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Schmerzen unterer Rücken: Was wirklich hilft und wie man ihnen vorbeugt

20 Jul 2022 · 18 min lesezeit
von Hanna Eggebrecht

Was tun gegen Rückenschmerzen? Diese Übungen können dir helfen. Zusätzlich treten Rückenschmerzen häufig mit Depressionen oder Angststörungen gemeinsam auf. Mach hier den Test und finde heraus, ob du Anzeichen für eine Depression zeigst.

Du hast Schmerzen? Selfapy sucht dich!

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychologie der Humboldt Universität zu Berlin wird in einer Studie untersucht, ob der onlinebasierte Selbsthilfekurs von Selfapy für Personen mit Chronischen Schmerzen die Schmerzsymptome reduzieren und das Wohlbefinden steigern kann. Du kannst als Studienteilnehmer*in kostenlos am Kurs teilnehmen! Mehr zur Studie und direkt zur Anmeldung geht es hier.

Übungen gegen Rückenschmerzen: unterer Rücken

Was tun bei Rückenschmerzen? Diese Übungen werden dir im Video erklärt:

  1. Becken kippen 
  2. Bauchmuskulatur stärken
  3. Gesäß dehnen
  4. Hüftbeuger dehnen 
  5. Stufenlagerung

Die gezeigten Übungen werden von diversen Physiotherapeut:innen oder Krankenkassen empfohlen. Außerdem kannst du dir einen höhenverstellbaren Schreibtisch oder einen Pezziball für das Home Office besorgen. 

Was kann man gegen Rückenschmerzen machen?

Neben diversen Übungen ist eines ganz klar erwiesen: Viele Studien zeigen, dass Personen, die in ihrer Freizeit bereits drei Stunden pro Woche körperlich aktiv waren, ein geringeres Risiko haben, an Schmerzen im unteren Rücken zu leiden. Das bedeutet, dass wer gar nicht erst betroffen sein möchte, regelmäßig Sport treiben sollte. Das beugt Schmerzen im unteren Rücken präventiv vor und ist auch sonst sehr gut für die allgemeine Gesundheit. 

Schmerzen unterer Rücken: Diese Therapien helfen

Um Rückenschmerzen im unteren Bereich zu behandeln, gibt es eine Reihe von therapeutischen Möglichkeiten. Diese zählen zu den effektivsten (langfristigen) Methoden:

  • Kognitive Verhaltenstherapie (Konfrontation mit schmerzbezogenen Ängsten) 
  • Schmerzedukation (Wissen über das Problem erhalten)
  • Multidisziplinäre Behandlungen (Medikamente, Wissenserwerb, Physiotherapie…)

Eingeschränkt empfohlen werden nur für eine kurzfristige Besserung:

  • Rückenschule 
  • Manipulation/Mobilisation 
  • Schwache Opioide (z.B. Tramal) 
  • Ibuprofen
  • Antidepressiva

Nicht empfohlen werden, zum Beispiel bei Ziehen im unteren Rücken oder einem stechenden Schmerz im unteren Rücken:

  • Physikalische Therapien (Massage, Ultraschall, Hitze/Kälte, Laser, Korsett etc.)
  • Gabapentin
  • TENS
  • Akupunktur 
  • Lokalanästhesien, Nervenblockaden etc.
  • Botox

Was hilft gegen Rückenschmerzen? 5 Tipps

Einige Ärzt:innen empfehlen diese Punkte, um den Rücken im Alltag nicht falsch zu belasten: 

  1. Bücken, Anheben, Tragen: Man sollte sich nicht kopfüber nach unten beugen, sondern in die Hocke gehen (wie beim Schuhe binden). Lasten sollten mit geradem Rücken angehoben werden und nicht aus dem Rücken, sondern aus den Beinen. Kurze Arme beim Tragen machen: je enger die Last am Körper gehalten wird, desto rückenfreundlicher!
  2. Beim Arbeiten: Wie hier schon an einigen Stellen beschrieben wurde, kann man seinen Schreibtisch rückenfreundlicher machen durch einen Pezziball, einen ergonomischen Stuhl und vor allem: regelmäßiges Aufstehen und einen Stehschreibtisch. 
  3. Rückenübungen und Sport: Das A&O gegen Rückenschmerzen im unteren Rücken ist körperliche Aktivität. Wer regelmäßigen Sport in seinen Alltag einbaut, wird langfristig weniger von Rückenschmerzen im unteren Rücken betroffen sein. 
  4. Psychische Gesundheit: Nicht nur körperliches, sondern auch mentales Wohlbefinden trägt zu einem gesunden Rücken bei! Regelmäßige Entspannungspausen und wenig Stress beugen Rückenschmerzen laut Studien vor!
  5. Wärmebehandlung und Ätherische Öle: Die wohltuenden Düfte von Ölen wie Lavendel oder Melisse können zur Entspannung beitragen. Auch pflanzliche Salben und Körperöle können beruhigend wirken auf den schmerzenden Rücken. Außerdem ist eine Wärmflasche oder die Fangopackung (in der Physiotherapie) bei Rückenschmerzen meist hilfreich. 

