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Therapieformen im Überblick

26 Feb 2018 · 5 min lesezeit

Welche Therapieformen können bei psychischen Störungen helfen?

Jeder von uns hat manchmal mit Verzweiflung, Ängsten und Schlaflosigkeit zutun. Auch Traurigkeit und Erschöpfung sind Bestandteil unseres Lebens. Nehmen sie ein Ausmaß an, dass ein normales Leben nicht mehr möglich ist, bedarf dies professioneller Hilfe. Wo erlangt man diese? Und welche Arten von Hilfe und Therapieformen gibt es? In Deutschland haben wir ein gut ausgebautes Gesundheits- und Versorgungssystem von Ärzten, Psychiatern und Psychotherapeuten. Doch so, wie die Allgemeinmedizin bei physischen Erkrankungen lange nicht ausreicht, reicht eine psychologische Fachrichtung nicht aus, um alle Bedarfe abzudecken.

Wie finde ich den richtigen Therapeuten?

Da es in einer Therapie um sehr persönliche Dinge geht, ist es zwingend notwendig, dass der Patient sich wohlfühlt. Wie kann man herausfinden, ob der Therapeut passt?

Dafür hat unsere Gesundheitssystem gewisse Probestunden vorgesehen, die sogenannten probatorischen Sitzungen. Der Umfang beträgt meist fünf Stunden. So kann der Patient für sich herausfinden, ob er sich wohlfühlt, und ob der Therapeut zu ihm passt. Falls dies nicht der Fall sein sollte, besteht die Möglichkeit, weitere fünf probatorische Sitzungen bei einem anderen Therapeuten wahrzunehmen. Während der Probestunden muss ein Antrag bei der Krankenkasse eingereicht werden mit dem dazugehörigen Konsiliarbericht, welcher beispielsweise vom Hausarzt erstellt wird. Dies ist unter anderem notwendig, um somatische Ursachen auszuschließen.

Welcher therapeutischer Rahmen ist der Richtige?

Eine ambulante Therapie ist dann ausreichend, wenn der Alltag noch weitgehend problemlos zu bewältigen ist. Ist dies jedoch nicht der Fall, oder eine Abgrenzung des gewohnten Umfeldes notwendig, so ist meist ein stationärer Aufenthalt hilfreich.

Eine weitere Möglichkeit ist der teilstationäre Aufenthalte. Die sogenannten Tageskliniken bieten tagsüber Therapiestunden an und zum Abend gehen die Patienten wieder nach Hause. Welche Form die richtige ist, entscheiden Patient und Therapeut zusammen. Die Meinung des Patienten ist maßgeblich, um das Wohlbefinden des psychisch Erkrankten bestmöglich zu garantieren.

Was ist eine kognitive Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie ist eine Unterform der Psychotherapie. Wie der Name schon verrät ist sie so konzipiert, dass sie direkt am Verhalten des Patienten ansetzt. Um problematische Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, bedarf es jedoch zunächst einer Analyse. Sie bildet die Grundlage zum Erlernen von Techniken, mit denen sich die psychischen Beschwerden abbauen lassen. Das wissenschaftlich anerkannte Verfahren setzt voraus, dass der Patient aktiv mitarbeitet, deshalb wird auch von der Hilfe zur Selbsthilfe gesprochen. Da die Verhaltenstherapie in ihrer praktischen Orientierung den Fokus auf Ziel und Lösung legt, sind oft schon nach kurzer Zeit Erfolge zu sehen. Das ist einer der Gründe dafür, dass sie zu jenen Therapieformen zählt, welche am häufigsten angewendet werden.

In welchen Fällen ist die Verhaltenstherapie besonders hilfreich?

Die Verhaltenstherapie findet nicht nur bei psychischen Störungen ihren Nutzen, sondern auch bei der Bewältigung von Konfliktsituationen oder Lebenskrisen. Für die Kostenerstattung bei den Krankenkassen ist jedoch eine Diagnose wie Angststörung, Depression, Essstörung, Persönlichkeitsstörung, Suchterkrankung, Zwangsstörung oder psychosomatische Erkrankung nötig.

