Zurück 13 Sep 2021 · 10 min lesezeit
von Michaela Asmuß

Herzrasen, Atemnot Schweißausbrüche – eine Panikattacke in der Nacht kommt aus heiterem Himmel und kann Todesängste auslösen. An Schlaf ist für die meisten Betroffenen nicht mehr zu denken. Doch Panikattacken sind kein Schicksal. Das steckt hinter den nächtlichen Panikattacken und so kannst du sie überwinden.

  • Eine Panikattacke nachts ist durch starke körperliche Symptome wie Herzrasen, Atemnot und Schweißausbrüche gekennzeichnet. Betroffene nehmen diese Beschwerden überdeutlich wahr, interpretieren sie über, und es kommt zur Panikattacke. 
  • Die Ursachen sind noch immer nicht ganz klar. Fest steht, dass eine schon vorhandene Angsterkrankung eine Panikattacke nachts auslösen kann. Ebenso kommen unentdeckte körperliche Ursachen infrage. 
  • Niemand ist seiner Panikattacke nachts ausgeliefert. Es gibt wirksame Sofortmaßnahmen und auch langfristige Therapieschritte, die helfen können, die Panik loszuwerden. 

Herzrasen, Atemnot und Todesangst – schon am Tag sind Panikattacken schwer zu ertragen, doch in der Stille und Einsamkeit der Nacht sind sie noch schwerer auszuhalten. Denn obwohl sie nur kurze Zeit andauern, ist das Erlebnis doch sehr intensiv und kräftezehrend. Panikattacken nachts sind ein Phänomen, dass viele Menschen mit Angststörungen kennen. Bis zu 40 Prozent der Patient*innen mit Panikstörungen erleben auch Panikattacken in der Nacht. Doch auch Menschen, die noch nie unter einer Angststörung gelitten haben, können eine Panikattacke nachts erleben. 

Plötzliche Panikattacke nachts: Symptome

Eine plötzliche Panikattacke nachts tritt, wie eine Panikattacke am Tag, aus heiterem Himmel auf. Sie dauert in der Regel zwischen drei und 30 Minuten, kann unter Umständen aber auch länger dauern. Auch die Symptome gleichen sich bei verschiedenen Arten von Panikattacken. Symptome den ganzen Tag zu spüren ist jedoch sehr selten, genauso wenig die ganze Nacht. Dennoch hast du bei einer nächtlichen Panikattacke in erster Linie Beschwerden, die sich auf die Atemwege und den Kreislauf beziehen, wie Atemnot, Herzrasen und Beklemmungsgefühle. Aufgrund der sehr starken körperlichen Symptome haben Betroffene oft das Gefühl, in ihrem Körper würde etwas Schlimmes passieren, oder sie würden unter einer schlimmen körperlichen Krankheit leiden. So kann sich eine Panikattacke anfühlen wie ein Herzinfarkt. Aufgrund dessen suchen Betroffene oft Ärztinnen*Ärzte auf oder sogar die Notaufnahme. Dann ist es wichtig, dass möglichst schnell die Diagnose einer Panikstörung gestellt wird. So kann zeitnah eine entsprechende Therapie eingeleitet werden. Andernfalls kommt schnell die Befürchtung hinzu, unter einer ernsthaften Erkrankung zu leiden. Das kann die Panikstörung noch verschlimmern.

Wie äußert sich eine Panikattacke nun tatsächlich? An folgenden körperlichen Symptomen erkennst du eine Panikattacke nachts:

  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Atemnot bis hin zur Hyperventilation
  • Engegefühl in der Brust
  • Muskelverspannungen mit Krämpfen, Kribbeln und Stechen in den Muskeln
  • zeitweilige Lähmung
  • Zittern und Schüttelfrost
  • Schwitzen und Hitzewallungen
  • Taubheitsgefühl
  • Schwindel

Einige Betroffene weisen auch ähnliche Symptome wie bei einer Depression auf. Wichtig ist es dann, eine Panikattacke erkennen zu können, damit die korrekte Diagnose gestellt wird. Nicht die korrekte Einschätzung des ärztlichen Fachpersonals ist dafür wichtig. Betroffene sollten sich auch mit der Frage auseinandersetzen: Wie fühlt sich eine Panikattacke an?Auf die körperlichen Symptome folgen die psychischen Anzeichen. Panikattacken erkennt man oft daran, dass man nachts aufwacht und spürt, wie das Herz rast und die Luft wegbleibt. Häufig kommt bei Panikattacken nachts Todesangst vor. Zudem passiert es oft, dass Betroffene bei einer Panikattacke nachts aufwachen. An den folgenden Symptomen kannst du eine nächtliche Panikattacke erkennen:

