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Depression

Mein*e Partner*in ist depressiv – Was kann ich tun?

15 Apr 2020 · 9 min lesezeit

Ein*e depressive*e Partner*in, die*der mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, ist nicht immer leicht zu unterstützen und zu lieben. Es erfordert viel Kraft und ist nicht selten auch für die*den nicht erkrankte*n Partner*in eine große Belastung. Doch du kannst deine*n depressive*n Partner*in unterstützen und ihr*ihm helfen.

Die*der betroffene sowie die*der gesunde Partner*in, haben Momente, in denen die Last zu schwer erscheint, um sie zu tragen. Vor allem ist die Last groß, wenn du deine*n depressive*n Partner*in um jeden Preis unterstützen und den Schmerz von ihr*ihm nehmen möchtest. Die*der nicht depressive Partner*innen kommt dann an ihre*seine Grenzen und weiß nicht, wie sie*er mit der Depression des geliebten Menschen umgehen soll.

Während der Depression fühlen sich Betroffene meist isoliert, gedemütigt, sind ängstlich und machen sich Selbstvorwürfe. Wenn sich die*der Partner*in mit Depressionen von seinen Lieben zurückzieht, ohne zu sagen, warum, lässt das viel Raum für Fehlinterpretationen. Die*der depressive Partner*in hat nicht selten Schwierigkeiten sich und ihre*seine Emotionen auszudrücken. In der Depression ziehen sich Menschen zurück, weil sie Angst haben anderen zur Last zu fallen, weil sie sich schuldig fühlen oder Angst vor Ablehnung haben.

Genau in diesen Momenten ist es wichtig, der*dem depressiven Partner*in Unterstützung und Wertschätzung zu geben. Oft hilft der*dem depressiven Partner*in der Gedanke, dass jemand da ist, der tröstet, zuhört, beruhigt und Kraft spendet.

7 Tipps zur Unterstützung

Wir haben hilfreiche Empfehlungen unserer Psycholog*innen für dich zusammengetragen, da wir wissen, wie schwer es die Partner*innen von Betroffenen haben. Du weißt dann, was du tun kannst, um deiner*m Partner*in zu helfen und wie diese Unterstützung aussehen kann.

1. Informiere dich über die Krankheit

Sich über die Krankheit des geliebten Menschen zu informieren, kann eine gute Basis für die Unterstützung sein. Ein Unverständnis über das Krankheitsbild der Depression kann eine effektive Unterstützung sogar verhindern oder zu Missverständnissen führen.

Es ist unter anderem wichtig zu erkennen, dass die Symptome der Depression nichts mit dir persönlich zu tun haben. Die Gedanken und Handlungen deiner*s Partners*in zielen nicht darauf ab, dich zu verletzen – sie sind vielmehr Teil des Krankheitsbildes der Depression. Besonders zu Beginn der Depression fühlen sich Betroffene von den Symptomen überwältigt und empfinden diese als unkontrollierbar. Erst durch eine Auseinandersetzung mit der Erkrankung wird dein*e Partner*in die Krankheit verstehen, Kontrolle zurückgewinnen und das Verhalten steuern lernen.

2. Aktiviere das Unterstützungssystem deiner*s depressiven Partners*in

In manchen Fällen leidet die*der Partner*in so sehr unter der Depression, dass sie*er schwer selbst Hilfe für sich aktivieren und in Anspruch nehmen kann. In diesem Fall kannst du deine*n Partner*in aktiv unterstützen. Die sogenannten “Ressourcen”, die einem Menschen in der Krisensituation helfen können, sind z.B. das soziale Netzwerk, Ärzte oder auch finanzielle Rücklagen, um private Leistungen von Ärzt*innen in Anspruch zu nehmen.

Achte darauf, dass du Hilfe und Unterstützung in Absprache mit deiner*m Partner*in anforderst, denn ohne ihre*seine Zustimmung kann eigenständiges Handeln sogar für Unmut sorgen. Akzeptiere dabei auch, wenn dein*e Partner*in die Unterstützung nicht möchte. Und ganz wichtig: Vergiss dich selbst dabei nicht.

