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Angst und Panik

Weihnachten als Sozialphobiker*in überstehen

06 Dec 2017 · 4 min lesezeit
von Andrea Bruchwitz

Der Advent ist gefüllt mit sozialen Zusammenkünften – vom ersten Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt bis hin zur Firmenfeier. Weihnachten als Sozialphobiker*in kann bedeuten, dass festliche Treffen mit Freund*innen und Kolleg*innen zum Alptraum werden. Meist löst schon der Gedanke an gesellschaftliche Anlässe starke Angstsymptome aus. Hast auch du große Furcht vor den Ereignissen rund um Weihnachten? Soziale Phobien sind keine Seltenheit. Hier erfährst du, wie du aus der Angstspirale herauskommst.

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Was versteht man unter einer Sozialen Phobie?

Laut einem Report des „European Brain Council“ erfüllen etwa zehn Millionen Europäer*innen die DSM-IV-Kriterien für eine Soziale Phobie. Die Betroffenen haben Angst davor, sich in der Öffentlichkeit ungeschickt zu verhalten oder unangenehm aufzufallen, sich zu blamieren oder zu versagen. Sozialphobiker*innen leiden generell darunter, wenn die Aufmerksamkeit anderer Menschen auf sie gerichtet ist. Die psychische Erkrankung sollte nicht unterschätzt werden, da sie das Leben der Betroffenen stark einschränkt. Dies gilt besonders für Weihnachten: Soziale Phobien fallen besonders in der geselligen Adventszeit auf, wenn die Betroffenen immer wieder mit sozialen Aktivitäten konfrontiert werden.

Neben Weihnachtsfeiern und Gottesdiensten kann sogar die Bescherung im Kreise der Verwandtschaft die gefürchteten Angst- und Panikattacken fördern. Wer an Weihnachten Angststörungen hat, kann das Fest nicht genießen. Eher im Gegenteil: Die Zeit mit Familienmitgliedern, Freund*innen und Bekannten wird zum Alptraum.

Symptome einer Sozialen Phobie

In der Psychologie wird zwischen zwei Ausprägungen unterschieden: einer Spezifischen Sozialen Phobie und einer Generalisierten Sozialen Phobie. Während die Spezifische Phobie nur in bestimmten Situationen auftritt – etwa bei einer öffentlichen Rede – sorgt die Generalisierte Phobie für eine ständige Unsicherheit im alltäglichen Miteinander. In beiden Fällen treten Symptome wie Erröten, Übelkeit, Herzrasen, Atemnot oder Schweißausbrüche auf. Wer an Weihnachten Angststörungen hat, leidet immer wieder unter diesen Symptomen. In extremen Fällen sind alltägliche Tätigkeiten wie Schreiben, Essen oder Trinken in der Öffentlichkeit nicht mehr möglich.

Die „Angst vor der Angst“ löst einen Teufelskreis aus, denn die Betroffenen entwickeln ein Vermeidungsverhalten. Umfragen des „Bundesverbandes der Selbsthilfe Soziale Phobie“ haben ergeben, dass nur rund die Hälfte der betroffenen Frauen und etwa ein Fünftel der betroffenen Männer in der Vergangenheit Beziehungserfahrungen gesammelt haben. Wer sich vor Zurückweisung, Enttäuschung oder scheinbarem Fehlverhalten fürchtet, führt schon bald ein Leben in Einsamkeit und Isolation. Die Angststörung zeigt sich also nicht nur an Weihnachten: Soziale Phobien wirken sich auf das berufliche und soziale Leben der Betroffenen aus.

Ursachen für eine Soziale Phobie

Eine Angststörung kann schon in der Kindheit oder in der Jugend entstehen. Laut einer Analyse des „International Consortium in Psychiatric Epidemiology“ der WHO liegt das Erstmanifestationsalter durchschnittlich bei 15 Jahren. Weitere Studien zeigen, dass Phobien (darunter fällt die Spezifische Phobie, die Soziale Phobie und die Agrophobie) mit einem Alter von 13 Jahren zu den frühesten Angststörungen gehören. In frühen Jahren ist das Selbstwertgefühl noch nicht gefestigt: Wer als Kind häufig schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht hat, etwa ausgelacht, gedemütigt oder kritisiert wurde, entwickelt negative Denkmuster.

Das geringe Selbstvertrauen und die Abwehrhaltung führen dazu, dass auch in den darauffolgenden Jahren nur schwer Freundschaften und Beziehungen eingegangen werden können. Die soziale Isolation „schützt“ die Betroffenen vor weiteren Kränkungen oder scheinbarem Versagen. Doch nicht nur schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen können zu einer Sozialen Phobie führen, sondern auch traumatische Ereignisse, wie der Verlust eines geliebten Menschen oder das Erleben von Gewalt.

So überstehst du Weihnachten als Sozialphobiker*in

Hast du bereits Angst vor Weihnachten? Soziale Phobien sind nachweislich heilbar. Forscher*innen der Universität Zürich haben herausgefunden, dass sich nach einer Therapie die Hirnstruktur verändert. „Wir können zeigen, dass es zu strukturellen Veränderungen in Hirnarealen kommt, die mit Selbstkontrolle und Emotionsregulation zusammenhängen“, sagt Annette Brühl, Leitende Ärztin am Zentrum für Depressionen, Angsterkrankungen und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich die tiefen Hirnareale, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind, durch eine Verhaltenstherapie stärker vernetzen. „Die Psychotherapie normalisiert die durch eine soziale Angststörung ausgelösten Hirnveränderungen“, sagt Annette Brühl.

Zu Weihnachten musst du als Sozialphobiker*in also nicht weiter gegen deine Angststörung kämpfen, sondern kannst proaktiv etwas dagegen tun. Gemeinsam mit einer*m Therapeut*in lernst du, souverän mit deiner Angst umzugehen – nicht nur während der Feiertage, sondern auch darüber hinaus. Du durchbrichst den Angstkreislauf und musst die Symptome nicht länger unterdrücken. Durch die Auseinandersetzung erlangst du mehr Selbstvertrauen und kannst souveräner mit unbekannten Situationen umgehen. Nutze die Zeit um Weihnachten: Angststörungen können mit den richtigen Maßnahmen vollständig geheilt werden.

Ein Artikel von

Andrea Bruchwitz Redakteurin · Content Managerin

Quellenangaben

  1. Fehm L., Knappe S. (2011) Soziale Phobie. In: Wittchen HU., Hoyer J. (eds) Klinische Psychologie & Psychotherapie. 2. Aufl. S. 953-969. Springer.
  2. Bandelow, B., Wedekind, D. (2014). Soziale Phobie. In: Nervenarzt. Nr. 85. S. 635–647
  3. Berghändler, T., Stieglitz, R. D., Vriends, N. (2007). Die Soziale Phobie: Ätiologie, Diagnostik und Behandlung. In: Schweizer Med Forum, Nr. 7, S. 225-230

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