  • Atemnot
  • Furcht zu Sterben
  • Gefühl, verrückt zu werden
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren
  • Depersonalisation (Gefühl, nicht man selbst zu sein, Entfremdungsgefühl)

Auch wenn die Symptome von Panikattacken für Betroffene extrem unangenehm sind, so ist eine plötzliche Panikattacke nachts nicht gefährlich. Betroffene leiden vielmehr unter dem unangenehmen und oft kaum aushaltbaren Gefühl einer Panikattacke. Dauer und auch Häufigkeit des Auftretens von Panikattacken ist von Person zu Person unterschiedlich. Manche Betroffene haben mehrmals täglich oder wöchentlich Panikattacken, während andere Personen monatelang gar keine Attacke haben. 

Wie entstehen Panikattacken?

Panikattacken können die unterschiedlichsten Auslöser haben. Oftmals treten sie scheinbar grundlos auf. Bestimmte Situationen, die für Betroffene sehr unangenehm sind, so zum Beispiel eine überfüllte Arztpraxis, oder auch andere Angsterkrankungen können zu einer Panikattacke führen. Betrachtet man die Zeit vor dem Auftreten der ersten Panikattacke Betroffener aber intensiver, so kann man oft erhöhte Belastung sowie ein erhöhtes Stresslevel als Auslöser einer Panikattacke identifizieren. Ob dieses Stresslevel aus persönlichen Gründen, wegen belastenden Ereignissen, wie zum Beispiel einer Trennung, oder aus beruflichen gründen resultiert, spielt hierbei keine Rolle.

Aber auch genetische Faktoren können dazu beitragen, dass manche Personen stärker unter Panikattacken leiden als andere.

Teufelskreis

Die körperlichen Symptome alleine machen noch keine Panikattacke aus. Es kommt immer darauf an, wie du diese Symptome wahrnimmst und interpretierst. Je bedrohlicher du sie empfindest, desto stärker ist die Angstreaktion darauf: Das Herz rast noch mehr, das Atmen wird noch schwerer. Das wiederum lässt die Angst weiter steigen. 

Panikattacken nachts: Ursachen

Die Ursachen für nächtliche Panikattacken können vielfältig sein. Bis heute ist nicht ganz geklärt, wodurch sie verursacht werden und wieso sie den einen treffen, den anderen aber verschonen. Sicher ist, dass Panikattacken nachts häufig dann auftreten, wenn du generell an einer Angsterkrankung leidest. Nächtliche Panikattacken weisen die gleichen körperlichen Symptome wie Panikattacken am Tag auf. Der Körper ist sozusagen schon sensibilisiert darauf. Wenn nun dein Herz in der Nacht etwas stärker klopft, wird der Körper sofort in Alarmbereitschaft versetzt, du erwachst und erlebst und fühlst das Gleiche, wie auch am Tag: Panik entsteht. 

Neben einer schon vorhandenen Angsterkrankung sind folgende Ursachen für nächtliche Panikattacken möglich:

  • Starker Stress: Probleme im Beruf, Geldsorgen oder der Verlust einer geliebten Person können großen Stress verursachen, der sich auf deinen Schlaf und deine Träume auswirkt. 
  • Genetische Veranlagung: Wenn dein Vater oder deine Mutter an einer Angststörung leidet, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du ebenfalls Ängste entwickelst.
  • Traumatische Erfahrungen: Falls du Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch in der Kindheit, aber auch im Erwachsenenalter erlebt hast, kann das starke, auch unbewusste Ängste hervorrufen, die sich durch Panikattacken nachts Bahn brechen. 
  • Ängstliche Persönlichkeit: Einige Menschen reagieren zögerlicher und ängstlicher auf Unbekanntes. Sie haben, entweder durch ihre Veranlagung oder durch den Erziehungsstil, keine guten Strategien entwickelt, mit Stress und Ängsten umzugehen.
  • Drogenkonsum: Falls du übermäßig viel Alkohol, Nikotin, Koffein oder Drogen zu dir nimmst, kann das Panikattacken nachts hervorrufen. 

 Körperhaltung als Auslöser für nächtliche Panikattacken?