Befrage deine*n Partner*in und sprich offen über die Möglichkeiten der Hilfe, z.B. eine Psychotherapie, Selbsthilfegruppe oder Online-Kurse, falls der Wunsch nach schneller Hilfe und Anonymität besteht. Willigt die*der Partner*in ein, kannst du ihr*ihm bei der Suche nach einem Psychotherapieplatz aktiv helfen oder unterstützend zur Seite stehen. Du kannst deiner*m Partner*in Vorschläge machen und ihr*ihm die letzte Entscheidung selbst überlassen.

3. Gib den Betroffenen Raum

Viele Betroffene, die unter Depressionen leiden, haben das Gefühl, wenig Kontrolle in ihrem Leben zu haben. Verlust des Selbstwertgefühls, Stigmatisierung, Kontrollverlust oder ein Gefühl der Schwäche gehören neben den Symptomen der Depression oft zu den Belastungen, die Betroffene verspüren.

Egal, wie sehr ausgeprägt die Symptome der*des depressiven Partner*in sind, verliere nicht den Respekt zu deinem geliebten Menschen. Wie du nun weißt, gehören die Symptome zum Krankheitsbild, nicht aber zur Persönlichkeit deiner*s Partners*in.

Wichtig ist es zum Beispiel, der*m Partner*in nach wie vor Entscheidungen zu überlassen, ihr*ihm das Gefühl zu geben, Kontrolle im Leben bewahren zu können. Kleine Dinge, wie die Wahl des Essens, der Kleidung oder des Fernsehprogramms können der*m Partner*in ein Gefühl von Autonomie geben. Gib deiner*m Partner*in so viel Raum für Entscheidung wie möglich. Hat dein*e Partner*in Schwierigkeiten, kann deine kleine Unterstützung helfen. Versuche, Bevormundungen zu vermeiden.

Bei größeren Entscheidungen, wie z.B. dem abendlichen Ausgehen oder dem Arbeitsalltag, solltest du deiner*m Partner*in selbst die Entscheidung überlassen und schauen, ob sie*er dies meistern kann. Auch wenn du vermutest, dass eine Entscheidung die Fähigkeiten der*s depressiven Partner*in übersteigt, ist es wichtig, der*dem Partner*in nicht im Wege zu stehen. Die*der Partner*in wird von allein feststellen, ob das Vorhaben glückt oder im Nachhinein zu viel war.

Du kannst deine*n Partner*in auch zu gewissen Aktivitäten animieren. Du weißt vielleicht sehr gut, welche Aktivitäten deiner*m Partner*in vor der Depression Spaß gemacht haben. Schlage ein paar Dinge vor, die ihr gemeinsam oder dein*e Partner*in allein unternehmen kann. Vielleicht fällt der*dem Partner*in sogar auf, wieviel Spaß er dabei hat und ist beim nächsten Mal motivierter. Setze sie*ihn jedoch nicht unter Druck.

4. Setze angemessene Grenzen

Wie erwähnt, kann es passieren, dass du das Verhalten, die Äußerungen oder die Emotionen deiner*s depressiven Partner*in nicht immer verstehst. Betroffene selbst haben manchmal keine Erklärung dafür.

Dies bedeutet aber nicht, dass du z.B. aggressives, abwertendes oder nicht zumutbares Verhalten tolerieren musst. Sorge dafür, dass du dir Grenzen setzt um dich selbst zu schützen. Niemandem ist geholfen, wenn es auch der*dem unterstützenden Partner*in schlecht geht.

Spreche deine*n Partner*in auf bestimmte, nicht tolerierbare Verhaltensweisen an und versucht gemeinsam eine Lösung zu finden. Frag Angehörige um Rat oder wende dich an eine Hilfestelle, wie zum Beispiel die Telefonseelsorge. Hat die*der depressive Partner*in bereits eine*n Psychotherapeut*in, können Paarsitzungen eine große Hilfe sein.

5. Auch die*der gesunde Partner*in darf Zweifel haben

Die*den unterstützenden Partner*in quälen manchmal die Selbstzweifel: Ist das, was ich tue richtig? Wie kann ich helfen? Reicht meine Unterstützung aus? Wie schütze ich mich selbst? Inwiefern hat das alles noch Sinn? Bin ich selbst am Ende meiner Kräfte?

Diese Gedanken sind normal, sorge dich nicht zu sehr und versuche, dich nicht allzu schlecht zu fühlen. Du darfst die negativen Gedanken zulassen. Wichtig ist, mit deiner*m Partner*in über deine Gefühle und Gedanken zu reden. Es ist in Ordnung, wenn auch du an deine Grenzen kommst. Dies ist etwas, was du deiner*m depressiven Partner*in vermitteln solltest, damit nicht der Eindruck entsteht, dass du dich absichtlich abwendest. Niemandem ist geholfen, wenn auch du am Ende deiner Kräfte bist.

