Zurück
Wissen

Psychiater*in, Psycholog*in, Psychotherapeut*in – Wir erklären den Unterschied

27 Jun 2018 · 5 min lesezeit

Wenn es um psychologische Hilfe und Psychotherapie geht, hören und benutzen wir oft unterschiedliche Begriffe. Wir erklären dir den Unterschied zwischen Psychiater*in, Psycholog*in und Psychotherapeut*in und wieso eine Unterscheidung dieser Begriffe bei der Suche nach einem Psychotherapieplatz wichtig ist.

Psycholog*in

Ein*e Psycholog*in beginnt ihre*seine Laufbahn mit dem Studium der Psychologie. Nach einem abgeschlossenem Bachelorstudium und Master- oder Diplomstudium darf er*sie sich dann Psycholog*in nennen.

Psychotherapeut*in

Um Erwachsene mit psychischen Erkrankungen therapieren zu dürfen, muss ein*e Psycholog*in nach dem Bachelorstudium noch ein zweijähriges Masterstudium mit Fokus auf der Klinischen Psychologie oder ein Diplom im Fach Psychologie und anschließend eine drei- bis fünfjährige Ausbildung zum*r psychologischen Psychotherapeut*in absolvieren.

Ein*e Psycholog*in darf sich erst nach der Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten als Psychotherapeut*in bezeichnen. In der Ausbildung ist die*der Psycholog*in Psychotherapeut*in in Ausbildung (kurz PIA) und darf ab der Zwischenprüfung Menschen mit psychischen Erkrankungen in Form von Psychotherapie betreuen. Meist wird der Begriff Psychotherapeut*in als Kurzform für psychologische*r Psychotherapeut*in verwendet. Ein*e psychologische*r Psychotherapeut*in kann bestimmte Formen der Psychotherapie als Kassenleistung abrechnen lassen.

Weder ein*e Psycholog*in noch ein*e psychologische*r Psychotherapeut*in dürfen Medikamente verschreiben noch organische Ursachen für eine psychische Erkrankung diagnostizieren. Dies darf aufgrund der Facharztausbildung nur ein*e Psychiater*in oder Neurolog*in.

Heilpraktiker*in Für Psychotherapie

Auch Heilpraktiker*innen für Psychotherapie dürfen Psychotherapie anbieten. Die Heilpraktiker*innen für Psychotherapie dürfen sich jedoch nicht Psychotherapeut*innen nennen, da sie Psychotherapie mit Erlaubnis des Heilpraktikergesetzes ausüben. Das heißt sie haben nicht zwingend das Studium der Psychologie und keine klassische Ausbildung zum*r psychologischen Psychotherapeut*in absolviert. Heilpraktiker*innen absolvieren ihre langjährige Fachausbildung an einer Heilpraktikerschule. Die Psychotherapie eines*r Heilpraktiker*in ist oftmals keine Kassenleistung (abhängig von der jeweiligen Krankenkasse) und muss somit oft privat bezahlt werden. Heilpraktiker*innen für Psychotherapie können sich entscheiden, welches Therapieverfahren sie anbieten wollen. Sie können auch unkonventionelle Therapieformen, wie z.B. die Hypnotherapie anbieten.

Da die Therapie bei einem*r Heilpraktiker*in für Psychotherapie meist privat gezahlt werden muss, kann hier die Wartezeit auf einen Therapieplatz kürzer sein als bei einem*r psychologischen Psychotherapeut*in. Außerdem kann ein*e Heilpraktiker*in für Psychotherapie dann herangezogen werden, wenn nicht-konventionelle Therapieformen erwünscht sind.

Psychiater*in

Ein*e Psychiater*in (auch: Fachärzt*in für Psychiatrie) beginnt die Karrierelaufbahn mit einem allgemeinen Studium der Medizin, welches circa sechs Jahre dauert. Danach folgt die 5-jährige Ausbildung zum*r Fachärzt*in für Psychiatrie und Psychotherapie.

