Zurück 29 Dec 2021 · 5 min lesezeit
von Katrin Bermbach

Mein Kind hat Magersucht – für viele Eltern ist das erstmal ein Schock. Doch es gibt einige gute Strategien und Verhaltensregeln für Eltern, damit das Kind mit Hilfe den Weg aus der Magersucht findet und auch damit Eltern an der Situation nicht verzweifeln. Lies hier, wie du dich als Elternteil bei Magersucht am besten verhältst.

Ist mein Kind magersüchtig? Das ist für Eltern oft nicht sofort leicht zu erkennen. Ist die Diagnose aber dann da, stellst du dir als Elternteil vielleicht die Frage beim Thema Magersucht: „Was können Eltern tun?“ Eine ganze Menge ist die Antwort, denn Eltern können für betroffene Kinder ein wichtiger Halt sein, auch wenn die Betroffenen das gerade ihre Eltern oft am wenigsten spüren lassen. Mit diesem Text wollen wir dir einige Verhaltensregeln und Strategien näher bringen, die dir und deinem Kind helfen können.

Wie helfe ich meinem Kind bei Magersucht?

Oft führt die Erkenntnis „Mein Kind ist magersüchtig“ bei Eltern erst einmal zu Hilflosigkeit. Dann schließen sich oft Empfindungen wie Wut, Schuldgefühle oder Verzweiflung an. Das sind zwar ganz normale Reaktionen auf den Schock der Diagnose – wichtig für dich als Elternteil eines betroffenen Kindes ist aber: Nichts davon hilft dem Kind.

Zunächst einmal geht es für Eltern darum, zu erkennen, dass das Kind ein ernsthaftes Problem hat. Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung. Sie geht nicht einfach wieder vorbei, es ist keine „Abnehmphase“ – und sie kann lebensbedrohlich werden.

Du und dein*e Partner*in als Eltern können helfen – aber euer Kind benötigt in jedem Fall professionelle Hilfe, um den Weg aus der Magersucht heraus zu finden. Das heißt, redet das Problem nicht klein, mache dir auch selbst bewusst, dass das Problem gelöst werden muss. Und sucht unbedingt Hilfe bei einem*einer Arzt*Ärztin oder anderen Expert*innen für das Thema.

Schuldfragen führen zu nichts – dein Sohn oder deine Tochter, die von Magersucht betroffen sind, brauchen Lösungen, keine Schuldzuweisungen. Auch du und dein*e Partner*in sollten sich nicht gegenseitig die Schuld zuweisen, ihr helft eurem Kind mehr, wenn ihr das Problem gemeinsam angeht.

Informiert euch als Eltern am besten auch gemeinsam mit eurem betroffenen Kind über das Thema Magersucht und Essstörungen. Mit eurem „Blick von außen“ auf euer Kind könnt ihr ihm bereits dabei helfen, das Problem als solches überhaupt wahrzunehmen. Betroffenen merken das selbst oft zuletzt.

Im folgenden Abschnitt findest du einiges über die Symptome einer Magersucht.

Woran erkenne ich, dass mein Kind magersüchtig ist?

Eine Magersucht erkennt man unter anderem an folgenden Anzeichen:

  • Schnelle Gewichtsveränderung
  • Der*die Betroffene redet oft über das Thema Gewicht und über das Körperbild, ist geradezu fixiert darauf
  • Beim Essen entstehen ungewöhnliche feste Abläufe
  • Wiegen wird zur häufigen Angewohnheit
  • Beim Essen wirkt der*die Betroffene schamhaft, gestresst oder gar ängstlich
  • Exzessives Sportprogramm oder Fitnesstraining
  • Weite Kleidung wird neuerdings bevorzugt
  • Darauf angesprochen zeigt der*die Betroffene keine Einsicht in die Krankheit
  • Körperliche Probleme wie Magenprobleme, Erschöpfung, Haarausfall, ständiges Frieren
  • Depressionen, Niedergeschlagenheit oder geringes Selbstwertgefühl

Mehr zu den Symptomen einer Magersucht findest du im Artikel 🡪 Symptome von Magersucht.

Magersucht: Eltern-Verhalten – die Dos and Don’ts

  • Lass dich nicht zum Komplizen machen

Viele Eltern tun gerne alles für ihre Kinder – in manchen Fällen nutzen von Magersucht Betroffene das allerdings aus. Dann heißt es standhaft bleiben. Fahre dein untergewichtiges Kind etwa nicht zum Sport, lass dir nicht vorschreiben, was zum Essen eingekauft werden soll oder lasst euch nicht zum exzessiven Sport- oder „Abnehmprogramm“ einspannen.