Es ist wichtig, dass du dich selbst schützt. Finde Halt in deinen eigenen Ressourcen und deinem Unterstützungssystem. Denn deine psychische Gesundheit ist wichtig und wertvoll. Nimm dir Pausen von der belastenden Zeit und versuche stets, diese mit deiner*m depressiven Partner*in abzusprechen.

6. Worte, die Trost spenden

Eine Kleinigkeit, die große Wirkung haben kann, ist die richtigen Worte zu finden. Vor allem in Gesprächen, die emotional sind, fällt es manchmal nicht leicht, die richtigen Worte zu finden. Liebevolle Worte bringen Heilung, wenn du sie ernst und mit leichtem Nachdruck aussprichst.

Du bist nicht allein. Oft fühlen sich depressive Menschen in ihrem Leiden isoliert und ausgeschlossen. Zu wissen, dass du jederzeit da bist, ihr gemeinsam durch die Erfahrung geht und du eine große Unterstützung bist, kann der*m Betroffenen ein Stück Schmerz nehmen.

Du bist mir wichtig. Oftmals leidet bei den depressiven Partner*innen das Selbstwertgefühl. Dem Gegenüber zu sagen, wie wichtig sie*er dir ist, kann ein Stück des Selbstwertgefühls zurückbringen.

Ich höre und sehe dich und deine Gefühle. Gib deiner*m Partner das Gefühl, dass du ihre*seine Gefühle ernst nimmst und nicht als Laune empfindest. In den schwierigsten Zeiten ist Respekt und Wertschätzung den Betroffenen gegenüber essentiell, um eine respektvolle Beziehung aufrecht zu erhalten.

Lässt du mich dir helfen? Zu wissen, dass der Mensch, der einen liebt, wirklich helfen will und sich nicht aus Mitleid verpflichtet fühlt, ist wertvoll. Der beste Weg, das zu kommunizieren, ist das Hilfsangebot auszusprechen, bevor die Person darum bittet. Selbst die kleinsten Unterstützungen können erleichtern: Badewasser einlassen, einen Tee kochen, eine Mahlzeit zubereiten, zusammen vor dem Fernseher sitzen oder zusammen meditieren oder spazieren gehen. Schau mal, was dein*e Partner*in mag und was ihr*ihm kurzfristig Anspannung und Leid nehmen kann.

Du bist nicht die Depression. Depressive Menschen haben oftmals Angst, dass die*der Partner*in sie nicht mehr liebt, wenn die depressiven Symptome nicht bald weniger werden. Zeige deiner*m Partner*in, dass du hinter all den Symptomen und Verhaltensmustern noch immer den Menschen siehst, den du liebst. Die Depression ist schließlich ein kleiner, zeitlich begrenzter Teil deiner*s Partner*in, nicht aber die ganze Persönlichkeit oder der Mensch an sich.

Du bist nicht verrückt. Du bist wie ich und alle anderen und ein Teil von uns. Viele Betroffene haben Angst vor dem Kontrollverlust und haben das Gefühl, verrückt zu werden. Mit ein paar Sätzen kannst du deiner*m depressiven Partner*in diese Angst nehmen. Zeige deiner*m Partner*in, wie normal sein Verhalten ist und dass keinerlei Grund für ihre*seine Angst besteht, verrückt zu sein.

Wir stehen das zusammen durch. Hier spielt das Gefühl der Isolation und des Alleinseins eine Rolle. Versichere deiner*m Partner*in immer wieder, dass du für sie*ihn da bist und an ihrer*seiner Seite stehst. Körperlicher Kontakt, wie eine feste Umarmung, Händchenhalten oder vertrautes Zusammensitzen oder -liegen, kann der*dem depressiven Partner signalisieren, dass sie*er den Kampf gegen die Depression nicht allein durchstehen muss.

7. Soforthilfe in Krisensituationen

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass insbesondere Menschen, die sich nicht trauen oder sich nicht aufraffen können, zu einer*m Psychotherapeut*in zu gehen, von unserem Online-Kursen profitieren können. Wir sind für dich da.


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