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Wohlbefinden

Wann muss ich in Therapie gehen?

22 Aug 2018 · 4 min lesezeit

Woran merke ich, dass ich eine Therapie brauche?

Jeder Mensch hat in seinem*ihrem Leben schwierige Phasen, durch die er*sie gehen muss. In diesen Krisenzeiten kann es schwer sein, für sich selbst herauszufinden, ob eine Psychotherapie eine Möglichkeit wäre, diese Phase gut zu bewältigen.

Viele Menschen, die unter psychischen Problemen leiden, suchen selten, zu spät oder sogar nie professionelle psychologische Hilfe auf: Aus Angst vor Stigmatisierung, weil die eigene Kraft nicht reicht oder weil sie nicht wissen, ob sie eine*n Psychotherapeut*in brauchen. Jede*r Fünfte in Deutschland leidet unter psychischen Erkrankungen, doch nur circa 30 % suchen sich selbst Hilfe in Form einer Psychotherapie. Viele Menschen leiden unnötig lang. Oft haben sie Gedanken wie “Ich bin nicht krank genug für eine Psychotherapie” oder “Ich kriege das auch ohne Psychotherapie hin”. Das Leid der Betroffenen kann sich verschlimmern, wenn sie keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Daher ist es wichtig zu wissen, wann es hilfreich ist, eine*n Psychotherapeut*in aufzusuchen, um das Leid mittels Psychotherapie langfristig zu reduzieren. Denn umso früher du Hilfe suchst und annimmst, desto höher sind die Chancen auf eine schnelle und lang anhaltende Genesung deiner Psyche.

Was sind also die Anzeichen dafür, dass es an der Zeit ist, eine*n Psychotherapeut*in aufzusuchen? Wir haben unsere Psycholog*innen gebeten, einige Indikatoren aufzuschreiben.

Schränken dich die Probleme im alltäglichen Leben ein?

Sobald du das Gefühl hast, dass deine Sorgen deinen Alltag bestimmen und du dadurch anhaltende Einschränkungen, wie zum Beispiel Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Motivationsverlust oder Übellaunigkeit erfährst, kann eine Psychotherapie helfen.

Leiden deine Beziehungen?

Deine Sorgen und Probleme belasten die Beziehung zur*m Partner*in, zu Freund*innen oder Familie? Dann ist es wichtig, diese zwischenmenschlichen Konflikte nicht länger zu ignorieren oder hinzunehmen, sondern sich professionelle Hilfe zu suchen, denn das soziale Netzwerk ist essentiell für das psychische Wohlbefinden.

Du hast keinen Spaß mehr an deinen Aktivitäten?

Hobbys bereiten dir keine Freude mehr? Du hast Schwierigkeiten mit der Motivation? Früher war dies anders? Der Interessenverlust ist ein weiterer Indikator, der dir einen Hinweis darauf gibt, dass Unterstützung hilfreich sein kann.

Dein Umfeld macht sich Sorgen?

Du wurdest von deinem Umfeld auf deine Wesensveränderung angesprochen oder es äußert Sorgen? Schau einmal genauer, ob ihre Äußerungen berechtigt sind.

Hast du ein traumatisierendes Ereignis erlebt?

Vielleicht kreisen deine Gedanken um ein bestimmtes Ereignis, wie zum Beispiel die Krankheit eines nahestehenden Menschen, Vergewaltigung, eine schwer zu ertragende Situation oder ein Unfall? Hier ist professionelle Hilfe dringend nötig, denn ein unverarbeitetes Ereignis kann schwere psychische Folgen mit sich ziehen.

Die Ärzte finden keine Ursachen für deine körperlichen Beschwerden?

Leidest du seit Längerem unter körperlichen Beschwerden und es gibt keine ersichtlichen physischen Ursachen dafür? Manchmal können psychische Probleme die Ursache solcher Beschwerden, wie zum Beispiel Schmerzen oder Magen- und Darmprobleme, sein. Diese psychosomatischen Beschwerden können mittels Psychotherapie gut behandelt werden.

Dein Versuch, das Problem allein in den Griff zu kriegen, ist gescheitert?

Es gibt Dinge im Leben, bei denen man Hilfe braucht. Deswegen sollte man sich aber nicht schämen oder Angst davor haben, professionelle Hilfe anzunehmen. Auch der Gedanke, man sei nicht “krank” genug, um eine*n Psychotherapeut*in aufzusuchen, ist fehl am Platz. Beispielsweise überlegen wir bei körperlichen Beschwerden viel seltener, ob diese ausreichend für einen Arztbesuch sind. Denn wenn dein Wohlbefinden leidet, sollte eine Psychotherapie in Anspruch genommen werden.

Greifst du vermehrt zu Alkohol oder anderen Substanzen, um Probleme zu bewältigen?

Hat sich dein Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen gehäuft? Hast du das Gefühl, dich mit dem Konsum “betäuben” zu wollen? Dann sollte die Aufarbeitung deiner Sorgen unbedingt professionell begleitet werden. Ebenso können Überessen oder Hungern Anzeichen für seelisches Leid sein. Sollte dieses Verhalten auffällig oft vorkommen, sollte auch dies abgeklärt werden.

Bist du emotionaler als sonst?

Hiermit sind zum Beispiel häufige oder anhaltende Aggressionen, Traurigkeit, Ängstlichkeit oder Leere gemeint. Natürlich haben Menschen regelmäßig diese Emotionen, doch solltest du das Gefühl haben, von diesen Emotionen überwältigt zu werden, kann dies ein Anzeichen für ein grundlegendes Problem sein. Ein anderer Indikator ist das “Katastrophisieren” von Ereignissen, die bevorstehen oder geschehen sind: Wenn du zum Beispiel ständig davon überzeugt bist, dass der schlimmste Fall eintritt oder du Ereignisse nicht mehr realistisch betrachten kannst. Diese intensive Form der Gedanken oder Gefühle kann dir langfristig schaden und sollte daher nicht unbeachtet bleiben.

Muss ich zur Psychotherapie?

Vielleicht hast du schon öfter über die Frage nachgedacht, ob du eine Psychotherapie machen solltest? Oder du fühlst dich durch mindestens eine der genannten Fragen angesprochen? Dann ist es nicht verkehrt, sich professionelle Hilfe in Form einer Psychotherapie zu suchen. Wie das geht, kannst du hier nachlesen. Solltest du dir unsicher sein, ob du eine*n Psychotherapeut*in brauchst, kannst du auch mit Verwandten, Freund*innen oder deiner*m Hausarzt*in darüber sprechen und dir dort Rat holen. Alternativ kannst du ein kostenfreies Infogespräch mit einer*m Psycholog*in bei Selfapy vereinbaren. Hier erklären wir dir, wie unsere Online-Kurse funktionieren und beantworten deine Fragen.

Zahlreiche Menschen mit psychischen Belastungen erhalten keine ausreichende Behandlung, sei es aufgrund der Wartezeiten auf einen Therapieplatz oder weil ihre eigene Scham sie vom Gang zum Arzt abhält. Selfapy bitet dir Online-Kurse zu verschiedenen psychischen Belastungen an. Erfahre hier mehr!

Quellenangaben

  1. Möller, H. J., Laux, G., Kapfammer, H. P. (2008): Psychiatrie und Psychotherapie, 3. Aufl. Springer

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