Wenn eine traumatische Erfahrung mit einer ganz bestimmten Körperhaltung verbunden ist, merkt sich der Körper diese und die damit verbunden Gefühle. Nimmst du nun im Schlaf unbewusst diese Körperhaltung wieder ein, wachst du mit Herzrasen und Panik auf, da sich dein Körper direkt wieder in die bedrohliche Situation zurückversetzt sieht. Wenn du bei Panikattacken nachts immer in der gleichen Körperhaltung aufwachst, könnte hier ein Schlüssel zu deinen Ängsten liegen. Eine Psychotherapie kann dir helfen.

Albtraum und Pavor Nocturnus

Panikattacken nachts werden leicht mit Albträumen oder einem Pavor Nocturnus, dem sogenannten Nachtschreck, verwechselt. Zwar haben beide Phänomene auch mit Ängsten zu tun, doch sind sie anders gelagert als nächtliche Panikattacken. 

Albträume rufen wie nächtliche Panikattacken körperliche Symptome wie Herzrasen und Schweißausbrüche hervor. Doch nach dem Erwachen kannst du dich schnell orientieren und weißt, dass du nur geträumt hast. Du nimmst zwar dein Herzklopfen wahr, erkennst es aber als Reaktion auf den Albtraum und weißt, dass das wieder vergeht. 

Ein Pavor Nocturnus – der „Nachtschreck“ – tritt zumeist im Kindesalter auf, wenngleich auch ein Prozent der Erwachsenen davon betroffen ist. Er ist durch einen heftigen Schrei beim Aufwachen und starke Angst gekennzeichnet. Doch geschieht alles in einer Art Halbschlaf und ist begleitet von heftigen Bewegungen, zum Beispiel mit den Armen schlagen. Die Betroffenen sind nicht ansprechbar. Wenn der Spuk vorbei ist, schlafen sie wieder ein und können sich am nächsten Morgen an nichts erinnern. 

Panikattacken nachts: Körperliche Ursachen

Bei einer nächtliche Panikattacke stehen die starken körperlichen Symptome im Vordergrund. Diese Symptome können tatsächlich durch eine organische Erkrankung ausgelöst werden. Vor allem, wenn du bei der Panikattacke nachts Todesangst hast, kann unter Umständen ein Herzleiden oder eine Erkrankung der Atemwege dahinterstecken. Eine Abklärung durch einen Arzt oder eine Ärztin ist also wichtig – besonders, wenn die nächtliche Panikattacke das erste Mal auftritt.

Folgende Erkrankungen könne eine Panikattacke nachts auslösen:

  • Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder eine Angina Pectoris
  • Schlafapnoe-Syndrom (nächtliche Atemaussetzer)
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Asthma Bronchiale
  • nächtliche Unterzuckerung bei Diabetes
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Epilepsie

Was tun bei Panikattacken nachts: Soforthilfe

Wenn du durch eine Panikattacke nachts aus dem Schlaf gerissen wirst, bekommst du große Angst. Der Fokus liegt auf den heftigen körperlichen Symptomen. Je größer die Angst, desto stärker das Herzklopfen oder die Atembeschwerden – ein Teufelskreis. Die Furcht, jetzt zu sterben oder verrückt zu werden, verstärken die Panik weiter. Doch es gibt Möglichkeiten, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Wichtig ist, dass du dich von den körperlichen Symptomen ablenkst.

Als Soforthilfe bei nächtlichen Panikattacken könntest du folgende Strategien ausprobieren: 

  • Lichtdusche

Schalte sofort nach dem Erwachen das Licht an. Licht schenkt Geborgenheit und vertreibt nicht nur die Dunkelheit im Zimmer, sondern auch die dunkle Wolke im Kopf. 

  • Kälteschock

Trink ein Glas kaltes Wasser oder leg dir ein Coolpack in den Nacken oder auf die Unterarme. Eine starke Stimulation anderer Sinne lenkt dich vom Klopfen deines Herzens oder deiner flachen Atmung ab.  

  • Gefühlsregulation

Mach dir bewusst, dass dieser Zustand der Angst nicht lange anhält und wieder vergeht, auch wenn es sich momentan ganz anders anfühlt. Ein Lautes „Stopp!“ kann helfen, die Gedankenspirale zu unterbrechen. 

