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Wohlbefinden

Gesundes Essen: Wie es mit Achtsamkeit funktioniert.

19 Aug 2019 · 6 min lesezeit
von Liesa Huppertz

Wenn du mal im Kopf deine letzten Mahlzeiten durchgehst, kannst du dann ehrlich behaupten, dass du tatsächlich dann gegessen hast, wenn du Hunger hattest? Und was genau hat sich auf deinem Teller befunden? War es gesundes Essen? Hast du auf eine ausgewogene Ernährung geachtet?

Mit dem Thema Essen setzen wir uns eigentlich jeden Tag auseinander, selten aber mit dem Thema “achtsam essen”. Dies liegt daran, dass wir so oft unbewusst zum Essen greifen. Das fängt schon beim Lebensmitteleinkauf an. Wie im Halbschlaf werden altbekannte Waren in den Einkaufswagen gelegt, ohne darauf zu achten, ob es sich eigentlich um gesundes Essen handelt und eine ausgewogene Ernährung damit gewährleistet ist. Doch wer einen gesunden Körper möchte, der muss ihm gesundes Essen bieten. Wie achtsames Essen dazu beitragen kann, dich gesund und ausgewogen zu ernähren und dich dadurch wohler in deinem Körper fühlst, das erklären wir dir in diesem Artikel.

Achtsames Essen: Was genau ist das eigentlich?

Von Achtsamkeit hast du bestimmt schon einmal gehört, oder? Es handelt sich dabei um eine spezielle Form der Aufmerksamkeit, die bereits auf die jahrtausendealte Lehre von Buddha zurückgeht. Dieser lehrte damals nämlich die “vier Grundlagen der Achtsamkeit”, wo es vor allem um die Erforschung des Selbst geht. Im Zuge der Achtsamkeit werden sämtliche Erfahrungen und Einflüsse ganz und gar bewusst wahrgenommen, ohne dabei als Routine abzulaufen. Alles, was zählt, ist der Moment, der so bewusst und ablenkungsfrei wie möglich wahrgenommen wird.

Vielleicht denkst du jetzt: “Das ist ja alles schön und gut, aber was hat das mit meiner Ernährung zu tun?”. Tatsächlich hat es eine ganze Menge damit zu tun. Denn wer die Prinzipien der Achtsamkeit auf das Essen überträgt, sich beim Essen also Zeit nimmt, den Geruch wahrnimmt, sich den Geschmack im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge zergehen lässt, und sich seine Speise genau ansieht, der ernährt sich nachweislich gesünder und isst weniger. Dabei geht es weniger darum, sich streng an Ernährungspläne oder Ratgeber zu halten, als vielmehr für sich zu gucken “Wann esse ich eigentlich?”, “Warum esse ich?”, “Wie merke ich meinen Hunger”, “Wie merke ich, dass ich satt bin?” und “Welche Gedanken und Emotionen verbinde ich mit dem Essen?”. Achtsames Essen ist also keine neue Diät, stattdessen geht es um das “Wie” des Essens.

Du möchtest wissen, wie sich achtsames Essen auf deine Ernährung auswirkt? Dann lies’ mal weiter.

Gesundes Essen durch Achtsamkeit: Darum funktioniert’s.

#1 Körpersignale durch achtsames Essen besser wahrnehmen.

Hand aufs Herz: Wie oft hast du dich in der letzten Zeit dabei ertappt, dass du eigentlich nur noch am Essen warst, weil der Fernseher nebenbei lief, dir langweilig war oder du gestresst warst? Dies sind nämlich mit die häufigsten Gründe, weshalb wir Menschen über das Ziel hinaus essen.

Eine gesteigerte Achtsamkeit kann dazu beitragen, dass wir unser Essen wieder bewusst zu uns nehmen. Dabei geht es nicht um eine Diät – beim achtsamen Essen werden keine Lebensmittel vom Plan gestrichen. Es geht vielmehr darum, unsere Essgewohnheiten langfristig umzustellen und so wieder zum gesunden Essen zurückzufinden. Dabei spielt unser Bauchgefühl eine elementare Rolle. Denn es signalisiert uns, wenn wir wirklich hungrig sind und lässt uns sofort wissen, wenn wir satt sind. Gleichzeitig hilft es uns dabei, herauszufinden, warum wir essen, wenn wir eigentlich gar nicht hungrig sind. Ist es Stress, der uns zur Chipstüte greifen lässt, Langeweile oder Frust? Durch eine enge Beziehung mit Deinem Körper, die durch Achtsamkeit geschult wird, findest du es heraus und kannst auf emotionale Trigger reagieren.

#2 Gesundes essen durch achtsame Nahrungsauswahl.

Wenn wir nach der Arbeit gestresst durch die Regale im Supermarkt streifen, landet meist immer wieder das Gleiche im Einkaufswagen. Wir greifen zu Lebensmitteln, die sich schnell verarbeiten lassen und möglichst günstig sind. Zwei Kriterien kommen bei dieser Auswahl oft zu kurz, erstens: ist das Essen gesund? Und zweitens: Habe ich darauf gerade wirklich Appetit? Das ist ganz klar, denn laufen wir gehetzt durch den Supermarkt, haben wir keine Zeit, uns über diese Fragen Gedanken zu machen. Viel mehr schmeißen wir einfach unbedacht alles in den Einkaufswagen, wonach uns ist. Und da kann man sich wohl vorstellen, dass das eher die Tafel Schokolade für den Abend ist, anstatt die Gemüsesticks.