Wir haben unserer Psychologin Nassim einige Fragen zum Thema "Schmerzen und Psychotherapie" gestellt. Nassim ist eine der Autor:innen unseres bald verfügbaren Kurses "Chronischer Schmerz".

Nassim, warum ist eine Psychotherapie bei Rückenschmerzen angesagt, obwohl Schmerz ein körperliches Problem ist?

“In der Behandlung chronischer Schmerzen hat sich ein multimodaler Behandlungsansatz bewährt, das bedeutet, dass verschiedene Therapieansätze miteinander kombiniert werden: Einerseits medizinische Behandlungsmöglichkeiten und Physiotherapie für die körperlichen Anteile des Schmerzes aber eben auch Psychotherapie, um an den psychischen bzw. psychosozialen Begleiterscheinungen des Schmerzes zu arbeiten. Psychotherapie hilft beispielsweise dabei, den Umgang mit den Schmerzen zu verbessern, Ängste abzubauen oder das eigene Kontrollerleben bzw. die Selbstwirksamkeit in Bezug auf die Schmerzen und den eigenen Körper zu erhöhen. Insgesamt geht es darum, die Lebensqualität trotz der Schmerzen zu verbessern. [...] In einer Psychotherapie geht es auch darum, individuelle Ressourcen zu stärken bzw. zu entwickeln, um damit den Umgang mit Schmerzen zu verbessern.” 

Welche persönlichen Fähigkeiten helfen, um Rückenschmerzen loswerden zu können?

“Wer bestimmte Ressourcen mitbringt, hat natürlich schon ein wichtiges, hilfreiches Werkzeug im Rucksack. Ressourcen können allerdings ganz unterschiedlich aussehen. Das können zum Beispiel bestimmte Persönlichkeitseigenschaften oder Fähigkeiten sein, ein unterstützendes soziales Umfeld oder auch bestimmte Techniken und Strategien, die sich für einen selbst im Umgang mit den Schmerzen bewährt haben. Die Selbstregulationsfähigkeit, also die Fähigkeit, z. B. das eigene Verhalten oder die eigenen Gefühle beeinflussen und steuern zu können, kann man da auch dazu zählen. Dabei bringt jeder Mensch etwas anderes mit sich und gerade, wenn wir von bestimmten Techniken sprechen gilt die Regel: Was für den:die eine:n als hilfreiche Ressource dient, muss es für eine:n andere:n noch lange nicht sein. [...]”

Unterer Rücken: Wo liegt das genau?

Muskelschmerzen im Rücken sind meist recht unspezifisch beschrieben. Auch das Feld der “Muskeln im unteren Rücken” wird von Betroffenen nur vage gezeigt, was die Diagnostik schwerer macht. Die untere Rückenmuskulatur sowie der Lendenwirbelbereich sollen hier abgegrenzt werden. 

Der Rücken befindet sich ganz allgemein im Bereich der Wirbelsäule- Schmerzen, die man hier hat, betreffen meist die Muskeln oder Gelenke. Letztere sind kleine Zwischenräume aus Bindegewebe, die zum Beispiel zwischen den unteren fünf Lendenwirbeln liegen und dort Schmerzen verursachen können. Die einzelnen Wirbelabschnitte unterteilt man von oben (halsabwärts) nach unten in:

  • Halswirbel
  • Brustwirbel
  • Lendenwirbel
  • Kreuzbein
  • Steißbein

Der untere Rücken - Muskelschmerzen beziehen sich hierauf- liegt also im Lendenwirbelbereich und umfasst auch das Kreuzbein (Kreuzschmerz). Die gesamte Rückenmuskulatur (Schmerzen beziehen sich hierauf meist bei Muskelkater) ist aber nicht nur unten, sondern auch im Brustwirbelbereich angesetzt. Die meisten Schmerzen im unteren Rücken gehen von den Lendenwirbeln aus, da hier die gesamte Last des Rückens auf 5 Wirbel verteilt wird und man demnach einen starken unteren Rücken braucht, um das Gewicht tragen zu können. 

