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Arbeitswelt

Burnout Syndrom: Ursachen und Symptome

19 Feb 2018 · 5 min lesezeit

Jede*r durchläuft in seinem*ihrem Leben stressige Phasen. Manchmal wird der Stress chronisch und hat psychische Erkrankungen zur Folge. Besonders die hohen Anforderungen des Arbeitslebens begünstigen die Entstehung von Stress und einem Burnout Syndrom. Jede*r fünfte Deutsche fühlt sich durch seinen Beruf gestresst oder belastet.

Stress an sich ist nichts Negatives. Es handelt sich hierbei um eine natürliche Reaktion, durch die sich der Körper an die Herausforderungen seiner Umwelt anpasst. In der Evolutionsbiologie wir diese Anpassung “fight or flight” genannt, zu Deutsch Kampf oder Flucht.

Stressoren – das können innere oder äußere Reize sein – versetzen den Körper in Alarmbereitschaft. Dies aktiviert das Herz-Kreislauf-System, erhöht die Atemfrequenz und steigert die Muskelspannung. Das Gehirn schüttet die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Für die Reaktion unnötige Funktionen, wie die Verdauung oder das Fortpflanzungssystem, drosselt der Körper.

Die Stressreaktion führt zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit, zu mehr Aufmerksamkeit und Motivation. Eine leichte Stressaktivierung – positiver Stress oder Eustress genannt – empfinden viele Menschen als angenehm. Nach überstandener Gefahr oder Herausforderung, reguliert der Körper das Hormonsystem runter.

Ebenen des Stressgeschehens

Macht Stress krank?

Schädigender Stress entsteht, wenn die Stressreaktion chronisch wird und kein körperlicher oder psychischer Ausgleich erfolgt. Aus einer Herausforderung wird eine Überforderung. Ausschlaggebend sind die Häufigkeit der als stressig empfundenen Situationen sowie die subjektive Bewertungen. Jeder Mensch interpretiert Reize auf andere Art und Weise, z.B. aufgrund seiner*ihrer genetischen Veranlagung oder aufgrund von umweltbedingten Faktoren wie die Erziehung. Ein Leben mit Stress und Burnout kann dabei zu großen körperlichen und psychischen Einschränkungen führen.

Stress-Symptome

Chronischer Stress stellt eine Gefahr für die körperliche und psychische Gesundheit dar. Zu den körperlichen Anzeichen gehören:

  • Abfall der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Bluthochdruck
  • Magen-Darm-Probleme
  • Schlafstörungen
  • Rückenschmerzen
  • Herzerkrankungen
  • geschwächtes Immunsystem

Chronischer Stress begünstigt außerdem die Entwicklung von psychischer Erkrankungen wie Depressionen, der Angststörung oder der Erschöpfungsdepression, die allgemein als Burnout bekannt ist.

Was ist das Burnout Syndrom?

Das Burnout Syndrom ist keine eigenständige Diagnose, sondern ein Zusatzdiagnose. Im internationalen Klassifikationssystem ICD-10 gehört es zur Kategorie der “Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen”. Mit Burnout ist das Gefühl des Ausgebranntseins gemeint; ein Zustand der totalen Erschöpfung. Charakteristisch für das Burnout sind eine emotionale Erschöpfung, das Gefühl der Depersonalisierung und das Erleben von Misserfolg. Ein Online-Test gibt schnell und anonym Auskunft darüber, ob das Risiko besteht ein Burnout zu entwickeln. Ein Selbsttest ersetzt nicht die ärztliche Diagnose.

Die Phasen des Burnout

Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger und seine Kollegin Gail North postulieren ein 12-Phasen-Modell, den Freudenberger-Burnout-Zyklus. Dieser erklärt, wie das Burnout entsteht und welche Phasen es durchläuft.