  • Übernimm nicht die Verantwortung für das Essverhalten

Aus der Magersucht heraus hilft letztlich nur eine Therapie und die Einsicht bei der*dem Betroffenen, ein Problem zu haben. Wenn du es dir zur Aufgabe machst, das Essverhalten deines Kindes zu steuern, indem du es zum Essen drängst oder am Erbrechen hindern willst, wird das in der Regel mehr Frust erzeugen, als helfen. Dein Kind muss selbst – mit Hilfe zur Einsicht kommen und die Verantwortung für sein Tun selbst behalten.

  • Spricht nicht beim Essen über das Thema Magersucht, übe keinen Druck auf dein Kind aus 

Viele Betroffene fühlen sich regelrecht angegriffen, wenn beim Essen das Thema Magersucht angesprochen wird. Dafür gibt es viele bessere und vor allem entspanntere Gesprächssituationen.

  • Nimm die Essstörung nicht persönlich

Magersucht bedeutet für Eltern eine Konfliktsituation. Besonders weil der*die Betroffene meist leugnet, überhaupt ein Problem zu haben, kommt es oft zu Konflikten, wenn das Essverhalten angesprochen wird. Besonders Eltern dürfen dieses Verhalten nicht persönlich nehmen – es ist ein Symptom der Krankheit.

  • Informiere dich über das Thema Magersucht

Wissen (und bei der*dem Betroffenen Selbsterkenntnis) ist hier der erste Weg zur Besserung. Wenn du gemeinsam mit deinem Kind Informationen bei Expert*innen zum Thema einholst, ist unter Umständen damit bereits ein erster Weg zur Therapie geöffnet. 

  • Habe Geduld

Der Weg aus der Magersucht braucht Zeit und Menschen, die der*dem Betroffenen Halt geben. Sei geduldig, denn dein Kind leidet wahrscheinlich am meisten unter der Situation.

  • Erfülle keine Sonderwünsche beim Essen

Nur noch Light-Produkte, nur noch bestimmte Zutaten in bestimmten Mengen – solche Sonderkonditionen solltest du nicht mitmachen. Versuche stattdessen, normale, ausgewogene gesunde Kost auf den Tisch zu bringen.

  • Verschweige das Thema nicht und akzeptiere die Krankheit.

Gegenüber Außenstehenden totzuschweigen, dass dein Kind magersüchtig ist, hilft nicht weiter. Akzeptiere die Magersucht als eine behandlungsbedürftige Krankheit.

  • Gehe normal mit deinem Kind um

Behandle ein Kind mit Magersucht nicht wie ein rohes Ei und auch nicht wie eine*n „Aussätzige*n“. Behandle es normal und respektvoll.

  • Suche professionelle Hilfe.

Nur mit einer professionellen Therapie bei einem*einer Expert*in lässt sich sicher ein Weg aus der Magersucht finden

  • Suche Hilfe für dich selbst

Auch du und dein*e Partner*in solltet nicht alleine versuchen, das Problem zu lösen. Psychische Erkrankungen wie Magersucht sind besonders auch für die Angehörigen eine Belastung – es gibt aber Hilfe. 

Magersucht: Hilfe für Eltern

Eltern von Betroffenen brauchen oft selbst Hilfe, um mit der Situation umgehen zu können. Viele Vereine und Initiativen, die sich mit dem Thema Magersucht beschäftigten und auch als Träger von Therapieangeboten für Erkrankte existieren, bieten auch speziell für Angehörige, Eltern und Freunde von Betroffenen eigene Angebote an. 

Beratungsstellen, Krankenkassen, Ärzte*Ärztinnen, Therapeut*innen oder andere Expert*innen können auch meist Kontakte zu Selbsthilfegruppen vermitteln. Daneben gibt es Magersucht Eltern-Foren im Netz, die viele Informationen von Eltern für Eltern bieten.

Hilfe gibt es auch etwa bei der Telefonberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA zu Essstörungen unter der Telefonnummer 0221 – 89 20 31 (montags bis donnerstags 10 bis 22 Uhr, freitags, samstags, sonn- und feiertags 10 bis 18 Uhr).

Ein Artikel von

Katrin Bermbach Gründerin und COO · Psychologin

Quellenangaben

  1. Baeck et al. (2010). Essstörungen – Leitfaden für Eltern, Angehörige und Lehrkräfte, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BzgA
  2. Borgstedt (2013). Bulimie und Magersucht – Ratgeber für Eltern, Brill-Schöningh-Verlag
  3. Reich et al. (2004). Essstörungen – Magersucht, Bulimie, Binge Eating, Trias-Verlag

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