Schmerzen unterer Rücken: akut oder chronisch?

Jede Person hat eine andere Vorstellung davon, was Schmerz bedeutet. Rückenschmerzen lassen sich in verschiedene Klassen einteilen: Je nach Dauer, Verlauf, Schweregrad und Chronifizierung. 

  • Akute Rückenschmerzen: Plötzliche Schmerzen im unteren Rücken treten erstmals oder nach mindestens 6 schmerzfreien Monaten und über einen Zeitraum von höchstens 6 Wochen auf. Plötzliche Rückenschmerzen- unterer Rücken oder oberer Rücken- sind das erste Anzeichen und sollten umgehend behandelt werden.
  • Subakute Rückenschmerzen: Wenn starke Schmerzen im unteren Rücken länger als 6 Wochen dauern, sind sie subakut.
  • Chronische Rückenschmerzen: Hat jemand ständig Rückenschmerzen oder extreme Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten, sind sie chronisch. Die Rückenschmerzen gehen nicht weg? Hier helfen oft erstmal schmerzstillende Maßnahmen. 
  • Nicht-spezifisch: Rückenschmerzen ohne eindeutig zu klärende Ursache sind unspezifisch. Ein Ziehen im Rücken ist zum Beispiel eine unspezifische Beschreibung. 
  • Spezifisch: Kann eine eindeutige medizinische Ursache gefunden werden (zum Beispiel Wirbeldegeneration), sind die Rückenschmerzen spezifisch. 

Starke Rückenschmerzen im unteren Rücken oder in der Wirbelsäule lassen sich laut ICD-10 in folgende Cluster einteilen: 

Quelle: ICD-10

Bei der Diagnostik von Rückenschmerzen bzw. Schmerzen allgemein findet sich nicht immer gleich ein eindeutiges Ergebnis. Betroffene von Fibromyalgie (auch Fibromyalgiesyndrom) zum Beispiel sind ebenfalls von chronischen Schmerzen in verschiedenen Körperregionen betroffen und meist sind diese Schmerzen relativ unspezifisch. Fibromyalgie tritt in den Muskeln, Gelenken und auf der Haut auf und kann durch sogenannte “Triggerpunkte” entdeckt werden. Mehr dazu liest du hier.  

Folgen von Rückenschmerzen

Eine Behandlung von Rückenschmerzen, vor allem der Schmerzen im unteren Rücken ist besonders wichtig, da sie eine Reihe von Folgen mit sich ziehen.

  • Arbeitsunfähigkeit (einer der häufigsten Gründe!)
  • Inanspruchnahme des Gesundheitssystems (einer der häufigsten Gründe!)
  • Frühberentung 
  • Einbußen in der Alltagsaktivität
  • Beeinträchtigungen in der Lebensqualität 
  • Erhöhtes Risiko für psychische Störungen (z.B. Depressionen, Ängste) 

Rückenschmerzen und Depression

Starke Rückenschmerzen (chronisch) oder auch Schmerzen im unteren Rücken, die von kürzerer Dauer sind, können im Zusammenhang mit Depression und Angststörungen stehen. Psychosoziale Faktoren haben einen Einfluss auf den Beginn von Rückenschmerzen, dem Übergang zwischen akut und chronisch und gelten als Prädiktor für das generelle Einsetzen von Schmerzen. Außerdem haben psychosoziale Faktoren mehr Einfluss auf Rückenschmerzen als körperliche/ genetische Faktoren. Psychosoziale Faktoren sind zum Beispiel:

  • Konflikte am Arbeitsplatz
  • unbefriedigende Arbeit 
  • Neigung zu Depressionen 
  • Stress in der Familie/ Partnerschaft

Die Entwicklung von Rückenschmerzen wird begünstigt durch

  • Passives Coping (“Es wird schon von alleine wieder weggehen”)
  • Katastrophisierung (“Ich könnte einen Bruch erleiden und nie wieder laufen”)
  • Angstvermeidung (“Es ist gar nicht so schlimm, wie alle denken”)
  • Negative Einschätzung eigener Gesundheit (“Im Allgemeinen geht es mir schlechter als Anderen”)

Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und emotionale Belastungen wie Stress beeinflussen den Krankheitsverlauf bei Rückenschmerzen meist ungünstig. Eine Person, die vielleicht unter einer depressiven Symptomatik leidet, wird sich schwer aufraffen können, jede Woche zum Sport zu gehen. So werden auch die Rückenschmerzen schlimmer. 

