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Depression

Depression: Warum Urlaub sie verschlimmern kann

23 Jul 2020 · 4 min lesezeit
von Felicitas Eva Lindner

Depressionen gehören in Deutschland zu den häufigsten und oft auch schwerwiegendsten psychischen Belastungen. Insgesamt erkranken rund 40 Prozent der deutschen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an einer Depression, das ist fast die Hälfte. — Frauen weit häufiger als Männer. Die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig, Urlaub gehört jedoch nicht unbedingt dazu.

Was ist eine Depression?

Depressionen betreffen viele Menschen im Laufe ihres Lebens. Die Erkrankung geht mit einem erheblichen Leid, das sowohl Betroffene als auch Angehörige betrifft, einher. Zur Diagnostik einer Depression müssen Symptome wie depressive Stimmung, Unfähigkeit zum Empfinden von Freude, Appetit- und Interessenverlust, Antriebslosigkeit und erhöhte Müdigkeit auftreten. Es ist jedoch wichtig, eine Depression von vorübergehender schlechter Stimmung abzugrenzen. Für das Vorliegen einer Depression müssen die Symptome über einen längeren Zeitraum vorliegen und Betroffene erheblich in ihrem Alltag einschränken. Diese Beeinträchtigungen können sich sowohl auf das physische und psychische Wohlbefinden, sowie das Sozialleben und das Leistungsvermögen auswirken.

Bei schweren Depressionen Urlaub meiden

Viele Menschen hoffen, im Urlaub entspannen, sich eine Auszeit nehmen zu können und so depressive Symptome mildern zu können. Doch Depressionen reisen mit. Oft kann es vorkommen, dass sich Depressionen im Urlaub eher verschlimmern als verbessern, was auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist.

  • Erwartungsdruck: Erwartungen an den Urlaub sind meist sehr hoch. Werden diese nicht erfüllt, kann das zu Frustration und einer Verstärkung der depressiven Symptome führen. Man nennt das den „Gebrochenes-Versprechen-Effekt”, entdeckt vom amerikanischen Soziologen Howard Gabennesch.
  • Unregelmäßiger Tagesrhythmus: Bei Depressionen ist es wichtig, sich an einen Rhythmus zu halten, um negativer Stimmung und Antriebslosigkeit entgegenzuwirken. Durch Jetlag, Ausschlafen oder einen unregelmäßigen und ungewohnten Tagesrhythmus, kann das persönliche Gleichgewicht schneller ins Schwanken geraten.
  • Anpassungsschwierigkeiten und ungewohnte Umgebung: Im Urlaub ist man nicht in seiner vertrauten Umgebung, ist ununterbrochen mit neuen Eindrücken und Erlebnissen konfrontiert. Es kann für Betroffene von psychischen Erkrankungen sehr schwierig sein, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Für manche Menschen ist es generell schwer, sich auf neue Situationen einzulassen. Der Fachbegriff dafür lautet „Neophobie” — die Angst vor Neuem.

Auch Schuldgefühle können ein Symptom einer depressiven Erkrankung sein. Vielen Betroffenen fällt es daher schwer, Urlaube oder Auszeiten zu genießen und diese tatsächlich zur Regeneration zu nutzen. Es kann durchaus helfen, Arbeitspensen zu verringern und den Fokus auf eine Verbesserung des Wohlbefindens zu legen. Doch auch hier gilt: Ungewohntes sowie Unregelmäßigkeit können die Symptome verschlimmern. Betroffene von Depressionen werden oft krankgeschrieben und auf Zeit von ihrem Job befreit. Es kann aber hilfreich sein, die gewohnte Tätigkeit — in geringerem Ausmaß — weiterzuführen, um die übliche Struktur sowie ein Gefühl der Sinnhaftigkeit beizubehalten.

Urlaub mit Depression: Was es zu Beachten gilt

Grundsätzlich gilt, dass Urlaub bei schweren Depressionen eher vermieden werden sollte. Betroffenen fällt oft schon das Bewältigen des Alltags schwer, eine Flut neuer Informationen und Aufgaben ist daher noch schwerer zu bewältigen. Sind die Depressionen jedoch schon abgeklungen, ist eine deutliche Besserung bemerkbar und fühlen sich Betroffene bereit für eine Reise, so kann die Auszeit durchaus auch positive Effekte haben. Dennoch gibt es einige Dinge, die beachtet werden sollten:

  • Medikamente: Nimmt man Medikamente zur Bekämpfung der Depression, sollten diese an keinem Tag ausgelassen werden. Es muss sichergestellt sein, dass eine ausreichende Menge zur Verfügung steht — auch im Fall des Verlustes eines Gepäckstückes. Es ist sinnvoll, die Urlaubspläne vorher mit einem Arzt abzusprechen.
  • Grenzen beachten: Es kann sich, sofern man bereit dazu ist, positiv auf das eigene Selbstwertgefühl auswirken, den Schritt zu wagen, einen Urlaub anzutreten. Es gilt jedoch, die eigenen Grenzen zu beachten. Vielleicht reicht zu Beginn ein Tagesausflug. Zeitraum und Destination können nach positiver Bewältigung immer weiter gesteigert werden.
  • Versicherung: Es kann vorkommen, dass die Reise aufgrund der Erkrankung nicht angetreten werden kann, weshalb das Abschließen einer Reiserücktrittsversicherung empfehlenswert ist. Auch ein Arztbesuch im Ausland kann notwendig werden, wofür eine Auslandsreisekrankenversicherung sinnvoll sein kann. Hierzu kann ebenfalls vorab mit einem Arzt oder der Krankenkasse gesprochen werden.

Das „Nach-Dem-Urlaub-Syndrom”

Nicht nur im Urlaub können Depressionen schlimmer werden, auch nach dem Urlaub können sie sich verfestigen oder sogar neu entstehen. Rund zwei Drittel der deutschen Bevölkerung leiden bei der Rückkehr ins Büro nach der Erholung unter dem sogenannten „Nach-dem-Urlaub-Syndrom”. Der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben fällt schwer, Überforderung stellt sich ein. Die Stimmung kann sogar schon in den letzten Urlaubstagen schlecht werden, wenn die Rückkehr in den Alltag nicht mehr weit ist. Hier ist es hilfreich, sich die ersten Tage zurück im Job nicht mit Arbeit zu überladen. Der Wiedereinstieg sollte strukturiert stattfinden, Pausen und Feierabend sollten eingehalten werden, um das Begünstigen von Depression und Burnout zu verhindern.

Therapiemöglichkeiten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Depressionen zu behandeln. Wie bei vielen psychologischen Belastungen gilt die kognitive Verhaltenstherapie auch bei Depressionen als die effektivste Therapiemethode. Gerade zu Beginn der Therapie einer Depression wird die psychotherapeutische Begleitung oft durch die Gabe von Medikamenten ergänzt.

Ein Artikel von

Felicitas Eva Lindner Redakteurin · Content Managerin

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