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Arbeitswelt

Burnout – ein Unternehmensberater berichtet

30 Jan 2019 · 3 min lesezeit
von Christian Krohne

Der Unternehmensberater Christian Krohne erzählt über seinen Umgang mit dem Burnout und die Zeit danach.

Wenn Erfolg müde macht

Wer schon einmal unter einem Burnout litt, der möchte diese nicht endlose und emotionale Talfahrt kein zweites Mal erleben. Doch das ist oft gar nicht so einfach zu vermeiden. Besonders schwierig ist es, mit Rückschlägen umzugehen. Jedes Mal umgibt dich die Frage: Ist es nur ein vorübergehendes Tief oder ist es wieder der Anfang eines dauerhaften Zustandes?

Ich kann von Glück sprechen, denn bei mir hat die Psychotherapie angeschlagen, die Medikamente wirken und ich bin zurück im Leben: An vielen Tagen fühlt sich das Leben mittlerweile wieder angenehm und leicht an, eben wie die Zeit vor meinem Burnout. Aber auch ich musste erstmal lernen, mich und mein Wohlbefinden stärker zur Priorität zu machen, Zuhause an andere Dinge zu denken als an den Job.

Durch meine Burnout und die psychische Krise habe ich viel gelernt. Mittlerweile weiß ich, was ich bei Rückschlägen tun muss, um dem nächsten Burnout vorzubeugen.

Rückschläge gehören dazu

Hierzu gehört vor allem, sich in Gelassenheit zu üben. Man sollte vor allem lernen, auch mal „Nein“ zu sagen. Auch das Tempo zu verlangsamen, egal was man gerade tut. Dies nimmt die oft überfordernde Geschwindigkeit aus dem Leben heraus. Mit diesen kleinen Dingen habe ich mich in den letzten Monaten zusammen mit meiner Psychotherapeutin intensiv beschäftigt und glaube, es allmählich verinnerlicht zu haben. Obwohl es nach Kleinigkeiten klingt, sind sie für mich lebensrettend.

Rückkehr zur Arbeit

Viele Menschen haben Angst, dass man nach einem Burnout nie wieder richtig arbeiten kann. Aber ich habe das Gegenteil erfahren. In meinem “neuen” Leben nimmt die Arbeit auch wieder eine wichtige Rolle ein, aber sie ist nicht mehr alles; das Privatleben hat endlich eine Chance. Sport und Familie nehmen eine zentrale Rolle ein – ist das diese Work-Life-Balance, die einem von sämtlichen Life-Coaches, die sich in irgendwelchen Lifestyle-Kolumnen der Tageszeitungen und Wochenmagazinen so oft gepredigt wird? Wenn ja, habe ich das nun wohl gut drauf – für meine Verhältnisse.

Warnzeichen ernst nehmen

Und doch kommen sie von Zeit zu Zeit wieder: Gedanken, dass die Arbeit an sich sinnlos ist, Antriebslosigkeit, Versagensängste, Panikattacken und Überforderung. Das alles, obwohl ich so zielgerichtet daraufhin gearbeitet habe, dass mir das nie wieder passiert. Was ist nur los mit mir? Geht es zurück in das Burnout? Zurück in die Erschöpfungsdepression?

Was ich mittlerweile gelernt habe ist, dass solche Phasen dazu gehören und man sie kommen lassen muss. Genau wie Menschen, die nicht an einer Depression erkrankt sind, Phasen haben, in denen sie sich schlecht fühlen, kommt dies natürlich umso mehr bei denjenigen vor, die eine Depression hinter sich haben. Aus vielen Gründen erleben wir diese Tiefs intensiver, haben unsere Gemütszustände aus der depressiven Episode noch extrem präsent im Hinterkopf und dementsprechend große Sorge, dass es wieder bergab mit uns geht.

Egal ob physisch oder psychisch

Das Wichtigste in solchen Phasen ist, zu versuchen, diese Zeit als solche anzunehmen. Es kann sein, dass ihr euch wieder komplett zurückziehen wollt und mit niemandem sprechen möchtet. Es kann sein, dass du dich überhaupt nicht mehr in der Lage fühlst, zu arbeiten. Dann ist es das Vernünftigste, dies zu akzeptieren, sich krank zu melden und sich Zeit zu geben. Schließlich gehst du bei einer Grippe auch nicht ins Büro. Das Tückische bei depressiven Verstimmungen ist, dass man sich körperlich gegebenenfalls ganz okay fühlt, aber extreme Gewissensbisse und Schuldgefühle trägt. Am Ende helft ihr aber weder eurem Arbeitgeber noch euch selbst.

Kleine Dinge, große Schritte

Tu dir in Zeiten von Rückschlägen bewusst etwas, das dir gut tut und fahr die Geschwindigkeit noch etwas runter, egal wie wenig Tempo du bis dahin aufgenommen hast. Erlaube dir einen Spaziergang, schau dir um 11 Uhr vormittags deinen Lieblingsfilm auf Netflix an oder trink eine Tasse deines Lieblingstees. Achte auch auf deine Atmung. Meditation kann in Zeiten eines Burnouts oder Überforderung extrem helfen. Dein Körper sowie dein Geist werden heruntergefahren und man kann sich “resetten”. Oft sind es die kleinen Schritte, die den Anstoß dazu geben, dass es dir bald wieder besser geht.

Ein Artikel von

Christian Krohne Redaktuer · Presse

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