An dieser Stelle haben wir erneut bei unserer Psychologin Nassim nachgefragt:

Nassim, warum und wie genau hängen Rückenschmerzen mit Depression zusammen?

“[...] Neben der Schmerzerkrankung können auch weitere Erkrankungen, wie Depressionen oder Angsterkrankungen auftreten, die mittels Psychotherapie behandelt werden können. Dazu gehört es beispielsweise auch Ängste zu reduzieren, die in Zusammenhang mit Schmerzen auftreten und häufig zu Vermeidungsverhalten führen, was jedoch in einer Art Teufelskreis aus Ängsten, Vermeidungsverhalten und zunehmenden Schmerzen resultiert. Negative Bewertungen der Schmerzen, z. B. dass sie kaum zu ertragen sind oder als Strafe empfunden werden, können zu Gefühlen von Ärger oder Angst führen. Eine emotionale Anspannung kann wiederum auch mit einer muskulären Anspannung einhergehen. Je länger unsere Muskeln angespannt sind, desto eher kommt es zu Muskelverspannung was wiederum den Schmerz verstärkt. Beim Erkennen und Durchbrechen solcher Muster kann eine Psychotherapie helfen.”

Selfapy bei Depressionen

Selfapy bietet evidenzbasierte Online Kurse bei Depressionen an. Diese sind kostenfrei auf Rezept verfügbar und bequem von Zuhause aus machbar. Die Online- Kurse enthalten Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), welche auch bei Rückenschmerzen empfohlen werden, da sie langfristig den größten Effekt haben. Solltest du mehr über die Online- Kurse erfahren wollen, kannst du dir gern hier ein persönliches Infogespräch vereinbaren. Du kannst auch diesen Test machen und herausfinden, ob das Angebot von Selfapy zu dir passt. 



Test Rückenschmerzen

Mit dem sogenannten Brief Illness Perception Questionnaire (BIPQ) wird in acht Fragen die eigene Krankheitswahrnehmung beurteilt. Je höher die Werte, desto negativer die eigene Wahrnehmung von der Krankheit. Ärzt:innen und Psycholog:innen benutzen diesen Fragebogen, um diese Gedanken ggf. verändern zu können oder auch, um einzuschätzen, wo die Hilfe für eine Person am besten angesetzt werden sollte. 

Kurzfassung des IPQ: Der BIPQ

Zudem gibt es eine besondere Screening- Methode, wie Rückenschmerzen genau erfasst werden. Diese folgt dem Schema:

  1. Hatte man jemals Rücken- oder Nackenschmerzen?
  • Ja, Rückenschmerzen in den letzten 12 Monaten. → Wo verortet?→ Oberer oder unterer Rücken? → Sind die Rückenschmerzen chronisch oder episodisch?
  • Ja, Nackenschmerzen in den letzten 12 Monaten.

Anhand der Antworten kann genau abgeschätzt werden, welche Behandlung der Rückenschmerzen hilfreich sein wird.

Chronischer Schmerz ist in Deutschland relativ häufig. Dazu zählen auch chronische Schmerzen im unteren Rücken. Von mehr als drei Monaten anhaltenden Schmerzen sind in Deutschland bis zu 27% betroffen. Selfapy bietet einen Partner- Kurs zu chronischem Schmerz an. Hier kannst du mehr darüber erfahren.

Rückenschmerzen: Ursachen

Bei spezifischen Rückenschmerzen ist die Ursache von Rückenschmerzen eindeutig medizinischer Natur. Ansonsten kommen

  • Fehlbelastungen 
  • Einseitige Haltung
  • Übergewicht
  • Zu wenig Sport
  • Stress
  • Schädigungen oder Erkrankungen an Knochen, Gelenken, Bindegewebe, Muskeln oder Nerven infrage.

