zu bleiben, um so akzeptiert zu werden, wie man ist. - Daher sollte man bei dem Wunsch, in eine Gruppe aufgenommen zu werden, immer hinterfragen, ob die Werte der Gruppe mit den eigenen konform sind, um hier eine Diskrepanz zu vermeiden. So kann man einen sozialen Kreis finden, in dem man sich wohlfühlt, ohne eine unnatürlich große Anpassungsleistung erbringen zu müssen und in dem man so sein kann, wie man ist und sein möchte.

Mentale Hochsensibilität

Doch auch wenn wir von vielen sozialen Gruppen umgeben sind, kann es sein, dass das Gefühl, anders zu sein oder sich nicht zugehörig zu fühlen, mehr Platz einnimmt als das Gefühl der Zugehörigkeit. Gründe dafür können zum Beispiel mentale Hochsensibilität, Selbstablehnung oder innere Unruhe sein. Menschen, die zu mentaler Hochsensibilität neigen, suchen Fehler für die mangelnde Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oft bei sich selbst. Ein Grund dafür können zum Beispiel eigene internalisierte Glaubenssätze über das “Sich anders fühlen” sein. Oftmals verfügen Betroffene über überdurchschnittlich hohe ausgeprägte soziale und emotionale sowie kognitive Kompetenzen, sind aber gleichzeitig auch überdurchschnittlich sensibel, neigen zu Unsicherheit und Selbstzweifeln. Daher haben sie oft Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen und sozialen Situationen und werden dementsprechend auch von außen als “anders” oder “komisch” wahrgenommen.

Tipps für bessere soziale Beziehungen

Für positive und nährende soziale Beziehungen ist ein gesundes Selbstvertrauen ein wichtiger Grundstein. Um dieses zu stärken, kannst du versuchen, Übungen zur Selbstfürsorge und Selbstliebe in deinen Alltag zu integrieren. Diese können ganz unterschiedlich und individuell aussehen. 

  • Starte jeden Tagen mit einem Gedanken an etwas, wofür du dankbar bist.
  • Nimm die Zeit für Bewegung. Mache Yoga, gehe laufen oder einfach spazieren.
  • Mach Pausen, du musst nicht immer produktiv sein.
  • Überleg dir, welche Dinge dir Freude bereiten. Du kannst dich hierfür selbst beobachten und so analysieren, in welchen Situationen du dich gut fühlst. 

Es ist wichtig immer im Hinterkopf zu behalten, dass deine Beziehung zu dir selbst die Beziehungen zu anderen Menschen mit dir bestimmt. Sei also achtsam und geduldig mit dir, behandel dich so, wie du ein*e gute*n Freund*in behandeln würdest. Und auch hier gilt, sei geduldig. Es ist okay, wenn du nicht immer gleich glücklich und zufrieden mit dir bist. Vielleicht kannst du versuchen, dich hier in Achtsamkeit und Akzeptanz zu üben und nicht alles was du tust zu bewerten. Auch wenn es manchmal so scheint, andere Menschen tun das auch nicht. 

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

Quellenangaben

  1. Cina, Annette (2018). Ich gehöre einfach nicht dazu. Beobachter Gesundheit. Online verfügbar unter https://www.beobachter.ch/gesundheit/psychologie/sozialkontakte-ich-gehore-einfach-nicht-dazu [13.07.21].
  2. Hannoversche (o.J.). Die Bedeutung sozialer Kontakte für das seelische Wohlbefinden. Online verfügbar unter https://www.hannoversche.de/wissenswert/soziale-kontake-fuer-das-wohlbefinden [14.07.21].
  3. Hielscher, Bettina (2015). Wenn du das Gefühl hast, nicht in die Welt zu passen. Bettina Hielscher. Online verfügbar unter https://www.bettinahielscher.de/nicht-in-welt-passen/ [13.07.21].
  4. Vogler, Juliane (2020). Sich nicht zugehörig fühlen - Mentale Hocheffizient. Psychologie-Magazin. Online verfügbar unter https://www.psymag.de/14650/nicht-zugehoerig-fuehlen-mentale-hocheffizienz/ [13.07.21].

Ähnliche Artikel

Wohlbefinden

5 Tipps für ein starkes Immunsystem

17 Oct 2017 · 2 Min. Lesezeit

Die Grundlage für ein starkes Immunsystem bildet ein Körper, der ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt wird.

Wohlbefinden

5 Tipps, um schlechte Angewohnheiten abzulegen

17 Mar 2019 · 2 Min. Lesezeit

Vieles in unserem Leben läuft per Autopilot ab. Problematisch wird das erst, wenn wir immer wieder denselben Gewohnheiten nachgehen und diese womöglich unserer …

Wohlbefinden

So kannst du deinen Selbstwert stärken

05 Feb 2018 · 5 Min. Lesezeit

Was ist das eigentlich, ein gesunder Selbstwert, warum ist er so wichtig, kann er vielleicht sogar zu hoch sein und wie kann man ihn stärken?

Wohlbefinden

Achtsamkeit lernen mit dem Selfapy Achtsamkeitskurs

28 Sep 2017 · 1 Min. Lesezeit

Ab sofort begleitet Selfapy dich auf dem Weg in ein achtsames Leben. In unserem Programm zum Lernen von Achtsamkeit machen wir dich mit der Achtsamkeitspraxis …

Wohlbefinden

Besser schlafen: Ruhige Nächte mit diesen 5 Tipps

19 Jul 2018 · 3 Min. Lesezeit

Was geschieht, wenn dem Körper über Wochen hinweg der Schlaf entzogen wird?

Wohlbefinden

Cheat Meals und Cheat Days – So Geht’s Richtig

07 Mar 2018 · 2 Min. Lesezeit

Über Cheat Meals gibt es mindestens so viele Meinungen, wie Diäten auf diesem Planeten. Beschäftigt man sich einmal ausführlicher damit, kommen viele Fragen …

Wohlbefinden

Digital Detox – Tipps zur digitalen Entgiftung

21 Sep 2018 · 5 Min. Lesezeit

Immer mehr Menschen sehnen sich nach dem sogenannten “Digital Detox”, einer Art Entziehungskur für die Benutzung des Handys. Aber wie funktioniert die digitale …

Wohlbefinden

Du bist gut genug!

06 Apr 2018 · 4 Min. Lesezeit

Es ist so, dass der Selbstwert teilweise aus uns selbst, aber auch teilweise aus dem Außen definiert wird. Wir selbst können also mitentscheiden über unser …

Wohlbefinden

FOMO – Wie überwindest Du die Angst, etwas zu verpassen?

20 Sep 2018 · 5 Min. Lesezeit

Woher kommt die ständige Befürchtung, etwas zu versäumen?

Wohlbefinden

Gesundes Essen: Wie es mit Achtsamkeit funktioniert.

19 Aug 2019 · 6 Min. Lesezeit

Wenn du mal im Kopf deine letzten Mahlzeiten durchgehst, kannst du dann ehrlich behaupten, dass du tatsächlich dann gegessen hast, wenn du Hunger hattest?

CE icon

CE-Zulassung

Selfapy ist ein CE-zugelassenes Medizinprodukt der Klasse 1

trust icon

Wissenschaftlich fundiert

Wir führen klinische Wirksamkeits-Studien zu all unseren Kursen durch

lock icon

Datenschutz gewährleistet

Daten werden nach den europäischen Datenschutzstandards jederzeit vertraulich behandelt