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Angststörungen

26 Jun 2018 · 4 min lesezeit

Angst ist für niemanden ein unbekanntes Gefühl. Vor einer wichtigen Prüfung, einem Bewerbungsgespräch oder ähnlichem – Angst ist in diesen Situationen meist ein stiller Begleiter. So sehr wir in diesen Momenten der Angst hoffen, dass dieses Gefühl vorüber geht, wissen wir auch, dass sie ihren Zweck erfüllt, zum Beispiel gut vorbereitet in die Prüfung zu gehen. So hat die Angst vor allem in gefährlichen Situationen ihren Nutzen, da sie uns davor schützt uns in lebensgefährliche Situationen zu bringen. Verhaltenswissenschaftler sehen Angst als eine Anpassungsleistung an die Umwelt.

Doch nicht immer ist Angst natürlich und angemessen. Wenn sie uns im alltäglichen Leben übermäßig zur Last fällt und uns einschränkt, kann von einer Angststörung ausgegangen werden.

Psychologen teilen die Angst dabei in zwei Formen auf:

  • Die Angst ohne konkrete Ursache oder ohne erkennbaren Auslöser, und
  • Die Angst vor Objekten, oder Situationen

Was versteht man unter einer Generalisierten Angststörung (GAS)?

Wie der Name schon verrät, handelt es sich hier um eine generalisierte Angst, die sich auf nichts konkretes bezieht. Oftmals geht sie mit einer starken, unverhältnismäßigen Furcht vor zukünftigen, nicht vorhersehbaren Ereignissen einher. Aufrechterhalten wir die Generalisierte Angststörung durch die sogenannte Meta-Sorge. Diese beschreibt die Sorge vor der Sorge, welche Betroffene entwickeln, da sie spüren welch starken Einfluss die Angst auf ihr Leben hat. Daraus entwickelt sich die Angst, wieder in Angstzustände zu verfallen.

Panikstörungen

Unter Panikstörungen oder auch episodisch paroxysmalen Angst, ist eine Angst zu verstehen, die sich auf die Entstehung von Angstattacken richtet, quasi die “Angst vor der Angst”. Die meist unverhältnismäßige Angst richtet sich auf nichts konkretes, deshalb gehören Panikstörungen auch zu der Gruppe der Generalisierten Angst. Die plötzlich auftretenden Panikattacken werden meist von somatoformen Symptomen wie Herzrasen, Schweißausbrüchen, Atemnot und zittern begleitet.

Durch die körperlich auftretenden Störungsbilder haben Betroffene oftmals Angst zu sterben, was eine weitere Ursache für das Entstehen eines sogenannten Angstkreislaufes ist. Die Panikstörung kann genetisch bedingt sein und tritt meist vor dem 30. Lebensjahr auf. In der Regel sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Panikstörung?

Zudem klagen viele Betroffene über Symptome wie das Gefühl von Schwindel, Unsicherheit oder Benommenheit. Treten zudem Gefühle der Derealisation oder Depersonalisation auf, nehmen Erkrankte Objekte oder aber sich selbst als unwirklich wahr.

Nicht selten berichten Menschen, die an einer Depression, sozialen Phobie, Schizophrenie, Zwangs- oder Angststörung leiden, von gleichen Symptomen wie bei einer Panikattacke, jedoch reichen diese meist nicht aus um die Diagnose einer Panikstörung zu stellen.

Förderlich für die Entwicklung einer Panikattacke sind:

  • Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss
  • übermäßiger Kaffeekonsum
  • Herzprobleme, Schilddrüsenüberfunktion, Asthma oder Migräne

Wie wird eine Panikattacke empfunden?

Viele Betroffene werden während einer Panikattacke von der Angst geplagt, dass sie sterben oder verrückt werden, welche jedoch faktisch unbegründet ist. Die meist 5-15-minütige (maximal 30-minütige) Panikattacke wird aufgrund der “Todesangst” als länger wahrgenommen, jedoch ist das Empfinden einer Attacke in ihrer Länge und Intensität sehr individuell.

Agoraphobie

Die Agoraphobie bildet eine Untergruppe der Panikstörungen, jedoch ist sie meist an eine Situation gekoppelt: Das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln, das Betreten von Brücken oder Einkaufen gehen löst bei vielen Agoraphobikern Panik aus. Jedoch gibt es auch Fälle, bei denen die Agoraphobie nicht zwangsläufig an eine Panikstörung gekoppelt ist.

Dieser Personenkreis neigt eher zu Vermeidungsverhalten: die Dominanz der Meta-Sorge (siehe oben) bringt sie dazu, Situationen oder Orte zu meiden, die zu Panik führen könnten. Zudem versuchen sie nur in Begleitung in die Öffentlichkeit zu gehen, da sie meist Angst davor entwickeln, nicht ohne ein Gefühl von Peinlichkeit aus einer Situation zu gelangen, oder aber im Falle einer Panikattacke keine Hilfe erhalten könnten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Angst- Und Panikstörungen?

Bestandteil der Therapie ist es, nach Erfassung des angstmachenden Reizes, diesen abzukoppeln und damit umgehen zu lernen. Dazu strebt man eine Konfrontation mit der Angst an. Um sich an den Reiz anzunähern, wird in der Therapie eine sogenannte Angsthierarchie erstellt. Dafür werden Ängste und deren Ausmaß aufgelistet und nach Intensität bewertet, um sich langsam aber sicher an die Spitze vorzuarbeiten. Durch das Erleben kann eine Neubewertung des angstmachenden Reizes erfolgen. In der Therapie arbeitet man zudem an der verzerrten Wahrnehmung, von der viele Angstpatienten betroffen sind.

Die kognitive Verhaltenstherapie beinhaltet hilfreiche Methoden zur Behandlung von Angst- und Panikstörungen, zum Beispiel die kognitive Umstrukturierung des gedanklichen Angstkreislaufs. Dadurch lernen Betroffene ihre negativen Gedanken, welche teils für die Entstehung der Angst verantwortlich sind, umzustrukturieren:

Besteht beispielsweise die Angst vor einer Prüfung, wird daran gearbeitet aus dem dysfunktionalen Gedanken: „Ich werde vor lauter Angst und Nervosität sowieso durchfallen“, einen funktionalen Gedanken zu formulieren: „Aufregung und Nervosität ist vor einer Prüfung völlig normal, deshalb ist es okay, dass ich aufgeregt bin und etwas Angst habe, da mir das Bestehen sehr wichtig ist. Ich werde mein bestes geben.“ Da unser Denken unser Fühlen stark beeinflusst, wird durch das mehrmalige Üben solcher Denkprozesse die Angst aufgelöst.

Kognitive Interventionen sind auch förderlich, um die somatoformen Symptome wie Herzrasen oder Atemnot zu lindern. Da gerade Panikattacken von Atemnot begleitet werden, wird diese während der Therapie simuliert. Dazu dient die Übung, durch einen Strohhalm zu atmen. So entsteht eine Desensibilisierung der mit der Atemnot verbundenen Angst.

Bei der Behandlung einer Generalisierten Angststörung sind therapeutische Interventionen, welche auf die Behandlung zwischenmenschlicher Probleme und Gefühle zielt, besonders vielversprechend.

Eine medikamentöse Behandlung wird meist bei schwerwiegenden oder chronischen Angststörungen verordnet, um auch diesen Patienten eine Symptomlinderung zu ermöglichen.


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