Dazu kann zum Beispiel eine Muskelverhärtung im unteren Rücken oder auch Muskelkater im unteren Rücken zählen. Unspezifische Rückenschmerzen haben meist keine eindeutige medizinische Ursache und sind aber häufiger als spezifische Rückenschmerzen. Die Ursachen unspezifischer Rückenschmerzen sind ein Konglomerat aus

  • psychologischen
  • sozialen und 
  • bio- physikalischen Einflüssen. 

Verspannungen im unteren Rücken lösen

Rückenschmerzen- was tun?

Die Übungen aus dem Video sollen dir helfen, Verspannungen im unteren Rücken lösen zu können.

  1. Mobilisation - Beckenkippung
  2. Mobilisation – Beckenbewegung seitlich
  3. Streckstellung
  4. Dehnung der vorderen Muskelkette

Eine Verspannung- unterer Rücken oder oberer Rücken, egal an welchem Ort, ist immer unangenehm. Wenn dir kleinere Übungen wie aus den Videos nicht helfen, ist der Gang zum:r Hausärzt:in angesagt. Dort erhältst du womöglich eine Überweisung zur Physiotherapie. Deine Rückenmuskulatur zu stärken kann auch eine Hilfe sein. Bei Schmerzen an der Wirbelsäule sollte sich vielleicht ein:e Orthopäd:in um dich kümmern und ggf. den schmerzenden Teil röntgen.

Schmerzen unterer Rücken: seitlich rechts

Schmerzen im unteren Rücken rechts oder links, also seitliche Rückenschmerzen, sind oft durch Verspannungen der Rückenmuskulatur ausgelöst. Die meisten Betroffenen mit Schmerzen im Rücken- seitlich lokalisiert- verbringen lange Zeit des Tages am Schreibtisch, also im Sitzen. Das sogenannte “sedentäre Verhalten” ist ein hoher Risikofaktor für Rückenschmerzen unten rechts oder links. Langes Sitzen muss also vermieden werden, um Rückenschmerzen aus dem Weg zu gehen. Das gelingt durch 

  • Regelmäßiges Aufstehen vom Schreibtisch
  • im Stehen arbeiten (Stehschreibtisch)
  • Ergonomische Bürostühle 
  • Bewegungspausen (zum Beispiel zum Drucker gehen)
  • Sitzen auf einem Pezziball für 30 Minuten.

Zudem ist es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Wer nach der Arbeit Fahrrad fährt oder zum Sport geht, stärkt seinen Rücken und entlastet den Lendenwirbelbereich. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt an mindestens drei Tagen pro Woche für mindestens 30 Minuten Sporteinheiten, um gesund und fit zu bleiben.

Schmerzen unterer Rücken: seitlich links

Rückenschmerzen unten links sind ebenso wie die Rückenschmerzen rechts unten ein Signal für eine geschwächte Rückenmuskulatur. Die Muskeln im Lendenwirbelbereich tragen meist den ganzen Tag die Last des gesamten Oberkörpers auf sich, wenn man viel sitzt. Diese Last liegt auf fünf Lendenwirbeln und den Gelenken, was natürlich nach einiger Zeit für Schmerzen sorgt. Schmerzen des unteren Rückens seitlich - einseitig oder beidseitig- kann aber auch die Folge von zu schwerem Heben oder Training sein. Wer oft viel schwere Sachen trägt und den Rücken falsch belastet, kann sich einen Bruch zuziehen, was dann für Rückenschmerzen links unten oder rechts unten sorgt (siehe auch: Leistenbruch!). Wenn die Schmerzen wirklich nur einseitig sind, also Rückenschmerzen rechts unten sind oder Schmerzen im unteren Rücken links auftreten, kann auch eine Nierenbeckenentzündung die Ursache sein. Schmerzen im unteren Rücken, die nur auf einer Seite vorkommen, können ein Anzeichen dafür sein. Sind beide Seiten betroffen kann das auch auf einen Harnstau in den Nieren hindeuten. Das ist aber seltener der Fall. 