  1. Phase: Der Zwang, sich zu Beweisen - Die betroffene Person erledigt ihre Arbeit mit Begeisterung. Sie neigt dazu sich zu überschätzen und ihre Bedürfnisse zu vernachlässigen.
  2. Phase: Verstärkter Einsatz - Die betroffene Person steckt noch mehr Energie in die Arbeit, um ihren eigenen hohen Ansprüchen zu genügen. Das Gefühl, unentbehrlich zu sein, wächst. Die betroffene Person delegiert selten ihre Aufgaben.
  3. Phase: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse - Das Verlangen nach Ruhe, Schlaf und Regeneration sowie der Wunsch nach Sex, treten immer weiter zurück. Der Konsum von Alkohol, Nikotin und Kaffee nimmt zu.
  4. Phase: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen - Die betroffene Person blendet die Ansprüche ihres Körpers aus, um arbeitsfähig zu bleiben. Unpünktlichkeit, Vergesslichkeit und andere Fehlleistungen nehmen zu.
  5. Phase: Umdeutung von Werten - Alte Grundsätze und Hobbys verlieren an Bedeutung. Freundschaften und berufliche Beziehungen empfindet die betroffene Person als Belastung. In dieser Phase treten oftmals Probleme mit dem*der Partner*in auf.
  6. Phase: Verleugnung von Problemen - Die betroffene Person verdrängt die zunehmenden Schwierigkeiten. Sie fühlt sich nicht anerkannt und geht ungern zur Arbeit. Leistungsschwächen und körperlichen Beschwerden machen sich nun deutlich bemerkbar. Außerdem steigen Intoleranz und Zynismus.
  7. Phase: Sozialer und emotionaler Rückzug - Gefühle von Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit sowie Desillusionierung breiten sich aus. Die betroffene Person empfindet ihr soziales Umfeld als bedrohlich.
  8. Phase: Merkliche Verhaltensänderung - Denken und Verhalten der betroffenen Person werden unflexibel. Sie akzeptiert Kritik oder Zuwendung nicht. Vor den vermeintlichen Angriffen zieht sie sich immer mehr zurück.
  9. Phase: Depersonalisation - Die betroffene Person fühlt sich von ihrer eigenen Persönlichkeit entfremdet und nimmt ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahr.
  10. Phase: Innere Leere - Mut- und Kraftlosigkeit dominieren diese Phase. Häufig verdrängt die betroffene Person die innere Leere und Nutzlosigkeit, durch Suchtverhalten oder Sex.
  11. Phase: Depression - Verzweiflung, Gleichgültigkeit und Niedergeschlagenheit stellen sich ein. Selbstmordgedanken sind in diesem Studium nicht selten.
  12. Phase: Völlige Erschöpfung - Geistige, emotionale und körperliche Erschöpfung mit hohem Suizidrisiko. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Leiden zeugen davon, dass das Immunsystem durch den dauerhaften Stress angegriffen ist.

Stress-Auslöser: Belastungsquellen am Arbeitsplatz

Zu den häufigsten Auslösern für Stress zählen Belastungen am Arbeitsplatz. Dies können Probleme in den Arbeitsaufgaben und der Arbeitsorganisation, in den sozialen Beziehungen oder in der Arbeitsumgebung sein. Überforderung mit der Aufgabenmenge und Überstunden sowie die Reduktion der Erholungsphasen bringen die Work-Life-Balance, sprich die Ausgewogenheit von Arbeits- und Privatleben, aus dem Gleichgewicht.

Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund einer psychischen Erkrankung wie Depression, Angststörungen oder Burnout stieg in den vergangenen Jahrzehnten stark an. Waren es 1980 noch 2,5%, ließen sich 2009 bereits 10,9% und im Jahr 2015 schließlich 15% aufgrund ihrer Psyche krankschreiben.

Prävention von Burnout

Arbeitnehmer*innen können sich schützen, indem sie Überstunden vermeiden, sich an ihre Pausenzeiten halten und Aufgaben delegieren. In den Pausen können sie spazierengehen, joggen oder Yoga machen – Aktivitäten, die nachweislich den Stresspegel reduzieren. Nach Feierabend stehen Hobbies, Freunde und die Familie im Mittelpunkt. Entspannungstechniken und das Erlernen von Achtsamkeit sind weitere Möglichkeiten, um Stress abzubauen oder vorzubeugen.

Wenn diese Methoden nicht greifen, ist eine therapeutische Intervention sinnvoll. In der Therapie identifizieren die Betroffenen ihre persönlichen Stressauslöser und lernen Techniken zur Stressbewältigung. Eine wichtige Rolle spielt die kognitive Umstrukturierung. Hierbei erkennen Betroffene negative und verzerrte Denkmuster, hinterfragen diese und formulieren sie neu. Dies hilft vor allem bei der Bewertung und Bewältigung von Stress. Der internetbasierte Präventionskurs gegen Stress von Selfapy basiert auf diesen Methoden. Der Online-Kurs ist durch die Prüfstelle Prävention zertifiziert, sodass die Krankenkassen die Kosten bis zu 100% erstatten.

Selfapy bietet schnelle Unterstützung bei Stress und Burnout. Erfahre mehr über den kostnefreien Online-Depressionskurs oder führe ein kostenloses Infogespräch mit einem der Selfapy-Psycholog*innen.

Quellenangaben

  1. Scherrmann, U. (2015): Stress und Burnout in Organisationen. Springer
  2. Berger, M., Falkai, P., Maier, W. (2012): Burn-out ist keine Krankheit. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 109, Heft 14, S. 700-703
  3. Deutsche Gesellschaft für Prävention & Gesundheitsförderung (o.J.): Was ist Burnout? Online verfügbar unter https://dg-pg.de/information/psychische-gesundheit/burnout/was-ist-burnout/
  4. Bergner, T. (2016): Burnout-Prävention: Erschöpfung verhindern - Energie aufbauen - Selbsthilfe in 12 Stufen. 3. Aufl., Schattauer
  5. Korczak D, Kister C, Huber B. (2010). Differentialdiagnostik des Burnout-Syndroms. Schriftenreihe Health Technology Assessments (HTA); Band 105.

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