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Wohlbefinden

So kannst du deinen Selbstwert stärken

05 Feb 2018 · 5 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Gesunder Selbstwert, gesunde Psyche!? So, oder so ähnlich könnte ein Ratgeber heißen, der sich mit dem Thema Selbstwert auseinandersetzt. Was ist das eigentlich, ein gesunder Selbstwert, warum ist er so wichtig, kann er vielleicht sogar zu hoch sein und wie kann man ihn stärken?

Selbstwert, was ist das?

Der Begriff Selbstwert beschreibt das Gefühl für den Wert der eigenen Person. Er meint also, den eigenen Wert zu kennen, sich als wertvoll und liebenswert zu betrachten. Der Begriff des Selbstwerts ist eng verwandt mit den Begriffen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Selbstvertrauen bezeichnet das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten. Ihm ist das Selbstbewusstsein vorangestellt, das meint, sich seiner selbst sowie der eigenen Fähigkeiten und Stärken bewusst zu sein.

Der Selbstwert wird oftmals auch als Selbstwertgefühl bezeichnet. Im Grunde handelt es sich dabei jedoch gar nicht wirklich um ein Gefühl. Viel eher ist der Selbstwert eine Einstellung, eine Grundhaltung uns selbst gegenüber, eine Bewertung der eigenen Person und des Selbstbildes. 

Der Selbstwert ist jedoch nicht unbedingt immer konstant, nicht an jedem Tag und auch nicht in jedem Bereich gleich hoch. Wurde man an einem Tag kritisiert, so kann der Selbstwert an diesem Tag zum Beispiel sehr niedrig sein. Hat man einem anderen Tag jedoch Erfolg erlebt, so kann das den Selbstwert an diesem Tag in die Höhe treiben. Gleichzeitig kann eine Person im sportlichen Bereich ein sehr hohes Selbstwertgefühl haben, in Bezug auf Vorträge vor anderen Menschen aber auch ein sehr niedriges.

Warum ist Selbstwert wichtig?

Für die Gesundheit und vor allem für die Psyche ist ein starkes und stabiles Selbstwertgefühl wichtig. Ein gestörter oder niedriger Selbstwert kann die Entstehung von psychischen Belastungen wie Depressionen, Ängsten oder Persönlichkeitsstörungen begünstigen. Ein positiver Selbstwert hat Einfluss auf die soziale, emotionale und physische Gesundheit. Menschen mit einem positiven Selbstwert  reagieren in Krisen- oder Stresssituationen oft gelassener, können besser mit Herausforderungen umgehen und haben gesündere Beziehungen. Das hat auch damit zu tun, dass sich Menschen mit einem gesunden Selbstwert anders verhalten und mehr Resilienz besitzen. Aber was ist Resilienz eigentlich? Der Begriff bezeichnet die Fähigkeit, gut mit schwierigen Situationen umgehen zu können.

Ein negativer Selbstwert hingegen kann oft auch zu kognitiven Verzerrungen, Selbstzweifeln und somit zur Entstehung psychischer Belastungen führen. Menschen mit einem negativen Selbstwert neigen zu einer negativen Sicht auf sich selbst und ihr Leben. Das bedeutet also, ein hohes oder gesundes Selbstwertgefühl kann die Lebensqualität sowie die Zufriedenheit steigern und trägt zur Erhaltung der körperlichen und mentalen Gesundheit bei.

Wie entsteht Selbstwert?

Unser Selbstwertgefühl wird großteils durch positive soziale Beziehungen in der Kindheit gefördert. Wenn wir während des Heranwachsens positiv durch unser soziales Umfeld gestärkt werden und so unseren eigenen Wert zu schätzen lernen, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, im Erwachsenenalter einen hohen Selbstwert zu entwickeln.

Negative soziale Beziehungen, zu wenig Aufmerksamkeit, Missgunst und Leistungsdruck hingegen können dazu führen, dass der Selbstwert sich negativ entwickelt oder stärker schwankt, als bei Personen, die viel positive Verstärkung erfahren haben. Doch es gibt Übungen, mit denen man auch später im Leben den Selbstwert steigern und verbessern kann.

Kann man Selbstwert lernen?

Es ist möglich, ein positives Selbstwertgefühl zu lernen. Nicht nur die Gesundheit, auch soziale Beziehungen und die Leistung können davon profitieren.