Rückenschmerzen im Liegen - Unterer Rücken

Wenn Personen ständig Schmerzen im unteren Rücken haben und sogar Rückenschmerzen beim Liegen verspüren, könnte das auf eine Verspannung oder Chronifizierung hindeuten. Aber auch Übergewicht ist ein Indiz für Schmerzen im Rücken unten. Wenn die Rückenschmerzen im Liegen anhalten und nicht besser werden durch regelmäßigen Sport, sollte ein:e Ärzt:in aufgesucht werden. Übrigens: Auch die Matratze oder das Bett können zu Rückenschmerzen führen! Um zu verhindern, dass sich Schmerzen chronifizieren, müssen diese Maßnahmen getroffen werden: 

  • Vermittlung von Wissen über die Ursachen und Entstehung von Schmerz 
  • Angeleitete Übungen zur Reduktion von Schmerz und Funktionsbeeinträchtigung
  • Positive Therapieerwartung und Gesundheitskompetenz sollte aufgebaut werden
  • Körperliche Aktivität fördern
  • Erweitertes Krankheitsverständnis entwickeln: Welche Faktoren halten den Schmerz aufrecht?
  • Fähigkeit zur Selbstregulation verbessern

Lendenwirbel Schmerzen- unterer Rücken

Schmerzen im Lendenwirbelbereich bzw. an der Lendenwirbelsäule sind laut Fachpersonen recht einfach zu erklären: Ledenschmerzen kommen daher, dass die Lendenwirbelsäule anfälliger für Schmerzen ist. Personen haben hier also häufiger Schmerzen an den Lendenwirbeln. Das ist im unteren Rückenbereich und konnte durch einige Studien belegt werden. 

Lendenwirbel Schmerzen- was tun?

Um Lendenwirbel- Schmerzen im unteren Rücken zu lösen, helfen dir vielleicht die Übungen aus dem Video. Im AOK Gesundheitsmagazin werden diese 5 Dehnübungen für den unteren Rücken vorgestellt:

  1. Katzenbuckel machen auf den Knien (Vierfüßler)
  2. Hüftbeuger- Dehnung (Auf dem Rücken liegend das Knie zur Brust ziehen)
  3. Dreh-Dehnung (Auf dem Rücken liegend die angewinkelten Knie zur Seite fallen lassen)
  4. Päckchen (Igel-Position: Aus der Hocke atmen, die Stirn am Boden ablegen)
  5. Mobilisation (Becken im Sitzen vor und zurück bewegen, dabei ein- und ausatmen)

LWS Schmerzen und mehr

Das sogenannte LWS- Syndrom nennen wir umgangssprachlich auch Hexenschuss. Es heißt so, weil die Ursache für einen Hexenschuss mit Schmerzen im LWS (Lendenwirbelsäulenbereich) oder in unterer Mitte beginnt. Ursachen für Schmerzen in der Lendenwirbelsäule sind 

Diese Ursachen entstehen, wenn man sich zu wenig bewegt, viel sitzt oder nicht gut trainierte Rückenmuskeln hat. Rückenschmerzen in der unteren Mitte deuten aber nicht nur auf ein LWS Syndrom hin, sondern können auch Ursache bzw. Anzeichen für das Iliosakralsyndrom, einen Bandscheibenvorfall oder Muskelverspannungen sein. In jedem Fall ist ein:e Ärzt:in aufzusuchen. 

Schmerzen unterer Rücken- Po

Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, die dort beginnen oder vom Bein ausstrahlen, deuten auf einen Hexenschuss hin. Wenn plötzlich starke Schmerzen im unteren Rücken oder im Bein oder im Kreuzbein auftreten, können auch einen Bandscheibenvorfall andeuten. Die Symptome dafür sind 

  • Schmerzen an der Wirbelsäule (eine bestimmte Stelle)
  • In Nerven ausstrahlende Schmerzen (zum Beispiel untere Rückenschmerzen, die nach vorne ausstrahlen)
  • Muskelschwäche 
  • Lähmungen/ Taubheitsgefühl
  • Empfindungsstörungen/ starke Rückenschmerzen
  • Störungen der Reflexe

Strahlen die Rückenschmerzen immer ins Gesäß oder die Beine aus, könnte auch eine Ischiasnervreizung die Ursache sein. Vor allem pochende Rückenschmerzen im unteren Rücken sind ein Anzeichen dafür.

Schmerzen unterer Rücken- Frau

Frauen sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% häufiger von Rückenschmerzen betroffen als Männer (56,4%).

Warum sind Frauen häufiger von Rückenschmerzen oder Schmerzen allgemein betroffen? 