Besonders Punkt zwei verleitet uns häufig dazu, mehr vom Falschen zu essen. Essen wir beispielsweise salzig obwohl unser Körper gerade etwas Süßes verlangt, dann können wir noch so viel essen, unser Körper wird uns kein Signal senden, dass er befriedigt ist. Daher beginnt achtsames Essen bereits bei der Auswahl der Nahrungsmittel. Dein Körper sendet dir ganz klare Signale, ob er etwas Salziges und Herzhaftes braucht oder etwas Süßes, ob ein kleiner Snack genügt oder es doch eine vollwertige Mahlzeit sein sollte. Oftmals ist es auch einfach nur Durst – probier es dann einfach mal mit einem großen Glas Leitungswasser. Doch dafür musst du die Signale deines Körpers wahrnehmen und dafür braucht es Achtsamkeit.

#3 Mehr Achtsamkeit durch langsames Essen.

Wer ständig das Essen in sich hinein schaufelt, der lässt seinem Körper natürlich keine Zeit, die richtigen Signale auszusenden – er würde sie vielleicht auch gar nicht verstehen. Daher ist langsames Essen in Bezug auf Achtsamkeit besonders wichtig. Nur wenn wir unserem Körper Zeit geben, uns Signale zu senden und uns die Zeit nehmen, diese Signale zu deuten, spüren wir, ob wir noch hungrig oder schon satt sind und ob wir die richtige Nahrung zu uns genommen haben. Auch der Stoffwechsel arbeitet viel effektiver, wenn wir nicht ganz so schlingen. Zu guter Letzt fördert langsames Essen auch noch die Verdauung, denn diese beginnt bereits im Mund. Je langsamer wir essen und je mehr wir unsere Nahrung kauen, desto kleinteiliger wird sie und desto einfacher kann der Körper sie verwerten und auf die Nährstoffe zugreifen. Auch das Sättigungsgefühl setzt so viel früher ein. Somit tun wir also auch unseren Organen etwas Gutes, denn die werden weniger belastet.

Achtsames Essen: Der Schlüssel zum gesunden Essen.

Achtsames Essen ist der Schlüssel zu einer ausgewogenen Ernährung, denn es fördert einen genussvollen und gesunden Umgang mit dem Essen. Indem du bewusst isst, kannst du dich selbst beobachten und Fragen beantworten wie: Warum esse ich gerade? Tut mir meine ausgewählte Mahlzeit gut? Was denke oder tue ich während des Essens?

Wenn du diese Fragen beantworten kannst, wird dir eine Ernährungsumstellung nicht mehr ganz so schwer fallen. Und genau diese Umstellung wird dir ein völlig neues Körpergefühl geben, da du dich insgesamt einfach wohler fühlen wirst. Wer achtsam isst, der steigert sein Wohlbefinden und das macht sich auch in anderen Bereichen deines Lebens bemerkbar. Du wirst selbstbewusster, vertraust deinem Körper mehr und baust zusätzlich Stress ab.

Aber wir wollen dir natürlich auch nichts vormachen: Achtsamkeit mag zurzeit als Begriff vielleicht in aller Munde liegen, aber sie ist keinesfalls so leicht umgesetzt, wie uns die Medien glauben machen wollen. Und selbst wenn der erste Schritt in die Achtsamkeit getan ist, ist eine Umstellung der Ernährung keinesfalls einfach. Den inneren Schweinehund zu besiegen und sich für die “guten” Nahrungsmittel zu entscheiden, ist für jede*n eine Herausforderung und bedarf etwas Übung. Probierst du es mit achtsamem Essen, musst du also im Grunde zwei Hürden überwinden: 1. Du musst lernen, achtsam zu leben, und 2. Du musst lernen, die Prinzipien der Achtsamkeit auf das Essen anzuwenden. Das ist nicht leicht. Hast du es aber erst einmal gemeistert, wirst du merken, wie dich dein Körper belohnt und zwar nicht nur mit einer tollen Figur, sondern auch mit mehr Energie, Selbstbestimmtheit und Vitalität, denn du wirst genau das essen, was deinem Körper gerade gut tut.

Ein Artikel von

Liesa Huppertz Redakteurin · Content Managerin

Quellenangaben

  1. Siedentopp, U. (2018): Ernährung und Achtsamkeit. In: Deutsche Zeitschrift Akupunkt Nr. 61, S. 186–189, online verfügbar unter https://doi.org/10.1007/s42212-018-0076-1
  2. Schmidt S. (2012): Bewusste Ernährung. In: Achtsamkeit und Wahrnehmung in Gesundheitsfachberufen. S. 95-111, Springer
  3. Bays, J. C. (2009): Achtsam essen - Vergiss alle Diäten und entdecke die Weisheit deines Körpers, 1. Aufl., Arbor Verlag

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