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Depression

A day in the life: Vom Leben mit Depressionen

08 Nov 2017 · 2 min lesezeit

„Ich bin aufgrund meiner Depression krankgeschrieben. Es ist ein Segen und ein Fluch. Als ich noch arbeiten ging, gab es einen Grund morgens aufzustehen, auch wenn die morgendliche Routine eine Qual war. Irgendwann habe ich es nicht mehr geschafft. Zum Glück ließ ich mich rechtzeitig krankschreiben, denn wenn ich noch ein paar Mal zu spät im Büro erschienen wär, hätte man mich möglicherweise gekündigt.

Wenn ich jetzt morgens aufwache, fühle ich mich zwar erleichtert, keinen Druck zu haben rechtzeitig aus dem Haus zu kommen. Doch damit fehlt auch das letzte bisschen Motivation, das ich noch hatte. An guten Tagen stehe ich vormittags auf, an schlechten bleibe ich auch mal bis 16 oder 17 Uhr liegen. Die kleinen Alltäglichkeiten – Zähne putzen, duschen, anziehen – kosten mich so viel Energie.

Warum ausgerechnet ich?

Ich wohne alleine, habe keine Familie, die mir helfen könnte, und Freunden möchte ich nicht zur Last fallen. Also reiße ich mich zusammen und versuche alle paar Tage das Haus zu verlassen, um das Nötigste einzukaufen. Die frische Luft tut gut. Doch meine Gedanken hören nicht auf zu kreisen. Dabei drehen sie sich immer wieder um Fragen wie: “Warum ausgerechnet ich? Warum hasst mich das Leben? Womit habe ich das verdient?”

Es kommt Gott sei Dank nicht häufig vor, aber ein paar Mal stand ich schon an der Bushaltestelle oder in der Schlange im Supermarkt und wildfremde Menschen sagten mir, ich solle mal etwas freundlicher schauen. Ich hätte in Tränen ausbrechen können und sie vor Wut schütteln können, wenn ich dazu die Kraft und den Mut gehabt hätte.

Es war ein schleichender Prozess

Früher ging ich mit einem künstlichen Lächeln durchs Leben, doch schon damals war mein Inneres aufgewühlt und die Fassade begann zu bröckeln. Wann genau aus meiner schlechten Laune eine Depression wurde, kann ich nicht genau sagen. Es war ein schleichender Prozess. Manchmal möchte ich die Scheidung von meinem Mann dafür verantwortlich machen, doch ich weiß, dass meine angeschlagene Psyche tatsächlich einer der Gründe für die Trennung war. Ich kann es meinem Ex nicht mal übel nehmen, denn wenn ich’s könnte, würde ich mich von mir selbst trennen.

Meine Tage enden, wie sie beginnen: in Jogginghose oder Schlafanzug versuche ich beim Fernsehen auf andere Gedanken zu kommen. Dann gehe ich auch schon wieder ins Bett, denn nur wenn ich schlafe, hört die Gedankenspirale auf sich zu drehen.“

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