  • anatomische Unterschiede (Muskelkraft)
  • andere Körperwahrnehmung 
  • sensitivere Reaktion auf Schmerzen
  • teils unterschiedliche Schmerzverarbeitung (im Gehirn)
  • hormonell bedingte Unterschiede im Schmerzempfinden

Schmerzen im Lendenbereich- Frauen betreffen hier eventuell auch gynäkologische Gründe. Von den Geschlechtsorganen ausgehende Schmerzen bedürfen einer Klärung durch den:die Fachärzt:in (Gynäkolog:in).

Rückenschmerzen beim Gehen

Rückenschmerzen beim Stehen und langsamen Gehen deuten ebenfalls auf eine schwache Rückenmuskulatur hin. Auch eine Haltung wie das Hohlkreuz führt langfristig zu Rückenschmerzen. Allerdings kommen, wenn Rückenschmerzen beim Gehen schlimmer werden, auch eine Ischiasnervreizung oder andere Syndrome in Frage, die durch ein:e Ärzt:in untersucht werden sollten. Schmerzen neben der Wirbelsäule oder nahe der Wirbelsäule, bei denen die Wirbelsäule auch als Ursache für den Schmerz gilt, kommt bei ca. 15% der von Rückenschmerz betroffenen Personen vor. Wirbelsäulenschmerz kommt zum Beispiel von

  • Bandscheibenvorfall
  • Entzündungen
  • Eingeklemmte Nerven

Rückenschmerzen beim Sitzen

Schmerzen im Rücken sind meistens durch zu langes Sitzen ausgelöst. Was dagegen hilft, sind regelmäßiges Aufstehen, im Stehen arbeiten und Sport. Sind die Rückenschmerzen im Sitzen schlimmer oder treten die Rückenschmerzen beim Sitzen und Aufstehen hauptsächlich auf, deutet das auf das ISG- Syndrom hin. Das ISG- Syndrom kennzeichnet sich durch Schmerzen ausgehend vom Iliosakralgelenk. Wenn sich die Gelenke verkannten oder der untere Rücken schmerzt, weil er überlastet ist, merken Betroffene das häufig als Kreuzschmerz. Das nennt man ISG- Syndrom oder ISG Blockade.

Was hilft gegen Rückenschmerzen im unteren Rücken?

Bei einer ISG- Blockade helfen sich viele Betroffene mit Wärmebehandlung und Physiotherapie.

Rückenschmerzen beim Bücken

Schmerzen an der Wirbelsäule können auf einen Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) oder einen Hexenschuss hindeuten. Bei Kreuzschmerzen im unteren Rücken oder wenn man Schmerzen beim Bücken im unteren Rücken hat, deutet das auf eine Überlastung der Lendenwirbelsäule hin. Treten beim Einatmen Schmerzen im unteren Rücken auf oder lösen die Schmerzen ein Kribbeln aus, sollte auf jeden Fall ein:e Ärzt:in konsultiert werden!

Was hilft gegen Rückenschmerzen im unteren Rücken? Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass hauptsächlich regelmäßige Bewegung, also Sport, am besten gegen Rückenschmerzen hilft. Dafür gibt es auch die überzeugendsten Studien. Außerdem ist die subjektive Einstellung zum Schmerz oder den Rückenschmerzen bedeutend. Wenn man glaubt, nicht geheilt werden zu können, erschwert das die Behandlung. Wer eine optimistische Einstellung gegenüber der Therapie bei Rückenschmerzen hat, wird höchstwahrscheinlich auch bald beschwerdefrei sein. 

Unsere Psycholog:innen antworten

Die Fragen im Text wurden von unseren Psycholog:innen Nassim und David beantwortet. David ist psychologischer Psychotherapeut im Vertiefungsgebiet Verhaltenstherapie und Nassim ist eine der Autor:innen unseres Kurses zum Thema “Chronischer Schmerz”. Mehr über die Psycholog:innen von Selfapy liest du hier.

Ein Artikel von

Hanna Eggebrecht Redakteurin · B.Sc. Psychologie | M.Sc. Psychotherapie

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Quellenangaben

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  2. Airaksinen, O. et.al. Working Group on Guidelines for Chronic Low Back Pain (2006). Chapter 4. European guidelines for the management of chronic nonspecific low back pain. European spine journal : official publication of the European Spine Society, the European Spinal Deformity Society, and the European Section of the Cervical Spine Research Society, 15 Suppl 2(Suppl 2), S192–S300. https://doi.org/10.1007/s00586-006-1072-1
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