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Angela Merkels Zittern am ganzen Körper - eine psychologische Perspektive

19 Jul 2019 · 3 min lesezeit
von Adrian Wangerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die vorgestern 65 Jahre alt wurde, sorgte in den letzten Wochen aufgrund von wiederholtem Zittern am ganzen Körper in der Öffentlichkeit für Aufregung. Sie selbst erklärte in einer Stellungnahme nach dem ersten Zitteranfall, nicht genügend Wasser getrunken zu haben. Während nun medial mit Hilfe von Psychologen und Ärzten eifrig über Merkels Gesundheitszustand spekuliert und diskutiert wird, fassen wir alle relevanten Erkenntnisse aus Sicht der Psychologie für Euch zusammen.

Stress & Schlaf – Wichtige Faktoren für psychische Gesundheit.

Zweifellos hat Angela Merkel einen der stressigsten Jobs überhaupt in unserem Land. Sie reist in der Woche bis zu 20.000 Kilometer von einem öffentlichen Auftritt zum nächsten, immer unter dem Druck, absolute Höchstleistung bringen zu müssen. Dieser Stress hat zweifelsfrei Auswirkungen auf Körper und Geist. So kann sich Anspannung im Körper eben auch durch Zittern am ganzen Körper oder auch durch zitternde Hände äußern.

Positiver und negativer Stress.

In der Psychologie unterscheiden wir zwei verschiedene Stressarten: Eustress und Distress. Eustress wird durch kurzfristige Anspannungsereignisse hervorgerufen, macht uns wachsam, leistungsfähig und sorgt für ein optimistisches und glückliches Gefühl. Eustress wird auch als positiver Stress bezeichnet. Ist die Anspannung langanhaltend und konstant, wie es bei der Kanzlerin der Fall ist, kann dies zu Hemmungen, Ängstlichkeit und Erschöpfungssymptomen führen. Dabei ist der Körper einer ständigen Kampf-oder-Flucht-Reaktion ausgesetzt, die langfristig schädlich für die psychische Gesundheit sein kann. Falls Du Probleme damit hast, mit Stress umzugehen und dich fragst, wie du stressfreier leben kannst, hilft Dir vielleicht unser präventiver Stress-Kurs weiter.

Können wir Schlaf aufholen?

Ein weiterer wichtiger Faktor ist Schlaf. Angela Merkel gibt an, “eine Art Kamelkapazität zu haben, mit Schlaf umzugehen”. Die bedeutet, dass sie mehrere Tage lang mit sehr wenig Schlaf auskommt und diesen dann an einem Tag innerhalb von zehn bis zwölf Stunden nachholt. Wissenschaftlichen Studien zufolge ist es allerdings nur bedingt möglich, Schlaf nachzuholen, denn dies geschieht hauptsächlich über die Schlafqualität und nicht über die Schlafdauer. Langfristig verursacht Schlafmangel Konzentrationsschwächen, verringert die Hirnkapazität und macht anfälliger für Krankheiten. Daher ist es nicht empfehlenswert, sich auf Dauer einem erhöhten Schlafdefizit auszusetzen. Unregelmäßiger Schlaf hat nicht nur weitreichende Folgen, sondern auch zahlreiche Ursachen. Für den Fall, dass Du langanhaltende Schlafprobleme hast, zeigen wir Dir in unserem Schlafkurs was gesunden Schlaf ausmacht und wie du auf Schlafprobleme angemessen reagierst.

Zusammengefasst muss man festhalten, dass es unmöglich ist, Angela Merkels gesundheitlichen Zustand aus der Ferne zu diagnostizieren. Feststeht, dass sie sich durch ihre 14 Jahre im Amt beständigen Stressfaktoren ausgesetzt hat, die langfristig zu körperlichen und psychischen Folgen führen können.

Sie selbst gibt als Erklärung für ihr wiederkehrendes Zittern an, dass sie sich noch in der Verarbeitungsphase ihres ersten Zitteranfalls befinde. Dies ist aus psychologischer Sicht vollkommen nachvollziehbar. Denn wird eine extreme Stresssituation erlebt, kann dies in ähnlichen Situationen einen Zustand der ständigen Angespanntheit auslösen, der in der Tat dazu führen kann, dass die Stressreaktion allein aufgrund der Sorge über ein erneutes Auftreten wieder eintritt.

Diese Angespanntheit bezeichnet man als Erwartungsangst oder auch als Angst vor der Angst. Diese bewirkt genau dieselbe körperliche Reaktion wie der Auslöser selber, im Fall von Angela Merkel – zittern. Dies führt allgemein dazu, dass auslösende Orte und Situationen gemieden werden. Während dies zwar kurzfristig Erleichterung verschafft, bekämpft es allerdings nicht die auslösenden Ursachen und ist im Fall von Angela Merkel, wie wir alle wissen, undenkbar.

Abschließend ist positiv hervorzuheben, dass die Kanzlerin durch den offenen Umgang mit ihren Zitteranfällen zumindest im Ansatz das Problem der mentalen Gesundheit öffentlich thematisiert hat. Ihre Aussage könnte nicht nur der gesellschaftlichen Stigmatisierung von psychischen Problemen entgegenwirken, sondern möglicherweise auch einen fruchtbaren, medialen Diskurs diesbezüglich anstoßen.

Ein Artikel von

Adrian Wangerin Redakteur · Psychologe

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