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Depression

Mein*e Kolleg*in ist depressiv – was kann ich tun?

18 Apr 2017 · 1 min lesezeit

Obwohl in Deutschland rund vier Millionen Menschen an einer Depression leiden, handelt es sich noch immer um ein Tabuthema. Besonders in der Arbeitswelt trauen sich viele Betroffene nicht, über ihre Erkrankung zu sprechen. Einer der Gründe hierfür ist die Angst, bei den KollegInnen und Vorgesetzten auf Unverständnis zu stoßen.

Jemand, die*der noch nie depressiv war, kann sich oftmals nur schwer in diese Situation hineinversetzen. Aus Unsicherheit, das Falsche zu sagen, wird geschwiegen. Sätze wie: “Jetzt reiß dich zusammen”, oder: “Wir sind doch alle mal traurig”, sollten auf jeden Fall vermieden werden. Doch wie reagierst du am besten, wenn dein*e Kolleg*in an einer Depression erkrankt zu sein scheint.

Behutsam vorgehen

Sollte dir auffallen, dass ein*e Kolleg*in plötzlich nicht mehr so leistungsfähig ist wie früher, mehr Fehler macht und ständig zu spät kommt oder fehlt, versuche keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Dieses Verhalten kann verschiedene Gründe haben. Neben einer psychischen Erkrankung, können auch physische Ursachen oder private Angelegenheiten zu einer Verhaltensänderung führen

Wichtig ist, depressiv Erkrankte nicht zu stigmatisieren. Depressionen sind keine Schwäche für die sich die betroffene Person schämen müsste. Auch bedeuten verminderte Leistung oder mehr Fehltage nicht, dass der- oder diejenige faul ist oder keine Lust auf die Arbeit hat. Depressionen können jede*n treffen, unabhängig von zum Beispiel Alter, der Bildung oder dem sozioökonomischen Status.

Das Gespräch suchen

Wenn du ein gutes Verhältnis zu der*m betroffenen Kolleg*in hast, könntest du behutsam nachfragen, wie es ihr*ihm geht. Vermeide es, eine „Diagnose“ zu vergeben. Ratschläge können zwar gut gemeint sein, werden von Betroffenen aber selten als hilfreich empfunden. Ist sie dafür bereit, kann es hilfreich sein, dass die Person ein offizielles Gespräch mit der*m Vorgesetzten führt. Wenn nötig, können auch die Personalabteilung oder der Betriebsärzt*in hinzugezogen werden.

Im Zweifel kann es dir helfen zu überlegen, wie du selbst behandelt werden möchtest, falls du krank wirst. Kleine Gesten, wie eine „Gute Besserung“-Grußkarte oder das Angebot, sich nach Feierabend zu unterhalten, können viel bewirken. Falls du dir unter Depressionen wenig vorstellen kannst, könntest du deine*n Kolleg*in bitten ihre*seine Gefühlslage zu beschreiben.

Quellenangaben

  1. Bundesgesundheitsministerium , Stiftung Deutsche Depressionshilfe
  2. Berger, M., Schneller, C. & Maier, W. (2012). Arbeit, psychische Erkrankungen und Burn-out. In: Nervenarzt, Nr. 83, S. 1364–1372
  3. Hammer, M., Plößl, I. (2015). Irre verständlich: Menschen mit psychischer Erkrankung wirksam unterstützen. 3. Aufl. Psychiatrie Verlag
  4. Hautzinger, M. (2018). Ratgeber Depression: Informationen für Betroffene und Angehörige. 2. Aufl. Hogrefe

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