Ein*e Psychiater*in ist auf das Erkennen und Therapieren seelischer Erkrankungen spezialisiert. Er*sie beleuchtet die möglichen organischen Ursachen (z.B. die Gehirnchemie), die in ein psychisches Unwohlsein resultieren. Das Aufgabengebiet eines*r Psychiater*in umfasst neben ausführlicher Anamnese auch psychologische und neurologische Tests, die Verordnung von Medikamenten und die Diagnostik seelischer Erkrankungen.

Ein*e Psychiater*in, der*die eine Berufsausbildung zum Fachärzt*in für Psychiatrie und Psychotherapie hat, kann auch Psychotherapie anbieten. Dann arbeitet der*die Psychiater*in als sogenannte*r ärztliche*r Psychotherapeut*in und kann eine wöchentliche Therapiestunde mit den Patient*innen vereinbaren, um psychische Erkrankungen zu lindern. Hierbei darf der*die Psychiater*in auch Medikamente verschreiben (z.B. Antidepressiva).

Hat der*die Psychiater*in keine ärztliche Ausbildung für Psychotherapie, sondern nur die Ausbildung für die Psychiatrie abgeschlossen, kann diese*r Psychiater*in keine Psychotherapie anbieten, darf aber Medikamente verschreiben.

Neurolog*in

Auch ein*e Neurolog*in durchläuft das klassische Studium der Medizin mit anschließender Facharztausbildung. Der Fokus eines*r Neurologen*in liegt auf der Diagnose und Therapie von ausschließlich organischen (also körperlichen) Erkrankungen des Gehirns, zentralen Nervensystems oder der Muskeln. Ein*e Neurolog*in befasst sich weniger mit dem seelischen Wohlbefinden. Da ein*e Neurolog*in eine ärztliche Ausbildung hat, darf auch er*sie Medikamente verschreiben. Ein*e Neurolog*in darf keine Psychotherapie anbieten, da er*sie normalerweise über keine Ausbildung der Psychotherapie verfügt. Der*die Neurolog*in darf Psychotherapie anbieten, wenn diese*r über eine Zusatzausbildung zum*r Psychotherapeut*in verfügt. Neurolog*innen werden vor allem von Patient*innen konsultiert, die unter einem Schlaganfall, Parkinson, Epilepsie oder Hirnblutungen leiden.

Coach – Trainer*in – Berater*in

Die Begriffe Coach, Trainer*in, Berater*in oder Life Coach sind keine geschützten Titel, das heißt, dass jeder sich so nennen darf.

Ein Coach unterstützt Menschen dabei, Lösungen für bestimmte Probleme zu finden, indem er Ressourcen aktiviert – er bietet Hilfe zur Selbsthilfe.

Ein*e Trainer*in bringt Menschen bestimmte Methoden oder Techniken nahe – oft auch in Seminaren oder Workshops. Trainer*innen arbeiten oftmals in und mit Unternehmen, also innerhalb des Arbeitsumfeldes.

Ein*e Berater*in ist Expert*in auf einem gewissen Gebiet und schaut sich bestimmte Problemsituationen an, um anschließend ein Lösungskonzept zu entwickeln.

Vor der Konsultation ist es wichtig auf den Ausbildungsweg zu schauen. So kann jemand, der schon viel Erfahrung hat und beispielsweise Ernährungswissenschaften studiert hat, ein Ernährungscoach sein. Diese Person hat also eine große Expertise auf dem Gebiet, auf dem sie coacht. Auch jemand, der einen Bachelor im Fach Psychologie hat, also bereits einen Abschluss im Fach Psychologie, ist bis kurz vor dem Masterabschluss ein psychologischer Coach.

<img src="//images.ctfassets.net/b7t2kcwnfyt2/4c7Ot5xewwW6GGYa62KoaI/eccc4b25cad6feeb174d01bcbeb286ef/Grafik-BeruUnterschied Psychologe Psychiater
Alle Unterschiede auf einem Blick

Zu Wem gehe ich?

Wenn unser psychisches Wohlbefinden leidet, dann ist der erste richtige Schritt eine*n Hausärzt*in aufzusuchen. Diese*r hilft dann weiter mit der Entscheidung, ob organische Ursachen abgeklärt werden müssen (also ob ein*e Neurolog*in für eine körperliche Erkrankung oder ein*e Psychiater*in für eine organische und seelische Erkrankung herangezogen werden muss) oder ob eine Psychotherapie (also eine reine psychische Therapie) ratsam ist. Entscheidest du dich für eine Psychotherapie, kannst du hier über das weitere Verfahren nachlesen.