Worauf basiert die kognitive Verhaltenstherapie?

Die sogenannte Lerntheorie (Behaviorismus) bildet das Grundprinzip der Verhaltenstherapie, da alle Verhaltensweisen erlernt sind, und unser Dasein von einem lebenslangen Lernen geprägt ist. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass psychische Störungen auf einem Verhalten basieren, welches “falsch erlernt” wurde. In der Verhaltenstherapie geht es darum, dieses fehlerhafte Verhalten durch neues, unproblematisches Verhalten zu ersetzen. Für die erfolgreiche Umsetzung sind konkrete Übungen nötig, die in der Therapiesitzung stattfinden und eigenständig im Alltag durchgeführt werden können. Bei den Übungen handelt es sich sowohl um aktive Übungen, als auch um mentales Training, sprich: es wird sich ausschließlich gedanklich damit befasst.

Für die Verhaltenstherapie sind unter anderem folgende Maßnahmen kennzeichnend:

  • Auseinandersetzung/Konfrontation mit dem auslösenden Reiz dient als Desensibilisierung des Patienten
  • Positive Verstärkung des gewünschten Verhaltens in Form von Belohnung
  • Außerachtlassung des alten, destruktiven Verhaltens um dieses zu “verlernen”

Therapieverfahren befinden sich in einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung, sodass mittlerweile auch folgende Behandlungsmethoden in der Verhaltenstherapie zum Einsatz kommen: Meditations-, Achtsamkeits- und Entspannungstraining, sowie das Lernen mit Stress auslösenden Reizen (Stressoren) besser umzugehen.

Wie funktioniert eine kognitive Verhaltenstherapie?

Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie wurde zunehmend deutlich, dass das Denken, unsere Gefühlswelt und unser Erleben eine bedeutende Rolle spielen. Diese Vorgänge sind als Kognitionen bekannt. Des Weiteren versteht man in der Psychologie unter Kognitionen Absichten, Einstellungen aber auch Wünsche. Da das äußere Verhalten und Erleben die Gedanken und Gefühle positiv oder negativ beeinflussen kann, rückten die Kognitionen in der Verhaltenstherapie immer weiter in den Fokus.

Wenn also bestimmte Situationen als beängstigend oder gar bedrohlich wahrgenommen werden, liegen diesem Denkmuster Fehlbewertungen zu Grunde. Ziel ist es, diese Denkfehler auszulöschen, sprich: sich kognitiv umzustrukturieren. Doch wie verläuft dieser Prozess? Durch das Sammeln der negativen und automatisierten Gedankenmuster, können diese in der Therapie analysiert werden. Die darauf basierenden irrationalen Sichtweisen und Verhaltensmuster werden durch rationale Alternativen ersetzt, und mit Hilfe von Übungen gefestigt.

Zwei Beispiele für bewährte Methoden in der Verhaltenstherapie:

  • Ein Mensch, der an Depression leidet, tendiert beispielsweise dazu sich immer mehr zurück zu ziehen und seinen Hobbies nicht mehr nachzugehen. Hierdurch werden jedoch Gefühle der Isolation verstärkt und es kann zu einer Negativspirale kommen. Mit Hilfe von psychologischer Unterstützung kann in der Therapie erkannt werden, dass dieses Verhalten kontraproduktiv ist und eine Änderung des Verhaltens depressive Gedanken mildern kann.
  • Ist jemand von Angststörungen betroffen, ist es möglich mit Hilfe der Verhaltenstherapie Bewältigungsstrategien bei Angstattacken zu erlernen. Mit Atemübungen können negative Gedanken auf eigene Körperempfindungen umgeleitet werden. Zudem lernt der Betroffene mit Hilfe von bewusstem Ein- und Ausatmen sich selbst zu beruhigen.

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