  • Bauchatmung

Versuch ruhig über die Nase einzuatmen. Die Bauchdecke muss sich richtig dabei heben. Entlasse die Luft langsam wieder durch den Mund. Die Bauchdecke senkt sich sichtbar. So vermeidest du eine Hyperventilation, die eine nächtliche Panikattacke nur noch weiter verschlimmert. 

  • Dufttherapie

Düfte und Aromen wie Lavendel, Melisse, Orange oder Baldrian wirken beruhigend. Leg dein ganz persönliches Duftöl auf dem Nachttisch bereit, um direkt daran zu riechen, wenn dich eine Panikattacke nachts ereilt.

Panikattacken nachts: Langfristige Hilfe

Du kannst einiges tun, um Panikattacken nachts auf Dauer vorzubeugen: Liegt zum Beispiel eine körperliche Erkrankung vor, sollte diese schnellstmöglich behandelt werden. Beobachte, ob mit einer Besserung die nächtlichen Panikattacken verschwinden. Falls das nicht der Fall sein sollte, sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Versuch, vor allem abends auf Dinge zu verzichten, die eine Panikattacke nachts fördern können. Dazu gehören unter anderem Nikotin, Koffein und Alkohol. Beginne im Gegenzug damit, deinen Körper wieder besser kennenzulernen und ihm Vertrauen zu schenken: Wenn zum Beispiel beim Sport dein Herz schneller schlägt, kannst du das als normale Reaktion auf die körperliche Bewegung einordnen. Trainiere zudem Atem- und Entspannungsübungen, die du bewusst einsetzen kannst, wenn dich eine Panikattacke nachts überfällt. Hier bieten sich zum Beispiel Yoga oder Thai-Chi an.

Ganz wichtig: Versuche nicht, der Situation zu entfliehen. Schlaf weiterhin in deinem Bett. Wenn du es meidest und stattdessen die Nacht auf dem Sofa verbringst, erfährst du vielleicht anfangs Erleichterung. Doch sobald die nächste Panikattacke nachts auftritt, kannst du auch dort nicht mehr schlafen. 

Panikattacken nachts: Psychotherapie hilft

Um deine Ängste und nächtlichen Panikattacken auf Dauer loszuwerden, wende dich am besten an eine*n Psychotherapeut*in. Vor allem die Kognitive Verhaltenstherapie hat sich bei Angststörungen und Panikattacken bewährt. Sind die nächtlichen Panikattacken ein Ausdruck unterdrückter Gefühle oder eines verdrängten Traumas, kann die Psychodynamische Psychotherapie helfen. Unterstützend kommen bei sehr heftigen Panikattacken nachts Medikamente, vor allem aus der Gruppe der Antidepressiva zum Einsatz. Sie helfen dir dabei, deine Ängste wieder in den Griff zu bekommen und die Therapiemaßnahmen umzusetzen. Denn in einer Psychotherapie entwickelst du gemeinsam mit deinem*r Therapeut*in Strategien gegen die nächtliche Panik, deckst die Ursachen für deine Ängste auf und lernst, wie du sie langfristig überwinden kannst. 

Ein Artikel von

Michaela Asmuß Psychologin

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Quellenangaben

  1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) e.V.: AWMF online – Das Portal der wissenschaftlichen Medizin: S3 Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen, Version 2, Stand: 06.04.21: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/051-028.html 
  2. Deutsche Angst-Hilfe e.V.:https://www.angstselbsthilfe.de/angststoerungen/hilfe-bei-panikattacken/  & https://www.angstselbsthilfe.de/angststoerungen/10-goldene-regeln/
  3. Neurologen und Psychiater im Netz:https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/krankhafte-angst-oder-panik-ist-gut-behandelbar/  & https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/bei-panikattacke-bewusst-bauchatmung-durchfuehren/ & https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/angsterkrankungen/was-sind-angsterkrankungen/ 
  4. ICD 10: F.41 Andere Angststörungen https://www.icd-code.de/icd/code/F41.-.html 
  5. Dr. med. Dunja Voss: Medizin im Text: „Panikserie“ von Juli 2019https://www.medizin-im-text.de/2019/10809/panikattacken-in-der-nacht/ & https://www.medizin-im-text.de/2020/48859/trauma-koennen-koerperhaltungen-im-schlaf-naechtliche-panikattacken-ausloesen/ 
  6. therapie.de von Pro Psychotherapie e.V https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/schlafstoerungen/nachtangst/ 
  7. Netdoktor https://www.netdoktor.de/krankheiten/panikstoerung/

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