Selfapy hilft dir in Krisensituationen. Durch unsere psychologisch begleiteten Online-Kurse findest du Unterstützung ohne Wartezeit. Selfapy bietet Kurse bei verschiedenen psychologischen Belastungen. Informiere dich in einem kostenlosen Infogespräch.

Quellenangaben

  1. Payk. T.R. (2012): Psychiater und Psychotherapeuten: Berufsbilder in der medizinischen und psychologischen Heilkunde, Kohlhammer
  2. Mendius M., Werther S. (2015): Ausgewählte Berufsfelder der Psychologie. In: (eds.): Berufliche Karrierewege nach dem Psychologiestudium. S. 11-23, Springer
  3. Stiftung Gesundheitswissen (o.J.): Psychologe, Psychiater, Psychotherapeut, online verfügbar unter https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/psyche-wohlbefinden/psychologe-psychiater-psychotherapeut (letzter Zugriff: 04.05.2021)

Ähnliche Artikel

Wissen

11 Bücher über psychische Erkrankungen

21 Sep 2018 · 4 Min. Lesezeit

Betroffene und Angehörige setzten sich mit ihrer Psyche und mentalen Gesundheit auseinander. Wir empfehlen dir zum Thema psychische Gesundheit 11 Bücher, die …

Wissen

Affektive Störungen

26 Jul 2018 · 3 Min. Lesezeit

Als Affektive Störungen werden jene psychischen Erkrankungen bezeichnet, die mit einer starken, abnormalen Veränderung der Stimmungslage verbunden sind

Wissen

Angela Merkels Zittern am ganzen Körper - eine psychologische Perspektive

19 Jul 2019 · 3 Min. Lesezeit

Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgte aufgrund von wiederholtem Zittern am ganzen Körper in der Öffentlichkeit für Aufregung. Was steckt aus psychologischer …

Wissen

Anpassungsstörung – Wenn auf einmal alles zuviel wird

27 Feb 2018 · 4 Min. Lesezeit

Nicht selten kommt es vor, dass wir im Laufe des Lebens mit Ereignissen oder Umständen konfrontiert werden, die zunächst sehr belastend sind.

Wissen

Selfapy auf Rezept - durch das neue DVG

01 Dec 2020 · 2 Min. Lesezeit

Seit dem letzten Jahr gibt es das Digitale-Versorgung-Gesetz. Dieses macht es möglich, dass digitale Gesundheitsanwendungen per Rezept verordnet werden können.

Wissen

Coronavirus: Tipps für eine gesunde Psyche

20 Mar 2020 · 9 Min. Lesezeit

Soziale Distanz zu Freund*innen sowie die Verlagerung des gesamten Alltags in die eigenen vier Wände verstärken das Gefühl der Isolation und können unsere …

Wissen

Online-Kurse auf Rezept: Depression, Generalisierter Angststörung und Panik

27 Jan 2021 · 3 Min. Lesezeit

Selfapy ist die erste zertifizierte App für kostenfreie Online-Unterstützung bei Depressionen und kann von einer m Ärzt in oder Psychotherapeut*in verordnet …

Wissen

Digitale Gesundheitsanwendungen

04 Feb 2021 · 2 Min. Lesezeit

Digitale Gesundheitsanwendungen bieten durch Online-Therapie schnelle und flexible Unterstützung. Hier erfährst du, wie sie funktionieren.

Wissen

FOBO - Fear of better options: Es geht immer besser!

16 Jun 2021 · 5 Min. Lesezeit

Wer kennt es nicht: Im Restaurant drei Mal die Bestellung ändern, den Job nach kurzer Zeit kündigen, weil ein anderer doch besser scheint, sich beim Daten …

Wissen

Körpersprache deuten – was uns die nonverbale Kommunikation verrät.

25 Jul 2019 · 7 Min. Lesezeit

Dieser Artikel beleuchtet die Arten und Funktionen unserer Emotionen und zeigt dir, wie sie sich in unserer Körpersprache, also in unserer Gestik und Mimik, …