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Angst und Panik

Agoraphobie: Wie Antonia lernte, mit der Angst zu leben

01 Jul 2020 · 3 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Angststörungen gehören in Deutschland zu den häufigsten psychischen Belastungen. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Angststörungen. Die Generalisierte Angststörung kann beispielsweise die unterschiedlichsten Lebensbereiche betreffen, spezifische Phobien beziehen sich auf bestimmte Objekte und Situationen. Knapp 12 Millionen Deutsche (Stat. Bundesamt) sind aktuell von einer Art der Angststörung betroffen. Öffentlich sprechen aber nur wenige darüber. Vorurteile, Stigmatisierung und Unsicherheiten stehen ihnen oft im Weg.

Die Journalistin, Autorin und Mitgründerin des Onlinemagazins amazedmag.de Antonia Wille (33) macht es anders. Sie ist seit ihrem elften Lebensjahr von einer Angststörung betroffen und lässt sich trotz aller Vorurteile nicht davon abhalten, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Bis vor kurzem wussten nur wenige Menschen von ihrer Diagnose. Ihr kürzlich erschienenes Buch „Angstphase“ (112 Seiten, PIPER) ist deshalb nicht nur ein interessanter, humorvoller und zuversichtlicher Erfahrungsbericht, sondern auch ein echtes Coming-Out als Betroffene einer Angststörung. Uns erzählt Antonia von ihrer Geschichte und wie sie lernte, mit der Angst zu leben.

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Liebe Antonia, du hast die Diagnose „Agoraphobie mit leichter Panikstörung“. Was genau bedeutet das?

Agoraphobie mit leichter Panikstörung bedeutet, dass ich in ganz bestimmten Situationen mit Angstattacken und Panikanfällen zu kämpfen habe. Das bezieht sich vor allem auf Situationen, in denen ich nicht einfach weg kann – beispielsweise Menschenmassen, wenn die U-Bahn im Tunnel steht oder ich im Stau. Auch auf das Reisen hat die Agoraphobie einen Einfluss – ich verreise ungern alleine oder sehr weit weg.

Wie war dein Weg bis zur Diagnose?

Ich hatte meine ersten Angstattacken als Teenagerin. Irgendwann ahnte ich schon, dass ich womöglich eine Angststörung habe, die endgültige Diagnose bekam ich aber mit 16/17 Jahren, als ich das erste Mal zu einer Therapeutin ging.

Was war der Auslöser dafür, dass du entschieden hast, eine Therapie zu machen?

Ich wollte die Ursachen meiner Angst erkennen und verstehen lernen sowie einen Umgang mit der Angststörung finden. Angst zu haben ist völlig normal, wenn aber das eigene Leben eingeschränkt wird, ist es wichtig und völlig in Ordnung, sich Hilfe und Unterstützung zu suchen.

In der Therapie hast du einen sehr originellen Weg gefunden, mit deiner Angst umzugehen. Du hast deiner Angst den Namen „Katja“ gegeben. Wie hat dir das geholfen?

Mir hat es geholfen, da die Angst somit nicht mehr nur dieses namenlose, riesige Monster war, sondern zu einer Person wurde, die ein bisschen von mir losgelöst ist. So habe ich einen Gegner, den ich anschreien und so hoffentlich im Zaum halten kann.

Würdest du sagen, deiner Angst eine Gestalt zu geben, ist das Wichtigste, das du aus deiner Therapie mitgenommen hast?

Nein. Dank meiner Therapie habe ich viele wichtige Erkenntnisse erlangt, der Angst einen Namen zu geben war nur eine davon. Ich habe gelernt, warum die Angst da ist, welche Funktion sie in meinem Leben erfüllt und wie ich es schaffe, trotzdem das Zepter in der Hand zu halten. Heute habe ich auch dank Therapie alle wichtigen Werkzeuge in der Hand, sodass ich – wann immer die Angst an meine Tür klopft – ihr stark und mutig begegnen kann.

Wie gehst du heute damit um, wenn du eine Situation erlebst, die deine Angst besonders triggert?

Ich atme tief durch, gucke, warum genau jetzt diese Situation für mich triggernd ist und versuche, die Angst anzunehmen. Sie darf auch mal an meiner Seite sein, aber ich bestimme, welchen Weg wir einschlagen. .

Lass uns über dein Buch sprechen: Kürzlich wurde es unter dem Titel „Angstphase“ veröffentlicht. Darin sprichst du über deine Angsterkrankung und wie du heute deinen Alltag mit ihr meisterst. Wer sollte das Buch lesen und worauf dürfen Leser sich freuen?

Mein Buch ist ein sehr sanftes, Mut machendes Buch zum Thema Angst und Panik. Ich glaube, viele AngstpatientInnen können sich darin wiederfinden und vielleicht nochmal neue Kraft schöpfen, der Angst ein wenig liebevoller zu begegnen. Ansonsten ist es aber auf jeden Fall auch ein Buch für all jene, die AngstpatientInnen in ihrem Umfeld haben und sich schwer tun, diese seelische Erkrankung zu verstehen. Ich finde aber auch, dass das Buch für Menschen ist, die vielleicht einfach einen kleinen Einblick bekommen wollen, selbst öfter mit Stresssymptomen kämpfen oder die sich mit den Themen Achtsamkeit und Selbstliebe beschäftigen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten!

Antonia findet ihr auch auf Instagram (@antoniawlle).

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Journalismus (M.A.), Psychologie (B.Sc.)

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