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Bulimia nervosa

26 May 2018 · 3 min lesezeit

Kreislauf des Essens und Erbrechens

Die Bulimie, auch Ess-Brech-Sucht genannt, kennzeichnet ein unkontrolliertes Essen in riesigen Mengen, welches danach hauptsächlich durch selbst herbeigeführtes Erbrechen wieder ausgeschieden wird, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Neben dem Erbrechen neigen Betroffene zum Missbrauch von Abführmitteln, Medikamenten, Entwässerungsmitteln oder anderen Substanzen. Zudem kann auch übermäßig viel Sport getrieben werden, um das Gewicht zu kontrollieren.

Von der Erkrankung sind überwiegend Mädchen und Frauen betroffen. Die Bulimie bildet sich meist Ende der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter und folgt in vielen Fällen einer Magersucht. Betroffene haben oftmals ein verzerrtes Bild des eigenen Körpers. Sie nehmen sich als zu dick wahr, obwohl sie normal- oder untergewichtig sind. Durch das häufige Erbrechen, oder den Missbrauch von Abführ- oder Entwässerungsmitteln, kommt es in den meisten Fällen zu starken Gewichtsschwankungen. Durch das häufige Erbrechen können Schwellungen der Speicheldrüsen am Unterkiefer oder den Wangen von außen erkennbar werden und zu einer Veränderung der Gesichtsform führen.

Woran erkennt man Bulimie?

Kennzeichnend für das Krankheitsbild der Bulimie sind die wiederholten Essanfälle. Dabei werden enorme Mengen an hochkalorischer Nahrung zu sich genommen. Im Anschluss erfolgen kompensatorische Verhaltensweisen, wie beispielsweise das Erbrechen der Nahrung. Betroffene haben meist große Angst davor dick zu werden. Figur und Gewicht haben einen starken Einfluss auf das Selbstwertgefühl. Charakteristisch für Erkrankte ist zudem das hohe Maß an Ehrgeiz, Intelligenz sowie der Drang nach Perfektion. Mit der Krankheit gehen oftmals Gefühle von Scham, Schuld, Langeweile, Wut, Frustration und Leere einher. Dies führt meist dazu, dass Betroffene sich immer mehr isolieren, um ihre Essanfälle heimlich vorzubereiten und auszuleben. Die Diagnose Bulimia nervos wird dann gestellt, wenn mindestens zweimal die Woche erbrochen wird und die Symptome drei Monate bestehen.

Welche Ursachen hat die Ess-Brech-Sucht?

Wie bei allen Essstörungen gibt es meist mehrere Ursachen für die Entstehung der Krankheit. Biologische Faktoren wie:

  • genetische Veranlagung
  • Serotoninmangel
  • geringer Wert an Opioiden können Ursache für die Bulimie sein. Durch den Mangel an Serotonin und körpereigenen Opioiden, welche das Schmerzempfinden und den Appetit reduzieren können, kann es dazu kommen, dass das Sättigungsgefühl zu spät oder gar nicht einsetzt.

Bei Bulimikern tauchen folgende Persönlichkeitsmerkmale besonders häufig auf: ein negatives Selbstbild, extreme Schlankheit als Idealvorstellung, hoher Leistungsanspruch sowie ein geringes Selbstwertgefühl. Zudem haben die Betroffenen überzogene Erwartungen an sich und sind enorm selbstkritisch, was in ihnen das Gefühl entstehen lässt, nicht gut genug zu sein, und zu Versagensängsten führt. Durch die Essanfälle versuchen Bulimiker einen Ausgleich für den permanenten Leistungsdruck zu finden. Sie “belohnen” sich durch das Essen von hochkalorischer Nahrung, die sie sich sonst nicht erlauben. Das herbeigeführte Erbrechen wirkt neben der Vermeidung der Gewichtszunahme für viele Betroffene befreiend und entspannend, da sie durch die ständige Unzufriedenheit unter starken Spannungszuständen leiden.

Welche familiären Ursachen begünstigen die Bulimie?

Oft erfahren Betroffene in ihrer Familie zu wenig bis gar keine Wärme, Zuneigung, oder Anerkennung. Zudem neigt die Familie zu einem impulsiven Auslegung bestehender Konflikte, da ihr eine angemessene Streitkultur fehlt. Auch ein zu hoher Leistungsanspruch seitens der Eltern begünstigt die Krankheit. Nicht selten bestehen bei den Eltern psychische Erkrankungen wie Essstörungen oder andere Suchterkrankungen. Dadurch fehlt ein Vorbild für normales Essverhalten. Ein weitere, sehr große Einfluss ist das Schönheitsideal der westlichen Kultur. Viele Bulimiker sind anfangs leicht übergewichtig, was zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper führen kann. Aus einer vermeintlich harmlosen Diät kann sich dann unter Umständen eine Bulimie entwickeln.

Welche gesundheitlichen Folgen hat die Bulimie?

Das über Jahre immer wieder herbeigeführte Erbrechen kann gravierende Folgen haben.

Zudem kommt es auffallend häufig vor, dass Betroffene neben der Bulimie an einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder Persönlichkeitsstörung (PS) leiden. Vermehrt treten hier die Borderline PS (emotional-instabil), die ängstlich-vermeidende PS und die zwanghafte PS auf.

Wie kann die Bulimie behandelt werden?

Neben einer Ernährungsberatung ist eine psychotherapeutische Behandlung zwingend notwendig. Besonders wirksam bei der Behandlung der Bulimie ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei wird an negativen Denk- und Verhaltensmustern gearbeitet, um konstruktive Bewältigungsstrategien für die Spannungszustände und belastenden Ereignisse zu finden. Außerdem dient die Therapie dazu, wieder einen gesunden Bezug zu Nahrungsmitteln herzustellen. Zudem können familientherapeutische Interventionen hilfreich sein. Um körperliche Folgen der Erkrankung zu beobachten und zu behandeln, sind regelmäßige Arztbesuche äußerst wichtig. Als weitere Unterstützungsmöglichkeiten haben sich Entspannungsübungen sowie die Kunst- und Bewegungstherapie erwiesen.

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