5 Tipps, um den Selbstwert zu steigern

Positive Sichtweise annehmen

Seinen Fokus zu ändern, die Aufmerksamkeit von den negativen Dingen weg, hin zu den positiven, kann Wunder wirken. Menschen, die unter psychischen Belastungen leiden, können von der kognitiven Umstrukturierung, einer Methode aus der Verhaltenstherapie, profitieren, bei der Betroffene lernen, ihren Fokus zu verändern und negative Gedankenspiralen zu durchbrechen. Es kann helfen, sich jeden Tag das Gute im Leben bewusst zu machen, zum Beispiel, indem man sich abends vor dem Schlafengehen drei Dinge notiert, für die man dankbar ist.

Erwartungen anpassen

Oft entsteht Unzufriedenheit dadurch, dass Erwartungen nicht erfüllt werden. Meist die, die andere Leute an einen haben. Oder von denen man glaubt, dass andere sie haben. Es ist wichtig, sich auf sich selbst, auf eigene Wünsche und Vorstellungen zu konzentrieren. Es kann erleichternd wirken, eigenen Erwartungen gerecht zu werden, anstatt sich von anderen vorschreiben zu lassen, was man erreichen oder können sollte. Um ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln oder es zu steigern ist es wichtig, sich selbst Ziele zu setzen. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass sie realistisch sind und Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden.

Herausforderungen annehmen

Um Erfolgserlebnisse zu haben, kann es hilfreich sein, hin und wieder die eigene Komfortzone zu verlassen. Wenn man sich nie neuen Herausforderungen stellt, aus Angst sie nicht meistern zu können, wird man sie auch niemals meistern können. Auch an gescheiterten Versuchen und an Erfahrungen kann man wachsen, sie werden den Selbstwert stärken und bringen Menschen weiter nach vorne. So kann positive Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden.

Vergleiche einstellen

Sich mit anderen Menschen zu vergleichen erhöht die Wahrscheinlichkeit für Unzufriedenheit und verpasst dem eigenen Selbstwertgefühl sowie dem eigenen Selbstvertrauen einen Dämpfer. Auch hier kann es helfen, den Fokus zu verändern: Auf die eigenen Stärken, die eigenen Fähigkeit und darauf, wofür andere einen schätzen. In der Psychologie spricht man hierbei sinnbildlich von der*m liebevollen Begleiter*in, die*der die*den innere*n Kritiker*in ablösen soll.

Akzeptanz lernen

Selbstakzeptanz ist eine weitere Voraussetzung dafür, den eigenen Selbstwert zu steigern. Hierbei fließen die verschiedenen bereits erwähnten Aspekte zusammen. Sich von negativen Gedanken, Vergleichen und Erwartungen zu lösen kann diese Selbstakzeptanz stärken. Akzeptanz meint jedoch nicht, alles so hinzunehmen wie es ist. Es bedeutet, sich im aktuellen Moment so zu akzeptieren wie man ist, ohne dabei die Möglichkeit zur Veränderung aus den Augen zu verlieren.

Kann  man einen zu hohen Selbstwert haben?

Wenn das Selbstwertgefühl zu hoch ist, kann das aber auch zu Schwierigkeiten, insbesondere im Zusammenhang mit sozialen Beziehungen führen. Menschen mit einem hoch ausgeprägten Selbstwert neigen dazu, ihre eigenen Schwächen zu überschätzen oder auch eigene Fehler zu übersehen, was das Konfliktpotential mit dem sozialen Umfeld enorm in die Höhe treibt und schnell arrogant wirken kann. Oft hängt die Bewertung hiervon jedoch vom sozialen Umfeld oder gesellschaftlichen Normen ab.

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Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

Quellenangaben

  1. Dorsch, Lexikon der Psychologie (o.J.): Selbstwert. Online verfügbar unter https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/selbstwert [13.04.21].
  2. Csmarich, W. (2014). Der „gesunde “Selbstwert. Der Selbstwert als gesundheitsprotektiver Faktor in den drei Modellen Salutogenese, Resilienz und Selbstwirksamkeit. Masterthesis. Karl-Franzens-Universität, Graz.
  3. Wifi Steiermark (o.J.): Resilienz - Die 7 Säulen der Resilienz und deren Wirkungsweisen. Online verfügbar unter https://wifisteiermark.com/2017/02/27/resilienz-die-7-saeulen-der-resilienz-und-deren-wirkungsweisen/ [13.04.21].
  4. Jünemann, A. K. (2016). Selbstwert und Selbstvertrauen. In Psychologie der Werte (pp. 187-199). Springer, Berlin, Heidelberg.
  5. Jachs, C. (2010). Erziehung zum Selbstwert? (Doctoral dissertation, uniwien).

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